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Mit dem Rad durch Sevilla

Flamenco kann man nicht nur nachts erleben. Auch am hellichten Tag auf der Plaza Español, einem Kleinod mit Palast, Brunnen, Brücken und vielen Kacheln.

Ungläubig staunend bummeln wir über den Platz, als wir Musik hören, die sehr nach Flamenco klingt. Eine Frau im hautengen schwarzen Kleid dreht und windet sich zur Musik eines Gitarristen und eines Sängers, stampft, hebt die Arme, streicht über ihren Körper, wirft den Kopf in den Nacken, tanzt, verharrt, tanzt erneut. Wir sind begeistert. Und wieder rufen die Umstehenden laut Olé und pfeifen und klatschen.

Hat eigentlich schon mal jemand Kopenhagen mit Sevilla verglichen? Die dänische Hauptstadt wird ja oft als DIE Stadt für FahrradfahrerInnen gelobt. Auch von uns, denn wir sind in Kopenhagen geradelt und fanden die  Infrastruktur großartig. Aber nun wissen wir: die in Sevilla ist genauso toll. Wir radeln von einer Sehenswürdigkeit zur anderen auf den grünen Fahrradstreifen, kilometerweit. Hervorragend. So machen Stadtbesichtigungen Spaß.

Das nächste Highlight ist einem Berliner  Architekten zu verdanken: Jürgen Mayer H. gewann 2004 den internationalen Wettbewerb der Stadt Sevilla zur Neugestaltung der Plaza de la Encarnación aus.

Das neue Wahrzeichen von Sevilla hat eine Länge von 150 Metern, eine Breite von 70 Metern und eine Höhe von 26 Metern und gilt als größtes Holzbauwerk der Welt. Drumherum tobt das Leben: Cafés, Bars, Restaurants, alle voll besetzt, Menschen, die flanieren, Fotos machen.

Wo wir auch hinkommen, es sind jede Menge Menschen unterwegs. Ob an der Kathedrale oder am Königspalast, dem Alcazar, Schlangen, die zur Besichtigung anstehen, SpaziergängerInnen, JoggerInnen, viele sind auf Elektrorollern oder wie wir mit dem Rad unterwegs. Nicht zu vergessen die Wassersportler, die mit unterschiedlichen Booten auf dem Fluss herumkurven.

Ich hatte gestern Morgen noch die Befürchtung, dass es am Sonntag fad sein könnte in der Stadt. Ich glaube fast, dass es einem hier in Sevilla nie fad wird. Dennoch fahren wir am Nachmittag weiter und erreichen bereits nach einer Stunde einen Ort, der wie aus einer anderen Welt erscheint. Den haben wir am frühen Abend schon ein wenig unter die Lupe genommen und werden morgen alles genauestens erkunden. Ihr werdet ebenso überrascht sein wie wir.

Planlos im Regen

„Dauerregen mit zehn bis 20 Liter pro Quadratmeter“, sagt wetteronline für das andalusische Hinterland voraus. Das ist einerseits großartig, denn genau in dieser Gegend herrscht gerade eine große Wasserknappheit. Teilweise gibt es in den Dörfern um uns herum kein Trinkwasser mehr aus den Leitungen und die Menschen erhalten  ihr Wasser  mit Hilfe von Lastwagen, die zweimal in der Woche Kanister vorbeibringen. Gut also, dass es regnet. Für uns persönlich ist das natürlich nicht so schön. Fahrradfahren, Wandern, durch schöne Orte Bummeln macht bei Regen nicht so viel Spaß.

Hinzu kommt, dass wir ab heute planlos sind. Bis hierher hatten wir uns zuhause eine Route, einen Plan gemacht, angereichert mit den Orten oder Landschaften, die wir uns näher anschauen wollten. Der Camino del Rey war unser letzter Fixpunkt, weil wir es offen lassen wollten, ob wir weiter Richtung Portugal fahren oder ob wir links abbiegen Richtung Marokko.

Spannend. Erstmal aufstehen, frühstücken und dann beratschlagen.

Alles klar. Wir haben ja doch noch was auf der Liste: das Naturschutzgebiet La Doñana hinter Sevilla. Deshalb fahren wir jetzt erstmal nach Sevilla. Wenn es dort heute Nachmittag immer noch regnet, gehen wir ins Museum. Für den Abend bin ich noch auf der Suche nach einem Flamencoevent.

