
In der kleinen Stadt Santarem erreichen wir unseren zweiten Strom, an dem entlang wir nun Richtung Barcelona stromern wollen: den Tejo. Soweit wir wissen, heißt der mit ca. 1000 Kilometern längste Fluss der iberischen Halbinsel in Portugal Tejo und in Spanien Tajo. In manchen Landkarten wird es aber auch anders geschrieben.

Wir werden dem Strom fast bis zur Quelle bei Fuente Garçia folgen. Von da aus sind es dann noch etwa 500 Kilometer nach Barcelona, wo wir in einer Woche auf die Fähre nach Mallorca gehen.
Wir haben dem Atlantik nun den Rücken zugedreht und sind durch eine fruchtbare Hügellandschaft hierher gefahren. Frisch gepflügte Felder warten auf die Aussaat oder Bepflanzung, Wein, Oliven, Zitrusfrüchte und viele Plantagen mit Spalierobst, das kurz vor der Blüte steht, säumen die Straße. Die Weinregion hier heißt Ribatejo und unsere N118 ist zugleich die Rota do vinho.

Auf der gesamten Herfahrt ist es diesig. Die Landschaft liegt wie unter einem Qualmwolke. Es ist fast ein bisschen unheimlich. Vielleicht eine Art Seenebel, der sich weit ins Landesinnere zieht? Obwohl die Sonne verborgen ist, hat es angenehme 19 Grad.

Der Nebel hält sich auch noch am Nachmittag. Es ist also definitiv kein Seenebel, dazu liegt das Meer jetzt zu weit hinter uns. Die Süddeutsche informiert, dass wieder einmal Saharasand nach Bayern kommt – den Norden Portugals hat er augenscheinlich schon erreicht. Die Besitzerin des Cafés, in dem wir am frühen Nachmittag einkehren, entschuldigt sich bei uns für den nicht ganz sauberen Tisch, an dem wir uns draußen niederlassen. Feiner roter Sand ist nicht nur in der Luft sondern auch auf den Möbeln.

Die Feuerwehr von Gaviăo betreibt den örtlichen Stellplatz für Wohnmobile. 500 Meter vor dem Platz ist das Feuerwehrhaus. Freundlich werde ich von drei jungen Frauen empfangen und erhalte einen Transponder, mit der ich die Zufahrt zum Stellplatz öffnen kann.

Wir sind die Einzigen an diesem Nachmittag. Am Abend gesellen sich noch Myriaden von Fröschen dazu.

Am darauffolgenden Tag erreichen wir die spanische Grenze. Bei keinem unserer bisherigen Grenzübertritte auf dieser Reise wurden wir übrigens nach Papieren oder Impfzertifikaten gefragt. Die Maskenpflicht wird aber sowohl in Spanien als auch in Portugal sehr genau genommen. Viele Menschen tragen sie auch auf der Straße.

Unseren nun Tajo genannten Strom treffen wir in Alcantara, was auf Arabisch Brücke bedeutet. Hier wird der Fluss von einer Brücke überspannt, die die Römer im 2. Jahrhundert v. Chr. gebaut haben. Wikipedia hat einen Superlativ dafür: „Sie ist das größte vollständig erhaltene (und noch heute befahrbare) römische Brückenbauwerk der Welt.“ Beeindruckend.

Gern würden wir heute unsere Vorräte aufstocken. Doch die Lebensmittelgeschäfte im Ort haben zwischen 14 und 17 Uhr geschlossen und der nächste Supermarkt ist mehr als 40 Kilometer entfernt – in die falsche Richtung.
Das mag auch damit zu tun haben, dass wir jetzt in der Extremadura sind, der am dünnsten besiedelten Region Spaniens. Der Name stammt von „Extremus del Dueiro“, was „jenseits des Flusses Dueiro“ bedeutet – womit wir wieder beim Thema wären.


Die wellige Landschaft wird hier dominiert von Stein- und Korkeichen sowie weißblühendem Ginster.

Im kleinen Garovillas de Alconétar soll es eine der schönsten Plaças der Extremadura geben. Die schauen wir uns natürlich an. Das Besichtigungsprogramm endet mit zwei weiteren Café con leche. Gut, dass wir wieder in Spanien sind. In Portugal hatte ich immer Probleme mit der Aussprache der beiden Café com leite.

