Ein Tag im Gewerbegebiet

Unser erster Weg führt uns heute Morgen in eine Fiatwerkstatt. Seit gestern haben wir eine Meldung im Display, dass wir unseren Motor überprüfen lassen sollen. Das kennen wir ja schon von unserer Fahrt nach Island. In Flensburg war die Sache letztes Jahr in fünf Minuten erledigt.

Diesmal ist die elektronische Meldung noch etwas heftiger: „Neustart nach 400 km nicht mehr möglich.“

Ob man uns wohl in Zamora helfen kann?

Die nächste Werkstatt ist nur ein paar Kilometer entfernt im Gewerbegebiet von Zamora. Schon um kurz nach neun stehen wir vor der Tür. Die freundliche Mitarbeiterin nickt zustimmend, als ich ihr unser Problem in meinem Englisch-Spanisch-Mix schildere und hält gleich Ausschau nach einem Mechaniker. Aber als ich ihr sage, dass wir noch Garantie haben, schüttelt sie energisch mit dem Kopf. Dann können sie das leider nicht übernehmen.

Nebel auf dem Weg nach Salamanca

Also auf nach Salamanca zur Vertragswerkstatt, 60 Kilometer. Dafür dass unser Bus funkelnagelneu ist, macht er ganz schön viel Probleme, liebe Firma Fiat! Salamanca ist so gar nicht die Richtung, in die wir fahren wollen. Eigentlich wollen wir heute nach Miranda de Douro in Portugal, 60 Kilometer nach Westen.

Wartepause 1 in der zweiten Werkstatt

Dank Internet und Navi finden wir die Werkstatt problemlos. Wiederum treffen wir auf einen sehr freundlichen Mitarbeiter, der sofort alle notwendigen Unterlagen ausfüllt und dann den Bus in die Werkstatt fährt. Während er an das Fehlerspeicherauslesegerät (O-Ton Achim) gehängt wird, trinken wir nebenan in einer Bar einen Kaffee.

Gut, dass wir auf unseren früheren Motorradtouren auf alten Maschinen so viel Erfahrung mit Pannen gesammelt haben. Da regt man sich nicht mehr so schnell auf.

Immer noch warten

Schade, dass diesmal das Problem nicht ganz so schnell gelöst wird. Soweit wir es mit Hilfe des Google-Übersetzers verstehen, ist unser AdBlue kristallisiert und hat ein Zuflussröhrchen verstopft. Mit Hilfe einer Spezialflüssigkeit soll das Ganze gereinigt werden. „In einer Stunde ist das erledigt“, heißt es optimistisch. Doch dann sehen wir, wie der Mechaniker mit unserem Bus aus der Werkstatt fährt, zurückkommt, aus der Werkstatt fährt, zurückkommt…

Schließlich werden wir wieder ins Büro gewunken: „Tenemos un problema. Wir haben ein Problem.“ Die Operation ist nicht gelungen. Das betreffende Teil muss von Hand gereinigt werden. Um es zu erreichen, muss der Motor ausgebaut werden. Okay? Und das kostet wieviel und dauert wie lange? 260 Euro. Circa drei Stunden. A-ber: von 14 bis 16 Uhr ist Mittagspause. „Also, wir arbeiten jetzt, bis wir essen gehen und danach geht es weiter. Spätestens halb sieben ist der Bus fertig.“

Eine solche Ansicht hätten wir bei dem neuen Bus nicht erwartet.

Wir willigen ein, hinterlassen meine Telefonnummer und wenden uns dem anderen organisatorischen Problem zu, das noch einer Lösung bedarf: dem Adapter für die Gasflasche.

In der Ferretaria gibt es alles Mögliche, aber nicht unseren Adapter.

Zunächst mal in die Ferreteria, laut Internet die richtige Adresse für das gesuchte Teil. Aber nein, hier in der Eisenwarenhandlung gibt es das nicht. Wir werden in den Baumarkt geschickt. Auch hier: Kopfschütteln.

Um die gegenseitigen Schuldzuweisungen („Wieso hast du denn nicht…, Warum hast du…“) zu beenden, machen wir es erstmal wie die Spanier: Wir gehen Mittagessen. Drei Gänge, Wein, Kaffee, um uns herum jede Menge Arbeiter und Angestellte der vielen Firmen, die es hier gibt.

Typische Vorspeise: Weiße Bohnensuppe

Beim Nachtisch beschließen wir, die Suche aufzugeben und den Adapter bei Amazon zu bestellen. Als Lieferort geben wir den Campingplatz in Miranda de Douro ein. Mal sehen, ob das klappt.

Nun müssen wir nur noch die paar Stunden rumbringen, bis wir unseren Bus abholen können. Große Lust auf Stadtbesichtigung haben wir beide nicht mehr, aber in der Nähe gibt es den „Parque de Würzburg“, eine der Partnerstädte Salamancas. Ein Park mit blühenden Bäumen, ein Fitnessparcours und ein Café sorgen für einen recht angenehmen Zeitvertreib.

In der Mitte des Platzes symbolisieren Betonquader die Umrisse aller wichtigen Gebäude Würzburgs, wie die Residenz, den Dom, die Festung etc.

Im Würzburg-Park in Salamanca

Um sechs klingelt mein Telefon. „Der Bus ist fertig.“ Wir begleichen in der Werkstatt die Rechnung von nunmehr 360 Euro und bedanken uns ganz herzlich für die spontane Hilfe.

Auf einen Besuch der sicherlich sehr schönen und interessanten Stadt Salamanca verzichten wir auch jetzt. Wir sind müde und wollen nur noch die Füße hochlegen. Das tun wir auf dem uns schon von gestern bekannten Stellplatz am Ufer des Dueiro in Zamora. Morgen versuchen wir dann nochmal, nach Portugal zu kommen.

5 Gedanken zu „Ein Tag im Gewerbegebiet

  1. Avatar von regul@regul@

    Zu diesem Beitrag «gefällt mir» anzuklicken scheint mir nicht ganz passend… Das Adapterproblem* (die Lösung interessiert uns schlussendlich sehr), es war wohl der kleinste Teil eures heutigen Tages. Wir wünschen gute Weiterfahrt und werden gerne mitlesen wie sich euer Ducato hält. Unserer ist lange aus der Garantie, er gehört uns auch erst seit November.
    *Leider haben wir einen Schweizer Gasanschluss, ein solches Adapterproblem steht uns in mehrfacher Hinsicht bevor. Gute Reise! Regula und Markus

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  2. Avatar von Brigitte DeutschmannBrigitte Deutschmann

    Na ihr lieben Globetrotter, ich bewundere Eure Kompetenz, Probleme zu lösen und das im schönen Spanien. Ihr seid ein tolles Team und ich wuensche mir einen tollen Bereich ueber Portugal. Alles Gute, bleibt gesund, liebe Grüße Brigitte

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  3. Pingback: Ein Tag im Gewerbegebiet | Unterwegs

Hinterlasse eine Antwort zu regul@ Antwort abbrechen