Der Stellplatz ist gefunden und wir nehmen die Räder, um in die Stadt zu fahren.

Gute Radwege bringen uns über den Fluss Guadalquivir und in die City.

Das Erstaunlichste: der Duft nach Zitronenblüten! An den Avenuen, aber auch an den kleineren Straßen wachsen die Bäume, die jetzt in voller Blüte stehen und fast die ganze Stadt mit ihrem Aroma einhüllen.

Das Museum der schönen Künste ist, laut Reiseführer, das zweit bedeutendste für barocke Kunst in Spanien nach dem Prado.

Die Themen sind jedenfalls die gleichen: christliche Motive, Jesus, Maria, Apostel, Heilige… Nicht so mein bevorzugtes Genre.

Aber das Haus ist sehr schön, ein ehemaliges Kloster aus dem 16. Jahrhundert.

Wir radeln weiter, ich bremse an einem interessant aussehenden Tor. Als wir durchfahren, tut sich ein großer Gebäudekomplex auf: das Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, also das andalusische Zentrum für zeitgenössische andalusische Kunst.

Eigentlich wollte ich nur den Innenhof anschauen, dann entdecke ich die Skulptur an der Hauswand. Schaut genau hin: im oberen Fenster links vom Torbogen schaut ein Kopf heraus, links daneben ein Arm. Ich entdecke einen Ticketschalter, heute kostet es keinen Eintritt, schaut mal dahinten in die Kirche.

Wir schauen und staunen. Riesige Tapisserien der polnischen Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas kleiden das Kirchenschiff aus. Sie waren vor zwei Jahren Polens Beitrag zur Biennale in Venedig. Zum ersten Mal stellt die polnische Künstlerin in Spanien die beeindruckende Serie von Wandteppichen aus, in denen sie das Leben der Frauen ihrer Gemeinde zusammen mit anderen Geschichten der Roma in Sevilla nachbildet.

Die farbenfrohen Kunstwerke animieren dazu, sie wie ein Bilderbuch zu lesen.

Wir verlassen die Kirche durch einen Hinterausgang und stoßen auf einen Innenhof, der von riesigen Kaminen umgeben ist. Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte der englische Geschätsmann Charles Pickman das alte Kloster und schuf dort eine große Töpferei, in der bald industriell produziert wurde.

Den krönenden, besser leuchtenden Abschluss unseres Besuches erleben wir mit der Installation „Rote Sphäre“ des Argentiniers Julio le Parc vor einem weiteren Hochaltar. Fast 2000 durchsichtige Kunststoffplättchen verarbeitete er zu einer leuchtenden, sich in sich bewegenden Kugel,

Ziemlich geflasht von so viel unerwarteter interessanter Kunst suchen und finden wir eine Kneipe, in der nicht nur wir ein Bier trinken, sondern abwechselnd drei gute Sängerinnen, die sich scheinbar spontan aus dem Publikum melden,  spanische Lieder, leicht verjazzt, singen. Begleitet werden sie von einer kleinen Drei-Mann-Band.

Ein paar leckere Tapas später radelt Achim (mit Hilfe seines Navis) durch die Altstadt von Sevilla, als ob er hier zuhause wäre. Ich hinterher. Unser Ziel: die Carboneria. In dieser ehemaligen Kohlenhalle soll es Flamenco geben. Es ist gesteckt voll, als wir gegen kurz nach zehn dort ankommen, überwiegend junge Leute. Achim holt uns zwei Sangria und schon geht es los: drei Männer und ein Junge sitzen auf einer Bank, einer beginnt, Gitarre zu spielen, einer singt. Die beiden anderen klatschen einen komplizierten Rhythmus. Beim dritten Lied steht der dritte Mann auf, schlank, schwarz gekleidet, lange, leicht ölige Haare, reckt die Arme nach oben, stampft mit den Füßen, dreht sich, die anderen Musiker animieren ihn mit Klatschen und Gesang. Abrupt bleibt der Tänzer stehen. Olé! Das Publikum ist begeistert. Wieder setzten die Musiker und der Tänzer an, sie singen und tanzen zwei weitere Lieder, dann ist Schluss. Das Publikum bejubelt sie frenetisch, die Künstler verbeugen sich und binnen fünf Minuten ist die gesamte Kneipe so gut wie leer.

