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An der Quelle des Tajo

An der Quelle des Tajo

Gestern sind wir dem Lauf des Tajo nicht gefolgt, weil er gerade in einem sehr weiten Bogen nach Norden fließt. Doch heute treffen wir ihn wieder – um uns von ihm zu verabschieden. Wir sind nämlich an der Quelle angelangt. Fast den ganzen Weg vom Atlantik in Portugal bis hierher haben wir gemeinsam gemacht und wir haben viel Schönes auf diesen 1000 Kilometern gesehen. Aber nun: Adios!

Hier wurde dem Fluss ein Denkmal gesetzt.

Der längste Fluss Spaniens wird an seinem Ursprung mit einem üppigen Denkmal gewürdigt, das die angrenzenden Provinzen symbolisieren soll.

In der verzauberten Stadt

Ehe wir uns heute Morgen auf den Weg zur Quelle des Tajo gemacht haben, statteten wir der Ciudad Encantada, der verzauberten Stadt, unweit von Cuenca einen Besuch ab.

… ein Gesicht
vielleicht der Bogen einer Kathedrale
… und Schiffe

Man nennt sie so, weil bizarre Felsformationen ein Labyrinth aus Felsbrücken, mehr oder weniger breiten Wegen und offenen Plätzen bilden. Man kann Tiere und Menschen erkennen, unter steinernen Brücken hindurch schlendern, schmale Felsspalten entlang gehen und am Rande eines steinernen Sees stehen.

Am Ufer des steinernen Sees

Die Ursache für die gestalterische Kraft der Natur ist die spezifische Zusammensetzung des Kalksteins. Die obere Decke besteht aus grauem, härteren Stein. Darunter befinden sich Gesteinsschichten, die schneller erodieren.

Jetzt wissen wir, warum die Prozessionsspinner so heißen.

Was mir den Spaß ein kleines bisschen verdirbt ist nicht etwa das graue Wetter (ja, ja, bei blauem Himmel und Sonne wären die Fotos beeindruckender) sondern die Massen an Prozessionsspinnerraupen. Man muss mit Argusaugen auf seine Tritte und Schritte aufpassen, sonst tritt man auf die Tiere.

Die Verzauberte Stadt liegt auf 1400 Metern Höhe. Von hier zur Tajoquelle queren wir den Naturpark Serranía de Cuenca und erklimmen dabei weitere 200 Höhenmeter. Oben an der Quelle hat es dann nur noch 6 Grad.

Auch im Canyon Los Arcos entdecken wir ausgefallene Felsformationen. Wir laufen einen Kilometer in die Schlucht hinein und beobachten dabei Geier und Falken.

Im Canyon Los Arcos
Eines der schönsten Dörfer Spaniens, meint unser Reiseführer.

Das Bergdorf Albarracin sehen wir schon aus der Ferne und in dem grauen Einerlei des heutigen Tages wirkt das Rosa des Ortes als schiene die Sonne.

Alles ist eng in Albarracin.

Wir klettern die steilen Steintreppen hoch und bummeln ein wenig durch die Gassen. Vom Reiseführer mal wieder hoch gelobt als eines der schönsten Dörfer Spaniens präsentiert sich Albarracin wie ein museales Gesamtkunstwerk. Das belebende Element sind die Touristen, die allerdings vergeblich nach gemütlichen Cafés, die am heutigen Samstagnachmittag geöffnet haben, Ausschau halten.

Hier bleiben wir über Nacht.

Eine Stunde fahren wir noch durch die felsige Hochebene, um für die Nacht im Dorf Fuentes Calientes Station zu machen. Laut Park4Night gibt es hier 100 Einwohner und einen Esel. Oder sind es heute Nacht gar drei?

Toledo und Cuenca

Toledo – die dritte Stadt rund um Madrid, die man unbedingt besucht haben muss. In Segovia und Avila waren wir bereits. Wir stellen das WoMo auf dem Nahen Campingplatz ab und nehmen die Räder. Erstmal zum Aussichtspunkt Mirador del Valle südlich des Tajo mit Blick auf die Altstadt. Ganz eng stehen die Häuser und darüber […]

Toledo und Cuenca

Tejo oder Tajo?

