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In der Luft

Um 5.08 Uhr wird der Ballon ausgerollt. Die Crew bläst Luft hinein, der Stoff bläht sich auf. Dann muss es schnell gehen, denn wir sind noch an unserem Truck befestigt und den sollten wir besser nicht auch noch mit in die Höhe nehmen. Wir vier und noch so um die 20 Leute klettern über eine Minileiter in den Korb. Dann heben wir ab. Langsam dämmert es.

Schnell sind wir auf 500 Meter. Unter uns die Lichter der Stadt, um uns herum viele Ballone. Wir fahren auf eine Felswand zu, scheinbar im letzten Moment lässt der Pilot heiße Luft in den Ballon und wir steigen hinauf. Schweben. Staunen.

Und es geht wieder hinunter. Die Apfelblüten unter uns sind zum Greifen nah. Lautlos gleiten wir über die zerklüftete Landschaft. Um kurz nach Sechs geht die Sonne auf. Andächtiges Schweigen an Bord.

Wir genießen die Stille, die uns umgibt, lediglich unterbrochen vom Zischen des Gases, mit dem unser Kapitän sporadisch für einen Hitzeschub im Ballon sorgt. Auch wir bekommen von der Wärme etwas ab, was bei 7 Grad sehr angenehm ist.

Nach knapp einer Stunde sinken wir. Unsere Begleitfahrzeuge kurven um uns herum, der beste Landeplatz wird gesucht. Wir waren schon gleich zu Anfang instruiert worden, wie wir uns während der Landung zu verhalten haben. Als des Piloten Stimme energisch ruft: „Landing position!“ hocken wir uns alle hin und halten uns an den Griffen fest (gar nicht so einfach mit einem gezerrten Muskel). Rummmms, setzen wir auf.

Binnen weniger Minuten gelingt es dem Team, wie wir es gestern schon bei anderen beobachtet hatten, unseren Korb auf einen Anhänger zu hieven. Präzisionsarbeit. Applaus für den Piloten und die Crew.

Mit einem Glas „Champagner“ (alkoholfreie rote Limo?) und einem schönen Zertifikat endet unser Abenteuer.

Oh, doch nicht ganz. Kann man die Heimfahrt mit einem singenden und am Steuer tanzenden Busfahrer auch noch als abenteuerlich bezeichnen? Lustig war’s auf jeden Fall.

Später, nach einem ausführlichen Nachspüren und Frühstück mit Aussicht machen wir uns auf den Weg nach Osten. 250 Kilometer sind es bis zum Landschaftsschutzgebiet Șuğul bei Gürün.

Kurz nach dem Start stoppen wir allerdings schon wieder. Auf der alten Seidenstraße gibt es so viele Karawansereien. Diese hier heißt Sarıhan und wird gerade von einem Brautpaar als Fotokulisse genutzt.

Nachdem wir den Großraum Kayseri verlassen haben, heißt es: „Fahren Sie 140 Kilometer geradeaus! „

Da wir eine sehr ausführliche Pause inklusive Mitttagsschläfchen am Fluss Zamantı machen, kommen wir nach einer windgebeutelten Fahrt erst um  halb Sieben an unserem Tagesziel im Șuğul-Tal an. Meist führt uns die Straße über 1600 Höhenmeter, der höchste Punkt, den wir befahren, ist auf 1900 Metern. Rechts und links liegen Schneereste, die Berge sind kahl. Es gibt kaum noch Ortschaften. Wir brauchen noch Salat fürs Abendessen. „Auf 100 Kilometern wird es ja wohl noch einen Supermarkt geben“, meint Achim. Hier nicht. Hier lebt ja auch kaum einer. Dann gibt es die Nudeln mit Thunfischsauce halt ohne Salat.

Kurz vor Gürün biegen wir links ab und erreichen nach drei Kilometern den Besucherparkplatz fürs Landschaftsschutzgebiet Șuğul. Zahlreiche Picknickpavillons laden zum Verweilen ein. Im Sommer ist hier bestimmt einiges los.

Der Şuğul Canyon wurde maßgeblich vom Fluss Tohma Çayı geformt. Der glasklare Fluss hat sich tief in die Felsen des Taurus-Gebirges gegraben und bildet dort eine Schlucht mit Wasserfällen und Terrassen.

Ein neu angelegter Spazierweg verlockt uns zu einem kleinen Abendspaziergang. Wenn das Wetter es zulässt, wollen wir die Gegend morgen etwas näher erkunden.