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Von anatolischen Geparden, Çiğ Köfte und schneebedeckten Bergen

Gestern habe ich mich bereits gewundert, warum google sich gewünscht hat, dass ich meine Meinung zum Prof. Dr. Ali Demirsoy Doğa Tarihi Müzesi abgebe. Ich habe doch keine Ahnung, was das ist. Bis Achim gestern Abend entdeckte, dass es sich dabei um ein Naturkundemuseum handelt. In Sichtweite unseres Stellplatzes. Es macht um Neun auf und wir wollen es uns anschauen.

Es ist in der örtlichen Mittelschule untergebracht und dem türkischen Biologen Ali Demirsoy, der in Kemaliye geboren und aufgewachsen ist, zu verdanken. Zeit seines Lebens sammelte er Fossilien, Mineralien, Flechten, aber auch Schlangen, Schmetterlinge, Insekten sowie Skelette von großen und kleinen Tieren.

Ein Wärter sperrt den Raum, in dem die Sammlung untergebracht ist, für uns auf und begleitet uns durch die Ausstellung. Sein Englisch ist so rudimentär wie mein Türkisch, aber mit Hilfe des digitalen Übersetzers erläutert er uns die Herkunft und Besonderheiten der Fundstücke.

Wir bewundern außergewöhnliche Schnecken, bunte Seesterne, das Skelett eines Igels und das Fell eines anatolischen Geparden aus Erzincan. Oh, das ist unsere nächste Station! „Be careful!“, scherzt der Wärter.

Den Anatolischen Leoparden gibt es noch, allerdings ist er vom Aussterben bedroht. Lange Zeit galt er als verschollen, doch neuere Sichtungen und Kamerafallen-Aufnahmen (zuletzt 2024) bestätigen sein Überleben in der Türkei. Experten schätzen, dass noch etwa 10–15 Exemplare in freier Wildbahn leben.

Dann begleitet uns unser freundlicher Führer noch zum Skelett eines indischen Elephanten, der 1999 starb und der Universität in Ankara geschenkt wurde. Es ist wohl Prof. Demirsoy zu verdanken, dass er in die Pausenhalle der Schule in Kemaliye umzog.

Ab und zu fragen wir uns auf Reisen: „Was mache ich hier eigentlich? Wäre ich jetzt nicht doch lieber zuhause?“ Etwa wenn es draußen kühl, grau und nass ist. Dann wiederum haben wir herzliche Begegnungen, entdecken etwas Interessantes oder werden mit schönsten Ausblicken beschenkt und wissen wieder, warum wir so gern reisen.

Einen Gepard haben wir im 150 Kilometer entfernten Erzincan nicht gefunden, wohl aber einen Çiğköfteci, der uns leckere Bulgurbällchen serviert, uns zu Ayran und Tee einlädt, uns nicht bezahlen lässt und uns obendrein noch eine große Tüte mit Çiğköfte für heute Abend mitgibt. Unfassbar!

Çiğ Köfte haben eine charakteristische Form, die durch das Kneten mit den Fingern entsteht; sie werden gegessen, indem man sie mit einem Salatblatt aufnimmt und sie zusammen mit etwas Soße in dieses Blatt einwickelt oder, wie in unserem Fall, in ein Wrap. Früher wurden sie mit magerem rohen Hackfleisch gegessen, heute ist in der Gastronomie nur noch die vegetarische Variante mit Bulgur erlaubt. Gewürzt wird mit Zwiebeln, Knoblauch, scharfer Paprikapaste, Tomatenmark, Zitrone, Kreuzkümmel, Pfeffer, Salz, Granatapfelsirup und gemahlenem Koriander. Zuletzt kommen frische Minze oder Petersilie hinzu.

Dann erwischt uns nochmal der Winter. Die Berge um uns herum sind voller Schnee, das Thermometer zeigt zwei Grad, wir sind aber auch auf 2000 Meter.

Wir übernachten bei 4 Grad auf 1600 Metern und nehmen innerlich schon mal Abschied vom Taurusgebirge. Denn morgen fahren wir hinunter ans Schwarze Meer.