Das hätten wir jetzt nicht erwartet, aber gut, dann radeln wir jetzt halt auch heim. Olé!

Auf dem Königsweg

Seit Jahren schon wollen wir hier hin, immer war irgendwas, das uns daran gehindert hat. Jetzt ist es soweit. Wir haben Eintrittskarten für den Caminito del Rey. Heute Nachmittag um 14.30 Uhr dürfen wir diesen berühmten Wanderweg begehen.

Gestern haben wir unseren schönen Platz am Cabo de Gata verlassen und sind durch die Sierra Nevada 200 km nach Nordwesten gefahren. Besorgt haben wir den Wetterbericht verfolgt, denn das schöne Mittelmeerwetter hat uns in den Bergen verlassen, es regnet.

Als wir aber heute Morgen wach werden, scheint die Sonne und die Hoffnung auf eine trockene Wanderung steigt.

Wir fahren etwa eine Stunde, um zum Informationszentrum des Caminito del Rey zu gelangen. Gleich nebendran, ein Plateau höher, gibt es eine  Parkmöglichkeit für Camper. Mit fantastischem Ausblick auf den Stausee.

Regenjacken, Wasser und Proviant in den Rucksack, Wanderschuhe an und los. Beim Infozentrum startet der Pendelbus, der einen zum nördlichen Eingang bringt. Der Königsweg ist eine Einbahnstraße und kann nur von Nord nach Süd gelaufen werden.

Die ersten zwei Kilometer sind ein gemütlicher Waldspaziergang. Dann erreichen wir den Eintrittskarten-Kontrollpunkt, wo wir auch Helme bekommen.

Dann geht es los. Der kleine Fluss Guadalhorce hat eine Schlucht in die Felsen gefressen, die teils über 100 Meter senkrecht hinaufragen.

Wir folgen seinem Lauf über einen drei Kilometer langen Bohlenweg, der teils in den Felsen geschlagen ist, teils an ihm zu schweben scheint.

Der Fluss schlängelt sich und bietet mit jeder Windung eine neue, spektakuläre Aussicht.

Eine Menge Leute sind hier unterwegs, aber jeder wartet rücksichtsvoll, wenn einer ein Foto macht oder bietet an, einen zu fotografieren.

Der caminito war Ende der 1990er Jahre stark verfallen und galt als einer der gefährlichsten Wanderwege der Welt. Im Jahr 2000 wurde er geschlossen, nachdem es hier zu mehreren Todesfällen gekommen war.

15 Jahre später wurde er wieder eröffnet, komplett saniert, sicher und für alle, die keine Höhenangst haben, mit Freude begehbar.

Der Caminito del Rey liegt etwa 60 km nördlich von Malaga. Wer in die Gegend kommt, sollte ihn unbedingt gehen. Man muss nicht drei Jahre warten so wie wir.

Ein Hoch auf den Königsweg!

Rauf aufs Kap

Herrjeh! Das Clo ist voll. Statt nach dem Frühstück wie geplant mit unserer Wanderung aufs Kap zu starten, müssen wir uns jetzt erstmal um die Entsorgung kümmern. Park4Night weiß zum Glück Rat: wenige Kilometer vom Cabo de Gata entfernt gibt es eine Tankstelle, die Ver- und Entsorgung für Wohnmobile anbietet. Also los, hilft ja nichts. Als wir nach getaner Arbeit zu unserem Stellplatz zurückkehren, können wir uns freuen: jetzt ist sogar ein Platz in der ersten Reihe direkt vorm Meer frei.

Mit einem Stündchen Verspätung machen wir uns auf den Weg, den wir am Vorabend bei komoot entdeckt haben. Er beginnt direkt hinter unserm Platz und führt auf leicht ansteigendem Weg hinauf zu einer Scharte zwischen den vulkanischen Felsen des Kaps.

Diesmal ist es vor allem der Blick zurück, bei dem einem die Luft wegbleibt: im Hintergrund das blaue Meer, davor der weiße Ort neben der Lagune, deren Wasser aus uns nicht bekannten Gründen rosa schimmert. Wir kommen nur langsam voran, weil wir uns immer wieder umblicken müssen.

Dann erreichen wir die Scharte, die uns auf ein Plateau führt, auf dem wir es uns zum Picknick gemütlich machen.

