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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Bilderbuchschöne Lofoten

Die Landschaft hier heischt nach besonderen Beschreibungen: surreales Traumbild, die Natur in ihren spektakulärsten Erscheinungsformen.

Die 80 kleinen Eilande, die die Lofoten bilden, sind eine Welt für sich und bieten ein einzigartiges Landschaftsbild aus schroffen Bergen, kleinen Siedlungen und dem Atlantik.

Rund 200 Kilometer nördlich des Polarkreises wird es im Sommer gar nicht mehr dunkel. Wenn die Sonne scheint und wenn man freien Blick hat, kann man die Mitternachtssonne erleben. Ach ja, und so lange wach bleiben, muss man auch noch. Bisher hat es noch nicht geklappt, aber wir haben ja noch genügend Zeit.

PS: Ich habe es nur bis 23 Uhr ausgehalten. Dann kamen die Mücken 😲.

Stockfisch stinkt

Stockfisch wird heute noch genauso gefertigt wie zu Zeiten der Wikinger: Der Kabeljau wird von Februar/März an rundum das Fischerdorf auf Holzstellagen bis Juni an der frischen Luft getrocknet. Der Fisch ist ausgenommen und der Kopf ist abgetrennt und wird auf extra Gestellen getrocknet.

Der Stockfisch, neben dem wir diese Nacht parken, stinkt zum Himmel. Wie es sich hier gehört. Er riecht nach Meer, nach Norden. Er gehört der Familie Sverdrup in dem kleinen Ort Reine im Süden der Lofoten, die dieses Gewerbe schon in der fünften Generation betreibt.

Der Fisch wird u. a. nach Italien, Kroatien und in die USA exportiert. Die Köpfe der Fische werden nach Nigeria verkauft, wo sie in einer traditionellen Mahlzeit Verwendung finden.

Wir sind gestern nach einer vierstündigen Schiffsreise auf den Lofoten gelandet, dem Archipel, der zu den Erstgeborenen auf dieser Erde zählt. Er besticht durch bizarre Felsformationen, weiße Sandstrände, bunte Fischerdörfer und, je nach Wetter, türkisgrünes Meer.

Seit den 70er Jahren geht es bergab mit der Fischerei, die einst die Menschen hier ernährte, und die Inseln waren schon der Entvölkerung geweiht – bis sie vom Tourismus entdeckt wurden, dessen Einnahmen die der Fischerei nun bei weitem übersteigen.

Wie immer ist es nun eine Frage der richtigen Balance, der richtigen Entwicklung. Wir sind noch nicht lange genug hier, um das zu beurteilen. Natürlich sind jetzt in der Hochsaison viele Touristen hier. Wer nicht im Wohnmobil (oder ein paar junge Leute auch im Zelt) schläft, übernachtet in hübschen rot angestrichenen Rudererhäuschen, meist Pfahlbauten, die hier in fast jedem kleinen Ort zu finden sind. Bausünden haben wir bisher aber noch keine einzige entdeckt.

Eis

Auf 66,5 Grad beginnt der Polarkreis, das Land der Samen, der Mitternachtssonne, der Elche und Rentiere.

Mit der Fähre überqueren wir heute diese Linie, die an Land durch das Modell der Weltkugel markiert ist. Auch unser Kapitän weist uns auf dieses Ereignis hin.

Hier überqueren wir den Polarkreis

Kaum sind wir jenseits des arktischen Zirkels taucht der erste Gletscher auf.

Der Engenbreen, eine Zunge des Svartisen-Gletschers

Es ist der Svartisen, der zweitgrößte Gletscher Norwegens, der tiefstgelegene Europas, dessen tiefster Punkt sich nur 100 Meter über dem Meer befindet.

Wir steigen in ein noch kleineres Boot um, das uns zur gegenüberliegenden Fjordseite bringt. Nach einem kurzen Spaziergang kommen wir zum Gletschersee mit einem wunderbaren Blick auf die Eismassen.

