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Zwei Touren auf vier Rädern

Statt Osterhase, der durch die grüne Wiese hoppelt, staken Flamingos neben uns durch die Lagune. Wir sind jetzt zu viert, Dorothee und Alain sind in der Nacht eingetroffen und zur Begrüßung am nächsten Morgen gibt es erstmal ein schönes Frühstück im Grünen. Für uns alle das erste Mal in diesem Jahr.

Auf unserer folgenden Radtour haben wir uns die schönen Wasservögel genau angeguckt.

Die ursprünglich geplante Route war wegen Bauarbeiten gesperrt, die spontan ausgesuchte führte in großen Teilen leider über viel befahrene Straßen. Wir wollten zur Etschmündung, haben aber, als es dann auch noch anfing zu nieseln, etwas entnervt aufgegeben.

Mit einer kleinen Fähre über den Po konnten wir auf dem Rückweg ganz viel abkürzen und saßen bald wieder im warmen Bus.

Der Ostersamstag ist ein freundlicher Frühlingstag. Bei angenehmen 22 Grad erkunden wir einmal mehr Comacchio, wo wir das erste Mal vor drei Jahren waren. Auch dieses Örtchen bietet venezianisches Flair.

Heute ist der Parkplatz voll mit Wohnmobilen, aber im Ort selbst ist es nicht überlaufen. Wir können entspannt durch die Gassen und über die Brücken spazieren und gemütlich Cappuccino trinken.

Wie schon beim letzten Mal starten wir danach zu einer wunderschönen 50 Kilometer langen Radtour, die uns durchs Po-Delta führt. Sehr malerisch liegen die Fischerhütten im Wasser.

Achim entdeckt unser Sommerhaus und schaut nach, ob wir uns hier mal für eine Saison niederlassen wollen.

Weiter geht es an Scharen von Flamingos vorbei, über Dämme, von denen niemand weiß, wozu sie gebaut wurden. Radler und Fußgänger freuen sich jedenfalls. Man hat das Gefühl, übers Wasser zu fliegen.

Als wir gegen halb sieben zurück in Comacchio sind, sind wir windzerzaust und vom steinigen Untergrund ordentlich durchgerüttelt.

Da setzen wir uns gern auf unsere weichen Autositze und fahren noch 100 Kilometer weiter Richtung Süden (wir müssen ja auch mal vorwärts kommen, ne). Im Bergdorf Verucchio gibt es einen Stellplatz mit Rundumblick. Das klingt verlockend.

Auf dem Weg dorthin schnibbele ich am Esstisch schon mal das Gemüse. Denn wir werden erst um viertel vor neun am Ziel sein und haben alle Hunger.

Oh je, der Stellplatz im Dorf ist besetzt. Kein Platz mehr für uns. Wir weichen auf einen anderen Parkplatz aus, wo wir zwar nicht die versprochene tolle Aussicht haben aber zumindest eine Picknickbank fürs Osterfrühstück morgen.

Richtung Polarkreis

Unseren täglichen Turm gib uns heute. Er hat nur 29 Stufen und gibt den Blick frei auf Enten und Blesshühner. Einen Geocache gibt es auch im zweiten Stock.

Unsere Nacht im kleinen Inselhafen war ruhig und über die Sonne heute Morgen freuen wir uns sehr. Es hat 18 Grad, sie fühlen sich wegen der leichten Brise kühler an als die Tage zuvor.

Heute verlassen wir die Ostsee und fahren durchs Landesinnere Richtung Polarkreis nach Rovaniemi. Das sind noch 314 Kilometer. Als Tagesetappe ist uns das zu viel, so dass wir wohl unterwegs irgendwo nochmal übernachten. Mal sehen, was alles so kommt.

Am Vormittag kommt nicht mehr viel: ein bisschen was einkaufen und mit der Fähre zurück aufs Festland schippern. Tanken (1,61 Euro).

Zu Mittag probieren wir eine finnische Spezialität: Leipäjuusto („Brotkäse“) ist ein Käse, der traditionell aus dem Kolostrum der Kuh hergestellt wird, also der Milch, die diese direkt nach dem Kalben gibt. Er wird gebacken, gegrillt oder flambiert. Die Finnen geben ihn manchmal in eine Tasse und übergießen ihn mit Kaffee. Hauptsächlich wird Leipäjuusto aber mit Moltebeeren oder Preiselbeeren kalt oder gebacken aus dem Ofen gegessen.

