Man muss ja nicht immer den direkten Weg nehmen. Hier und da bietet sich ein lohnender Umweg an. Direkt hieße bei uns: erste Etappe über den Brenner zum Gardasee, zweite Etappe über Bologna nach San Marino. Und dann wären wir quasi ja schon in den Marken. Wir haben einen Umweg gewählt. Über die Garmischer Autobahn […]
Jetzt hat es auch uns erwischt: Corona. Sechs Tage haben wir brav das Haus gehütet. Nun zeigt der Test nur noch einen Balken an und Symptome haben wir auch seit drei Tagen nicht mehr. Unser Gesundheitsamt empfiehlt, sich dennoch weitere fünf Tage von anderen Menschen fernzuhalten. Das kriegen wir hin: Im Bus geht das ganz hervorragend und Tapetenwechsel ist nach der Quarantäne eh was Feines.
In Rekordzeit werfen wir ein paar Lebensmittel und Klamotten in den Bus und zwei Stunden später stehen wir bereits auf dem kleinen Stellplatz beim Limeseum nahe Dinkelsbühl. Achim kennt ihn von einer Reise, die er vor zwei Jahren unternommen hat, als ich in Nepal war. Jetzt wollen wir einfach ein wenig andere Luft schnuppern und da das Wetter Besserung verspricht, ein paar kleine Radtouren machen.
Wir verbummeln den Abend und den Vormittag gemütlich mit leckerem Essen und Spielen. In der Nacht regnet und windet es nochmal heftig, doch als wir uns gegen Mittag auf die Räder schwingen, bleibt es trocken und später wird dann sogar die Sonne rauskommen.
Entlang der Wörnitz fahren wir durch Felder, Dörfer und Hügel ins 17 km entfernte Dinkelsbühl.
Hinter dem Stadttor empfängt uns das mittelalterliche Städtchen mit zeitgenössischer Kunst im Garten des „Museum 3. Dimension“: rechts im Bild sieht man zum Beispiel eine Nachbildung der Escher-Treppe, die zweidimensionale Darstellung einer dreidimensionalen Treppe mit geschlossenem Innenraum, die in sich selbst zurückläuft, so dass eine Illusion erzeugt wird, dass sie unendlich hinauf bzw. hinunter führt.
Die Doppelhelix ganz links im Bild lässt sich durch einen Telefonanruf in Schwingung versetzen! Funktioniert. Ich hab’s ausprobiert.
Der Ortskern von Dinkelsbühl ist in bestem Zustand. Gut, dass das Wetter heute nicht zum Besuch der Straßencafés einlädt, denn wir sollen uns ja nicht zu anderen gesellen. Aber Kuchen kaufen, um ihn später vorm Bus zu genießen, geht.
Am späten Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang zum (montags geschlossenen) Museum, das von den Römern und ihrem berühmten Grenzwall erzählt. Damals gab es hier ein Fort, von dem aus der hiesige Limesabschnitt bewacht wurde. Ein Miniaturnachbau veranschaulicht das Ganze.
Um kurz nach sieben geht bereits die Sonne unter. Einem weiteren gemütlichen Abend im Bus steht nichts im Wege.
Es passiert nicht so oft, dass einem die Sonne einen Strich durch die Rechnung macht. Auf unseren Reisen in diesem Jahr jedenfalls nicht. Aber jetzt ist es tatsächlich passiert.
Die „Rechnung“ ging – wie ausführlich im letzten Blogbeitrag beschrieben – so: Es regnet und regnet und das macht uns keinen Spaß, deshalb fahren wir jetzt fix nach Norden und kommen damit zumindest mal dem Polarkreis näher. Drei Tage Regen hatte der Wetterbericht vorhergesagt. Und am zweiten Tag scheint bereits in der Früh die Sonne.
Also brechen wir unsere Flucht nach Norden kurzerhand ab.
Drei spannende Straßen liegen in greifbarer Nähe, bei Sonne eine Genusstour: die Valdresflya, das Romsdal und der Trollstigen (einer DER norwegischen Superlative). Wir sind mittlerweile in den Bergen gelandet, Meer und Gebirge liegen hier in Norwegen nicht weit auseinander.