Gletscher mit See

Auch heute haben wir wieder 27 Grad und ich kann nicht widerstehen. Ui, ein Gletschersee hat auch bei hochsommerlicher Hitze keine Temperaturen wie der Neufahrner Mühlsee.

Gletschersee mit Eva

Mit dem letzten Boot um halb acht fahren wir wieder zurück und nach einem Fußweg von 20 Minuten kommen wir am Bus an, der auf einem Stellplatz mit Gletscherblick steht. Wir haben heute Bergfest, dazu passt der Weißwein, den ich vormittags schon in den Kühlschrank gestellt habe. Skål!

Abendessen vor Gletscher

Zu Besuch bei sieben Schwestern

Die sieben Schwestern

Jetzt ist auch in Norwegen Sommer. Am bisher heißesten Tag unserer Reise, bei sage und schreibe 27 Grad, machen wir uns auf den Weg zu den sieben Schwestern. Jede von ihnen hält in luftigen 1000 Metern Hof.

Übernachtet haben wir mit vielen anderen Wanderern auf einem Wanderparkplatz zu Füßen der dritten Schwester. Schon den Vorabend haben wir sehr genossen. Es war das erste Mal, dass wir draußen Abendessen konnten.

Abendessen zu Füßen der dritten Schwester

Als wir am nächsten Morgen wach werden, hat es im Bus an die 30 Grad. Wir stehen in der prallen Sonne. Das Frühstück nehmen wir natürlich auch draußen ein, dann rein in die Wanderstiefel und los. Unser Ziel ist nicht der Gipfel sondern der Kamm, der die eine mit der anderen Schwester verbindet und von dem wir bestimmt eine tolle Aussicht haben.

Aber die Ladies machen es uns nicht leicht. Nach etwa einer Stunde sind wir in den Felsen, die sich in langen, schrägen Platten hochziehen. Es ist steil, heiß und knifflig zu gehen, so dass wir beschließen, den Schwestern von halber Höhe aus zuzuwinken und uns auf den Rückweg machen.

Fast wären wir am Kamm gewesen
Macht nix, war auch so schön

Am Tag zuvor waren wir auch beim Wandern. Da haben wir unser Ziel erreicht: ein Loch im Berg.

Abbild des Lochbergs Torghatten (geklaut aus unserem Reiseführer)

So ein schönes Bild, wie ich es aus unserem Reiseführer abfotografiert habe, konnte ich leider in echt nicht machen. Das geht nur vom Schiff aus oder mit der Drohne. Die hat mein Liebster zwar an Bord, aber er hat einfach nicht dran gedacht.

Wir haben bei unserer Kraxelei zum Loch hoch aber auch schöne Fotos gemacht.

Zwischen den beiden Wanderungen lagen ein paar wunderbare Fährfahrten. Ich finde es immer noch frappierend, wie sich hier Straßen und Fähren abwechseln. Einfach so, zack. „Bitte nehmen Sie die Fähre in 800 Metern“, sagt das Navi und schon stehen wir in der Schlange, die erstaunlicherweise oftmals gar nicht so lang ist. Meistens müssen wir auch gar nicht lange warten, bis das Schiff ablegt. Immer gibt es von Bord aus fantastische Blicke auf die Fjorde und die Berge.

Die haben wir auch auf dem nächsten Übernachtungsplatz. Wir stehen direkt am Sjonfoss. Morgen überqueren wir per Schiff den Polarzirkel.

Der goldene Umweg

Pfiffige Regionalmanager haben eine Initiative zur Förderung des Tourismus auf der Halbinsel Inderøy gestartet: Hersteller besonderer Produkte wie eine Käserei, eine Bäckerei, eine Schnapsbrennerei und eine Brauerei haben sich mit Kommunen, Gasthöfen und Kunsthandwerkern zusammengetan, eine kleine Broschüre erarbeitet und dem Projekt den Namen „Der goldene Umweg“ gegeben. Bei uns hat die Werbung gut funktioniert. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz nehmen wir doch gern einen Umweg in Kauf, einen goldenen allemal.