Am Tejo bei Santarem in Portugal

In der kleinen Stadt Santarem erreichen wir unseren zweiten Strom, an dem entlang wir nun Richtung Barcelona stromern wollen: den Tejo. Soweit wir wissen, heißt der mit ca. 1000 Kilometern längste Fluss der iberischen Halbinsel in Portugal Tejo und in Spanien Tajo. In manchen Landkarten wird es aber auch anders geschrieben.

Wir sind noch in Portugal und deshalb am Tejo

Wir werden dem Strom fast bis zur Quelle bei Fuente Garçia folgen. Von da aus sind es dann  noch etwa 500 Kilometer nach Barcelona, wo wir in einer Woche auf die Fähre nach Mallorca gehen.

Wir haben dem Atlantik nun den Rücken zugedreht und sind durch eine fruchtbare Hügellandschaft hierher gefahren.  Frisch gepflügte Felder warten auf die Aussaat oder Bepflanzung, Wein, Oliven, Zitrusfrüchte und viele Plantagen mit Spalierobst, das kurz vor der Blüte steht, säumen die Straße. Die Weinregion hier heißt Ribatejo und unsere N118 ist zugleich die Rota do vinho.

Spalierobst

Auf der gesamten Herfahrt ist es diesig. Die Landschaft liegt wie unter einem Qualmwolke. Es ist fast ein bisschen unheimlich. Vielleicht eine Art Seenebel, der sich weit ins Landesinnere zieht? Obwohl die Sonne verborgen ist, hat es angenehme 19 Grad.

Landschaft wie unter einer Qualmwolke

Der Nebel hält sich auch noch am Nachmittag. Es ist also definitiv kein Seenebel, dazu liegt das Meer jetzt zu weit hinter uns. Die Süddeutsche informiert, dass wieder einmal Saharasand nach Bayern kommt – den Norden Portugals hat er augenscheinlich schon erreicht. Die Besitzerin des Cafés, in dem wir am frühen Nachmittag einkehren, entschuldigt sich bei uns für den nicht ganz sauberen Tisch, an dem wir uns draußen niederlassen. Feiner roter Sand ist nicht nur in der Luft sondern auch auf den Möbeln.

Die Feuerwehr ermöglicht den Zugang zum Stellplatz

Die Feuerwehr von Gaviăo betreibt den örtlichen Stellplatz für Wohnmobile. 500 Meter vor dem Platz ist das Feuerwehrhaus. Freundlich werde ich von drei jungen Frauen empfangen und erhalte einen Transponder, mit der ich die Zufahrt zum Stellplatz öffnen kann.

Ein Spielchen am Abend

Wir sind die Einzigen an diesem Nachmittag. Am Abend gesellen sich noch Myriaden von Fröschen dazu.

Auch in Spanien umhüllt uns der Sand der Sahara

Am darauffolgenden Tag erreichen wir die spanische Grenze. Bei keinem unserer bisherigen Grenzübertritte auf dieser Reise wurden wir übrigens nach Papieren oder Impfzertifikaten gefragt. Die Maskenpflicht wird aber sowohl in Spanien als auch in Portugal sehr genau genommen. Viele Menschen tragen sie auch auf der Straße.

Wir sind nun in Spanien und deshalb am Tajo.

Unseren nun Tajo genannten Strom treffen wir in Alcantara, was auf Arabisch Brücke bedeutet. Hier wird der Fluss von einer Brücke überspannt, die die Römer im 2. Jahrhundert v. Chr. gebaut haben. Wikipedia hat einen Superlativ dafür: „Sie ist das größte vollständig erhaltene (und noch heute befahrbare) römische Brückenbauwerk der Welt.“ Beeindruckend.

Vor über 2000 Jahren erbaut

Gern würden wir heute unsere Vorräte aufstocken. Doch die Lebensmittelgeschäfte im Ort haben zwischen 14 und 17 Uhr geschlossen und der nächste Supermarkt ist mehr als 40 Kilometer entfernt – in die falsche Richtung.

