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An der Quelle des Tajo

An der Quelle des Tajo

Gestern sind wir dem Lauf des Tajo nicht gefolgt, weil er gerade in einem sehr weiten Bogen nach Norden fließt. Doch heute treffen wir ihn wieder – um uns von ihm zu verabschieden. Wir sind nämlich an der Quelle angelangt. Fast den ganzen Weg vom Atlantik in Portugal bis hierher haben wir gemeinsam gemacht und wir haben viel Schönes auf diesen 1000 Kilometern gesehen. Aber nun: Adios!

Hier wurde dem Fluss ein Denkmal gesetzt.

Der längste Fluss Spaniens wird an seinem Ursprung mit einem üppigen Denkmal gewürdigt, das die angrenzenden Provinzen symbolisieren soll.

In der verzauberten Stadt

Ehe wir uns heute Morgen auf den Weg zur Quelle des Tajo gemacht haben, statteten wir der Ciudad Encantada, der verzauberten Stadt, unweit von Cuenca einen Besuch ab.

… ein Gesicht
vielleicht der Bogen einer Kathedrale
… und Schiffe

Man nennt sie so, weil bizarre Felsformationen ein Labyrinth aus Felsbrücken, mehr oder weniger breiten Wegen und offenen Plätzen bilden. Man kann Tiere und Menschen erkennen, unter steinernen Brücken hindurch schlendern, schmale Felsspalten entlang gehen und am Rande eines steinernen Sees stehen.

Am Ufer des steinernen Sees

Die Ursache für die gestalterische Kraft der Natur ist die spezifische Zusammensetzung des Kalksteins. Die obere Decke besteht aus grauem, härteren Stein. Darunter befinden sich Gesteinsschichten, die schneller erodieren.

Jetzt wissen wir, warum die Prozessionsspinner so heißen.

Was mir den Spaß ein kleines bisschen verdirbt ist nicht etwa das graue Wetter (ja, ja, bei blauem Himmel und Sonne wären die Fotos beeindruckender) sondern die Massen an Prozessionsspinnerraupen. Man muss mit Argusaugen auf seine Tritte und Schritte aufpassen, sonst tritt man auf die Tiere.

Die Verzauberte Stadt liegt auf 1400 Metern Höhe. Von hier zur Tajoquelle queren wir den Naturpark Serranía de Cuenca und erklimmen dabei weitere 200 Höhenmeter. Oben an der Quelle hat es dann nur noch 6 Grad.

Auch im Canyon Los Arcos entdecken wir ausgefallene Felsformationen. Wir laufen einen Kilometer in die Schlucht hinein und beobachten dabei Geier und Falken.

Im Canyon Los Arcos
Eines der schönsten Dörfer Spaniens, meint unser Reiseführer.

Das Bergdorf Albarracin sehen wir schon aus der Ferne und in dem grauen Einerlei des heutigen Tages wirkt das Rosa des Ortes als schiene die Sonne.

Alles ist eng in Albarracin.

Wir klettern die steilen Steintreppen hoch und bummeln ein wenig durch die Gassen. Vom Reiseführer mal wieder hoch gelobt als eines der schönsten Dörfer Spaniens präsentiert sich Albarracin wie ein museales Gesamtkunstwerk. Das belebende Element sind die Touristen, die allerdings vergeblich nach gemütlichen Cafés, die am heutigen Samstagnachmittag geöffnet haben, Ausschau halten.

Hier bleiben wir über Nacht.

Eine Stunde fahren wir noch durch die felsige Hochebene, um für die Nacht im Dorf Fuentes Calientes Station zu machen. Laut Park4Night gibt es hier 100 Einwohner und einen Esel. Oder sind es heute Nacht gar drei?

Toledo und Cuenca

Toledo – die dritte Stadt rund um Madrid, die man unbedingt besucht haben muss. In Segovia und Avila waren wir bereits. Wir stellen das WoMo auf dem Nahen Campingplatz ab und nehmen die Räder. Erstmal zum Aussichtspunkt Mirador del Valle südlich des Tajo mit Blick auf die Altstadt. Ganz eng stehen die Häuser und darüber […]

Toledo und Cuenca

Tejo oder Tajo?

Am Tejo bei Santarem in Portugal

In der kleinen Stadt Santarem erreichen wir unseren zweiten Strom, an dem entlang wir nun Richtung Barcelona stromern wollen: den Tejo. Soweit wir wissen, heißt der mit ca. 1000 Kilometern längste Fluss der iberischen Halbinsel in Portugal Tejo und in Spanien Tajo. In manchen Landkarten wird es aber auch anders geschrieben.

