Bis zur Grenze sind es 20 Kilometer. Es ist eine kurze schöne Fahrt durch den kleinen Kaukasus.

In Georgien sind die Formalitäten ruckzuck erledigt inklusive Besuch bei der Liberty Bank, um unser Knöllchen zu zahlen.
Auch die türkische Passkontrolle ist problemlos. Lediglich der Zoll hält uns mit seltsamen Formalitäten auf. Ein junger Mann in Uniform, der auf meine Aufforderung hin brav seine Schuhe auszieht bevor er den Bus inspiziert, fotografiert Bett, Kühlschrank und Herd. Er kann mir nicht erklären warum, zuckt mit den Achseln, lächelt entschuldigend. Er fordert uns auf, ihm in sein Büro zu folgen, wo seine Kollegin irgendeinen Kampf mit ihrem Computer und meinem zugegebenermaßen etwas komplizierten Namen austrägt. Mit Hilfe meines Personalausweises und meines Führerscheins löst sie ihr Problem und wir dürfen einreisen. Willkommen in der Türkei!
Das feiern wir im ersten größeren Ort auf unserer Route, Posof, mit einem guten Mittagessen mit Mantı (kleine Teigtaschen) und Huhn in Tomatensauce.

Es gibt drei Grenzübergänge zwischen Georgien und der Türkei. Bei der Einreise hatten wir den nördlichen am Schwarzen Meer bei Batumi gewählt, heute sind wir über den mittleren gekommen. Wir haben im Moment kein wirkliches Ziel. Entscheidend ist: westwärts und schön. Für heute ist eine Fahrt auf kleinen Straßen durch die Berge angesagt.

Hinter Posof geht es rasch hoch. Bald ist die Schneegrenze erreicht, unser höchster Punkt liegt auf 2550 Metern. Die Straße ist trocken und ohne Schlaglöcher und wir genießen die weite Sicht auf die umliegenden Berge.


Immer noch auf 2000 Meter queren wir den Fluss Kura, dem wir gestern schon gefolgt sind und der auch durch Tiflis fließt. Er entspringt hier in der Nähe, durchquert Georgien und Azerbaidschan, wo er ins Kaspische Meer mündet. Mit 1500 Kilometern Gesamtlänge ist die Kura der längste Fluss im Südkaukasus.
Vor Göle, wo wir Kaffee trinken wollen, fahren wir durch ein Feuchtgebiet.

Ein Kaffee und eine gute Auswahl an Baklava machen den Fahrer wieder fit. Der kann mittlerweile sogar schon selbst auf Türkisch seinen zweiten Kaffee bestellen.
Ich kann leider seit meinem Sturz in Istanbul nicht fahren, weil die Blutergüsse im Oberschenkel beim Sitzen schmerzen. Vor dem Beifahrersitz steht deshalb seither ein Höckerchen, auf dem ich das Bein abstellen kann.

Außer Essen, Trinken, Gucken und Fahren haben wir heute nichts gemacht. Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz stoßen wir am Nachmittag zufällig auf etwas ganz besonderes: Die Feenkamine von Narman in der Provinz Erzurum sind faszinierende, durch Erosion geformte rote Felsformationen, die als „Land der roten Feen“ bekannt sind. Diese bis zu 300 Millionen Jahre alten geologischen Wunderwerke stehen auf der UNESCO-Vormerkliste.

Wir parken den Bus, zögern aber noch mit einem Erkundungsgang, denn jetzt regnet es kräftig, es ist windig und das Ganze bei acht Grad. Ein Tavla und einen Gin Tonic später hat sich das Wetter beruhigt, wir ziehen uns warm an und machen uns auf zur Besichtigungstour.



Es gibt diesen Spruch von Langstreckenwanderern „Der Weg sorgt für Dich.“ Diese Erfahrung teilen wir auch immer wieder. Heute zum Beispiel.

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