Wir erwärmen ihn leicht in der Pfanne, legen ihn auf eine Scheibe Brot und essen ein bisschen Mirabellenmarmelade von Freundin Angie dazu. Lecker. Den kaufen wir wieder.

Die Hauptstraße haben wir schon lange verlassen, jetzt rollen wir auf kleinen Nebenstraßen nach Norden. Es gibt kaum noch Dörfer, ab und zu lugt ein Mökki, ein Sommerhaus, zwischen Bäumen hervor, manchmal eine namenlose Ansiedelung. Die Autos, die uns entgegen kommen, kann ich an einer Hand abzählen.

Meist folgen wir dem Lauf eines Flusses, ab und an passieren wir einen See. Immer ist Wald aus Birken, Kiefern und Fichten rechts und links von uns.

Dann trottet ein Rentier mitten auf der Straße und lässt sich von den Autos nicht aus der Ruhe bringen.

Wir beschließen, doch bis Rovaniemi durchzufahren. Es fährt sich sehr entspannt hier und es sind nur noch hundert Kilometer. Polarkreis, wir kommen!

Um kurz vor sechs sind wir da. Natürlich machen wir erstmal ein ausführliches Fotoshooting.

Strandtag

Zuerst mal ein gemütlicher Frühstückskaffee mit Heidi und Michael (instagram.com/heimaufreisen). Sie sind reisefroh wie wir und da gibt es eine Menge zu erzählen. Besonders fasziniert mich, dass Heidi jeden Morgen mit ihrer Freundin eine Stunde in der Eider schwimmt – wenn sie denn mal zuhause ist.

Das Wetter ist wieder großartig. Gut so, schließlich wollen wir heute ans Meer. In die Dünen. An den Strand.

Nach dem Abschied nehmen wir deshalb Kurs auf die Halbinsel Vattajanhietikko (bitte mal laut aussprechen!) und den winzigen Ort Othakari. Wir stromern ein wenig herum, außer uns ist nur ein junger Vater mit seinen beiden Kindern da. Ein Aussichtsturm, 60 Stufen rauf, 60 Stufen runter, zeigt uns die Einsamkeit des Inselchens.

Der nächste Strand bei Kalajoki soll der achtschönste des Landes sein. Da wir einen Mittagspausenplatz suchen und heute ja unser Strandtag sein soll, fahren wir hin, laufen durch die Dünen an den Strand, tapsen ein bisschen im Wasser rum, kochen Kaffee und machen Brotzeit.

Gestern Abend hatte sich Achim eine ganze Weile mit einem Fischer unterhalten. Auf Deutsch. Er empfahl uns eine kleine Straße weiter Richtung Norden, die wir am Nachmittag dann auch nehmen.

Sie ist auf jeden Fall abwechslungsreicher als die Europastraße, führt uns durch Wälder und an Stoppelfeldern vorbei und zu einer alten Holzkirche und einem mächtigen Fluss.

Am späten Nachmittag nehmen wir nicht mehr wie noch am Morgen mit einer Halbinsel vorlieb. Jetzt geht es richtig auf die Insel. Mit der Fähre, die uns kostenfrei hinüberbringt. Wir müssen eine halbe Stunde warten, währenddessen zieht Nebel auf.

Hailuoto heißt das kleine Eiland kurz vor Oulu, der nördlichsten Großstadt der Europäischen Union. Weniger als Tausend Menschen leben auf dieser Insel, die gerade erst vom Tourismus entdeckt wird und Meer, Strand, Dünen und Vogelschutzgebiete bietet. Und Nebel.

Wir fahren an den Weststrand und platzieren uns an einem kleinen Hafen. Und rechts davon ist er auch schon: unser dritter Strand für heute. Sonnen geht leider nicht.

