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Wenn Warten wirklich Freude macht

Auf dem Campingplatz in Miranda do Douro

In der Früh tröpfelt es auf den Bus und ich drehe mich im Bett nochmal um. Wir haben es nicht eilig, denn wir müssen auf das Päckchen von Amazon mit unserem Gasflaschenadapter warten.

Derweil erkunden wir die Gegend, stoßen auf ein Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert, verfallene Häuser, blühende Bäume und eine komplette Geocache-Strecke. Sie führt entlang des GR 36, einem portugiesischen Weitwanderweg.

Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert
Beim Spazierengehen unweit des Campingplatzes
Geocache gefunden

Eigentlich haben wir Lust auf einen etwas längeren Spaziergang mit weiteren Geocaches, doch wir werden jäh von einer Horde böse kläffender, frei herumlaufender Hütehunde gestoppt. Weit und breit ist kein Hundebesitzer zu sehen oder zu hören und wir trauen uns nicht weiterzugehen.

Es waren bestimmt fünf oder sechs böse Kläffer, die uns den Weg versperrten.

Wir gehen zurück in den Ort. Achim hat ja noch ein Versprechen einzulösen.

Vor der Touristeninfo in Miranda do Douro

Nämlich zur Touristeninfo gehen. Zu klären ist erstens, was es mit der Kopfbedeckung der Figur auf sich hat, die Achim auf dem Hauptplatz fotografiert hat. Und zweitens, warum die Orgel in der Kathedrale mit einer Fratze verziert ist.

Da wir noch weniger Portugiesisch als Spanisch können, sehe ich dem Ausgang dieser Recherche skeptisch entgegen. Doch der junge Mann in der Info versteht unser auf Englisch vorgetragenes Anliegen sofort und wir erfahren, dass es sich um eine typisch mirandesische Kopfbeckung, die Capa de Honra handelt, von Hand gefertigt aus Schafwolle. Ihren Ursprung haben diese Kappen im 9. oder 10. Jahrhundert. Auch heute noch werden sie zu besonderen Anlässen getragen.

Der Mann trägt die typische mirandesische Kopfbeckung „Capa de Honra“

Die Fratze auf der Orgel soll gemeinsam mit der Macht des kraftvollen Orgelklanges Böses abwehren, erfahren wir zu unserer zweiten Frage.

Orgelmusik und Fratze dienen der Abwehr böser Kräfte.

Die Touristeninfo liegt interessanterweise nicht im historischen Zentrum sondern im modernen Teil der Stadt. Fast alle Geschäftsleute  hier haben Ausdrucke der ukrainischen Flagge als Zeichen ihrer Solidarität in die Schaufenster geklebt.

Solidarität mit der Ukraine in fast jedem Schaufenster

Wir wollen jetzt mehr erfahren über die mirandesische Kultur. Das Museum hat auf, doch leider sind alle Erklärungen auf Portugiesisch und Mirandés.

Hier können wir nichts über die mirandesische Kultur in Erfahrung bringen. Im Internet erfahren wir später zumindest, dass das Mirandés zu den romanischen Sprachen gehört,  im Nordosten Portugals noch von rund 15 000 Menschen gesprochen und seit einiger Zeit hier auch wieder an den Schulen gelehrt wird. Die Sprache, kein Dialekt, gibt es seit Mitte des 12. Jahrhunderts. Das portugiesische Parlament genehmigte 1998 den Gebrauch des Mirandés in den örtlichen Verwaltungen. Und: Drei Bände von Asterix sind auf Mirandés erschienen.

Hier lassen sich die feinen Unterschiede der beiden Sprachen studieren.

Amazon hat übrigens noch nicht geliefert. Wir haben inzwischen aber eine Nachricht bekommen, dass unser Päckchen bis 20 Uhr geliefert wird. Somit ist klar, wir bleiben noch eine Nacht hier.

Auf der Herfahrt gestern hatten wir entdeckt, dass fünf Minuten vom Campingplatz entfernt das städtische Schwimmbad liegt. Ich packe mein Badezeug und bald schon heißt es: Sechs Bahnen, drei Bademeister und ich. Wunderbar. Fast wäre das Projekt gescheitert, denn kaum habe ich das leere Schwimmbad betreten, klopft einer der drei Bademeister von innen gegen die Scheibe des Bademeisterkabuffs und deutet auf seinen Kopf: Badehaube!? Achselzucken, Kopfschütteln: Hab ich nicht. Erhobener Zeigefinger: Moment! Und schon steht er vor mir und drückt mir eine knallorangene Badekappe in die Hand. Obrigada, danke!

Die Autos müssen den MitarbeiterInnen gehören. Ich war die einzige Schwimmerin.

Die Badekappe ist übrigens nicht das einzige Geschenk auf dieser Reise. Als wir vorgestern an einer spanischen Tankstelle die Gasflasche für den Bus samt Inhalt kaufen wollten, sagte uns der Tankwart, er könne uns keine Leihflasche geben (die man dann normalerweise an irgendeiner Tankstelle der gleichen Kette zurückgibt). Aber er wollte uns unbedingt weiterhelfen, so dass er sich entschied, dass wir zwar für den Inhalt, aber nicht für die Flasche selbst zahlen mussten. „The bottle? That’s a memory from Spain for you“, sagte er, als er das 11 Kilo- Teil vor unserem Bus absetzte.

Apropos Gas. Da war doch noch was. Amazon ist heute Abend nicht wie angekündigt aufgetaucht. Wir kürzen jetzt unsere Fahrt durch den (kalten) Norden Portugals etwas ab, fahren morgen weiter den Douro entlang Richtung Porto und Nazaré und wenden uns dann wärmeren und touristischeren spanischen Gegenden zu. Entweder wir können dort dann einen Adapter kaufen oder unser Gas hält eh, weil wir nicht mehr jede Nacht heizen müssen.