Schlagwort-Archive: Marokko

11. Stopp: Ouijjaane via Tiznit

Noch einmal geht es 80 Kilometer weiter nach Süden. In die Silberstadt Tiznit. Der alte Teil ist komplett von einer zinnenbewehrten Mauer aus rötlichem Lehm umgeben, durch mehrere Tore kann man ihn betreten.

Auf Plätzen und Straßen, unter Arkaden und in Gassen werden vielerlei Waren angeboten. Endlich finde ich ein Nudelholz, klein genug, um im Bus mitreisen zu können, und einen Teekessel. Grüner Tee und frische Minze, Datteln, Erdbeeren und Gemüse wandern in die Einkaufstasche.

Da wir in der Silberstadt sind und ich in zwei Wochen Geburtstag habe, darf ich mir ein besonderes Schmuckstück aussuchen (ein Foto hiervon gibt es erst Ende des Monats).

Es ist heiß geworden, bei unserem Spaziergang durch die Stadt suchen wir die Schattenseiten der Straßen. Nach einem Kaffee und ein paar Keksen sind wir wieder fit und machen uns auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Als erstes stoßen wir auf die „Source bleu“, die blaue Quelle, eine große Brunnenanlage. Heute ist wenig Wasser drin, laut Reiseführer sollen sich hier die Jungs im kühlen Wasser tummeln auf der Suche nach Münzgeld, das von Touristen in die Quelle geworfen wurde. Nichts davon ist aktuell zu sehen.

Ein paar Schritte weiter finden wir die Kasbah von Aghanaj, eine imposante Festung aus dem 19. Jahrhundert, und die große Moschee. Charakteristisch für diese Moschee ist das Minarett, das mit hölzernen Querstangen versehen ist. Ähnliche Minarette gibt es auch in Mali und im Niger und es heißt, dass Sklaven aus diesen Regionen die Moschee von Tiznit erbauen mussten.

Wir verabschieden uns von Tiznit und der Küstenregion und brechen auf ins Landesinnere in Richtung Osten. Unser Ziel ist Tafraoute im Anti-Atlas. Kaum haben wir Tiznit verlassen, ändert sich die Landschaft. Sie ist trocken, eine Halbwüste, in der Ferne sehen wir die ersten Berge.

Rund 20 Kilometer hinter Tiznit biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab und fahren noch etwa 7 Kilometer über eine einspurige gut asphaltierte Straße. Dann erreichen wir den Weiler Ouijjane und den Campingplatz Sous les palmiers bleus, idyllisch in einem Palmenhain gelegen. Morgen werden wir diese Oase noch ein wenig näher erkunden, ehe wir uns auf den Weg durch die Berge nach Tafraoute machen.

10. Stopp: Sidi Wassay

Es ist fast dunkel, als wir auf dem Campingplatz in Sidi Wassay, rund 60 Kilometer südlich von Agadir, ankommen. Der Platz ist terrassiert und wir stellen die Busse auf einer der oberen Ebenen ab. Am nächsten Morgen sind wir hin und weg von der Aussicht, die sich uns bietet. Blauer Himmel, blauer Atlantik, der mit weißer Gischt ans Ufer schlägt, blauer Pool, sandfarbene Dünen. Normalerweise bin ich kein Fan von Kunstrasen, aber hier bietet er rundum das Schwimmbecken den grünen Farbtupfer.

Natürlich frühstücken wir draußen. Bis wir Frühgymnastik und Schwimmen absolviert haben, ist es zehn Uhr durch und wir haben sehr angenehme 22 Grad.