Überraschungen in Rauma

Die Menschen hier in Rauma reden einen einzigartigen Dialekt. Es heißt, sie sprechen ein stimmhaftes  B, D und G, was man im Finnischen wohl nicht tut, andere Buchstaben hingegen lassen sie gern mal weg, und ihr Wortschatz beinhaltet nicht nur viele Wörter schwedischen Ursprungs, sondern – bedingt durch die Seefahrt – auch aus diversen anderen Sprachen. Schade, dass wir all das nicht hören können. Denn wer kein Finnisch kann, kann auch die Feinheiten des Dialekts nicht erfassen. Überrascht bin ich als Sprachenliebhaberin trotzdem.

Am Ortseingang von Rauma steht am Straßenrand ein Schild, das die Ankommenden im Rauma-Dialekt mit Ol niingon gotonas  („Fühle dich wie zu Hause“) begrüßt und bei der Ausfahrt Luanikast reissu („Gute Reise“) wünscht.

Auch das Schild vorm Café lockt die Gäste zweisprachig an. Oben, groß, der Rauma-Dialekt, ganz unten, ganz klein, Finnisch. Der Übersetzer hilft (teilweise) weiter: „Wenn es schneite, würde Gyll auch Donutkaffee trinken“. Gyll? Donutkaffee? Hm.

Schauen wir uns lieber die Altstadt an. Weltkulturerbe. 600 Holzhäuser sind in überraschend gutem Zustand.

In den Jahren 1640 und 1682 verwüsteten zwei verheerende Brände Rauma. Seitdem ist die Stadt aber von Feuersbrünsten verschont geblieben, was für eine Holzhausstadt eine Seltenheit ist.

Die gut sanierten Holzhäuser dienen heute als Wohnhäuser, beherbergen Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Achim trifft vor dem Stadtmuseum überraschenderweise eine sehr kontaktfreudige Einheimische.

Nun müssen wir uns den profanen Dingen zuwenden: Ver- und Entsorgung. Das ist für Camper, die nicht auf Campingplätzen schlafen, stets eine Herausforderung. Bereist man ein Land zum ersten Mal, muss man also herausfinden, wie und wo man sein Abwasser loswerden, frisches Trinkwasser tanken, seine Toilette leeren und den Abfall entsorgen kann. In Finnland gibt es, so haben wir gehört, nicht so viele Möglichkeiten wie in manch anderen Ländern. Seit einiger Zeit sollen aber die ABC-Tankstellen diese Angebote haben. Also nichts wie hin.

Vor Ort ist es ein bisschen kompliziert: man muss sich im Imbiss den Schlüssel besorgen, kostet fünf Euro, dafür erklären die Verkäuferinnen super freundlich, wo wir lang müssen.

Nach dem Leeren des Clos wird natürlich das Becken gespült – ich trete auf den Fußhebel, von dem ich annehme, dass er dafür zuständig ist – und werde geduscht von hochspritzenden Wasserstrahlen! Iiigittttt! Zum Glück war es sauberes Wasser. Überraschend in jedem Fall.

Weiter geht es in den Supermarkt. Dass Bier hier erheblich teurer ist als in Deutschland, überrascht uns nicht. Der Preis gilt pro Flasche, eh klar.

Eine kleine, ein wenig peinliche Überraschung wartet an der Kasse auf uns. Der Gestik der Kassiererin entnehme ich, dass wir die Schlangengurke hätten abwiegen müssen. Wer kommt denn auf so was? Ich werde aber nicht weggeschickt. Sie schlüpft schnell hinter der Kasse hervor, läuft zur nächsten Waage und ist im Nu zurück. Niemand meckert. Die Verkäuferin lächelt mich freundlich an und wünscht einen schönen Tag.

Den haben wir und lassen ihn direkt am Meer in der Nähe des kleinen Örtchen Närpes etwas südlich von Vaasa ausklingen.

Ehe wir unseren kleinen Hafen für diese Nacht erreichen, gibt es noch eine letzte feine Überraschung für diesen Tag.

Statt Meer mehr Seen sehen

Finnland wird auch das Land der tausend Seen genannt. Tatsächlich reicht diese Zahl noch lange nicht. Es wurden nämlich 187.888 Seen gezählt, wobei alle mitgezählt wurden, die mindestens 500 Quadratmeter groß sind.

Nachdem wir den Großraum Helsinki verlassen haben, beginne ich zu zählen: auf unseren ersten zehn Kilometern fahren wir an vier Seen vorbei. Dabei ist der Süden des Landes seenarm im Vergleich zu anderen Regionen.