Das mag auch damit zu tun haben, dass wir jetzt in der Extremadura sind, der am dünnsten besiedelten Region Spaniens. Der Name stammt von „Extremus del Dueiro“, was „jenseits des Flusses Dueiro“ bedeutet – womit wir wieder beim Thema wären.

Saharasand über Eichen in der Extremadura
Wie der weiße Ginster wohl aussähe, wenn der Himmel blau und nicht gelb wäre?

Die wellige Landschaft wird hier dominiert von Stein- und Korkeichen sowie weißblühendem Ginster.

Ein Panoramabild von der Hälfte des Platzes in Garivillas

Im kleinen Garovillas de Alconétar soll es eine der schönsten Plaças der Extremadura geben. Die schauen wir uns natürlich an. Das Besichtigungsprogramm endet mit zwei weiteren Café con leche. Gut, dass wir wieder in Spanien sind. In Portugal hatte ich immer Probleme mit der Aussprache der beiden Café com leite.

Dos café con leche, por favor

Wo gibt’s die höchsten Wellen?

Von Figueira do Foz zieht sich die Küstenlinie schnurgerade nach Süden und wir folgen ihr. Allerdings sind Ausblicke aufs Meer kaum vorhanden. Zwischen Straße und Meer liegt nämlich eine breite Dünenlandschaft. Immer wieder locken schmale Fahrwege Richtung Strand, die sind aber nichts für unser WoMo. Parkplätze an unserer Straße sind nicht vorhanden. Schade, wir würden […]

Wo gibt’s die höchsten Wellen?

Am Meer entlang nach Süden

Sonntagmorgen. Die Sonne strahlt, als ob sie uns für die gestrige Sintflut entschädigen wolle. Straßen und Strand sind wie frisch gewaschen. Scharen von LäuferInnen und Fahrradfahrern bevölkern schon in der Früh die breit angelegte Strandpromenade. Wir nehmen einen tiefen Atemzug der frischen Meeresluft und wenden den Bus Richtung Süden.

Es verspricht, ein schöner Tag zu werden.

Ein Dorf reiht sich ans nächste. Zu Beginn führt die Straße noch direkt am Wasser entlang und Strandbars locken mit Ausblicken direkt auf Wellen und Gischt. Später fahren wir vielfach durch die Ortschaften. Immer wieder entdecken wir dabei Gebäude mit schönster Kachelkunst.

Fassade eines Bahnhofs
Die Marienkirche in Valega

Die Gegend hier ist trotz der Nähe zum Atlantik nicht sonderlich touristisch. Im Vorbeifahren beobachten wir die Einheimischen, die zur Kirche oder auf den Friedhof gehen, beim Bäcker Brot kaufen, dem Angebot für einen günstigen Mittagstisch (7 Euro) zustreben. Und an der Tankstelle Schlange stehen, wenn irgendwo der Liter Diesel 1,729 statt wie üblich 1,92 kostet. Ansonsten herrscht sonntägliche Ruhe.

Auch wir reihen uns ein. Es geht aber schnell.

Die etwas größeren Orte werden von Gewerbegebieten eingerahmt. Die großen Supermärkte haben heute geöffnet, wir haben aber alles an Bord. Lidl und Aldi sind hier übrigens gut vertreten.

Zwischendurch spitzen immer wieder Privathäuser hervor, deren Fassaden ebenfalls mit Kacheln geschmückt sind.

Viele Häuser haben hier die schönsten Kacheln an der Fassade.

Nach etwa 150 Kilometern haben wir von dieser Straße genug und ich halte Ausschau nach einer Parkmöglichkeit für den Rest des Tages und die Nacht. Wir wollen bei dem schönen Wetter lieber das Meer genießen.

Laut der App Park4night gibt es einen WoMo-Stellplatz direkt am Strand bei Figueira do Foz. Wir sind gespannt. Und ja! Es ist wie versprochen. Nur eine dünne Reihe Tamarisken trennt uns vom Strand. Herrlich! Hier bleiben wir.