Wir sind noch in Portugal und deshalb am Tejo

Wir werden dem Strom fast bis zur Quelle bei Fuente Garçia folgen. Von da aus sind es dann  noch etwa 500 Kilometer nach Barcelona, wo wir in einer Woche auf die Fähre nach Mallorca gehen.

Wir haben dem Atlantik nun den Rücken zugedreht und sind durch eine fruchtbare Hügellandschaft hierher gefahren.  Frisch gepflügte Felder warten auf die Aussaat oder Bepflanzung, Wein, Oliven, Zitrusfrüchte und viele Plantagen mit Spalierobst, das kurz vor der Blüte steht, säumen die Straße. Die Weinregion hier heißt Ribatejo und unsere N118 ist zugleich die Rota do vinho.

Spalierobst

Auf der gesamten Herfahrt ist es diesig. Die Landschaft liegt wie unter einem Qualmwolke. Es ist fast ein bisschen unheimlich. Vielleicht eine Art Seenebel, der sich weit ins Landesinnere zieht? Obwohl die Sonne verborgen ist, hat es angenehme 19 Grad.

Landschaft wie unter einer Qualmwolke

Der Nebel hält sich auch noch am Nachmittag. Es ist also definitiv kein Seenebel, dazu liegt das Meer jetzt zu weit hinter uns. Die Süddeutsche informiert, dass wieder einmal Saharasand nach Bayern kommt – den Norden Portugals hat er augenscheinlich schon erreicht. Die Besitzerin des Cafés, in dem wir am frühen Nachmittag einkehren, entschuldigt sich bei uns für den nicht ganz sauberen Tisch, an dem wir uns draußen niederlassen. Feiner roter Sand ist nicht nur in der Luft sondern auch auf den Möbeln.

Die Feuerwehr ermöglicht den Zugang zum Stellplatz

Die Feuerwehr von Gaviăo betreibt den örtlichen Stellplatz für Wohnmobile. 500 Meter vor dem Platz ist das Feuerwehrhaus. Freundlich werde ich von drei jungen Frauen empfangen und erhalte einen Transponder, mit der ich die Zufahrt zum Stellplatz öffnen kann.

Ein Spielchen am Abend

Wir sind die Einzigen an diesem Nachmittag. Am Abend gesellen sich noch Myriaden von Fröschen dazu.

Auch in Spanien umhüllt uns der Sand der Sahara

Am darauffolgenden Tag erreichen wir die spanische Grenze. Bei keinem unserer bisherigen Grenzübertritte auf dieser Reise wurden wir übrigens nach Papieren oder Impfzertifikaten gefragt. Die Maskenpflicht wird aber sowohl in Spanien als auch in Portugal sehr genau genommen. Viele Menschen tragen sie auch auf der Straße.

Wir sind nun in Spanien und deshalb am Tajo.

Unseren nun Tajo genannten Strom treffen wir in Alcantara, was auf Arabisch Brücke bedeutet. Hier wird der Fluss von einer Brücke überspannt, die die Römer im 2. Jahrhundert v. Chr. gebaut haben. Wikipedia hat einen Superlativ dafür: „Sie ist das größte vollständig erhaltene (und noch heute befahrbare) römische Brückenbauwerk der Welt.“ Beeindruckend.

Vor über 2000 Jahren erbaut

Gern würden wir heute unsere Vorräte aufstocken. Doch die Lebensmittelgeschäfte im Ort haben zwischen 14 und 17 Uhr geschlossen und der nächste Supermarkt ist mehr als 40 Kilometer entfernt – in die falsche Richtung.

Das mag auch damit zu tun haben, dass wir jetzt in der Extremadura sind, der am dünnsten besiedelten Region Spaniens. Der Name stammt von „Extremus del Dueiro“, was „jenseits des Flusses Dueiro“ bedeutet – womit wir wieder beim Thema wären.

Saharasand über Eichen in der Extremadura
Wie der weiße Ginster wohl aussähe, wenn der Himmel blau und nicht gelb wäre?

Die wellige Landschaft wird hier dominiert von Stein- und Korkeichen sowie weißblühendem Ginster.

Ein Panoramabild von der Hälfte des Platzes in Garivillas

Im kleinen Garovillas de Alconétar soll es eine der schönsten Plaças der Extremadura geben. Die schauen wir uns natürlich an. Das Besichtigungsprogramm endet mit zwei weiteren Café con leche. Gut, dass wir wieder in Spanien sind. In Portugal hatte ich immer Probleme mit der Aussprache der beiden Café com leite.

Dos café con leche, por favor