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Am Meer

Ich sitze am Strand und blogge. Das Meer rauscht, es hat immer noch 20 Grad und wir warten auf den Sonnenuntergang. Ab und zu kommt mal jemand mit seinem Hund vorbei, ansonsten ist hier kein Mensch. Am Strand. Hinter uns sieht es etwas anders aus.

Wir sind in der kleinen Siedlung La Fabriquilla beim Cabo de Gata, die um diese Jahreszeit unbewohnt ist. Hier gibt es wohl nur Ferienhäuser. Für uns ein Glück, weil die Ansammlung von Wohnmobilen so niemanden stört.

Heute Morgen sind wir 60 Kilometer nördlich von hier in der Halbwüste von Tabernas aufgewacht. 

Nach dem Frühstück suchen wir uns eine kleine Straße entlang der Wüste, die uns nach Süden ans Meer führt. Zwischendrin gibt es Aussichten, die zu Drohnenfotos und Selfies verleiten.

Es ist aber auch zu schön hier.

Ich lasse mir von meinem Liebsten noch schnell die Haare waschen (mit kaltem Wasser, denn die Heizung ist ja aus, aber irgendwas ist ja immer) und dann geht es weiter.

Bald kommen die ersten Treibhäuser in Sicht.

Zum Kap ist es jetzt nicht mehr weit und in der zweiten Reihe, aber trotzdem mit Meerblick, gibt es noch ein Plätzchen für uns.

Einen Kaffee später sitzen wir auf den Rädern und machen uns auf den Weg zum Leuchtturm. Es sind nur dreieinhalb Kilometer, aber es geht recht steil hoch. Für mich mit dem E-Bike ja kein Problem, Achim aber  muss kräftig in die Pedale treten.

Oben angekommen blicken wir runter auf die zerklüftete Küste und das Kap.

Wir sausen wieder hinunter, fahren am Dorf vorbei in die Saline und schauen noch eine Weile den Flamingos zu, die wir vorhin im Vorbeifahren aus dem Auto gesehen haben. Zwei Rotschenkel lassen es sich hier auch gut gehen. So nah hab ich diese Vögel, die ich von der Nordsee kenne, noch nie gesehen. Aber um ein gutes Foto zu machen, sind alle Vögel zu weit weg.

Nun aber los. Die Sonne wartet nicht auf uns. Schnell noch die Kartoffeln fürs Abendessen schälen, dann Gläser und Weißwein in die einen zwei Hände, die Stühle in die anderen und ab zum Strand.

Schöner wohnen

Im 13. Jahrhundert nahmen die katholischen Könige Granada ein und verdrängten die hier lebenden Mauren. Auch hier in Guadix wurden die Andersgläubigen aus der Medina zunächst in die Vororte und dann in die Randbezirke vertrieben.  Hier bauten sie sich Wohnhöhlen, indem sie Löcher in den weichen Tuffstein gruben. Höhlen sind günstig, einen Teil der Wände liefert die Natur. Außerdem bieten sie die perfekte Tarnung: Man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht.

Heute leben im so genannten Höhlenviertel von Guadix noch mehr als 3.000 Personen in über 1.500 Höhlen. Das macht es zu etwas sehr Besonderem. Alles erstrahlt in frischem Weiß und ist sehr gepflegt. Das Viertel hat auch eine Kirche, eine Grundschule, kleine Geschäfte und Cafés.

Wir verlassen das schöne Guadix, fahren vorbei an den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada, wechseln von der Provinz Granada in die Provinz Almería und fahren von 900 hinunter auf 400 Höhenmeter in Tabernas.

Dann empfängt uns eine spektakuläre Landschaft mit Sonnenschein und 20 Grad! Wir haben die (Halb-)wüste von Tabernas erreicht.

Hier können auch wir schöner wohnen, zumindest bis morgen.

Erstmal Kaffee kochen und die Aussicht genießen. Dann packen wir die Fahrräder vom Bus, um ein bisschen durch die Gegend zu fahren. Mist! Mein Rad hat einen Platten – und ich zum Glück einen Mann, der sehr versiert darin ist, kaputte Reifen zu reparieren.

Eine halbe Stunde später können wir los. Richtung Tabernas. Durch die Halbwüste, die wir alle aus dem Kino kennen. Denn hunderte Spielfilme, davon zahlreiche Wildwestfilme wie beispielsweise Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahr 1968 oder „Der Schuh des Manitu“ von Bully Herbig entstanden hier und noch heute drehen viele Regisseure gern in dieser einzigartigen Kulisse. Die Filmsets stehen zum Teil noch hier und können gegen (saftige) Eintrittsgebühren besichtigt werden.

Mit mehr als 3.0000 Sonnenstunden im Jahr ist die Tabernas Wüste die heißeste und trockenste Region auf dem europäischen Kontinent. Im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 40 Grad und es regnet praktisch nie.

Heute ist der erste Tag unserer Reise, an dem wir die Heizung komplett auslassen können. Selbst  am Abend hat es noch angenehme 16 Grad. Wir freuen uns jetzt schon auf den Sonnenaufgang morgen früh, der die bizarren Lehmformationen vor unserem Bus hoffentlich in schönes Licht taucht.