Die erste Strecke zählt zu den norwegischen Touristenrouten und trägt die Überschrift „Wo die Straße schwebt“: „Eine Fahrt auf der Landschaftsroute Valdresflye gibt Ihnen das Gefühl, über der Hochebene mit ihrem einzigartigen Blick auf die Gipfel des Nationalparks Jotunheimen zu schweben.“ Ein Großteil der Strecke verläuft über der Baumgrenze; ihr höchster Punkt befindet sich auf 1389 Metern.Wir landen im Schnee, das Thermometer zeigt neun Grad, aber die Sonne scheint.
Die darauffolgende Fahrt durchs Romsdal führt am Fluss Rauma entlang, der hier eine schmale Schlucht geformt hat. Rechts und links ragen bis zu 1800 m hohe Berge auf, aus denen sich unzählige Wasserfälle herabstürzen.
Die höchste senkrecht aufsteigende Felswand Europas kann man hier ebenfalls bestaunen: die Trollwand. Warum hier ein altes Polizeiauto zur Dekoration steht, wissen wir nicht.
Die spektakulärste der drei Straßen, die wir heute befahren, ist ohne Zweifel der Trollstigen, mit dessen Bau 1925 begonnen wurde. Eingeweiht wurde sie elf Jahre später von König Håkon VII. Auch heute noch zählt sie zu den extremsten Gebirgsstraßen Europas. Achim kutschiert unseren Bus lässig, ganz ohne Herzklopfen, hinauf.
Herzklopfen bekommen wir beide erst, nachdem wir unseren Übernachtungsplatz gewählt und den Bus geparkt haben: so einen besonderen Platz hatten wir noch nie. Auf 800 m, umgeben von Schnee, Bergen und der nordischen Nachthelle. Der Himmel ist auch kurz vor Mitternacht noch blau.
Auch am nächsten Morgen scheint die Sonne und als wir nach einem gemütlichen Sonntagsfrühstück im Tal ankommen, ist das Thermometer schon auf 16 Grad geklettert. Wir wollen zum berühmten Geirangerfjord. Dazu queren wir erstmal mit der Fähre den parallel verlaufenen Storfjord und einen weiteren Pass, von dessen Höhe aus man den ersten Blick auf den Fjord erhascht.
Die Schiffsfahrt über den Fjord setzt unseren unverhofften Ausflügen dann die Krone auf. Tiefblauer Himmel, Sonne pur und 23 Grad.
Sognefjord, Geirangerfjord, Trollstiegen – diese Namen lassen die Herzen von Norwegenliebhabern höher schlagen. Auch unsere. Denn dies ist die Gegend der Superlative: Eine Bootsfahrt über den Fjord gehört zu den Top-Highlights nicht nur Norwegens sondern ganz Europas. Eine Fahrt mit der Flambahn, vom Sognefjord hinauf zur Hochebene Hardangervidda, zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten des Landes und der Trollstiegen ist eine der extremsten Gebirgsstraßen Europas. Es gibt hier außerdem noch die Traumstraße Laerdalsvegen, den Jostedalsbreen-Nationalpark mit 30 Gletschern und jährlich 600 000 Touristen sowie eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Welt, den Geirangerfjord.
Wir lassen sie alle links liegen und entscheiden uns für einen ganz anderen Superlativ: den Laerdaltunnel, der mit seinen 24 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt ist. „Und wie ist es, hier durch zu fahren?“, frage ich Achim. „Langweilig“.
Egal. Wir wollen nur noch eins: möglichst schnell Land gewinnen.
Wenn es stundenlang regnet, wenn der Wetterbericht auch für die nächsten zwei Tage keine Besserung verspricht, wenn die Sicht so schlecht ist, dass man Himmel, Berge und Meer nicht auseinanderhalten kann, dann machen weder eine Schiff-, noch eine Zug-, noch eine Autofahrt Spaß.
