Ein braunes Schild am Straßenrand lockt uns ins kleine Gaziemir, zu einer erst 2006 per Zufall entdeckten Anlage. Sie gilt als weltweit einzige unterirdische Karawanserei und wurde nicht wie ihre berühmte Schwester Derinkuyu in tiefste Tiefen gebaut sondern einstöckig in die Breite. Die Anlage bot Platz für die reisenden Händler, ihre Tiere und Waren, eine Küche, eine Anlage zur Weinherstellung und eine Kirche.


Leider ist sie derzeit geschlossen. Zu unserem Glück ist stellenweise das Dach eingebrochen, so dass wir ein bisschen sehen können. Aber auch nur, weil es uns ein Einheimischer zeigt. Wir bedanken uns dafür bei ihm und wollen zu unserem Auto gehen, aber er winkt uns, wir sollen mitkommen.
Eine junge Frau tritt aus einem Haus und trägt ein großes Tablett voller Gözleme (dünne gefüllte türkische Pfannkuchen). „Bitte nehmt!“, werden wir aufgefordert. „Wirklich?“, vergewissern wir uns. „Ja! Bitte!“ Dankend langen wir zu. Hmmm, lezzetli, köstlich! Der Mann winkt uns weiter. „Gel! Gel!“, „Kommt!“ Wir folgen ihm in einen dunklen Raum, der aus dem Fels gearbeitet worden war. Als sich meine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben, erkenne ich die Szenerie: Sechs Frauen sitzen im Halbrund auf niedrigen Hockern und bereiten Gözleme fürs ganze Dorf zu.


Auch sie heißen uns vielstimmig willkommen und fordern uns auf, nochmal bei dem riesigen Berg Gõzleme zuzugreifen. Ein Stuhl für mich wird organisiert, Ayran, gesalzener Joghurt, serviert. Einmal im Monat treffen sie sich, um Gözleme für alle Haushalte herzustellen, erfahren wir.

Die eine rollt den Teig aus, die andere gibt ein rohes Ei drauf und verstreicht es mit den Fingern, die nächsten füllen sie mit Käse und Gemüse, die letzte brät die Pfannkuchen.
Auf meine vorsichtige Frage, ob ich wohl ein Foto machen dürfte, heißt es lachend: „Klar, mach!“ Die Frauen lächeln in die Kamera.
„Fürs Auto…“, hören wir (mein Türkisch ist rudimentär, aber ein wenig verstehe ich) und wir haben richtig gehört. Ein ganzer Stoß Gözleme wird in Küchenpapier gewickelt und mir für die Autofahrt in die Hand gedrückt. Unter vielen Dank- und Abschiedsbekundungen verlassen wir die Frauen wieder und fahren davon. Das sind die Reiseerlebnisse, an die Du Dich stets erinnerst.
Wieder ist es ein Hinweisschild, das uns von unserer geplanten Route abbringt. Diesmal kommen wir zu einem schönen Kratersee, dem Nargölü, bei dem wir uns einen Çay schmecken lassen.

Unser eigentliches Tagesziel, Göreme, erreichen wir am Nachmittag. Vor uns erstreckt sich die einzigartige Tufflandschaft mit Feenkaminen, Erdpyramiden, Felsenwohnungen und -kirchen.

Wir suchen uns einen Parkplatz und machen erstmal eine Wanderung durchs Rosental.

Die eigenartige Landschaft ist einer mächtigen Tuffschicht zu verdanken, die sich aus dem Auswurf des Vulkans Hasan gebildet hatte.

Während sich im Laufe der Jahrtausende die Ascheschichten verfestigten, gruben sich darin Wasserläufe ein. Das Wasser trug Tuff ab, so dass sich die typischen Felskegel bilden konnten.
Da der Tuffstein porös ist, konnten es die Bewohner der Gegend leicht bearbeiten und legten Höhlen, Klöster und Kirchen an.

Nach zwei Stunden sind wir zurück bei den Bussen und suchen und finden einen Platz mit Aussicht für die Nacht.


Als wir nach dem Abendessen nochmal vor den Bus treten, fällt eine Sternschnuppe vom Himmel. Wie verwöhnt wir hier werden!