Zwei Brote, eine Orange und eine halbe Tafel Schokolade später folgen wir einem ausgetrockneten Flussbett durch einen Palmenwald und gelangen schließlich auf die Straße, die zum Leuchtturm führt.

Leider unterhalb der zehnprozentigen Steigung. Es sind nicht viele Autos unterwegs, aber viele Schritte zu machen, um nach oben zu kommen. Ich visualisiere mir die Kekse, die Schokolade, das Weißbrot, den Wein der letzten Tage und spüre förmlich, wie die überflüssigen Kalorien beim Anstieg dahinschmelzen. Bei soviel Selbstbetrug, oder nennen wir es doch lieber positiv, Autosuggestion, komme ich eins, zwei, drei hinauf. Und wieder haben wir eine gigantische Aussicht aufs Meer und auf unseren Strand.

Gestern Abend habe ich ein Weißbrot gebacken. Da unsere Vorräte inzwischen so geschmolzen sind, dass wir noch nicht mal mehr Kekse zum Kaffee haben und es hier auch weit und breit keinen Laden gibt, brate ich ein paar Scheiben Weißbrot in Butter und Zucker aus, ein Klecks Erdbeermarmelade drauf und fertig ist der süße Nachmittagsimbiss. Wir haben ja gerade ganz viele Kalorien abtrainiert, nicht wahr?

Für den Rest des Tages passen wir auf Strand, Meer und Sonne auf. Nicht, dass da noch was passiert.

Am Meer

Ich sitze am Strand und blogge. Das Meer rauscht, es hat immer noch 20 Grad und wir warten auf den Sonnenuntergang. Ab und zu kommt mal jemand mit seinem Hund vorbei, ansonsten ist hier kein Mensch. Am Strand. Hinter uns sieht es etwas anders aus.

Wir sind in der kleinen Siedlung La Fabriquilla beim Cabo de Gata, die um diese Jahreszeit unbewohnt ist. Hier gibt es wohl nur Ferienhäuser. Für uns ein Glück, weil die Ansammlung von Wohnmobilen so niemanden stört.

Heute Morgen sind wir 60 Kilometer nördlich von hier in der Halbwüste von Tabernas aufgewacht. 

Nach dem Frühstück suchen wir uns eine kleine Straße entlang der Wüste, die uns nach Süden ans Meer führt. Zwischendrin gibt es Aussichten, die zu Drohnenfotos und Selfies verleiten.

Es ist aber auch zu schön hier.

Ich lasse mir von meinem Liebsten noch schnell die Haare waschen (mit kaltem Wasser, denn die Heizung ist ja aus, aber irgendwas ist ja immer) und dann geht es weiter.

Bald kommen die ersten Treibhäuser in Sicht.

Zum Kap ist es jetzt nicht mehr weit und in der zweiten Reihe, aber trotzdem mit Meerblick, gibt es noch ein Plätzchen für uns.

Einen Kaffee später sitzen wir auf den Rädern und machen uns auf den Weg zum Leuchtturm. Es sind nur dreieinhalb Kilometer, aber es geht recht steil hoch. Für mich mit dem E-Bike ja kein Problem, Achim aber  muss kräftig in die Pedale treten.

Oben angekommen blicken wir runter auf die zerklüftete Küste und das Kap.

Wir sausen wieder hinunter, fahren am Dorf vorbei in die Saline und schauen noch eine Weile den Flamingos zu, die wir vorhin im Vorbeifahren aus dem Auto gesehen haben. Zwei Rotschenkel lassen es sich hier auch gut gehen. So nah hab ich diese Vögel, die ich von der Nordsee kenne, noch nie gesehen. Aber um ein gutes Foto zu machen, sind alle Vögel zu weit weg.

Nun aber los. Die Sonne wartet nicht auf uns. Schnell noch die Kartoffeln fürs Abendessen schälen, dann Gläser und Weißwein in die einen zwei Hände, die Stühle in die anderen und ab zum Strand.

Schöner wohnen

Im 13. Jahrhundert nahmen die katholischen Könige Granada ein und verdrängten die hier lebenden Mauren. Auch hier in Guadix wurden die Andersgläubigen aus der Medina zunächst in die Vororte und dann in die Randbezirke vertrieben.  Hier bauten sie sich Wohnhöhlen, indem sie Löcher in den weichen Tuffstein gruben. Höhlen sind günstig, einen Teil der Wände liefert die Natur. Außerdem bieten sie die perfekte Tarnung: Man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht.