Dabei sah die Welt vorgestern und gestern noch ganz rosig aus. Bergen, die „Königin der Fjorde“, gilt als schönste Metropole des Landes (es nimmt kein Ende mit den Superlativen) und auch wir genießen den Bummel entlang des Hafenbeckens und der bunten Holzhäuser des ehemaligen Hanseviertels.
Doch dann zieht es uns wieder aufs Land und wir fahren zu einer schmalen der Stadt vorgelagerten Insel, auf der es einen kleinen, sehr idyllischen Campingplatz gibt. Mal wieder duschen und große Wäsche machen ist der Plan.
Da ist uns der Wettergott noch freundlich gesinnt. Zwischen vereinzelten Schauern ist es auch mal trocken und wir können sogar einen Spaziergang machen und am Nachmittag draußen Kaffee trinken.
Heute Morgen fängt es aber schon bald nach dem Frühstück wieder an zu regnen. Unser heutiges Ziel ist ein weiterer kleiner Campingplatz, diesmal am Naeroyfjord, der uns als Ausgangspunkt für den Rimstigen dienen soll. Der steht für morgen auf unserem Programm. Es ist ein steil an der Fjordwand ansteigender ehemaliger Viehweg, der von oben ein atemberaubendes Panorama hinunter in den Fjord bietet.
Wir fahren im Regen los und erreichen unseren ersten Zwischenstop, das Hotel Stalheim, gegen Mittag im Regen. Auch Leute, die keine Hotelgäste sind, dürfen in den hinterm Haus gelegenen Garten. Von hier bietet sich eine sehr schöne Aussicht in den 550 m tiefen Abgrund, auf den zuckerhutähnlichen Jordalsknut und das Naeroytal, das sich zum Fjord öffnet.
Wir machen hier Mittagspause und beratschlagen. Wandern morgen? Kannst Du vergessen. Mit dem Boot durch den Fjord fahren? Nicht bei dieser Sicht (nebenbei sei auch noch erwähnt, dass die Tickets rund 100 Euro für uns zwei kosten). Wir studieren die Landkarte. Einfach mal so Land gewinnen, mal eben ein paar hundert Kilometer durch den Regen nach Norden düsen, ist von hier aus nicht gut möglich. Mit dem Auto in Norwegen zu düsen, ist eh nicht möglich. Ich schrieb schon davon. Aber wir haben uns inzwischen auch von allen großen Straßen entfernt und sind von Fjorden, Bergen und Hochebenen umgeben. Es regnet weiter, wir beraten weiter, wissen nicht richtig, was wir tun sollen und entscheiden uns für die Flucht Richtung Norden. Bis zur nächsten großen Straße sind es 200 Kilometer. Also los.
Ein kurzer Blick auf den Fjord in Gudvangen, wo es so eng ist, dass man hier selbst im Sommer erst ab etwa 12 Uhr die Sonne sieht.
Nochmal anhalten in Flam, von wo aus man die Fjordfahrten unternehmen kann und wo auch gern mal die Kreuzfahrtschiffe anlegen.
Und dann ab in den Laerdaltunnel, um nach etwa 150 Kilometern auf die E 6 Richtung Norden zu stoßen.
Trotzdem freuen wir uns über unverhofft auf unserer Strecke auftauchende Überraschungen: Die Stabkirche von Borgund aus dem Jahre 1180, die – Achtung, Superlative! – nicht nur als das besterhaltene Beispiel norwegischer Holzbaukunst, sondern auch als der älteste Holzbau Europas gilt. Ihre Schindeldächer sind gestaffelt und die Firstenden mit Drachenköpfen verziert, so dass sie eher wie eine Pagode aussieht als eine Kirche.
Wenige Kilometer später dann die ersten Rentiere auf dieser Reise, Eltern mit einem Jungen. Kurz nur können wir sie beobachten, dann trollen sie sich außer Sichtweite. So schön!
