Schlagwort-Archive: Ihlara-Tal

Nach Kappadokien

Null Grad lese ich auf dem Handy, als ich um Sechs wach werde. Im Bus ist es kuschelig warm, im Bett sowieso. Für den Rest des Tages ist Sonne angesagt, bis zu 18 Grad. Passt doch.

Nach dem Frühstück erkunden wir erst einmal die unmittelbare Gegend und ja, die Reisenden bei Park4Night haben nicht übertrieben: Dies ist ein weiterer sensationeller Platz.

Wir sind 1600 Meter hoch und umgeben von den schneebedeckten Dreitausendern des Antitaurus. 40 Meter neben uns der Kazıklıali-Canyon, ein beliebter Treff für Kletterer.

Dann nehmen wir die letzten hundert Kilometer bis ins Ihlara-Tal unter die Räder. Wir finden einen zentrumsnahen, ruhigen Parkplatz und machen erstmal Brotzeit, ehe wir zu unserer Erkundungstour aufbrechen.

Der „Grand Canyon“ der Türkei erstreckt sich über etwa 14 Kilometer zwischen den Orten Ihlara im Südosten und Selime im Nordwesten. Er wird vom Fluss Melendiz durchzogen, der die gesamte Region bewässert. Die steilen Felswände links und rechts des Stroms erreichen an einigen Stellen Höhen von bis zu 150 Metern.

Dank des Flusses entstand nach und nach diese fruchtbare, grüne Oasen-Landschaft inmitten der sonst sehr trockenen, fast schon steppenartigen kappadokischen Steinlandschaft.

Das Ihlara-Tal diente zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert als wichtiger Rückzugsort für frühe Christen, die vor römischer Verfolgung und später arabischen Überfällen flohen. Mönche gruben zahlreiche Höhlenkirchen und Wohnräume in den Tuffstein, wodurch ein bedeutendes, verstecktes klösterliches Zentrum entstand.  So entstanden rund 105 Felsenkirchen und viele Wohnhäuser, die teils heute noch zu besichtigen sind.

Gemeinsam mit dem Fluss schlängeln wir uns vier Stunden lang durch das Tal. Wenn wir uns eine Kirche anschauen wollen, müssen wir über Felsstufen und Holztreppen hoch zum Fels. Es gibt sie in vielen verschiedenen Größen, teilweise sind die Fresken gut erhalten und man kann die christlichen Geschichten, die sie erzählen, nachvollziehen. Obwohl Ihlara zu den touristischen Hotspots in Kappadokien zählt, ist außer uns kaum jemand unterwegs.

Müde aber glücklich kommen wir am frühen Abend zurück zu den Bussen, die wir auf einem sehr ruhigen Parkplatz im Zentrum abgestellt haben. Abendessen machen und ab ins Bett.