Heute leben im so genannten Höhlenviertel von Guadix noch mehr als 3.000 Personen in über 1.500 Höhlen. Das macht es zu etwas sehr Besonderem. Alles erstrahlt in frischem Weiß und ist sehr gepflegt. Das Viertel hat auch eine Kirche, eine Grundschule, kleine Geschäfte und Cafés.

Wir verlassen das schöne Guadix, fahren vorbei an den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada, wechseln von der Provinz Granada in die Provinz Almería und fahren von 900 hinunter auf 400 Höhenmeter in Tabernas.

Dann empfängt uns eine spektakuläre Landschaft mit Sonnenschein und 20 Grad! Wir haben die (Halb-)wüste von Tabernas erreicht.

Hier können auch wir schöner wohnen, zumindest bis morgen.

Erstmal Kaffee kochen und die Aussicht genießen. Dann packen wir die Fahrräder vom Bus, um ein bisschen durch die Gegend zu fahren. Mist! Mein Rad hat einen Platten – und ich zum Glück einen Mann, der sehr versiert darin ist, kaputte Reifen zu reparieren.

Eine halbe Stunde später können wir los. Richtung Tabernas. Durch die Halbwüste, die wir alle aus dem Kino kennen. Denn hunderte Spielfilme, davon zahlreiche Wildwestfilme wie beispielsweise Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahr 1968 oder „Der Schuh des Manitu“ von Bully Herbig entstanden hier und noch heute drehen viele Regisseure gern in dieser einzigartigen Kulisse. Die Filmsets stehen zum Teil noch hier und können gegen (saftige) Eintrittsgebühren besichtigt werden.

Mit mehr als 3.0000 Sonnenstunden im Jahr ist die Tabernas Wüste die heißeste und trockenste Region auf dem europäischen Kontinent. Im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 40 Grad und es regnet praktisch nie.

Heute ist der erste Tag unserer Reise, an dem wir die Heizung komplett auslassen können. Selbst  am Abend hat es noch angenehme 16 Grad. Wir freuen uns jetzt schon auf den Sonnenaufgang morgen früh, der die bizarren Lehmformationen vor unserem Bus hoffentlich in schönes Licht taucht.

Wüste nicht gefunden

Tja, was soll ich sagen? Heute war der Tag kein Traumtag. Ich gebe allerdings zu: das ist Jammern auf hohem Niveau. Wenn man aber eine Wüste sucht und nicht findet, kann das schon nerven. Moment, der Reihe nach. Denn die nicht gefundene Wüste ist nicht das Einzige, was heute quer läuft. Es gibt da auch noch die misslungene Radtour. Damit muss die Geschichte losgehen.

Der Weg zum Startpunkt in Baúl, etwa 70 Kilometer weit, ist schön und bietet wunderbare Ausblicke auf die Berge und einen Stausee.

Achim hat im Netz eine sogenannte Via Verde entdeckt, einen Radweg, der auf einer Bahntrasse verläuft. Nach der gestrigen Wanderung schien uns eine Radtour heute verlockend.

Aber: wir befinden uns auf etwa 1000 m Höhe, es ist sehr kalt und der Wind pfeift. Auf den ersten Kilometern merkt man nichts davon, weil wir ihn im Rücken haben. Auf dem Rückweg haben wir ordentlich zu kämpfen. Den treten wir zum Glück schon nach vier Kilometern an. Puh, und dafür haben wir die Räder vom Träger gehievt.

Okay, kann ja nicht immer alles glatt laufen, jetzt auf in die Wüste! Gorafe ist der Name. Wenn man ins Internet schaut, was wir natürlich gemacht haben, findet man begeisterte Beschreibungen: „Die Wüste von Gorafe in der Provinz Granada in Andalusien ist wie von einem anderen Planeten. Das durch vielfältige Formen und Farben geprägte Gebiet besitzt eine einzigartige Schönheit, deren Landschaft an Kappadokien erinnert.“

Ja, der Ort Gorafe selbst liegt spektakulär am Ende einer Schlucht umgeben von hohen Felswänden.