Schließlich finden wir auch noch einen Stellplatz neben einem Fjord. Außer uns ist noch ein kleiner Camper aus Belgien da. Aber auch unsere Nachbarn haben sich vor dem Regen nach drinnen verzogen. Achim bereitet das Abendessen zu, ich blogge und morgen fahren wir so lange Richtung Norden, bis es aufhört zu regnen.
Sicher ist: wir kommen auf der Rückfahrt wieder hier vorbei und holen dann nach, was wir jetzt ausfallen lassen. Das ist ein festes Versprechen an uns selbst.
Unser Nachtplatz liegt auf 389 Metern. Damit sind wir quasi in der Poleposition für die Wanderung zum Gletscher. Wir sehen den Buarbreen vom Bett aus. Sogar das bläulich schimmernde Eis können wir von unten erkennen.
In der Früh um kurz nach sieben rumpele ich bereits so laut im Bus herum, dass auch Achim wach wird und aufsteht. Frühstücken, Brotzeit herrichten, Rucksäcke packen. Um 9 Uhr sind wir startklar.
Die größte Überraschung: Die Sonne scheint! Welche Freude! Und – Achtung, Spoiler! – wir werden die ganze Wanderung im Trockenen machen. Das hatten wir nicht zu hoffen gewagt.
Uns erwarten 450 Höhenmeter und ein Anstieg von etwa zwei Stunden. Der Weg schlängelt sich durch den Wald moderat nach oben, begleitet vom stetigen Rauschen des Gletscherflusses linkerhand. Nach einer Wegbiegung steigt der Adrenalinpegel das erste Mal: zwei Rindviecher, äh, schottische Hochlandrinder, haben es sich auf unserem Weg gemütĺich gemacht. Ihre Hörner und ihre Statur sind beeindruckend und wir sehen ein, dass sie hier die Stärkeren sind. Wir suchen uns einen vermeintlich sicheren Platz auf einem Felsen und versuchen, die beiden mit Klatschen, Rufen und sogar Stöckchen werfen dazu zu bewegen, sich ein wenig zur Seite zu bewegen. Doch wir interessieren sie nicht die Bohne. Da wir ihnen aber auch weiterhin nicht über den Weg trauen, schlagen wir uns ins Gebüsch und umrunden sie großräumig.
Der nächste Abschnitt könnte bei 10 Grad mehr als Spa bezeichnet werden. Beim ersten schmalen Steg über Wildwasser aus dem Gletscher klopft mein Herz vor Aufregung, doch dann laufe ich mich ein und überquere mir nichts dir nichts x von diesen Dingern. Einmal fehlt ein Steg. Ein findiger Wanderer hat eine Bohle auf zwei Steine gelegt, ich traue dem Konstrukt nicht, balanciere über die Steine im Wasser und hole mir natürlich prompt nasse Füße. Spaß macht das Queren über eine Hängebrücke – vertrautes Terrain für mich.
Abschnitt Nummer drei ist was für Klettermaxe. Nun verlasse ich endgültig meine Komfortzone. Wenn wir in die Berge fahren, was ja von uns zuhause aus kein großes Ding ist, gehen wir WANDERN nicht KLETTERN. Mich akrobatisch an einem Seil eine Felsplatte hochzuziehen, bin ich nicht gewohnt.
Vor einer besonders fiesen Stelle spielen wir kurz mit dem Gedanken, den Gletscher Gletscher sein zu lassen, aber dann packt uns doch der Ehrgeiz. Wir kraxeln hoch und höher, hangeln uns noch an einem Schneefeld lang, und dann sind wir oben. Oben heißt in dem Fall: Hier geht es nicht weiter. Es sei denn, man hätte sich einer geführten Gletschertour angeschlossen.
Wir freuen uns einfach, dass wir es bis hier geschafft haben und dass wir dem Gletscher so nahe gekommen sind. Imposant thront er über uns, zugleich ist deutlich zu erkennen, wie sehr er bereits geschmolzen ist. Während wir den Anblick genießen und unsere Brote essen, ist mir aber auch ein bisschen mulmig wegen des bevorstehenden Abstiegs.