Dann packen wir die Rucksäcke und machen uns auf zu der in unserem Reiseführer empfohlenen Zehn Kilometer-Wanderung in den Nationalpark Souss-Massa. Sie geht direkt am Campingplatz los, einfach drei Kilometer rechts rum am Strand entlang. Wir ziehen die Schuhe aus und planschen im Wasser herum. Am Strand ist einiges los. Kinder und junge Männer spielen im Sand, Familien haben sich Windmuscheln aufgebaut und kochen Tee, bei manchen sehe ich Tajines vorm Zelt stehen. Wir sind wiederum die einzigen Touristen hier. Der März scheint eine gute Reisezeit zu sein.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den Fluss Oued Massa, der hier ins Meer mündet. Wir können ihn trockenen Fußes queren, weil er, wie wir später von einem Wächter erfahren, auf den letzten Metern unterirdisch verläuft. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses finden wir das nördliche Eingangstor in den Nationalpark. Auf den Sandinseln im Flussdelta lassen sich Löffler (vor wenigen Tagen wusste ich noch nicht mal, dass es diese Vögel gibt. Jetzt erkenne ich sie sogar. Ich sag ja immer: Reisen bildet), Graureiher, Flamingos und auch ein Seeadler durchs Fernglas bewundern.

Es gibt überdachte Beobachtungsstände, daneben Infotafeln über Flora und Fauna.  Wir lernen, dass hier außerdem eine sehr seltene kahlköpfige Ibis-Art lebt. Natürlich wollen wir einen Blick auf diese besonderen Tiere erhaschen. Und tatsächlich: nach längerer Suche und einigem Fehlalarm entdecken wir zwei große Gruppen auf einer Sandbank. Sie stehen zu weit weg, um sie mit unseren Kameras zu fotografieren. Achim ist so begeistert, dass er am nächsten Tag gleich nochmal mit seinem Spektiv wiederkommt.

Wir anderen machen uns dagegen einen gemütlichen Tag mit viel Nichtstun. Muss auch mal sein. Bisschen Wäsche waschen, lecker Kochen, Boule spielen und natürlich die Aussicht genießen. Das reicht. Herrlich so ein Tag.

Achim hat die Tage in Sidi Wassay hier beschrieben

Neuland

Nicht vorenthalten möchte ich Euch diesen Blogbeitrag meines Liebsten, in dem er unsere Reisestationen Oualidia, Safi, Essaouira beschreibt und dann die weitere Fahrt über Agadir hinaus:

Nachdem wir Oualidia verlassen haben, einen unserer Lieblingsorte bisher, ist es zum ersten Stopp nicht weit. Safi ist eine oder besser gesagt DIE Töpferstadt in Marokko. Der Ton wird nur sechs Kilometer entfernt abgebaut und hier seit ewigen Zeiten verarbeitet. Es ist Freitag, da wird nur bis mittags gearbeitet. Wir haben aber Glück: ein Töpfer […]

Neuland

Achter Stopp: Die Lagune von Oualidia

Zum Frühsport heute Morgen habe ich liebevolle Hundebegleitung. Aufmerksam und sehr zutraulich beäugt der kleine Kerl mein Tun. Überhaupt gibt es hier etliche Hunde und Katzen, die uns regelmäßig am Bus besuchen. Sie sind wohlgenährt, von den Tischen der Camper fällt wohl reichlich für sie ab. Den normalen Straßenhunden, derer es hier sehr viele gibt, geht es da nicht so gut. Sie sind oft abgemagert. Einige Camper haben Hundefutter an Bord und füttern immer mal wieder die Tiere am Wegesrand. Wir haben in den letzten Tagen zweimal auch Einheimische gesehen, die mit großen Säcken voller Fleischresten kamen und die Straßenhunde gefüttert haben.

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns fertig zu einem Spaziergang an die Lagune von Oualidia. Wie schon bei unserem letzten Besuch umfängt uns auch heute der Seenebel. Dadurch sind die Fotos nicht farbintensiv sondern eher wie aquarelliert. Aber die Stimmung ist magisch wie beim ersten Mal.

Der Ort liegt oberhalb einer Bucht, die von einem langgezogenen Riff eingerahmt wird. Hier und da gibt es Lücken, durch die das Meer heranbraust. Am Strand bieten die Fischer Austern an, die hier gezüchtet werden. Der Fang der letzten Nacht wird verkauft oder gleich an Ort und Stelle gegrillt und gegessen.

Ein Mann kommt vorbei: ob wir nach dem Essen vielleicht einen Kaffee möchten. Oh ja, sehr gern! Überraschung: er hat ihn mit Zimt und Kardamom gewürzt. Sehr lecker.

