Schlagwort-Archive: Portugal

Bem-vindo a Portugal

Etwas wehmütig nehmen wir Abschied von Óscar, halten bald wieder an, um Dünen, Klippen, einen alten Baum und eine noch ältere Stadt anzuschauen und landen schließlich in Santo Estevao, einem kleinen Dorf, etwa 40 Kilometer hinter der portugiesischen Grenze. Aber der Reihe nach.

Unser Ruhetag in Óscars kleinem Idyll in Matalascañas am Atlantik wird von seiner Einladung unterbrochen,  ihn bei seinem Strandspaziergang zu begleiten. Den macht er jeden Tag auf der Suche nach Strandgut: „See, this is my supermarket“, grinst er und schiebt einen gut erhaltenen Pinsel in seine Hosentasche. Im Laufe der nächsten Stunde kommen Hölzer und Wurzeln in bizarren Formen und vor allem Korallen in weiß, rosa, gelb und braun hinzu. Die finden wir in Büscheln von Gestrüpp, die auf dem Sand liegen. Man kann sie ganz einfach daraus lösen.

Ich habe ein schönes Foto von Óscar als Strandschrat gemacht – leider ist es auf seinem, nicht auf meinem Handy. Achim trägt die gefundenen Korallen in Óscars Strohhut heim. Dort zeigt er uns die kleinen Kunstwerke, die er aus den Fundstücken fertigt, zum Beispiel ein Holz, in das er mehr als 50 Tiere geschnitzt und gemalt hat und Korallen, die er auf bunt bemalten Steinen befestigt hat.

Wir tauschen noch Apfelkuchen gegen Orangen aus seinem Garten (die besten!), am Morgen dann kisses, hugs and be happy und los geht’s.

Schon nach wenigen Kilometern halten wir wieder an und laufen auf einem elegant geschwungenen Holzsteg in die Dünen hinein. Es ist ganz neblig heute Morgen und der Duft von Ginster liegt in der Luft.

Weiter geht es, bis wir beim Örtchen Mazagon auf ein Hinweisschild zu einer 400 Jahre alten Pinie stoßen. Ach, vorbeigefahren. Es ist nicht viel Verkehr und drüben bei der Bushaltestelle kann man gut wenden. Wir suchen ein bisschen, laufen zum Strand runter, durch eine kleine Schlucht, vorbei an Sandsteinklippen, wieder zurück zum Parkplatz.

Nochmal genauer bei google maps gucken, dann entdecken wir den Baum auf der anderen Seite der Straße. Ein wahrer Methusalem. Den muss ich auch noch drücken.

Gegen Mittag erreichen wir Huelva und erhalten eine Lektion mit der Überschrift „Du darfst dem Internet nicht alles glauben“. So steht es dort geschrieben: „Huelva, eine wunderschöne Küstenstadt im Südwesten Spaniens, gehört zu den reizvollsten Reisezielen Andalusiens. Die aufsehenerregende Gemeinde, die vor 3.000 Jahren gegründet wurde, gilt als Standort pittoresker Kirchen und Plätze, die einen Einblick in die Geschichte dieser bedeutenden Handelsstadt gestatten.“ Liegt auf dem Weg, gucken wir uns natürlich an.

Hm, ja, ganz nett hier, aber auch viele Neubauten mitten in der Altstadt und der angeblich allerschönste Platz, die Plaza de la Palmeria, ist nur von neuen Häusern umgeben. Müssen wir nicht verstehen. Achim glaubt ja, dass den Text im Internet die Pressesprecherin geschrieben hat. Ha! Verleumdung!

Wir trinken einen Kaffee, suchen uns noch eine billige spanische Tankstelle und sind eine halbe Stunde später an der portugiesischen Grenze.

Unser Ziel ist Tavira, eine Kleinstadt, die nicht direkt am Meer liegt, was aber mit dem Rad gut erreichbar ist. Wir fahren zum Stellplatz: voll. Zum Campingplatz: geschlossen. Also fahren wir noch ein paar Kilometer weiter ins Land und landen auf Rouis‘ privatem Stellplatz, zwischen Obst- und Olivenbäumen. Ist schön hier. Willkommen in Portugal! Die Algarve liegt vor uns.

Wo gibt’s die höchsten Wellen?

Von Figueira do Foz zieht sich die Küstenlinie schnurgerade nach Süden und wir folgen ihr. Allerdings sind Ausblicke aufs Meer kaum vorhanden. Zwischen Straße und Meer liegt nämlich eine breite Dünenlandschaft. Immer wieder locken schmale Fahrwege Richtung Strand, die sind aber nichts für unser WoMo. Parkplätze an unserer Straße sind nicht vorhanden. Schade, wir würden […]

Wo gibt’s die höchsten Wellen?

Am Meer entlang nach Süden

Sonntagmorgen. Die Sonne strahlt, als ob sie uns für die gestrige Sintflut entschädigen wolle. Straßen und Strand sind wie frisch gewaschen. Scharen von LäuferInnen und Fahrradfahrern bevölkern schon in der Früh die breit angelegte Strandpromenade. Wir nehmen einen tiefen Atemzug der frischen Meeresluft und wenden den Bus Richtung Süden.

Es verspricht, ein schöner Tag zu werden.

Ein Dorf reiht sich ans nächste. Zu Beginn führt die Straße noch direkt am Wasser entlang und Strandbars locken mit Ausblicken direkt auf Wellen und Gischt. Später fahren wir vielfach durch die Ortschaften. Immer wieder entdecken wir dabei Gebäude mit schönster Kachelkunst.