Doch es ist weniger rutschig als befürchtet und die Akrobatik und die Wasserspiele kriegen wir auch hin, so dass wir um zwei wieder heil und auch ein wenig stolz am Bus ankommen.
Dass der Tag mit einem weiteren Highlight endet, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wir fahren am Sørfjord entlang und stoßen nach 50 Kilometern auf den Hardangerfjord. Wir parken für die Nacht nahe der Brücke, die ihn majestätisch überspannt und laufen vor dem Abendessen noch durch einen in Regenbogenfarben erleuchteten Fußgängertunnel, der uns auf die Brücke über den Fjord führt. Warum nur können nicht alle Fußgängertunnel so schön sein?
Stylisches Clohäuschen auf dem Weg nach RöpeidDie Fähre zwischen Sand und Röpeid wurde eingestellt. Der Wartebereich hat keine Fahrgäste mehr.Guten Appetit! 😅Zweiarmiger WasserfallEin SonnenstrahlEinen schönen Platz für die Nacht
Was bringt ein Aussichtspunkt ohne Aussicht? Aussicht. Halt in Schwarz-Weiß statt in Blau-Weiß. Wetter wird bekanntlich gern mal überschätzt.
Der Lysefjord nahe Stavanger
Ganz normal ist es hier auf den Straßen mit Aussicht, dass es sie auf einmal gar nicht mehr gibt. Dass sie von einem Fjord unterbrochen werden und man sich von einer Fähre auf die andere Seite bringen lässt.
Fähre über den Jösenfjord
Ansonsten fährt man hier sehr gemütlich Auto. Höchstens 80, meistens 60. Sehr angenehm für Touristen. Wir haben dann Zeit zu gucken. Wenn uns nicht gerade einer der vielen Tunnels die Aussicht nimmt.
Eine Panoramastraße ist übrigens auch eine Panoramastraße, wenn man vorübergehend das Panorama nicht wirklich sieht. Es ist ja da, sieht bei Regen nur anders aus als bei Sonnenschein. Man spielt sich nur selbst ab und zu einen Streich, indem man seufzt „Ach, wie schön sähe das hier bei Sonne und blauem Himmel aus!“
Da gibt es nur ein probates Gegenmittel: eine Kaffeepause. Mit Aussicht und selbst gebackenem Apfelkuchen.
Kaffeepause mit Aussicht im Hafen von Halandsosen
Den habe ich am Tag zuvor gebacken. Da hatten wir in Stavanger 20 Euro für zwei Milchkaffee und zwei Zimtschnecken bezahlt. Unseren schönen Übernachtungsplatz am Fähranleger in Aunes erreichten wir bereits um fünf und – Regen, sei Dank! – es gab nichts besseres zu tun als zu backen.
Unser Übernachtungsplatz am Fähranleger in AunesEgal ob Brot, Pizza oder Apfelkuchen – im Omnia sieht alles aus wie ein Napfkuchen
Ein Nieselspaziergang mit Ausblick auf eine Brücke über Stromschnellen, die zu einem kleinen Wasserfall führen, in dem zur Saison Lachse springen, gliedert sich nahezu perfekt ins Tagesprogramm.
Und weil es hier so schön ist, bleiben wir einfach heute Nacht.
Da hatten die Norweger eine gute Idee: schon vor Jahren haben sie 18 „Turistveger“ quer durch ihr Land konzipiert. Diese Routen führen zu vielen Naturschönheiten, an Küsten, Fjorden, Bergen, Gletschern oder Wasserfällen entlang. Sie liegen abseits der Hauptverkehrsstraßen, gleichzeitig soll die Fahrt ein besonderes Erlebnis bieten.
Wir haben gleich mal den südlichsten ausprobiert. Jaeren genannt, nach der Landschaft, die ihn umgibt. Die Route verläuft in unmittelbarer Nähe zur Nordsee zwischen Flekkefjord und Stavanger. Zwischen Felsen und Meer während der ersten, zwischen Wiesen und Strand während der zweiten Hälfte der Strecke.