Hinter den Tamarisken beginnt der Strand.

Kaffee kochen und die kleinen Berlinerartigen Teilchen genießen, die ich vorhin an einem Stand neben der Kirche gekauft habe.

Auf der Mole können wir bis zum Leuchtturm laufen, dahinter eröffnet sich die Weite des Meeres.

Bis zum Sonnenuntergang bereite ich schon mal das Abendessen vor und dann wird es Zeit für den Sundowner. Eine hübsche Strandbar dafür finden wir gleich in der Nähe.

Kochen mit Ausblick

Auf dem Weg zum Atlantik

685 Stufen rauf und 685 Stufen runter, macht 1370 Stufen. Gleich nach dem Frühstück. Uff. Doppel Uff für den tapferen Achim.

Wir erklimmen die Freitreppe zur 605 Meter hoch gelegenen Wallfahrtskirche Santuario de Nossa Senhora dos Remédios im kleinen Städtchen Lamego.

Der prächtige Bau wurde bereits im 18. Jahrhundert begonnen, doch erst 1905 fertiggestellt. Die vielen Stufen sind in 14 Terrassen unterteilt, jede geschmückt mit einem Bild aus Kacheln mit biblischen Motiven.

Wir haben den Bus unten im Ort auf dem großen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle abgestellt. Hier wie auch auf einem der Balkone um die Ecke wird Solidarität mit der Ukraine gezeigt.

Die Straße Richtung Westen ist dieselbe wie am Vortag, die N222. Entlang des Douro fahren wir aber nicht wie gestern auf der Achterbahn sondern in Schlangenlinien Richtung Meer. Eine Kurve nach der anderen.

Mittags probieren wir die Spezialitäten, die wir in Lamego gekauft haben: Bolo di Lamego, eine Art Pasteten, mit Bacalhau (Stockfisch) bzw. Schinken gefüllt und zum Nachtisch Pasteis de Nata, die leckeren portugiesischen Blätterteigtörtchen.

Die steilen Hänge auf beiden Seiten des Douro sind nahezu durchgängig mit kleinen Häusern bebaut, vielfach stehen sie einzeln zwischen hohen Nadelbäumen, in den Gärten leuchtet es Orange und Gelb, die Orangen, Mandarinen und Zitronen sind reif. Nun sind wir wirklich im Süden angekommen.

Magnolien, Mimosen und Hibiskus blühen und geben ein buntes Bild ab. Der Weinanbau ist hier nicht mehr so vertreten. Hierfür reichen entweder die Sonneneinstrahlung oder der Platz nicht.

Je näher der Fluss dem Meer kommt, um so breiter wird er – als ob er sich nochmal in seiner ganzen Pracht präsentieren wolle, ehe er sich mit dem Meer vereint. Jetzt sieht man auch immer öfter kleine Häfen. Einmal erspäht Achim sogar ein großes Passagierschiff auf dem Wasser.

Bis nach sechs brauchen wir, bis wir am Ziel ankommen. Ein kleiner Campingplatz, neun Kilometer südlich von Porto. Am Atlantik. Von hier aus können wir am Meer entlang morgen nach Porto radeln (bei trockenem Wetter) oder mit dem Bus fahren (bei Regen). Als erstes aber werden wir die Stelle suchen, an der der Douro in den Atlantik mündet, und uns von unserem Wegbegleiter während der letzten beiden Wochen gebührend verabschieden.

Über dem Douro

Grau und kalt und nass ist es am Morgen auf dem Campingplatz von Miranda do Douro. Und das ersehnte Päckchen mit dem bestellten Adapter ist ja auch nicht angekommen. Eine eMail von Amazon hilft uns aber, eine Entscheidung zu treffen. Sollen wir noch 3 Tage auf das Päckchen warten? Wir packen zusammen, tanken noch Frischwasser […]

Über dem Douro

Wenn Warten wirklich Freude macht

Auf dem Campingplatz in Miranda do Douro

In der Früh tröpfelt es auf den Bus und ich drehe mich im Bett nochmal um. Wir haben es nicht eilig, denn wir müssen auf das Päckchen von Amazon mit unserem Gasflaschenadapter warten.