Es ist Sonnwend und wir sind zwar noch südlich vom Polarkreis, also noch nicht ganz im Bereich der Mitternachtssonne, aber um viertel nach zehn scheint sie auch hier, ein Stück nördlich von Trondheim, am längsten Tag des Jahres noch.

„Einen guten Sommer!“, wünscht uns der erste Bus am Morgen, als wir auf dem Goldenen Umweg weiterfahren ins kleine Örtchen Straume.

Im Skulpturenpark entlang des Flusses  entdecken wir die Werke des bedeutenden norwegischen Bildhauers Nils Aas. Er wurde 1933 hier in der Nähe geboren, studierte und arbeitete in Oslo und war bereits zu Lebzeiten sehr anerkannt und mit etlichen Preisen dotiert.

Zurück auf der E6 ist es nicht mehr weit bis zum Abzweiger auf den Küstenweg. Ihm werden wir die nächsten 600 Kilometer, fast bis zu den Lofoten, folgen.

Aber wir kommen nicht weit. Blinker rein, bremsen, abbiegen und direkt vorm Erdbeerstand angehalten. Für acht Euro zwar eine verflixt teure Angelegenheit, aber es ist schließlich Sommeranfang und das will ich feiern.

Wenn ich gewusst hätte, dass das eigentliche Geschenk des Tages noch am Straßenrand auf uns wartet…

Wir sind noch nicht lange gefahren, als mein aufmerksamer Beifahrer aufgeregt ruft: „Ein Elch! Da steht ein Elch! Halt an!“ Manchmal leichter gesagt als getan. Doch an dieser Stelle  haben wir Glück und ich kann schon nach ein paar Metern stoppen. Wir gehen ein Stück zurück und pirschen uns an das Tier heran. Achim gelingen ein paar sehr gute Schnappschüsse, ehe das mächtige Tier sich gemächlich zurück in den Wald trollt.

Viel Schönes am Wegesrand

Unser Übernachtungsplatz im Schnee, kurz hinter der Passhöhe des Trollstigen, war wunderschön. Völlig anders, aber nicht minder schön, schlafen wir in der darauffolgenden Nacht: hinter uns eine hübsche kleine Kirche, vor uns das Meer, neben uns die hier traditionellen roten Bootshäuser. Die Wellen schlagen wenige Meter von uns entfernt an den Strand.

Während wir frühstücken, kommt eine Schulklasse an unserem Bus vorbei und biegt hinter den Bootshäusern ab auf den Kai. Bald hören wir die Stimme des Lehrers, der etwas erklärt. Wir ziehen uns an, um noch eine Runde spazieren zu gehen und sehen, worum es in dieser Unterrichtsstunde geht: Rettung aus Seenot. Der Lehrer zeigt den Kindern, wie man mit einem Rettungsring umgeht. Zunächst als Trockenübung, dann, eh wir uns versehen, sind die Kinder im Badezeug und üben in echt! Im eiskalten Wasser! Bei 10 Grad Außentemperatur! Mayday, Mayday! Hier werden Kinder misshandelt! Hm ja, oder auch nicht. Die Bande ist offensichtlich quietschvergnügt.

In Molde gibt es den Hausberg Varden, in zehn Minuten ist man mit dem Auto oben. 222 Berggipfel sollen es sein, die die Stadt umgeben, 87 davon sind über 1000 Meter hoch. Ihre schneebedeckten Spitzen glitzern in der Sonne. Ins Wasser getupft sind unzählige Inselchen. Das Panorama von einzigartiger Schönheit genießen wir gemeinsam mit anderen Touristen, von denen sich ein Paar den Frühstückstisch hübsch mit leckerem Essen und einem kleinen Blumentopf gedeckt hat, und einer Damengruppe aus dem heimischen Pflegeheim, die nebeneinander auf einer Steinmauer sitzen, die Rollatoren ordentlich vor sich aufgereiht.

