Archiv des Autors: doeziblog

Avatar von Unbekannt

Über doeziblog

Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

13. Stopp: Irgendwo zwischen Titeki und Talbourte

Das erste Berber-Omelette meines Lebens esse ich in der Schlucht von Ait Mansour, 20 Kilometer südlich von Tafraoute. So so gut! Zwiebeln in der Tajine anschmoren und gewürfelte Tomaten dazugeben. Mit Kreuzkümmel, Salz und frischem Koriander würzen. Zehn Minuten bei geschlossenem Deckel schmoren lassen. Währenddessen die Eier (drei pro Person!) luftig aufschlagen und zu der Tomatenmasse geben. Zehn Minuten stocken lassen (der Deckel ist wieder drauf). Zum Schluss eine Handvoll Oliven und nochmal etwas frischen Koriander drübergeben. Frisches Brot dazu reichen und direkt aus der Tajine essen. Messaoud, der Besitzer des kleinen Restaurants, auf dessen Dachterrasse wir sitzen, verrät uns das Rezept und ganz sicher werde ich es bald nachkochen.

Wir bleiben auf dem Parkplatz neben seinem Lokal stehen und laufen ein kleines Stündchen durch die Schlucht. Es ist eine schmale Straße, aber es gibt kaum Autos, so dass man hier sehr entspannt gehen kann. Ein paar Hunde lassen sich gern streicheln und begleiten uns ein Stück des Weges.

Die Gorges d’Ait Mansour ist das Bett eines Wildbachs. Gesäumt wird es über eine Länge von 10 Kilometern von nackten roten Felsen und üppigen Palmen. Hin und wieder stoßen wir bei unserer Wanderung auf ein kleines Straßencafé, queren ein Dorf mit Moschee und Schule.

Die starken Regenfälle im Februar haben auch hier für Schäden gesorgt. Die Häuser und die Straße wurden zum Glück nicht geschädigt, wohl aber wurden etliche Palmen von der Wucht des aus dem Bett getretenen Wassers umgeworfen.

Eine schöne Bergstraße führt uns zurück nach Tafraoute.

Nordöstlich erstreckt sich das Ammelntal, in dem man immer wieder Bergdörfer an den Felshängen in mehr oder weniger luftiger Höhe entdeckt.

Wir folgen ihm über die R105, um über einen Schlenker in nördlicher Richtungen (via Igherm) auf gut ausgebauter Straße ins südlich gelegene Tata am Rande der Sahara zu gelangen. Auf einmal sehen wir ein Schild: nach Tata rechts rum. Wir halten, studieren unsere digitalen und papiernen Landkarten, fragen beim Ladenbesitzer nach („Oui, Tata, à droite. Ja, nach Tata rechts rum.“ Das ist vielversprechend. Wenn mit dieser Route alles klar geht, sparen wir uns schätzungsweise rund 100 Kilometer.

Wir biegen also ab und tauchen ein in eine noch einsamer Bergwelt. „Unglaublich!“, ist das Wort des Abends.

Die Straße ist schmal, aber es gibt so gut wie keinen Gegenverkehr. Wir sind umgeben von nahezu kahlen welligen Bergen, ganz selten wächst hier mal ein Baum. Nach fast 30 Kilometern Natur pur wird es Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Es geht auf halb acht zu, bald wird es dunkel. Stell- oder Campingplätze sucht man hier vergeblich. Wir beäugen das Terrain und halten Ausschau nach einer abgeflachten Straßenkante (die überragt hier das Bankett gern mal um 20 cm) und einem ebenen Platz neben der Straße. Bald werden wir fündig. Die Sonne geht gerade unter, als wir uns inmitten der Berge positionieren. Als wir nach dem Abendessen nochmal nach draußen schauen, umgibt uns tiefstes Dunkel. Und Millionen von Sternen.