Derweil erkunden wir die Gegend, stoßen auf ein Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert, verfallene Häuser, blühende Bäume und eine komplette Geocache-Strecke. Sie führt entlang des GR 36, einem portugiesischen Weitwanderweg.

Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert
Beim Spazierengehen unweit des Campingplatzes
Geocache gefunden

Eigentlich haben wir Lust auf einen etwas längeren Spaziergang mit weiteren Geocaches, doch wir werden jäh von einer Horde böse kläffender, frei herumlaufender Hütehunde gestoppt. Weit und breit ist kein Hundebesitzer zu sehen oder zu hören und wir trauen uns nicht weiterzugehen.

Es waren bestimmt fünf oder sechs böse Kläffer, die uns den Weg versperrten.

Wir gehen zurück in den Ort. Achim hat ja noch ein Versprechen einzulösen.

Vor der Touristeninfo in Miranda do Douro

Nämlich zur Touristeninfo gehen. Zu klären ist erstens, was es mit der Kopfbedeckung der Figur auf sich hat, die Achim auf dem Hauptplatz fotografiert hat. Und zweitens, warum die Orgel in der Kathedrale mit einer Fratze verziert ist.

Da wir noch weniger Portugiesisch als Spanisch können, sehe ich dem Ausgang dieser Recherche skeptisch entgegen. Doch der junge Mann in der Info versteht unser auf Englisch vorgetragenes Anliegen sofort und wir erfahren, dass es sich um eine typisch mirandesische Kopfbeckung, die Capa de Honra handelt, von Hand gefertigt aus Schafwolle. Ihren Ursprung haben diese Kappen im 9. oder 10. Jahrhundert. Auch heute noch werden sie zu besonderen Anlässen getragen.

Der Mann trägt die typische mirandesische Kopfbeckung „Capa de Honra“

Die Fratze auf der Orgel soll gemeinsam mit der Macht des kraftvollen Orgelklanges Böses abwehren, erfahren wir zu unserer zweiten Frage.

Orgelmusik und Fratze dienen der Abwehr böser Kräfte.

Die Touristeninfo liegt interessanterweise nicht im historischen Zentrum sondern im modernen Teil der Stadt. Fast alle Geschäftsleute  hier haben Ausdrucke der ukrainischen Flagge als Zeichen ihrer Solidarität in die Schaufenster geklebt.

Solidarität mit der Ukraine in fast jedem Schaufenster

Wir wollen jetzt mehr erfahren über die mirandesische Kultur. Das Museum hat auf, doch leider sind alle Erklärungen auf Portugiesisch und Mirandés.

Hier können wir nichts über die mirandesische Kultur in Erfahrung bringen. Im Internet erfahren wir später zumindest, dass das Mirandés zu den romanischen Sprachen gehört,  im Nordosten Portugals noch von rund 15 000 Menschen gesprochen und seit einiger Zeit hier auch wieder an den Schulen gelehrt wird. Die Sprache, kein Dialekt, gibt es seit Mitte des 12. Jahrhunderts. Das portugiesische Parlament genehmigte 1998 den Gebrauch des Mirandés in den örtlichen Verwaltungen. Und: Drei Bände von Asterix sind auf Mirandés erschienen.

Hier lassen sich die feinen Unterschiede der beiden Sprachen studieren.

Amazon hat übrigens noch nicht geliefert. Wir haben inzwischen aber eine Nachricht bekommen, dass unser Päckchen bis 20 Uhr geliefert wird. Somit ist klar, wir bleiben noch eine Nacht hier.

