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Auf der Pirsch

„Ihr müsst unbedingt in die Sierra Andujar“, riet uns Pedro, ein Naturfilmer, den wir bei den Kranichen getroffen haben. „Mit etwas Glück könnt Ihr dort Adler und Luchse sehen“. Wir waren jetzt von so vielen Glücksvögeln umgeben, vielleicht hilft das ja. Wölfe werden wir kaum sehen, aber die soll es dort auch geben.

Die Sierra Andujar gilt als eines der bedeutendsten Verbreitungsgebiete des  so genannten Pardelluchses. Es leben hier etwa 180 Tiere dieser extrem seltenen und nur auf der iberischen Halbinsel vorkommenden Raubkatzenart. Auch der spanische Kaiseradler ist hier heimisch. Als guten Beobachtungsspot empfiehlt Pedro die Staumauer am Fluss Jandular.

Unsere Route führt auf einer kleinen Straße mitten durch den Naturpark dorthin. Weil’s so schön ist, fahren wir die ersten zwölf Kilometer gleich mal doppelt. Ehrlich? Nicht wirklich. Vor lauter Begeisterung, wieder in die Berge zu kommen, hat keiner beim Verlassen der Autobahn daran gedacht, den Treibstoffstand zu überprüfen. Und nach zwölf Kilometern Bergsträßchen piepst unser Auto laut und vernehmlich… 80 Kilometer liegen (ohne Tankstelle) noch vor uns. Das ist uns zu heikel und wir fahren wieder runter ins Tal.

Beim zweiten Mal haben wir Muße, uns das kleine weiße Dorf El Centenillo genauer anzuschauen. Winzig klein, aber mit vier  Restaurants.

Einige Kilometer hinter dem Dorf gibt es wiederum einen überraschend großen Picknickplatz. Es scheint hier in der Saison einiges an Tourismus zu geben. Für uns ist es ein guter Platz für die Mittagspause.

Die Touristen, die hierher kommen, müssen Wanderer oder Mountainbiker sein. Jedenfalls keine Automobilisten, denn die Straße ist auf den ersten 20 Kilometern fürchterlich. Ein Schlagloch neben dem nächsten. Dann wird sie zu einer Staubpiste. Das geht ganz gut und ist schon mal eine gute Übung für Marokko.

Ab und an gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit großartigem Panorama.

Ansonsten umgibt uns Wald mit Eichen, Olivenbäumen, Eukalyptus und Kiefern. Ich lese im Internet, dass dies die waldreichste Gegend Spaniens ist. Und dann die erste Sichtung! Kein Wolf, kein Luchs, kein Adler, aber vier stattliche Hirsche. Immerhin. Die haben wir lange nicht mehr gesehen.

Dann verdichten sich die Anzeichen. Die Autofahrer werden gebeten, langsam zu fahren (ha, ha, schneller als 20/30 kmh geht hier eh nicht), da hier Luchse die Straße queren können. Heute nicht. Leider.

An der Staumauer angekommen erspähen wir ein paar Leute, die durch ihre Ferngläser und Spektive spähen. Und ja, hoch oben am Himmel sehen wir erst einen, dann noch weiter weg, drei Adler.

Und weil es hier gar so schön ist, parken wir den Bus am Ufer des Flusses und richten uns für die Nacht ein.

PS: Beim Frühstück am nächsten Morgen sagt mein Liebster zu mir; „Mit den Luchsen ist es wie mit der besten Ehefrau – die kann man nicht suchen, die muss man finden.“ Hach 🥰.