Auf kleineren Straßen schlängeln wir uns durchs Landesinnere Richtung Nordwesten. Heute steht uns der Sinn nicht nach Meer und Küste sondern nach Wald und Seen. Davon werden wir zwar auf den kommenden hunderten von Kilometern noch genug sehen, aber wir wollen heute unbedingt schon mal eine erste Kostprobe.

Mit etwa 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland gehört Finnland zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Der Großteil der Bevölkerung lebt im Süden des Landes, den wir jetzt langsam, langsam verlassen. Ihre Häuser sind hier aus Holz, zartgelb, hellgrün oder dunkelrot angestrichen, liegen zurückgesetzt von der Straße auf großen Grundstücken.

So auch das Geburtshaus des finnischen Dichters Elias Lönnrot (1802 – 1884). Auf seinen Reisen zeichnete er die mündlich überlieferte finnische Volksdichtung auf, auf deren Grundlage er das Nationalepos Kalevala verfasste. Damit legte er den Grundstein für eine finnischsprachige Literatur. Es zählt zu den wichtigsten literarischen Werken in finnischer Sprache und trug maßgeblich zur Entwicklung des finnischen Nationalbewusstseins  bei.

Erster Einkaufsstopp. Wir brauchen Brot. Achim liest „Shop“, schon hält er an. Wir landen bei Muurla Design Marketing, einer ehemaligen Glasbläserei, die heute viel Schnickschnack, aber tatsächlich auch Brot verkauft. Hätten wir gewusst, dass ein paar Kilometer weiter zwei große Supermärkte kommen… hätten wir nicht dieses leckere, leicht nach Anis schmeckende Brot gefunden. Mit Eichsfelder Mettwurst ein Genuss. Zeit für die Mittagspause. Wo? An einem See natürlich.

Nach insgesamt 200 Kilometern erreichen wir den See Pyhäjärvi, 25 Kilometer lang, acht Kilometer breit, und einem wunderbaren Plätzchen für uns zum Übernachten.

Das Abendlied liefern heute Gänse und Enten. Die Luft ist voll von ihrem Geschnatter. Die ersten Zugvögel scheinen sich für ihre Reise in den Süden zu sammeln. Für uns geht es weiter nach Norden.

Willkommen in Helsinki! Tervetuloa!

Vorgestern Nacht um zwei in der Früh legte unsere Fähre in Travemünde ab, 32 Stunden später landen wir in Finnlands Hauptstadt. Es ist Sonntag, der 1. September, meteorologischer Herbstanfang.

Rund fünf Wochen liegen vor uns, in denen wir eine große Runde durchs Land machen wollen: an der Westküste hoch, über den Polarzirkel nach Lappland an den Inarisee, Polarlichter und Indian Summer erleben. Über Karelien an der russischen Grenze und die Seenplatte wieder nach Süden.

Aber heute erstmal Helsinki.

Wir finden einen prima Stellplatz direkt am Wasser in der Nähe des Zoos (unserem Reiseführer sei das erste Mal gedankt). Mit den Rädern geht es fix ins Zentrum.

Am Hauptbahnhof suchen wir die Touristeninfo, vergeblich, stoßen stattdessen auf interessante Architektur: Das aus finnischem Granit gebaute Bahnhofsgebäude ist ein Blickfang. Rechts und links vom Haupteingang wachen wuchtige Lampenträger über das Geschehen.

Eine bedeutende Rolle spielt in Helsinki ein Berliner Architekt, Carl Ludwig Engel, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Auftrag zur Stadtgestaltung erhielt (Helsinki war 1812 von Zar Alexander I. zur finnischen Hauptstadt gekürt worden). Seine neoklassizistischen Bauten prägen seither das Gesicht der Innenstadt. Das Stadttheater ist hierfür ein Beispiel.

Auch der gigantische Dom mit seiner ausladenden Freitreppe.

Auf der Esplanade, einem breiten Grünstreifen, flanieren Einheimische wie Touristen und wir stoßen auf eine interessante Fotoausstellung des irischen Konzeptkünstlers Kevin Abosch, der im vergangenen Frühjahr Tausende von Menschen in der finnischen Hauptstadt fotografierte und diese Bilder mit Hilfe künstlicher Intelligenz verfremdete.