Auf der Herfahrt gestern hatten wir entdeckt, dass fünf Minuten vom Campingplatz entfernt das städtische Schwimmbad liegt. Ich packe mein Badezeug und bald schon heißt es: Sechs Bahnen, drei Bademeister und ich. Wunderbar. Fast wäre das Projekt gescheitert, denn kaum habe ich das leere Schwimmbad betreten, klopft einer der drei Bademeister von innen gegen die Scheibe des Bademeisterkabuffs und deutet auf seinen Kopf: Badehaube!? Achselzucken, Kopfschütteln: Hab ich nicht. Erhobener Zeigefinger: Moment! Und schon steht er vor mir und drückt mir eine knallorangene Badekappe in die Hand. Obrigada, danke!

Die Autos müssen den MitarbeiterInnen gehören. Ich war die einzige Schwimmerin.

Die Badekappe ist übrigens nicht das einzige Geschenk auf dieser Reise. Als wir vorgestern an einer spanischen Tankstelle die Gasflasche für den Bus samt Inhalt kaufen wollten, sagte uns der Tankwart, er könne uns keine Leihflasche geben (die man dann normalerweise an irgendeiner Tankstelle der gleichen Kette zurückgibt). Aber er wollte uns unbedingt weiterhelfen, so dass er sich entschied, dass wir zwar für den Inhalt, aber nicht für die Flasche selbst zahlen mussten. „The bottle? That’s a memory from Spain for you“, sagte er, als er das 11 Kilo- Teil vor unserem Bus absetzte.

Apropos Gas. Da war doch noch was. Amazon ist heute Abend nicht wie angekündigt aufgetaucht. Wir kürzen jetzt unsere Fahrt durch den (kalten) Norden Portugals etwas ab, fahren morgen weiter den Douro entlang Richtung Porto und Nazaré und wenden uns dann wärmeren und touristischeren spanischen Gegenden zu. Entweder wir können dort dann einen Adapter kaufen oder unser Gas hält eh, weil wir nicht mehr jede Nacht heizen müssen.

Chegamos a Portugal

Es sind nur 60 Kilometer. Die Landschaft ändert sich langsam, die Plätze in den Dörfern nicht. Kurz vor der portugiesischen Grenze. Kleine Weinfelder, Platanen vor Rathaus Doch dann ist es soweit. Sehr kurvig führt die Straße zum Rio Duero runter, wir überqueren ihn über die Staumauer eines Elektrizitätswerks und dann rollen wir am schon länger […]

Chegamos a Portugal

Ein Tag im Gewerbegebiet

Unser erster Weg führt uns heute Morgen in eine Fiatwerkstatt. Seit gestern haben wir eine Meldung im Display, dass wir unseren Motor überprüfen lassen sollen. Das kennen wir ja schon von unserer Fahrt nach Island. In Flensburg war die Sache letztes Jahr in fünf Minuten erledigt.

Diesmal ist die elektronische Meldung noch etwas heftiger: „Neustart nach 400 km nicht mehr möglich.“

Ob man uns wohl in Zamora helfen kann?

Die nächste Werkstatt ist nur ein paar Kilometer entfernt im Gewerbegebiet von Zamora. Schon um kurz nach neun stehen wir vor der Tür. Die freundliche Mitarbeiterin nickt zustimmend, als ich ihr unser Problem in meinem Englisch-Spanisch-Mix schildere und hält gleich Ausschau nach einem Mechaniker. Aber als ich ihr sage, dass wir noch Garantie haben, schüttelt sie energisch mit dem Kopf. Dann können sie das leider nicht übernehmen.

Nebel auf dem Weg nach Salamanca

Also auf nach Salamanca zur Vertragswerkstatt, 60 Kilometer. Dafür dass unser Bus funkelnagelneu ist, macht er ganz schön viel Probleme, liebe Firma Fiat! Salamanca ist so gar nicht die Richtung, in die wir fahren wollen. Eigentlich wollen wir heute nach Miranda de Douro in Portugal, 60 Kilometer nach Westen.

Wartepause 1 in der zweiten Werkstatt

Dank Internet und Navi finden wir die Werkstatt problemlos. Wiederum treffen wir auf einen sehr freundlichen Mitarbeiter, der sofort alle notwendigen Unterlagen ausfüllt und dann den Bus in die Werkstatt fährt. Während er an das Fehlerspeicherauslesegerät (O-Ton Achim) gehängt wird, trinken wir nebenan in einer Bar einen Kaffee.