Einen schönen Platz für unsere (Nach-)mittagspause(n) ist eine tägliche Herausforderung, die wir allermeistens mit Bravour meistern. Auch heute ist das kein Problem. Die Reste vom gestrigen Abendessen und als Nachtisch Zimtkuchen und eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee gibt es auf dem ersten Parkplatz an der Atlantikstraße. Mit Aussicht, wie sich das gehört.

Die Atlantikstraße hatten wir uns spektakulärer vorgestellt. Sie gehört zu den norwegischen Landschaftsrouten und die Beschreibung liest sich so: „‚Die Straße im Meer‘ ist das legendäre Erlebnis, bei dem sich Brücken zwischen Holmen und Schären entlang der rauen Küste der Hustadvika entlangschlängeln.“ Die Atlantikstraße sei eine Wohltat für die Augen. Elegant schwinge sie sich über die sieben Brücken von Inselchen zu Inselchen. Auch das Plakat, das ich abfotografiert habe, verspricht viel.

Als wir dann jedoch auf der Straße fahren, können wir die Begeisterung nicht nachempfinden. Sicher ist die erste Brücke von besonderer Art und schön anzuschauen. Sicher ist auch die uns umgebende Landschaft nach wie vor wunderschön. Doch das ‚legendäre Erlebnis‘ stellt sich für uns nicht ein. Macht aber nichts, schön ist die Strecke allemal.

Für heute habe ich mir gewünscht, dass wir mal früher an unserem Stellplatz ankommen, um genügend Zeit zu haben, mit einem leckeren Getränk in der Sonne zu sitzen. Das mit 17 Uhr hat geklappt, das mit einem schönen Platz am Meer auch. Dumm nur, dass die Sonne nicht mehr scheint. Wir haben aber Glück, denn wenige Meter von unserem Bus entfernt beginnt ein Klippenwanderweg. Schön.

Wenn die Sonne scheint, ist alles anders

Es passiert nicht so oft, dass einem die Sonne einen Strich durch die Rechnung macht. Auf unseren Reisen in diesem Jahr jedenfalls nicht. Aber jetzt ist es tatsächlich passiert.

Die „Rechnung“ ging – wie ausführlich im letzten Blogbeitrag beschrieben – so: Es regnet und regnet und das macht uns keinen Spaß, deshalb fahren wir jetzt fix nach Norden und kommen damit zumindest mal dem Polarkreis näher. Drei Tage Regen hatte der Wetterbericht vorhergesagt. Und am zweiten Tag scheint bereits in der Früh die Sonne.

Also brechen wir unsere Flucht nach Norden kurzerhand ab.

Drei spannende Straßen liegen in greifbarer Nähe, bei Sonne eine Genusstour: die Valdresflya, das Romsdal und der Trollstigen (einer DER norwegischen Superlative). Wir sind mittlerweile in den Bergen gelandet, Meer und Gebirge liegen hier in Norwegen nicht weit auseinander.

Die erste Strecke zählt zu den norwegischen Touristenrouten und trägt die Überschrift „Wo die Straße schwebt“: „Eine Fahrt auf der Landschaftsroute Valdresflye gibt Ihnen das Gefühl, über der Hochebene mit ihrem einzigartigen Blick auf die Gipfel des Nationalparks Jotunheimen zu schweben.“ Ein Großteil der Strecke verläuft über der Baumgrenze; ihr höchster Punkt befindet sich auf 1389 Metern.Wir landen im Schnee, das Thermometer zeigt neun Grad, aber die Sonne scheint.

Die darauffolgende Fahrt durchs Romsdal führt am Fluss Rauma entlang, der hier eine schmale Schlucht geformt hat. Rechts und links ragen bis zu 1800 m hohe Berge auf, aus denen sich unzählige Wasserfälle herabstürzen.