Im kleinen Flekkefjord bummeln wir durch zwei, drei Altstadtstraßen, holen ein bisschen Bargeld und erfahren von einer perfekt Deutsch sprechenden Verkäuferin im Spar, dass es in Norwegen keine H-Milch gibt. Interessant. Wir sind gespannt, ob es wirklich so ist, oder ob wir uns missverstanden haben.
Wir fahren weiter durch eine von großen Felsen dominierte Landschaft, die sich uns in stets neuen Formationen präsentieren.
„Helleren“ steht auf einem Straßenschild und lockt uns zu einer Sehenswürdigkeit in der Nähe. Keine Ahnung, worum es geht, aber wir gucken mal. Der „Helleren“ ist ein 60 Meter langer und zehn Meter tiefer Felsvorsprung, den die Menschen schon vor 200 Jahren als natürlichen Schutz nutzten. Sie bauten ihre Häuser darunter und konnten auf richtige Dächer verzichten, denn der Fels beschützt sie – heute wie damals. Die letzten Bewohner, so erfahren wir, haben den Helleren erst um 1920 verlassen.
Im Dorf Sogndalstrand wollen wir ein wenig am Strand spazieren gehen – es gibt ihn allerdings nur im Ortsnamen, nicht aber am Wasser. Dafür stoßen wir auf einen malerischen kleinen Ort mit hübschen Häusern und kleinen Gärten.
Die Felsen treten nach und nach in den Hintergrund und machen Wiesen und sanften Hügeln, Kühen und Schafen Platz.
Am Meer tauchen nun doch die ersten Sandstrände auf. Gut so, schließlich heißt es, dass sich hier in Jæren die längsten Sandstrände Norwegens befinden. Ganze 70 km mit Sanddünen sollen es sein.
Am nächsten Vormittag kommen wir in Borestranda also doch noch zu unserem Strandspaziergang. Es hat 17 Grad, der Wind ist frisch, an Schwimmen ist noch nicht zu denken. Aber ich stecke wenigstens die Füße mal ins Wasser. Eisig!
Am frühen Nachmittag erreichen wir Stavanger, das Ziel unserer ersten norwegischen Touristenroute. Neues und Altes wechseln sich ab, kleine Restaurants und Bars säumen die Hafenkante. Wir schlendern durch die Altstadt, in der es noch etliche Straßen mit alten weißen Holzhäusern gibt. Stavanger ist außerdem bekannt für seine Streetart und rühmt sich, eine der Streetart-Kapitalen Europas zu sein.
Mit der Fähre unterwegs von Palma de Mallorca nach Barcelona
Es dauert zwar noch genau eine Woche, bis wir wieder zuhause sind, aber wir sind schon auf dem Heimweg. Am Samstag werden wir in Göttingen zu einem Familientreffen eintrudeln. Bis dahin haben wir ein paar Fahrtage vor uns.
Unterwegs entdeckt: Europas höchste Brücke in Millau (Frankreich)
Wir waren dann auf den Tag genau zwei Monate unterwegs. In den ersten Tagen unserer Reise begann Russland den Krieg in der Ukraine, was unsere Fahrt immer etwas verschattet hat.
Das Wetter war das nächste große Thema. Um diese Jahreszeit hatten wir uns weniger Regen und etwas höhere Temperaturen im Süden Europas erwartet.
Gefahren sind wir alles in allem rund 9000 Kilometer, übernachtet haben wir 59 Mal, allermeistens auf Stellplätzen für Wohnmobile, seltener auf Campingplätzen, ein Mal frei. Und natürlich in der Finca unserer lieben Freundin Simone auf Mallorca.
„Kannst du mir Deine drei Highlights dieser Reise sagen? „, frage ich Achim etwas unvermittelt.
„Och“, kommt zur Antwort. „Nee, da muss ich länger drüber nachdenken.“
Und auch mir fällt das nicht leicht. Im Gegensatz zu unserer Islandreise (da könnte ich jetzt noch die Highlights runter beten) ragen nicht einzelne Erlebnisse aus der Vielzahl der Eindrücke heraus.