Nur: Wo ist die Wüste?

„Am besten entdeckst du die Wüste von Gorafe vom Centro de Interpretación am Megalithenpark aus. Das 600 qm große Informationszentrum hat in der Regel von dienstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Von hier aus hast du eine gute Sicht auf das Tal, hier beginnt die Geo-Route. Auf dieser Tour kommst du an allen Höhepunkten der Wüste vorbei.“

Hm. Das genannte Informationszentrum liegt mitten im Ort und der Weg dorthin mit unserem Camper ist so eng, dass ich als Beifahrerin die Luft anhalte. Es ist geschlossen (Sonntagnachmittag, 15 Uhr), vor allem aber geht hier kein einziger Wanderweg los.

Eine gute Sicht in das Tal haben wir, das stimmt.

Aber wo ist die Wüste? Damit das klar ist: es GIBT in Spanien sogenannte Halbwüsten, z. B. die Bardenas Reales, in der wir letztes Jahr waren, oder die von Tabernas, wo wir morgen hinfahren. Es sind keine Sand-, sondern Steinwüsten.

Wir studieren die Landkarte, befragen noch mal das Internet, fahren eine Weile hier hin und da hin, hoch und runter. Nix. Dann haben wir die Nase voll und lassen es gut sein. Sollte jemand hier mitlesen, der es besser weiß als wir, kann es uns sehr gern wissen lassen.

Wir setzen uns jedenfalls in unseren Bus und fahren 30 km weiter nach Guadix. Der Ort ist bekannt für seine Höhlenwohnungen und schaut, ebenfalls vor felsiger Kulisse, sehr schön aus.

Wir setzen uns noch auf ein Bierchen auf die Plaza. Aber das ist bei neun Grad auch nicht so prickelnd und so laufen wir zurück zum Bus und beenden diesen Tag. Die Höhlenwohnungen schauen wir uns morgen Früh an – ehe wir in die Wüste, nach Tabernas, fahren.

Wandertag in Andalusien

Gestern Abend, als wir hier ankamen, haben wir vom Ort wenig gesehen. Heute morgen, als wir zum Wandern herkamen, waren wir geplättet. Wie schön ist das denn!

Finden nicht nur wir sondern auch jede Menge (spanischer) Touristen. Es ist Samstag und wirklich viel los.

Bald lassen wir den Ort hinter uns, klettern hinauf zum Castillo de la Yedra und fotografieren in einem fort die gigantischen Ausblicke auf das weiße andalusische Dorf Cazorla im gleichnamigen Nationalpark.

Für uns geht es noch ein Stück weiter hoch zur Burgruine Cinco Esquinas (Fünf Ecken) auf immerhin 1150 Metern. Zeit für eine Brotzeit.

Dann geht es ein Stück runter, ein Stück rüber und wir sind am Wasserfall Malena. Hier tritt der Fluss Cerezuelo aus den Bergen und mäandert über zahllose Kaskaden bis hinunter nach Cazorla. Der Wanderweg begleitet ihn nun, was mich an der einen oder anderen Stelle herausfordert, wenn mal keine schöne Brücke zum queren da ist sondern nur Steine oder Hölzer.

Egal, wir schaffen es, ohne nasse Füße zu bekommen. Müde sind sie nach 14 Kilometern aber doch.

Gut, dass es im Café Kaffee und im Bus Bier gibt. Morgen werden wir übrigens versuchen, in die Wüste zu kommen.

Kein Kampf gegen Windmühlen

Vor hunderten von Jahren hat Don Quijote hier, genau vor meinen Augen, gegen die Windmühlen gekämpft. Er hielt sie in seiner Fantasiewelt für Giganten, die er besiegen musste.

Cervantes nannte keine Ortschaften, aber diese Gegend hier, la Mancha, war die Abenteuerwelt des Ritters der traurigen Gestalt, seines treuen Gefährten Sancho Panza und seines klapperdürren Gauls Rosinante.

Damals, also um das Jahr 1600, standen auf dieser Hochebene, auf der wir nun mit unserem Camper stehen, hunderte von Windmühlen. In der gesamten Gegend dürften es jetzt immer noch knapp hundert sein, hier in Campo de Criptana zähle ich neun vor meiner Windschutzscheibe, drei stehen noch unten im Dorf.