12. Stopp: Tafraoute

Wir liegen noch im Bett, als ich höre, dass sich jemand am Wohnmobil zu schaffen macht. Auf der Beifahrerseite. Lächelnd drehe ich mich noch einmal um und döse weiter vor mich hin, denn ich weiß, es ist kein Einbrecher und auch keine Ziege sondern der Bäcker, der uns wie verabredet Baguette, Fladenbrot und Croissants ans Auto hängt. Was für ein toller Service!

Es ist nicht der einzige Service, den die Einheimischen den Touristen hier zukommen lassen. Bei den Massen von WoMos, die hier aufkreuzen, sicherlich eine gute Einnahmequelle.

Immer wieder taucht jemand auf und bietet eine Ware oder eine Dienstleistung an: zwei Jungen verkaufen Eier und frische Pfannkuchen von der Oma. Das Frischwasser für den Bus wird bis an den Einfüllstutzen geliefert. Ein Künstler präsentiert seine Bilder, ein anderer bietet an, sie auf die Wohnmobile zu malen – wie wir unterwegs an einigen Bussen gesehen haben, funktioniert diese Geschäftsidee außerordentlich gut. Kamele, Palmen und Dünen schmücken so manches WoMo (wir zögern noch). Ein Mann bietet professionelle Autowäsche an, eine Frau fragt, ob sie uns am Abend Harira, marrokanische Linsensuppe, und eine große Tajine vorbeibringen kann. Wir willigen freudig ein. Dann packen wir die Rucksäcke und wandern los. Unser Ziel in etwa sechs Kilometern Entfernung sind die Rochers Peints, die bunten Steine von Tafraoute. Aber nicht nur die bunten sondern alle Felsformationen hier sind sehenswert. Hier gilt wirklich “ Der Weg ist das Ziel“ bei so viel Schönem, das wir unterwegs sehen. Obwohl, ich finde es nicht nur schön. Vielmehr leide ich schon bald leise (bis halblaut murrend) vor mich hin.

Es ist Mittag, die Sonne knallt, es ist heiß (30 Grad, schätze ich) und es gibt keinen Schatten. Meine Füße kochen in den Bergschuhen, ich fühle mich schlapp und überhitzt. Falsche Uhrzeit für eine solche Tour.

Ich zwinge mich, die Landschaft und die Architektur, alt wie neu sehenswert, zu genießen. Der Duft des weißen Ginsters ist durchdringend, Arganbäume und Palmen stehen dekorativ in der ansonsten leeren Landschaft, die von den Felsen dominiert wird.

Nach einem Fußmarsch von gut zwei Stunden sind wir endlich da. Der belgische Künstler Jean Verame hat hier 1984 Felsbrocken in allen Größen bunt angemalt. Sie bilden einen interessanten Kontrast zu den rötlich-braunen Natursteinen drumherum.

Das Projekt war durchaus umstritten. Uns gefällt es gut, ebenso wie einigen Einheimischen, die selbst zu Pinsel und Farbe griffen, als die Originalfarben zu verblassen drohten. Merci, Shukran, Danke auch dafür.

Vom Atlantik in den Anti-Atlas

Achim war fleißiger als ich und hat mal wieder zu nachtschlafender Zeit einen Blogbeitrag geschrieben:

Für unsere Reise hatten wir uns ein paar kleine Eckpunkte ausgedacht. Einer davon lautet, erst einmal zwei Wochen an der Atlantikküste runter. Erstens wird das Klima in den Bergen angenehmer (als wir in Marokko einreisten, fiel noch Schnee im Atlas) und zweitens können wir uns dort langsam auf Land und Leute einstellen. Die zwei Wochen […]

Vom Atlantik in den Anti-Atlas

11. Stopp: Ouijjaane via Tiznit

Noch einmal geht es 80 Kilometer weiter nach Süden. In die Silberstadt Tiznit. Der alte Teil ist komplett von einer zinnenbewehrten Mauer aus rötlichem Lehm umgeben, durch mehrere Tore kann man ihn betreten.

Auf Plätzen und Straßen, unter Arkaden und in Gassen werden vielerlei Waren angeboten. Endlich finde ich ein Nudelholz, klein genug, um im Bus mitreisen zu können, und einen Teekessel. Grüner Tee und frische Minze, Datteln, Erdbeeren und Gemüse wandern in die Einkaufstasche.