Eine weitere Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist, die (im Moment wenigen) Touristen durch die Gegend zu schippern. Das wollen wir heute nicht. Wir spazieren über den Strand die Bucht entlang zu dem schönen Hotel, in dem wir letztes Mal gewohnt haben, finden es auch und genießen Tee und beste Aussicht mit Seenebel.

Dann laufen wir hoch in den Ort, denn wir müssen noch einkaufen. Die Preisgestaltung ist interessant. Brot, Obst und Gemüse sind sehr preiswert, Eier sind im Verhältnis mit 22 Cent recht teuer, wohingegen die Merguez, typisch gewürzte Würstchen, mit 5 Euro das Kilo wiederum recht günstig sind. Ich kaufe noch Couscous und grünen Tee, dann machen wir uns auf den Heimweg.

Am Abend kommt Ali mit den vormittags bestellten Hühnchen-Gemüse-Tajines vorbei. Seine Frau kocht, er kümmert sich um Aquise und Lieferung. Er spricht fließend Deutsch und Französisch (was nicht mehr alle MarokkanerInnen tun, obwohl Französisch noch eine der Amtssprachen ist) und hat eine unaufdringliche Art, seine Produkte zu bewerben. Ich glaube, er und seine Frau betreiben ihr Geschäft sehr gut. Unser Abendessen ist köstlich, wir sitzen draußen und sehen einmal mehr der Sonne beim Untergehen zu.

Hier könnt Ihr Achims Blogbeitrag lesen.

Siebter Stopp: Oualidia via El Jadida

Es gibt in meinen Augen nicht vieles, was schöner ist als am Strand aufzuwachen, das Meer zu hören und dann gleich einen Spaziergang zu machen. So beginnt unser Tag heute und es ist einer dieser Glücksmomente, die mich innehalten und darüber nachdenken lassen, wie gut es mir geht. Und dann steht kurz vor Sonnenaufgang auch noch der Vollmond am Himmel und die Möwen genießen vor unserem Bus die ersten Sonnenstrahlen.

Uns ist das Brot ausgegangen, deshalb gibt es Cornflakes und eine der riesigen süßen Orangen, die hier überall verkauft werden, zum Frühstück. Wir wördeln und SZ-rätseln, machen Morgentoilette und fegen den Bus aus und schon ist es elf und wir machen uns auf ins 70 Kilometer entfernte El Jadida. Hier waren wir vor ein paar Jahren schon mal für einige Tage mit unseren lieben Freunden Angie und Ralf. Damals war WM und wir schauten eins der Deutschlandspiele in einer Kneipe. Es waren viele Einheimische da, die zu Anfang recht neutral waren. Nachdem wir uns bei ein paar Spielzügen als deutsche Fans geoutet hatten, bekamen wir bald Unterstützung von den Männern um uns herum – und gewannen das Spiel. Fröhliches Abklatschen allenthalben war angesagt.

El Jadida ist eine sehr alte Stadt. Große Bedeutung hatte sie im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen hier eine Festung errichteten, die sie fast 150 Jahre lang unter dem Namen Mazagan betrieben. Große Teile der Anlage sind noch erhalten und die Cité Portugaise gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe.

Es gibt ein, zwei Straßen, in denen Souvenirs angeboten werden, ansonsten schlendert man durch Wohnviertel, in denen Kinder Fußball spielen, Frauen Tabletts mit Brot- und Kuchenteig durch die Gassen zum gemeinsamen Backofen tragen oder ihre Wäsche aufhängen.

Inzwischen ist es eins geworden und wir haben Hunger. Ein Lokal wirbt mit seiner Dachterrasse, wir klettern drei Stockwerke hinauf und blicken über die Dächer der alten Stadt auf den Atlantik.

Wir bestellen zwei Tajines, eine der beiden marokkanischen Nationalspeisen (die andere ist Couscous). In den dafür typischen Tongefäßen wird uns geschmortes Gemüse in dem einen und kleine Hackfleischbällchen mit Sauce und einem Ei in der Mitte in dem anderen serviert.

Mit Milchkaffee, Pfefferminztee und Trinkgeld zahlen wir 16 Euro und laufen hochzufrieden entlang der großzügig angelegten Uferpromenade zurück zum Bus.