Wir schaffen es tatsächlich, mit Sonnenaufgang aufzustehen und Fotos zu machen. Das klingt allerdings dramatischer als es ist, denn die Sonne geht hier erst um viertel vor acht auf. Dramatisch ist höchstens die Temperatur: zwei Grad.

Nach dem Frühstück gehen wir runter ins Dorf mit seinen weiß-blau gestrichenen Häusern und den schmalen Gassen.

Der Blick zurück bietet immer neue schöne Blicke auf die Windmühlen.

Anders als Don Quijote müssen wir nicht gegen Windmühlen kämpfen sondern können uns einfach an ihrem Anblick erfreuen.

Auf dem Weg weiter Richtung Süden fahren wir weiter durch die Provinz Kastilien La Mancha. Auffällig sind die riesigen Weinfelder rechts und links der Straße. Da ich heute Beifahrerin bin, habe ich Zeit zum googeln und kann Achim mit einem Rätsel überraschen: „Was hat unsere Heimat gemeinsam mit La Mancha?“ Beide beherbergen ein weltweit größtes Anbaugebiet. Die Holledau, in deren Nähe wir leben, das für den Hopfen. Und La Mancha das für Wein. Ist ja nicht zu fassen!

vinos.de weiß: „La Mancha im kastilischen Hochland ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt. Die DOP weist 170.000 ha Rebfläche auf, was mehr ist als alle Weinberge Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zusammen. Auf großen Flächen wachsen Weiß- und Rotweine, von denen die meisten im preiswerten Bereich angeboten werden.“ Beim nächsten Weinkauf werden wir zugreifen.

Am Nachmittag erreichen wir Andalusien, die Weinstöcke werden von Olivenbäumen abgelöst. So weit das Auge reicht. In der Ebene und die Hänge hinauf. Im Internet ist von „Olivenmeeren“ die Rede. Allein in dem Bereich, in dem wir uns jetzt aufhalten, wachsen über 65 Millionen Olivenbäume.

Das Weltkulturerbe Úbeda liegt auf unserem Weg. Wir bummeln durch die kleine Renaissancestadt und trinken Kaffee. Der Weinkauf scheitert an der sehr ausgedehnten Siesta. Die Geschäfte machen erst um fünf wieder auf.

Schließlich erreichen wir unser Tagesziel, einen Stellplatz bei Cazorla mit toller Aussicht auf die Olivenhaine. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, denn morgen wollen wir im Nationalpark wandern.

Noch auf ein Museum in die Stadt

Es gibt natürlich noch ewig viel zu sehen hier in Madrid, aber wir wollen der Großstadt heute Nachmittag wieder den Rücken zukehren. Jedoch nicht ohne vorher das Museo Reina Sofia besucht zu haben.

Hier hängt ein Bild, das ich schon im Kunstgeschichte-Unterricht in der Schule kennengelernt und danach in etlichen Büchern gesehen habe, aber noch nie im Original: die Guernica von Picasso.

Das Bild entstand 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch den Luftangriff der deutschen Legion Condor und der italienischen Corpo Truppe Volontarie, die während des Spanischen Bürgerkrieges auf Seiten Francos kämpften.

Mit uns sind heute viele Schülerinnen und Schüler im Museum, intensiv von Lehrkräften betreut. Genau wie wir schauen sie Guernica und viele andere Picassos, Juan Gris, Dalis und Miros an. Ein Museum ganz nach meinem Geschmack. Wegen der vielen spannenden Bilder, aber auch weil Menschen über 65 Jahre hier freien Eintritt haben. Graçias!

Zum Abschluss unseres Kurztrips in die spanische Hauptstadt laufen wir noch zum Caixa-Forum, ein Kunstforum der gleichnamigen Bank mit beeindruckender Architektur und einem vertikalen Garten nebendran.

Dann geht es weiter nach Süden. Das Land der Windmühlen ist unser Ziel. In Campo de Criptana, 170 Kilometer südlich von Madrid, stehen neun auf einem Plateau. Wenige Minuten vor Sonnenuntergang sind wir da.

Der Stellplatz ist direkt daneben und mit dieser tollen Aussicht dürfen wir heute den Tag ausklingen lassen.

Morgen zum Sonnenaufgang wird weiter fotografiert und dann zeige ich Euch wahrscheinlich noch hundert Windmühlenfotos.