Da wir in der Silberstadt sind und ich in zwei Wochen Geburtstag habe, darf ich mir ein besonderes Schmuckstück aussuchen (ein Foto hiervon gibt es erst Ende des Monats).

Es ist heiß geworden, bei unserem Spaziergang durch die Stadt suchen wir die Schattenseiten der Straßen. Nach einem Kaffee und ein paar Keksen sind wir wieder fit und machen uns auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Als erstes stoßen wir auf die „Source bleu“, die blaue Quelle, eine große Brunnenanlage. Heute ist wenig Wasser drin, laut Reiseführer sollen sich hier die Jungs im kühlen Wasser tummeln auf der Suche nach Münzgeld, das von Touristen in die Quelle geworfen wurde. Nichts davon ist aktuell zu sehen.

Ein paar Schritte weiter finden wir die Kasbah von Aghanaj, eine imposante Festung aus dem 19. Jahrhundert, und die große Moschee. Charakteristisch für diese Moschee ist das Minarett, das mit hölzernen Querstangen versehen ist. Ähnliche Minarette gibt es auch in Mali und im Niger und es heißt, dass Sklaven aus diesen Regionen die Moschee von Tiznit erbauen mussten.

Wir verabschieden uns von Tiznit und der Küstenregion und brechen auf ins Landesinnere in Richtung Osten. Unser Ziel ist Tafraoute im Anti-Atlas. Kaum haben wir Tiznit verlassen, ändert sich die Landschaft. Sie ist trocken, eine Halbwüste, in der Ferne sehen wir die ersten Berge.

Rund 20 Kilometer hinter Tiznit biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab und fahren noch etwa 7 Kilometer über eine einspurige gut asphaltierte Straße. Dann erreichen wir den Weiler Ouijjane und den Campingplatz Sous les palmiers bleus, idyllisch in einem Palmenhain gelegen. Morgen werden wir diese Oase noch ein wenig näher erkunden, ehe wir uns auf den Weg durch die Berge nach Tafraoute machen.

10. Stopp: Sidi Wassay

Es ist fast dunkel, als wir auf dem Campingplatz in Sidi Wassay, rund 60 Kilometer südlich von Agadir, ankommen. Der Platz ist terrassiert und wir stellen die Busse auf einer der oberen Ebenen ab. Am nächsten Morgen sind wir hin und weg von der Aussicht, die sich uns bietet. Blauer Himmel, blauer Atlantik, der mit weißer Gischt ans Ufer schlägt, blauer Pool, sandfarbene Dünen. Normalerweise bin ich kein Fan von Kunstrasen, aber hier bietet er rundum das Schwimmbecken den grünen Farbtupfer.

Natürlich frühstücken wir draußen. Bis wir Frühgymnastik und Schwimmen absolviert haben, ist es zehn Uhr durch und wir haben sehr angenehme 22 Grad.

Dann packen wir die Rucksäcke und machen uns auf zu der in unserem Reiseführer empfohlenen Zehn Kilometer-Wanderung in den Nationalpark Souss-Massa. Sie geht direkt am Campingplatz los, einfach drei Kilometer rechts rum am Strand entlang. Wir ziehen die Schuhe aus und planschen im Wasser herum. Am Strand ist einiges los. Kinder und junge Männer spielen im Sand, Familien haben sich Windmuscheln aufgebaut und kochen Tee, bei manchen sehe ich Tajines vorm Zelt stehen. Wir sind wiederum die einzigen Touristen hier. Der März scheint eine gute Reisezeit zu sein.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den Fluss Oued Massa, der hier ins Meer mündet. Wir können ihn trockenen Fußes queren, weil er, wie wir später von einem Wächter erfahren, auf den letzten Metern unterirdisch verläuft. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses finden wir das nördliche Eingangstor in den Nationalpark. Auf den Sandinseln im Flussdelta lassen sich Löffler (vor wenigen Tagen wusste ich noch nicht mal, dass es diese Vögel gibt. Jetzt erkenne ich sie sogar. Ich sag ja immer: Reisen bildet), Graureiher, Flamingos und auch ein Seeadler durchs Fernglas bewundern.