Während auf der Strecke zwischen Casablanca und El Jadida ziemlich schicke Wohnanlagen den Weg säumten (bestimmt dienen viele davon als Wochenend- und Sommersitz für gut situierte Großstädter), fahren wir jetzt durch Industriegebiete. Südlich von El Jadida ist das Zentrum der Düngemittelherstellung und des Phosphatexports.

Doch auch das hat ein Ende und bald fahren wir auf einer kleinen Küstenstraße durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Rotkohl und Kartoffeln kann ich im Vorbeifahren erkennen. Wir machen noch eine kurze Kaffeepause am Straßenrand, kaufen Brot und Tomaten ein und erreichen nach insgesamt 100 weiteren Kilometern Oualidia.

Der Ort liegt an einer Lagune, wo wir ebenfalls schon einmal wunderbare Tage mit Spaziergängen, Bootsfahrt, Austernverkostung (ui, gar nicht meins) und Boulespielen verbracht haben.

Damals wohnten wir in einem herrlichen Hotel inmitten vieler blühender Blumen direkt am Meer. Diesmal sind wir ein bisschen außerhalb auf einem Campingplatz. Meerblick haben wir aber auch. Morgen bleiben wir noch hier und erkunden Ort und Lagune.

Zu Achims Blogbeitrag geht es hier

Wasser, Wald und ein Park: von Moulay Bousselham über Sidi Boughaba und den Jardin de Bouknadel nach Sidi Rehal

Gut, dass Mansour den Kosmos Vogelführer an Bord hat. So erfahren wir, dass die weißen Vögel mit den gelben Kopffedern Löffler heißen. Auffällig ist ihr langer Schnabel, der wie ein Löffel geformt ist. Es ist das erste Mal in unserem Leben, dass wir diese Vögel, die etwas kleiner als Graureiher sind, sehen, obwohl sie auch an der Nordsee beheimatet sind. Jetzt schippern wir für eineinhalb Stunden mit Mansour auf seinem Boot Pelikan durch die Lagune von Moulay Bousselham und erspähen Watvögel, Austernfischer, Pelikane, Regenpfeifer, Möwen und einen Eisvogel. Eine solche Vielfalt und Vielzahl von Vögeln hatten wir uns gar nicht erhofft.

Als wir am Nachmittag zuvor in dem kleinen Fischerort Moulay Bousselham eintrafen, erkundeten wir die Lage erstmal zu Fuß. Bis vor Corona gab es hier einen Campingplatz in der Nähe des Hafens. Den wollten wir uns anschauen, denn wir hatten erfahren, dass man sich vor dem mittlerweile geschlossenen Platz für eine Nacht mit dem Camper hinstellen kann. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir die Stelle und der erste, der uns fand, war Mansour. Schnell wurden wir uns wegen einer Bootsfahrt am nächsten Tag einig und meine Frage, ob wir hier wohl parken könnten, bejahte nicht nur er sondern auch einer der hier aktiven Parkwächter umgehend.

Am Abend stießen noch Dorothee und Alain, Freunde und Nachbarn aus der Heimat zu uns, die zeitgleich auf ähnlicher Route in Marokko mit ihrem Bus unterwegs sind.

Sie hatten die gute Idee, nach der Bootsfahrt in Moulay Bousselham an den etwa hundert Kilometer weiter südlich gelegenen See Sidi Boughaba im gleichnamigen Naturreservat zu fahren. Mitterweile ist es hier richtig frühlingshaft und wir decken draußen für eine kleine Kaffeerunde mit am Vortag gebackenem Apfelkuchen. Aber dann tun wir was für die Kalorienreduktion und wandern etwa zwei Stunden durch den Wald.

Am Abend stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem Botanischen Garten Jardin Exotique de Bouknadel, den wir am nächsten Morgen besuchen wollen. Der Nachtwächter hat keine Einwände und so hocken wir uns zu viert in unseren Bus und bereiten ein improvisiertes Abendessen aus zusammengewürfeltem Gemüse mit Woknudeln zu.

Der Garten wurde vor 70 Jahren von dem französischen Gartenbauingenieur Marcel Francois gegründet und verzückt einen mit verschlungenen Wegen, Hängebrücken, Teichen, Wasserläufen und einer riesigen Vielfalt alter Bäume und Blumen. Außer uns sind mehrere Schulklassen hier, die ebenfalls viel Spaß beim Auskundschaften des Terrains haben.