Gut, dass wir auf unseren früheren Motorradtouren auf alten Maschinen so viel Erfahrung mit Pannen gesammelt haben. Da regt man sich nicht mehr so schnell auf.

Immer noch warten

Schade, dass diesmal das Problem nicht ganz so schnell gelöst wird. Soweit wir es mit Hilfe des Google-Übersetzers verstehen, ist unser AdBlue kristallisiert und hat ein Zuflussröhrchen verstopft. Mit Hilfe einer Spezialflüssigkeit soll das Ganze gereinigt werden. „In einer Stunde ist das erledigt“, heißt es optimistisch. Doch dann sehen wir, wie der Mechaniker mit unserem Bus aus der Werkstatt fährt, zurückkommt, aus der Werkstatt fährt, zurückkommt…

Schließlich werden wir wieder ins Büro gewunken: „Tenemos un problema. Wir haben ein Problem.“ Die Operation ist nicht gelungen. Das betreffende Teil muss von Hand gereinigt werden. Um es zu erreichen, muss der Motor ausgebaut werden. Okay? Und das kostet wieviel und dauert wie lange? 260 Euro. Circa drei Stunden. A-ber: von 14 bis 16 Uhr ist Mittagspause. „Also, wir arbeiten jetzt, bis wir essen gehen und danach geht es weiter. Spätestens halb sieben ist der Bus fertig.“

Eine solche Ansicht hätten wir bei dem neuen Bus nicht erwartet.

Wir willigen ein, hinterlassen meine Telefonnummer und wenden uns dem anderen organisatorischen Problem zu, das noch einer Lösung bedarf: dem Adapter für die Gasflasche.

In der Ferretaria gibt es alles Mögliche, aber nicht unseren Adapter.

Zunächst mal in die Ferreteria, laut Internet die richtige Adresse für das gesuchte Teil. Aber nein, hier in der Eisenwarenhandlung gibt es das nicht. Wir werden in den Baumarkt geschickt. Auch hier: Kopfschütteln.

Um die gegenseitigen Schuldzuweisungen („Wieso hast du denn nicht…, Warum hast du…“) zu beenden, machen wir es erstmal wie die Spanier: Wir gehen Mittagessen. Drei Gänge, Wein, Kaffee, um uns herum jede Menge Arbeiter und Angestellte der vielen Firmen, die es hier gibt.

Typische Vorspeise: Weiße Bohnensuppe

Beim Nachtisch beschließen wir, die Suche aufzugeben und den Adapter bei Amazon zu bestellen. Als Lieferort geben wir den Campingplatz in Miranda de Douro ein. Mal sehen, ob das klappt.

Nun müssen wir nur noch die paar Stunden rumbringen, bis wir unseren Bus abholen können. Große Lust auf Stadtbesichtigung haben wir beide nicht mehr, aber in der Nähe gibt es den „Parque de Würzburg“, eine der Partnerstädte Salamancas. Ein Park mit blühenden Bäumen, ein Fitnessparcours und ein Café sorgen für einen recht angenehmen Zeitvertreib.

In der Mitte des Platzes symbolisieren Betonquader die Umrisse aller wichtigen Gebäude Würzburgs, wie die Residenz, den Dom, die Festung etc.

Im Würzburg-Park in Salamanca

Um sechs klingelt mein Telefon. „Der Bus ist fertig.“ Wir begleichen in der Werkstatt die Rechnung von nunmehr 360 Euro und bedanken uns ganz herzlich für die spontane Hilfe.

Auf einen Besuch der sicherlich sehr schönen und interessanten Stadt Salamanca verzichten wir auch jetzt. Wir sind müde und wollen nur noch die Füße hochlegen. Das tun wir auf dem uns schon von gestern bekannten Stellplatz am Ufer des Dueiro in Zamora. Morgen versuchen wir dann nochmal, nach Portugal zu kommen.