Es gibt überdachte Beobachtungsstände, daneben Infotafeln über Flora und Fauna.  Wir lernen, dass hier außerdem eine sehr seltene kahlköpfige Ibis-Art lebt. Natürlich wollen wir einen Blick auf diese besonderen Tiere erhaschen. Und tatsächlich: nach längerer Suche und einigem Fehlalarm entdecken wir zwei große Gruppen auf einer Sandbank. Sie stehen zu weit weg, um sie mit unseren Kameras zu fotografieren. Achim ist so begeistert, dass er am nächsten Tag gleich nochmal mit seinem Spektiv wiederkommt.

Wir anderen machen uns dagegen einen gemütlichen Tag mit viel Nichtstun. Muss auch mal sein. Bisschen Wäsche waschen, lecker Kochen, Boule spielen und natürlich die Aussicht genießen. Das reicht. Herrlich so ein Tag.

Achim hat die Tage in Sidi Wassay hier beschrieben

Neuland

Nicht vorenthalten möchte ich Euch diesen Blogbeitrag meines Liebsten, in dem er unsere Reisestationen Oualidia, Safi, Essaouira beschreibt und dann die weitere Fahrt über Agadir hinaus:

Nachdem wir Oualidia verlassen haben, einen unserer Lieblingsorte bisher, ist es zum ersten Stopp nicht weit. Safi ist eine oder besser gesagt DIE Töpferstadt in Marokko. Der Ton wird nur sechs Kilometer entfernt abgebaut und hier seit ewigen Zeiten verarbeitet. Es ist Freitag, da wird nur bis mittags gearbeitet. Wir haben aber Glück: ein Töpfer […]

Neuland

Neunter Stopp: Essaouira

Auf dem Weg nach Essaouira, der Stadt des Windes und der Gnaouamusik machen wir Halt in Safi, der Töpferstadt. Auf einem Hügel in der Altstadt haben sich die Töpfer angesiedelt. Wir laufen durch die schmalen Gassen und dürfen hinter die Kulissen schauen. Die Werkstatttüren sind geöffnet und wir werden freundlich hereingebeten und kommen rasch mit den Männern dort ins Gespräch. „Vor acht Jahren gab es noch nicht so viele elektrische Töpferscheiben wie heute, oder?“, frage ich einen der Arbeiter. Er pflichtet mir bei und führt mich zu einem Arbeitsplatz, an dem die Scheibe noch per Pedal angetrieben wird. Im Nullkommanichts formt er eine kleine Tajine, eine Vase und einen Aschenbecher.

Draußen in den Gassen stehen zu Hauf Waren zum Trocknen, Waren in Modeln und alte Brennöfen, die früher mit Holz geheizt wurden. Heute wird vielfach mit Gas geheizt.

Safi ist eine der marokkanischen Hauptstädte der Keramik, und in ihren Straßen werden die in den Werkstätten entworfenen und hergestellten Waren verkauft.

Auf dem Weg weiter nach Süden fahren wir erst am Meer entlang und haben immer wieder herrliche Blicke auf die Küste.

Später wählen wir eine Route, die weiter im Landesinneren verläuft und durch leicht hügelige Landschaft führt.

Es ist schon halb sechs, als wir in Essaouira eintreffen. Wir haben uns vorher schon für einen Parkplatz in einer ruhigen Straße unweit der Medina entschieden, parken den Bus und sind fünf Minuten später im Getümmel der Altstadt.

Am schönsten ist wie immer der Blick vom Meer auf die weiß getünchten Häuser der Altstadt und die felszerklüftete Küste vor der Festungsmauer. Finden nicht nur wir.