Dann trennen sich erst einmal wieder unsere Wege. Dorothee und Alain wollen sich als nächstes Rabat und Casablanca anschauen. Wir kennen beide Städte bereits und haben keine Lust auf Großstadttrubel. Über die Autobahn fahren wir deshalb rasch an ihnen vorbei und erreichen etwa 50 Kilometer südlich von Casablanca den Strand bei Sidi Rehal, wo wir bis zum nächsten Morgen stehen bleiben wollen. Mal wieder kann ich in bester Lage meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.

Wenn Ihr auch Achims Blogbeitrag in Unterwegs lesen möchtet, so geht das hier.

Dritter Stopp: Larache

Ganze 43 Kilometer haben wir es jetzt weiter Richtung Süden geschafft. Da wir etwa zwei Wochen Zeit haben, um die 900 Kilometer an der Atlantikküste hinunter zu fahren, sind so kurze Strecken gerade goldrichtig für uns. Unsere dritte Etappe endet in Larache.

Hier mündet der Fluss Loukkos in den Atlantik.Wir steuern einen bewachten Parkplatz am nördlichen Flussufer an mit Blick auf die Stadt und das Meer. Während wir in einer der Strandbuden erstmal einen Tee trinken und das Panorama genießen, interessiert sich eine Schafherde für unseren Bus.

Es soll hier Boote geben, die einen über den Fluss in die Stadt fahren. Wir sehen aber keine. „Heute sind die Wellen zu hoch“, meint einer der Fischer, den ich danach frage. Also wieder rein in den Bus und zwölf Kilometer außen rum bis in die Stadt fahren.

Das lohnt sich aber. Wir betreten die Medina und sind sofort in ihren Bann gezogen.

Verschiedenartige Waren werden zum Verkauf angeboten. Keine Souvenirs für Touristen sondern Waren für die Menschen, die hier leben. Von der Waschmaschine über Schuhe bis hin zur Unterwäsche. Ein Mann schiebt seinen rollenden Imbisswagen durch die Straße und ich luge neugierig  hinein.

Er bereitet Baguettes zu, die er mit Falaffeln und hartgekochten Eiern füllt. In zwei großen Backformen bietet er süßes Gebäck an. Eine junge Französisch sprechende Frau meint, dass es aus Kichererbsen zubereitet sei. Ehe ich mich versehe, drückt uns der Verkäufer eine Kostprobe in die Hand und während wir diese noch probieren, landen schon kleine Falaffelbällchen auf einem Stück Papier und wiederum in unseren Händen. Lecker! Ich zücke mein Portemonnaie, weil ich noch ein Baguette kaufen möchte, doch der Verkäufer missversteht die Geste. „Non, non, non!“ Seine Hand landet schwungvoll auf seinem Herzen. Das ist ein Geschenk. Willkommen in Marokko.

An der nächsten Ecke kaufen wir eine Art knusprigen süßen Pfannkuchen, an der übernächsten frisch gepressten Orangensaft, gefolgt von Datteln und Erdnüssen.

Satt und zufrieden verlassen wir die Medina durch das große Tor Bab el Khemis und suchen uns ein Straßencafé auf der zentralen Place de la Libération.

Unser Camper steht unweit des Hafens. Wir bummeln gemütlich weiter durch den Ort und genießen die entspannte Atmosphäre.

Den Abend verbringe ich damit, meine neu erworbenen Vokabeln ins Reine zu schreiben und zu versuchen, mir die eine oder andere einzuprägen. Auf dem Campingplatz in Asilah habe ich Bekanntschaft mit Karen aus Mecklenburg-Vorpommern gemacht, die zehn Jahre mit einem Marrokaner verheiratet war und in dieser Zeit sowohl Arabisch als auch die Berbersprache Tamazight gelernt hat. Kostprobe gefällig? La sagt man auf Arabisch für nein, oho heißt es auf Tamazight, was übrigens neben Arabisch und Französisch Amtssprache in Marokko ist. Seit Jahren schon verwende ich die Würzmischung Raz El Hanout in der Küche. Jetzt habe ich gelernt, was es bedeutet: Hanout bedeutet Laden, Raz El Hanout ist das Beste aus dem Laden.