Die höchste senkrecht aufsteigende Felswand Europas kann man hier ebenfalls bestaunen: die Trollwand. Warum hier ein altes Polizeiauto zur Dekoration steht, wissen wir nicht.

Die spektakulärste der drei Straßen, die wir heute befahren, ist ohne Zweifel der Trollstigen, mit dessen Bau 1925 begonnen wurde. Eingeweiht wurde sie elf Jahre später von König Håkon VII. Auch heute noch zählt sie zu den extremsten Gebirgsstraßen Europas. Achim kutschiert unseren Bus lässig, ganz ohne Herzklopfen, hinauf.

Herzklopfen bekommen wir beide erst, nachdem wir unseren Übernachtungsplatz gewählt und den Bus geparkt haben: so einen besonderen Platz hatten wir noch nie. Auf 800 m, umgeben von Schnee, Bergen und der nordischen Nachthelle. Der Himmel ist auch kurz vor Mitternacht noch blau.

Auch am nächsten Morgen scheint die Sonne und als wir nach einem gemütlichen Sonntagsfrühstück im Tal ankommen, ist das Thermometer schon auf 16 Grad geklettert. Wir wollen zum berühmten Geirangerfjord. Dazu queren wir erstmal mit der Fähre den parallel verlaufenen Storfjord und einen weiteren Pass, von dessen Höhe aus man den ersten Blick auf den Fjord erhascht.

Die Schiffsfahrt über den Fjord setzt unseren unverhofften Ausflügen dann die Krone auf. Tiefblauer Himmel, Sonne pur und 23 Grad.

Einfach nur noch Land gewinnen

Sognefjord, Geirangerfjord, Trollstiegen – diese Namen lassen die Herzen von Norwegenliebhabern höher schlagen. Auch unsere. Denn dies ist die Gegend der Superlative: Eine Bootsfahrt über den Fjord gehört zu den Top-Highlights nicht nur Norwegens sondern ganz Europas. Eine Fahrt mit der Flambahn, vom Sognefjord hinauf zur Hochebene Hardangervidda, zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten des Landes und der Trollstiegen ist eine der extremsten Gebirgsstraßen Europas. Es gibt hier außerdem noch die Traumstraße Laerdalsvegen, den Jostedalsbreen-Nationalpark mit 30 Gletschern und jährlich 600 000 Touristen sowie eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Welt, den Geirangerfjord.

Wir lassen sie alle links liegen und entscheiden uns für einen ganz anderen Superlativ: den Laerdaltunnel, der mit seinen 24 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt ist. „Und wie ist es, hier durch zu fahren?“, frage ich Achim. „Langweilig“.

Egal. Wir wollen nur noch eins: möglichst schnell Land gewinnen.

Wenn es stundenlang regnet, wenn der Wetterbericht auch für die nächsten zwei Tage keine Besserung verspricht, wenn die Sicht so schlecht ist, dass man Himmel, Berge und Meer nicht auseinanderhalten kann, dann machen weder eine Schiff-, noch eine Zug-, noch eine Autofahrt Spaß.

Dabei sah die Welt vorgestern und gestern noch ganz rosig aus. Bergen, die „Königin der Fjorde“, gilt als schönste Metropole des Landes (es nimmt kein Ende mit den Superlativen) und auch wir genießen den Bummel entlang des Hafenbeckens und der bunten Holzhäuser des ehemaligen Hanseviertels.

Doch dann zieht es uns wieder aufs Land und wir fahren zu einer schmalen der Stadt vorgelagerten Insel, auf der es einen kleinen, sehr idyllischen Campingplatz gibt. Mal wieder duschen und große Wäsche machen ist der Plan.

Da ist uns der Wettergott noch freundlich gesinnt. Zwischen vereinzelten Schauern ist es auch mal trocken und wir können sogar einen Spaziergang machen und am Nachmittag draußen Kaffee trinken.