Achter Stopp: Die Lagune von Oualidia

Zum Frühsport heute Morgen habe ich liebevolle Hundebegleitung. Aufmerksam und sehr zutraulich beäugt der kleine Kerl mein Tun. Überhaupt gibt es hier etliche Hunde und Katzen, die uns regelmäßig am Bus besuchen. Sie sind wohlgenährt, von den Tischen der Camper fällt wohl reichlich für sie ab. Den normalen Straßenhunden, derer es hier sehr viele gibt, geht es da nicht so gut. Sie sind oft abgemagert. Einige Camper haben Hundefutter an Bord und füttern immer mal wieder die Tiere am Wegesrand. Wir haben in den letzten Tagen zweimal auch Einheimische gesehen, die mit großen Säcken voller Fleischresten kamen und die Straßenhunde gefüttert haben.

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns fertig zu einem Spaziergang an die Lagune von Oualidia. Wie schon bei unserem letzten Besuch umfängt uns auch heute der Seenebel. Dadurch sind die Fotos nicht farbintensiv sondern eher wie aquarelliert. Aber die Stimmung ist magisch wie beim ersten Mal.

Der Ort liegt oberhalb einer Bucht, die von einem langgezogenen Riff eingerahmt wird. Hier und da gibt es Lücken, durch die das Meer heranbraust. Am Strand bieten die Fischer Austern an, die hier gezüchtet werden. Der Fang der letzten Nacht wird verkauft oder gleich an Ort und Stelle gegrillt und gegessen.

Ein Mann kommt vorbei: ob wir nach dem Essen vielleicht einen Kaffee möchten. Oh ja, sehr gern! Überraschung: er hat ihn mit Zimt und Kardamom gewürzt. Sehr lecker.

Eine weitere Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist, die (im Moment wenigen) Touristen durch die Gegend zu schippern. Das wollen wir heute nicht. Wir spazieren über den Strand die Bucht entlang zu dem schönen Hotel, in dem wir letztes Mal gewohnt haben, finden es auch und genießen Tee und beste Aussicht mit Seenebel.

Dann laufen wir hoch in den Ort, denn wir müssen noch einkaufen. Die Preisgestaltung ist interessant. Brot, Obst und Gemüse sind sehr preiswert, Eier sind im Verhältnis mit 22 Cent recht teuer, wohingegen die Merguez, typisch gewürzte Würstchen, mit 5 Euro das Kilo wiederum recht günstig sind. Ich kaufe noch Couscous und grünen Tee, dann machen wir uns auf den Heimweg.

Am Abend kommt Ali mit den vormittags bestellten Hühnchen-Gemüse-Tajines vorbei. Seine Frau kocht, er kümmert sich um Aquise und Lieferung. Er spricht fließend Deutsch und Französisch (was nicht mehr alle MarokkanerInnen tun, obwohl Französisch noch eine der Amtssprachen ist) und hat eine unaufdringliche Art, seine Produkte zu bewerben. Ich glaube, er und seine Frau betreiben ihr Geschäft sehr gut. Unser Abendessen ist köstlich, wir sitzen draußen und sehen einmal mehr der Sonne beim Untergehen zu.

Hier könnt Ihr Achims Blogbeitrag lesen.

Siebter Stopp: Oualidia via El Jadida

Es gibt in meinen Augen nicht vieles, was schöner ist als am Strand aufzuwachen, das Meer zu hören und dann gleich einen Spaziergang zu machen. So beginnt unser Tag heute und es ist einer dieser Glücksmomente, die mich innehalten und darüber nachdenken lassen, wie gut es mir geht. Und dann steht kurz vor Sonnenaufgang auch noch der Vollmond am Himmel und die Möwen genießen vor unserem Bus die ersten Sonnenstrahlen.

