Wir wurden schon vor Monaten auf den Karanlık Kanyon, den Schwarzen Canyon, aufmerksam. In verschiedenen Youtube-Videos sahen wir spannende Durchfahrten auf dem Motorrad und in einem (fast stecken gebliebenen) VW-Bus. 31 Tunnel auf 8,5 Kilometern, genannt Taș Yolu, Steinweg, machen den spektakulärsten Abschnitt der insgesamt 25 Kilometer langen Strecke aus. Gigantische Aussichten durch Felsdurchbrüche oder am Abgrund entlang auf die darunter liegende Schlucht machen es reizvoll. Diese Straße, die bis heute zu den beeindruckendsten und gefährlichsten der Welt zählt, zieht Reisende, Offroad-Fans und Motorradfahrer an. Ein Camper ist nicht das geeignete Gefährt, aber wir wollen die Möglichkeiten, die wir haben, vor Ort erkunden.

Wir stehen mit den Bussen nur ein paar hundert Meter vom Startpunkt entfernt und machen uns zu Fuß auf den Weg. Vor dem ersten Tunnel steht eine beeindruckende Ansammlung von Schildern. Es wird gewarnt vor Steinschlag, unbefestigter Straße und auch die maximale Breite und Höhe sind angegeben. Nur befahrbar bis 2,20 m Höhe und 1,70 m Breite steht es geschrieben. Wir sind 2,60 m hoch und 2,20 m breit. Eine Durchfahrt mit unseren eigenen Fahrzeugen können wir also schon mal vergessen.

Ein einziger Motorradtourist aus Italien fährt in den Tunnel hinein, ansonsten ist keinerlei Verkehr. Eine Wandergruppe macht sich zu Fuß auf den Weg.

Auf der anderen Flussseite ist ein Café. Hier schwingen sich Unternehmungslustige mit einer Zipline über den Fluss, andere steigen in ein Boot und schippern ein halbes Stündchen durch die Schlucht.
Meine drei Mitreisenden beschließen, die Straße zu Fuß zu erkunden, ich selbst bin wegen meines gezerrten Muskels heute gehandicappt und lege einen Ruhetag im Bus ein. Die Aussicht vom Bett könnte nicht besser sein.

Achim erzählt mir später, dass sie eine ganze Weile gelaufen sind, bis die Tunnelstrecke losging und er zeigt mir Fotos mit sensationellen Aussichten auf den Canyon. Einmal kommt dann auch ein Fahrzeug daher und bietet ihm ein schönes Fotomotiv.




Mein halber Ruhetag wird unterbrochen von zwei Motorradfahrern aus Irland und Italien. Dorothee und Alain hatten sie im Tunnel getroffen und zu uns geschickt nach dem Motto: „Achim ist auch Motorradfahrer. Fahrt ruhig mal bei ihm vorbei!“ Stimmt. Achim freut sich, kocht Kaffee und schon sitzen die Drei vor meiner Bettstatt und wir plaudern gemütlich.
Als Dorothee und Alain wiederkommen, sind die beiden schon weg, aber wir setzen uns nun alle zur Brotzeit ins Freie.

Später schauen wir uns den Ort an: ein hübsches Bergdorf mit vielen Konaks, alten Häusern, unten aus Stein und oben aus Holz und Lehm.


Gemeinsam mit dem Dark Canyon steht der Ort Kemaliye auf der Vorschlagsliste des Weltkulturerbes. Zurecht, wie wir finden.

