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Istanbul, du Schöne

Ich war schon so oft hier, dass ich nichts mehr besichtigen muss sondern einfach meine Lieblingsorte besuchen darf. Was wir heute vorhaben. Aber erstmal werden in beiden Bussen die Wasservorräte erhitzt und dann dezimiert – nach fast einer Woche auf Reisen ist mal wieder eine Dusche fällig. Frisch gewaschen und gekämmt (geschnäuzt und kampelt, wie der Bayer sagt) treffen wir uns zu einem gemütlichen Osterfrühstück in unserem Bus. Von zu Hause haben wir einige Leckereien dafür mitgenommen.

Aber dann geht es endlich los.

Wie bereits gestern Abend erstmal zur Blauen Moschee und zur Hagia Sophia. Heute ist hier ordentlich Betrieb.

Weiter geht es bei bestem Osterwetter, Sonne und 15 Grad, in den Gülhane-Park, um die schönen Tulpenbeete zu bewundern, gemeinsam mit vielen Sonntagsausflüglern.

Am Goldenen Horn angekommen werfen wir den ersten Blick auf Galata mit seinem berühmten Turm und meiner heiß geliebten Brücke.

Hier gibt es einen Pflichttermin: Fischbrötchen essen und ein Efes (hiesiges Bier) trinken.

Von hier aus geht es hoch zur Süleymaniye, einer weiteren von Sinan erbauten Moschee.

Und wieder runter zum Ägyptischen Bazar, dem Gewürzbazar, in dem dich die Düfte von verschiedenen Currys, Rosenseife, Zimt, Minze Kardamom betören und es ganz hinten rechts den Stand mit den besten Cevriye gibt. Äh, gab. Es.gibt,ihn. nicht. mehr.

Das ist natürlich nicht das Einzige, das sich in den letzten Jahren verändert hat. Schon gestern Abend war ich sehr über eine Verschlimmbesserung im Arastabazar, einem bisherigen Lieblingsplatz, enttäuscht: der Teegarten, in dem wir immer Tavla (Backgammon) gespielt haben, wurde wintergartenmäßig eingehaust. Für meinen Geschmack recht unschön. Nun gibt es einen Lieblingsplatz weniger in Istanbul.

Weiter geht es über die Galatabrücke rüber nach Galata. Wir sind fußlahm und nehmen das erstbeste Café am steilen Treppenaufgang. Hier gibt es für mich den ersten türkischen Kaffee, begleitet von Edith Piaf, denn wir sitzen im Café Amélie. Ob wir es überhaupt noch zum türkischen Konditor Özsüt mit seinen Bavarua schaffen?

Ja, wir kommen bis dort, müssen aber auch hier feststellen, dass es Veränderungen gibt. Dieses Café ist auch nicht mehr da. Wir kehren um, fahren mit dem Tünel, einer unterirdisch verlaufenden Standseilbahn zurück Richtung Galatabrücke, wo dieser Abend ein jähes Ende nimmt: ich rutsche auf einer Plastikkapsel aus, lande in einem Spagat auf dem Boden und zerre mir ganz fies den Oberschenkel. Ich schaffe aber noch ein Abendessen und den Heimweg. Jetzt eine Ibu und ab ins Bett.

PS: Die insbesondere von Achim so geliebten Bavarua sind feine Törtchen, die von einem dünnen Schokokranz umfasst und mit verschiedenen Crèmes und Früchten gefüllt sind.

Von Edirne nach Istanbul

Der Ruf des Muezzin weckt mich um viertel vor Sechs. Zu früh. Ich dreh mich nochmal um. Gestern sind wir nach Mitternacht ins Bett, weil wir unsere Ankunft in der Türkei feiern mussten und Achim noch zu einem nächtlichen Fotoshooting loszog.

Die Selimiye-Moschee, von überall in Edirne sichtbar, besticht durch ihre vier eleganten Minarette, die höchsten der Türkei, und die prächtige Kuppel. Sie ist ein einzigartiges Bauwerk von Mimar Sinan, einem der berühmtesten Architekten der Weltgeschichte. Weltkulturerbe ist das Gebäude seit 2011.

Der Bau begann 1568 im Auftrag von Sultan Selim II. und dauerte sieben Jahre. Tausende von Menschen arbeiteten unermüdlich an der Fertigstellung der Moschee, die 1575 abgeschlossen wurde. Sie gilt als das bedeutendste Werk osmanischer Architektur, und Mimar Sinan selbst bezeichnete sie als sein „ Meisterwerk “.

Nach dem Besuch der Moschee spazieren wir durch die Altstadt. Simkarten und Bargeld besorgen, einen ersten Çay, türkischen Tee, trinken, durch den Bazar bummeln.

Die Stadt mit ihren repräsentativen Moscheen, den alten überdachten Märkten und kleinen Straßen mit zahlreichen Cafés und Lokalen gefällt uns sehr gut. Kurz überlegen wir, ob wir einfach noch eine Nacht hier bleiben, aber dann lockt doch Istanbul. Edirne war übrigens vor Istanbul die Hauptstadt des Osmanischen Reiches.

250 Kilometer müssen wir fahren, über die Autobahn ist das aber kein Problem. Um kurz vor Sieben sind wir am Ziel: ein bewachter Parkplatz hinter der Blauen Moschee. Istanbul, meine Lieblingsstadt.

Da wir zu Mittag schon die leckeren Edirne Köfte genossen haben, gibt es am Abend etwas aus der Bordküche. Hiesige Leckereien wie Fischbrötchen auf der Galatabrücke oder Bavarua vom Özsüt gibt es morgen (sowie die Erklärung, was das denn ist.)

Nach dem Abendessen bummeln wir noch ein bisschen durchs Viertel, Arastabazar, Blaue Moschee, Hagia Sofia. Zum Aufwärmen kaufe ich mir ein heißes Sahlep, ein Milchgetränk mit Orchideenwurzelextrakt. Zimt obendrauf. Bei nur noch zehn Grad sehr wohltuend.

Unser Parkplatz hat sich inzwischen geleert, wir sind die einzigen Camper. Am Ausgang ein Sicherheitsmann, auf dem Nachbargrundstück die Bereitschaftspolizei. Da kann uns nichts passieren 😄.