Obwohl heute Sonntag ist, locken auf dem angrenzenden Marktplatz jede Menge Verkaufs- und Fressbuden.

Wir stärken uns erstmal mit dem finnischen Nationalgetrãnk Kaffee und leckeren Zimtröllchen.

Dann geht’s schon wieder aufs Schiff. Diesmal aber nur ein kleines, das uns in einer Viertelstunde rüberbringt zur Festungsinsel Suomenlinna.

Hier stromern wir ein, zwei Stündchen herum, genießen das schöne Wetter und stellen wieder einmal fest, dass 19 Grad im Norden wärmer sind als 19 Grad im Süden. Diese Erfahrung machen wir jedes Mal in Skandinavien.

Helsinki ist eine quirlige Metropole mit viel Grün und viel Wasser. Gute Radwege bringen uns am Abend wieder zurück zu unserem Camper.

Während die ersten Wahlergebnisse aus Thüringen und Sachsen via Internet eintrudeln, brate ich Kartoffeln mit Speck und Eiern. Ein Seelenessen als Medizin gegen traurig machende Nachrichten.

Madrid: wir schauen und hören

Das Café sieht ein wenig aus wie ein Wiener Kaffeehaus, dabei ist es ein Jazzclub. Einer DER Jazzclubs in Europa: das Café Central mitten in Madrid. Heute Abend spielen Cañorroto Flamenco Jazz. Dabei gehen die Stücke ganz entspannt am Klavier mit traditionellen Grooves los, dann steigen Gitarre und Stimme mit Flamencorhythmen ein, erweitern das Lied und heizen es an.

Der Flamenco drückt sowohl Lebensfreude und Rebellion als auch Schmerz, Not und Verzweiflung aus. Mit diesen Themen waren wir auch mittags schon beschäftigt, als wir die Bilder der großen Meister im Prado besuchen.

Der Prado beherbergt die Bilder-Sammlung der spanischen Könige bis zurück ins 16. Jahrhundert. In über 100 Sälen und Galerien werden rund 1800 Werke der großen alten Meister gezeigt, Bruegel, Dürer, Hieronymus Bosch, Raffael und viele andere mehr.

Zunächst einmal bin ich aufgeregt. Nicht wegen der Kunst sondern wegen verschiedener äußerer Umstände. Ich habe mein Portemonnaie im Bus gelassen und damit auch meinen Personalausweis. Somit kann ich der Dame an der Kasse nicht beweisen, dass ich älter bin als 65 und darf nicht für den reduzierten Eintritt von 7,50 Euro ins Museum sondern muss den regulären von 15 Euro zahlen. Ich sollte es als Kompliment werten.

Dann kämpfen wir mit der Technik des Audioguides. Ich erspare Euch die Einzelheiten. Jedenfalls dauert es eine Weile, bis wir uns entspannt die Heiligen, Könige, Stilleben und Massen von nackten Brüsten und Popos anschauen können.

Nach drei Stunden ist dann aber auch mal gut und es zieht uns nach draußen in die Sonne. Die scheint nämlich bei angenehmen 14 Grad.

Ein imposanter Boulevard hier, eine beeindruckende Häuserzeile dort, große Plätze, kleine Plätze, Geschäfte, Cafés, Kneipen, Kirchen, Museen, Regierungsgebäude… Hilfe, ich kann nicht mehr! Mir tun die Knochen weh vom Halbmarathon.

Aber keine Sorge, Rettung naht. Was in München die Leberkässemmel, ist in Madrid das Bocadillo de Calamares, das Baguette mit frittierten Calamari.

Und da man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, gibt es zum Nachtisch gleich die nächste spanische Spezialität: Churros con chocolata.

So gestärkt können wir noch eine Runde um die  Häuser ziehen, bis es Zeit wird für einen wunderbaren Musikabend in einem der renommiertesten Jazzclubs Europas, dem Café Central. Olé! Begeisterte Rufe aus dem Publikum. Olé!

Bereits nach einer guten Stunde  ist das Konzert zu Ende, denn es gibt pro Abend zwei Vorstellungen. Da bleibt noch Zeit für ein Eis auf dem Weg zur U-Bahn. Bei mild gefühlten zehn Grad schmeckt es schon.