Fassade eines Bahnhofs
Die Marienkirche in Valega

Die Gegend hier ist trotz der Nähe zum Atlantik nicht sonderlich touristisch. Im Vorbeifahren beobachten wir die Einheimischen, die zur Kirche oder auf den Friedhof gehen, beim Bäcker Brot kaufen, dem Angebot für einen günstigen Mittagstisch (7 Euro) zustreben. Und an der Tankstelle Schlange stehen, wenn irgendwo der Liter Diesel 1,729 statt wie üblich 1,92 kostet. Ansonsten herrscht sonntägliche Ruhe.

Auch wir reihen uns ein. Es geht aber schnell.

Die etwas größeren Orte werden von Gewerbegebieten eingerahmt. Die großen Supermärkte haben heute geöffnet, wir haben aber alles an Bord. Lidl und Aldi sind hier übrigens gut vertreten.

Zwischendurch spitzen immer wieder Privathäuser hervor, deren Fassaden ebenfalls mit Kacheln geschmückt sind.

Viele Häuser haben hier die schönsten Kacheln an der Fassade.

Nach etwa 150 Kilometern haben wir von dieser Straße genug und ich halte Ausschau nach einer Parkmöglichkeit für den Rest des Tages und die Nacht. Wir wollen bei dem schönen Wetter lieber das Meer genießen.

Laut der App Park4night gibt es einen WoMo-Stellplatz direkt am Strand bei Figueira do Foz. Wir sind gespannt. Und ja! Es ist wie versprochen. Nur eine dünne Reihe Tamarisken trennt uns vom Strand. Herrlich! Hier bleiben wir.

Hinter den Tamarisken beginnt der Strand.

Kaffee kochen und die kleinen Berlinerartigen Teilchen genießen, die ich vorhin an einem Stand neben der Kirche gekauft habe.

Auf der Mole können wir bis zum Leuchtturm laufen, dahinter eröffnet sich die Weite des Meeres.

Bis zum Sonnenuntergang bereite ich schon mal das Abendessen vor und dann wird es Zeit für den Sundowner. Eine hübsche Strandbar dafür finden wir gleich in der Nähe.

Kochen mit Ausblick

Auf dem Weg zum Atlantik

685 Stufen rauf und 685 Stufen runter, macht 1370 Stufen. Gleich nach dem Frühstück. Uff. Doppel Uff für den tapferen Achim.

Wir erklimmen die Freitreppe zur 605 Meter hoch gelegenen Wallfahrtskirche Santuario de Nossa Senhora dos Remédios im kleinen Städtchen Lamego.

Der prächtige Bau wurde bereits im 18. Jahrhundert begonnen, doch erst 1905 fertiggestellt. Die vielen Stufen sind in 14 Terrassen unterteilt, jede geschmückt mit einem Bild aus Kacheln mit biblischen Motiven.

Wir haben den Bus unten im Ort auf dem großen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle abgestellt. Hier wie auch auf einem der Balkone um die Ecke wird Solidarität mit der Ukraine gezeigt.

Die Straße Richtung Westen ist dieselbe wie am Vortag, die N222. Entlang des Douro fahren wir aber nicht wie gestern auf der Achterbahn sondern in Schlangenlinien Richtung Meer. Eine Kurve nach der anderen.

Mittags probieren wir die Spezialitäten, die wir in Lamego gekauft haben: Bolo di Lamego, eine Art Pasteten, mit Bacalhau (Stockfisch) bzw. Schinken gefüllt und zum Nachtisch Pasteis de Nata, die leckeren portugiesischen Blätterteigtörtchen.

Die steilen Hänge auf beiden Seiten des Douro sind nahezu durchgängig mit kleinen Häusern bebaut, vielfach stehen sie einzeln zwischen hohen Nadelbäumen, in den Gärten leuchtet es Orange und Gelb, die Orangen, Mandarinen und Zitronen sind reif. Nun sind wir wirklich im Süden angekommen.

Magnolien, Mimosen und Hibiskus blühen und geben ein buntes Bild ab. Der Weinanbau ist hier nicht mehr so vertreten. Hierfür reichen entweder die Sonneneinstrahlung oder der Platz nicht.

Je näher der Fluss dem Meer kommt, um so breiter wird er – als ob er sich nochmal in seiner ganzen Pracht präsentieren wolle, ehe er sich mit dem Meer vereint. Jetzt sieht man auch immer öfter kleine Häfen. Einmal erspäht Achim sogar ein großes Passagierschiff auf dem Wasser.

Bis nach sechs brauchen wir, bis wir am Ziel ankommen. Ein kleiner Campingplatz, neun Kilometer südlich von Porto. Am Atlantik. Von hier aus können wir am Meer entlang morgen nach Porto radeln (bei trockenem Wetter) oder mit dem Bus fahren (bei Regen). Als erstes aber werden wir die Stelle suchen, an der der Douro in den Atlantik mündet, und uns von unserem Wegbegleiter während der letzten beiden Wochen gebührend verabschieden.

Über dem Douro

Grau und kalt und nass ist es am Morgen auf dem Campingplatz von Miranda do Douro. Und das ersehnte Päckchen mit dem bestellten Adapter ist ja auch nicht angekommen. Eine eMail von Amazon hilft uns aber, eine Entscheidung zu treffen. Sollen wir noch 3 Tage auf das Päckchen warten? Wir packen zusammen, tanken noch Frischwasser […]

Über dem Douro

Chegamos a Portugal

Es sind nur 60 Kilometer. Die Landschaft ändert sich langsam, die Plätze in den Dörfern nicht. Kurz vor der portugiesischen Grenze. Kleine Weinfelder, Platanen vor Rathaus Doch dann ist es soweit. Sehr kurvig führt die Straße zum Rio Duero runter, wir überqueren ihn über die Staumauer eines Elektrizitätswerks und dann rollen wir am schon länger […]

Chegamos a Portugal