Sonnenuntergang heißt übrigens ghrub auf Arabisch. Auf Tamazigh muss ich es erst noch herausfinden.

Erster Stopp: Tanger

Die spanische Enklave Ceuta in Afrika

Wir haben es geschafft. Nach vier Tagen in Frankreich, sechs in Spanien, 3000 Kilometern und einer einstündigen Schifffahrt durch die Straße von Gibraltar rollen wir gegen Mittag auf den afrikanischen Kontinent. Das dürfen wir vorwärts tun, nachdem Achim bei der Einfahrt aufs Schiff den Bus RÜCKWÄRTS hochfahren musste. Er erledigte das ziemlich cool. Wäre ich allein unterwegs gewesen, … Keine Ahnung. Rückwärtsfahren gehört nicht zu meinen Stärken.

Jetzt sind wir zwar auf dem afrikanischen Kontinent, aber immer noch in Europa, nämlich in der spanischen Enklave Ceuta, die seit 1415 zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz ist. Auch nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieb Ceuta spanisch. Seit 1993 gibt es einen Grenzzaun zu Marokko, um die Einwanderung in die EU zu verhindern.

Wir tanken noch günstig (1,33 € pro Liter) und folgen den Schildern zur Grenze. Dort geht alles recht flott. Die Polizei drückt uns den Stempel in den Pass, der Zoll lässt seinen Drogenhund einmal durch unseren Bus schnüffeln und inspiziert den Kofferraum. Waffen? Drohne? Alkohol? Nein, nein, ja. Wieviel? Weiß ich nicht genau. Vielleicht 10 Dosen Bier und zwei Flaschen Wein? Egal, passt schon. „Bienvenu au Maroc! Willkommen in Marokko!“

Die ganze Prozedur hat eine gute halbe Stunde gedauert und alle waren sehr freundlich zu uns. Nächste Aufgabe: Geld wechseln und Sim-Karten für die Telefone kaufen.

Auf unserem Weg nach Tanger kommen wir am Kap Malabata vorbei. Ein guter Spot zum Ankommen, den ersten Pfefferminztee und die schöne Aussicht genießen.

Als wir Tanger erreichen, ist es bereits halb sechs und wir steuern einen bewachten Parkplatz neben dem städtischen Fußballplatz an. Wir zahlen 2,50 € für die Übernachtung und teilen uns den großen Platz mit einigen anderen Autos und WoMos, beschallt vom Pfeifen des Schiedsrichters, Klatschen und Rufen der Fans und Spieler. Da geht das Hundegebell fast unter.

Im letzten Tageslicht machen wir uns zu einem Bummel durch die Medina, die Altstadt mit vielen Gassen und unzähligen Geschäften, auf.

Die Atmosphäre ist recht entspannt. Die Händler bedrängen ihre potentiellen Kunden kaum, viele Einheimische und gar nicht so viele Touristen sind hier unterwegs.

Zum Abendessen finden wir ein hübsches kleines Restaurant, in dem wir unsere schon sehnlich erwarteten Tajines bekommen. Meine ist so zubereitet, wie ich es besonders mag: Huhn mit Trockenfrüchten und Nüssen. Köstlich.

Achim freut sich über seine mit Hackbällchen und Ei auch, aber noch mehr Spaß als das Essen bereiten ihm die Jungs, die ihm auf dem Rückweg zum Bus ein freundliches „Bonjour, Einstein!“ zurufen. Es gibt hier viele Friseure. Vielleicht ergibt sich ja noch ein Besuch?

Gibraltar in Sicht

Nach 3040 Kilometern haben wir nun Gibraltar in Sicht, schreibt Achim in seinem neuesten Blogbeitrag. Marokko kann also nicht mehr weit sein, eine Nacht noch und dann nur eine Stunde mit der Fähre übers Mittelmeer. Das sind tolle Aussichten, oder? Die Fahrt von der Lagune de Gallocanta zu den Iberischen Luchsen und wie wir überhaupt auf den Spot gekommen sind hat […]

Gibraltar in Sicht