Es ist vielmehr ein Verschmelzen von Bildern und Eindrücken, wie Mosaikstücke, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen.
Hier ein malerisches Dorf, das sich an einen Hügel schmiegt, dort eine Schlucht, durch die sich ein Fluss schlängelt, während rechts und links die Felsen aufragen. Mal ist es das kleine Glück, am Meer zu sitzen und ein leckeres Getränk vor sich zu haben oder die behagliche Atmosphäre im Bus. Mal der kurze Plausch mit einer Frau aus dem Dorf. Die Tapas, der Wiedehopf, die Mimosen. Ein Kaleidoskop von Eindrücken und Erfahrungen, das sich erst im Laufe der Zeit zusammensetzen und sein Muster zeigen wird.
Zwei Monate waren wir fast ununterbrochen zusammen. Das ist zuhause anders. Es hat aber ganz gut geklappt. Natürlich gab es kleine Nickeligkeiten, auch mal die eine oder andere Explosion („Ich fahr mit dem Zug nach Hause!“), aber allermeistens haben wir uns gut vertragen.
Das Unterwegssein ist das, was mir die größte Freude ist. Nicht zu wissen, wie der nächste Ort, der nächste Stellplatz, die nächste Straße aussieht. Aber doch sicher zu sein, dass es vielleicht mal langweilig oder unschön, aber niemals gefährlich oder unangenehm sein wird. Neugierig sein und die Neugier stillen können. Das ist Reisen. Mehr davon! Folgt bald 😊
Sa Calobra, die Schlange, ist eine 13 Kilometer lange Straße, die sich im Nordwesten Mallorcas aus der Sierra Tramuntana zum Meer schlängelt.
Heiß geliebt wird diese Straße im Frühling, wenn es noch nicht so warm ist, von RadfahrerInnen. Myaden von RadfahrerInnen. Die Auffahrt zur Passhöhe ist für mich Stress pur – obwohl ich nur Beifahrerin bin. Wie muss das erst im Sommer sein, wenn auch noch die Touristenbusse hinzukommen? Nun gut, dann sind wahrscheinlich weniger Radfahrer unterwegs.
Das Panoramabild wurde am „Krawattenknoten“ aufgenommen
Über Serpentinen schleichen wir vor, hinter und neben den SportlerInnen den Berg hoch. Zwölf Haarnadelkurven müssen durchquert werden, wobei beim Bau darauf geachtet wurde, dass steile Anstiege vermieden wurden. Zu den spektakulärsten Spitzkehren gehört der sogenannte „Krawattenknoten“, wo die Straße eine 270°-Kurve macht.
Hinunter zum Meer ist es dann etwas entspannter, weil wir jetzt alle mehr oder weniger im gleichen Tempo fahren.
Angekommen in der Bucht Sa Calobra
Der Ort Sa Calobra mit seinem kleinen Strand und vielen Kneipen war bis zum Bau der Serpentinenstraße in den 1930er Jahren nur über den Seeweg zu erreichen.
AmPlatja de Torrent de Pareis
Wir machen noch einen kurzen Spaziergang zum benachbarten Platja de Torrent de Pareis. Er ist nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen. Auf dem letzten Abschnitt durchqueren wir zwei in den Fels geschlagene Tunnels. Dann liegt der Strand vor uns, auf der einen Seite von hohen Felsen umrahmt, auf der anderen markiert er den Eingang zur sechs Kilometer langen gleichnamigen Schlucht.
Wenn’s soweit ist, werden hier die Sonnenschirme draufmontiert. Kleines Konzert am Strand
Die Rückfahrt über die Sa Calobra ist etwas entspannter – die meisten Radfahrer sind schon weg. Wir machen noch einen Stopp am Meer, ich trinke eine Sangria, die erste auf dieser Reise. Das wurde aber auch Zeit. Auf dem Weg zurück zum Auto verweilen wir noch bei einer Musikerin am Strand. Zum Träumen schön ist das.