Heute Morgen fängt es aber schon bald nach dem Frühstück wieder an zu regnen. Unser heutiges Ziel ist ein weiterer kleiner Campingplatz, diesmal am Naeroyfjord, der uns als Ausgangspunkt für den Rimstigen dienen soll. Der steht für morgen auf unserem Programm. Es ist ein steil an der Fjordwand ansteigender ehemaliger Viehweg, der von oben ein atemberaubendes Panorama hinunter in den Fjord bietet.

Wir fahren im Regen los und erreichen unseren ersten Zwischenstop, das Hotel Stalheim, gegen Mittag im Regen. Auch Leute, die keine Hotelgäste sind, dürfen in den hinterm Haus gelegenen Garten. Von hier bietet sich eine sehr schöne Aussicht in den 550 m tiefen Abgrund, auf den zuckerhutähnlichen Jordalsknut und das Naeroytal, das sich zum Fjord öffnet.

Wir machen hier Mittagspause und beratschlagen. Wandern morgen? Kannst Du vergessen. Mit dem Boot durch den Fjord fahren? Nicht bei dieser Sicht (nebenbei sei auch noch erwähnt, dass die Tickets rund 100 Euro für uns zwei kosten). Wir studieren die Landkarte. Einfach mal so Land gewinnen, mal eben ein paar hundert Kilometer durch den Regen nach Norden düsen, ist von hier aus nicht gut möglich. Mit dem Auto in Norwegen zu düsen, ist eh nicht möglich. Ich schrieb schon davon. Aber wir haben uns inzwischen auch von allen großen Straßen entfernt und sind von Fjorden, Bergen und Hochebenen umgeben. Es regnet weiter, wir beraten weiter, wissen nicht richtig, was wir tun sollen und entscheiden uns für die Flucht Richtung Norden. Bis zur nächsten großen Straße sind es 200 Kilometer. Also los.

Ein kurzer Blick auf den Fjord in Gudvangen, wo es so eng ist, dass man hier selbst im Sommer erst ab etwa 12 Uhr die Sonne sieht.

Nochmal anhalten in Flam, von wo aus man die Fjordfahrten unternehmen kann und wo auch gern mal die Kreuzfahrtschiffe anlegen.

Und dann ab in den Laerdaltunnel, um nach etwa 150 Kilometern auf die E 6 Richtung Norden zu stoßen.

Trotzdem freuen wir uns über unverhofft auf unserer Strecke auftauchende Überraschungen: Die Stabkirche von Borgund aus dem Jahre 1180, die – Achtung, Superlative! – nicht nur als das besterhaltene Beispiel norwegischer Holzbaukunst, sondern auch als der älteste Holzbau Europas gilt. Ihre Schindeldächer sind gestaffelt und die Firstenden mit Drachenköpfen verziert, so dass sie eher wie eine Pagode aussieht als eine Kirche.

Wenige Kilometer später dann die ersten Rentiere auf dieser Reise, Eltern mit einem Jungen. Kurz nur können wir sie beobachten, dann trollen sie sich außer Sichtweite. So schön!

Schließlich finden wir auch noch einen Stellplatz neben einem Fjord. Außer uns ist noch ein kleiner Camper aus Belgien da. Aber auch unsere Nachbarn haben sich vor dem Regen nach drinnen verzogen. Achim bereitet das Abendessen zu, ich blogge und morgen fahren wir so lange Richtung Norden, bis es aufhört zu regnen.

Sicher ist: wir kommen auf der Rückfahrt wieder hier vorbei und holen dann nach, was wir jetzt ausfallen lassen. Das ist ein festes Versprechen an uns selbst.

Raus aus der Komfortzone, rauf zum Gletscher

Unser Nachtplatz liegt auf 389 Metern. Damit sind wir quasi in der Poleposition für die Wanderung zum Gletscher. Wir sehen den Buarbreen vom Bett aus. Sogar das bläulich schimmernde Eis können wir von unten erkennen.

In der Früh um kurz nach sieben rumpele ich bereits so laut im Bus herum, dass auch Achim wach wird und aufsteht. Frühstücken, Brotzeit herrichten, Rucksäcke packen. Um 9 Uhr sind wir startklar.

Die größte Überraschung: Die Sonne scheint! Welche Freude! Und – Achtung, Spoiler! – wir werden die ganze Wanderung im Trockenen machen. Das hatten wir nicht zu hoffen gewagt.

Uns erwarten 450 Höhenmeter und ein Anstieg von etwa zwei Stunden. Der Weg schlängelt sich durch den Wald moderat nach oben, begleitet vom stetigen Rauschen des Gletscherflusses linkerhand. Nach einer Wegbiegung steigt der Adrenalinpegel das erste Mal: zwei Rindviecher, äh, schottische Hochlandrinder, haben es sich auf unserem Weg gemütĺich gemacht. Ihre Hörner und ihre Statur sind beeindruckend und wir sehen ein, dass sie hier die Stärkeren sind. Wir suchen uns einen vermeintlich sicheren Platz auf einem Felsen und versuchen, die beiden mit Klatschen, Rufen und sogar Stöckchen werfen dazu zu bewegen, sich ein wenig zur Seite zu bewegen. Doch wir interessieren sie nicht die Bohne. Da wir ihnen aber auch weiterhin nicht über den Weg trauen, schlagen wir uns ins Gebüsch und umrunden sie großräumig.

Der nächste Abschnitt könnte bei 10 Grad mehr als Spa bezeichnet werden. Beim ersten schmalen Steg über Wildwasser aus dem Gletscher klopft mein Herz vor Aufregung, doch dann laufe ich mich ein und überquere mir nichts dir nichts x von diesen Dingern. Einmal fehlt ein Steg. Ein findiger Wanderer hat eine Bohle auf zwei Steine gelegt, ich traue dem Konstrukt nicht, balanciere über die Steine im Wasser und hole mir natürlich prompt nasse Füße. Spaß macht das Queren über eine Hängebrücke – vertrautes Terrain für mich.

Abschnitt Nummer drei ist was für Klettermaxe. Nun verlasse ich endgültig meine Komfortzone. Wenn wir in die Berge fahren, was ja von uns zuhause aus kein großes Ding ist, gehen wir WANDERN nicht KLETTERN. Mich akrobatisch an einem Seil eine Felsplatte hochzuziehen, bin ich nicht gewohnt.

Vor einer besonders fiesen Stelle spielen wir kurz mit dem Gedanken, den Gletscher Gletscher sein zu lassen, aber dann packt uns doch der Ehrgeiz. Wir kraxeln hoch und höher, hangeln uns noch an einem Schneefeld lang, und dann sind wir oben. Oben heißt in dem Fall: Hier geht es nicht weiter. Es sei denn, man hätte sich einer geführten Gletschertour angeschlossen.

Wir freuen uns einfach, dass wir es bis hier geschafft haben und dass wir dem Gletscher so nahe gekommen sind. Imposant thront er über uns, zugleich ist deutlich zu erkennen, wie sehr er bereits geschmolzen ist. Während wir den Anblick genießen und unsere Brote essen, ist mir aber auch ein bisschen mulmig wegen des bevorstehenden Abstiegs.

Doch es ist weniger rutschig als befürchtet und die Akrobatik und die Wasserspiele kriegen wir auch hin, so dass wir um zwei wieder heil und auch ein wenig stolz am Bus ankommen.

Dass der Tag mit einem weiteren Highlight endet, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wir fahren am Sørfjord entlang und stoßen nach 50 Kilometern auf den Hardangerfjord. Wir parken für die Nacht nahe der Brücke, die ihn majestätisch überspannt und laufen vor dem Abendessen noch durch einen in Regenbogenfarben erleuchteten Fußgängertunnel, der uns auf die Brücke über den Fjord führt. Warum nur können nicht alle Fußgängertunnel so schön sein?