Uns ist das Brot ausgegangen, deshalb gibt es Cornflakes und eine der riesigen süßen Orangen, die hier überall verkauft werden, zum Frühstück. Wir wördeln und SZ-rätseln, machen Morgentoilette und fegen den Bus aus und schon ist es elf und wir machen uns auf ins 70 Kilometer entfernte El Jadida. Hier waren wir vor ein paar Jahren schon mal für einige Tage mit unseren lieben Freunden Angie und Ralf. Damals war WM und wir schauten eins der Deutschlandspiele in einer Kneipe. Es waren viele Einheimische da, die zu Anfang recht neutral waren. Nachdem wir uns bei ein paar Spielzügen als deutsche Fans geoutet hatten, bekamen wir bald Unterstützung von den Männern um uns herum – und gewannen das Spiel. Fröhliches Abklatschen allenthalben war angesagt.

El Jadida ist eine sehr alte Stadt. Große Bedeutung hatte sie im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen hier eine Festung errichteten, die sie fast 150 Jahre lang unter dem Namen Mazagan betrieben. Große Teile der Anlage sind noch erhalten und die Cité Portugaise gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe.

Es gibt ein, zwei Straßen, in denen Souvenirs angeboten werden, ansonsten schlendert man durch Wohnviertel, in denen Kinder Fußball spielen, Frauen Tabletts mit Brot- und Kuchenteig durch die Gassen zum gemeinsamen Backofen tragen oder ihre Wäsche aufhängen.

Inzwischen ist es eins geworden und wir haben Hunger. Ein Lokal wirbt mit seiner Dachterrasse, wir klettern drei Stockwerke hinauf und blicken über die Dächer der alten Stadt auf den Atlantik.

Wir bestellen zwei Tajines, eine der beiden marokkanischen Nationalspeisen (die andere ist Couscous). In den dafür typischen Tongefäßen wird uns geschmortes Gemüse in dem einen und kleine Hackfleischbällchen mit Sauce und einem Ei in der Mitte in dem anderen serviert.

Mit Milchkaffee, Pfefferminztee und Trinkgeld zahlen wir 16 Euro und laufen hochzufrieden entlang der großzügig angelegten Uferpromenade zurück zum Bus.

Während auf der Strecke zwischen Casablanca und El Jadida ziemlich schicke Wohnanlagen den Weg säumten (bestimmt dienen viele davon als Wochenend- und Sommersitz für gut situierte Großstädter), fahren wir jetzt durch Industriegebiete. Südlich von El Jadida ist das Zentrum der Düngemittelherstellung und des Phosphatexports.

Doch auch das hat ein Ende und bald fahren wir auf einer kleinen Küstenstraße durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Rotkohl und Kartoffeln kann ich im Vorbeifahren erkennen. Wir machen noch eine kurze Kaffeepause am Straßenrand, kaufen Brot und Tomaten ein und erreichen nach insgesamt 100 weiteren Kilometern Oualidia.

Der Ort liegt an einer Lagune, wo wir ebenfalls schon einmal wunderbare Tage mit Spaziergängen, Bootsfahrt, Austernverkostung (ui, gar nicht meins) und Boulespielen verbracht haben.

Damals wohnten wir in einem herrlichen Hotel inmitten vieler blühender Blumen direkt am Meer. Diesmal sind wir ein bisschen außerhalb auf einem Campingplatz. Meerblick haben wir aber auch. Morgen bleiben wir noch hier und erkunden Ort und Lagune.

Zu Achims Blogbeitrag geht es hier

Wasser, Wald und ein Park: von Moulay Bousselham über Sidi Boughaba und den Jardin de Bouknadel nach Sidi Rehal

Gut, dass Mansour den Kosmos Vogelführer an Bord hat. So erfahren wir, dass die weißen Vögel mit den gelben Kopffedern Löffler heißen. Auffällig ist ihr langer Schnabel, der wie ein Löffel geformt ist. Es ist das erste Mal in unserem Leben, dass wir diese Vögel, die etwas kleiner als Graureiher sind, sehen, obwohl sie auch an der Nordsee beheimatet sind. Jetzt schippern wir für eineinhalb Stunden mit Mansour auf seinem Boot Pelikan durch die Lagune von Moulay Bousselham und erspähen Watvögel, Austernfischer, Pelikane, Regenpfeifer, Möwen und einen Eisvogel. Eine solche Vielfalt und Vielzahl von Vögeln hatten wir uns gar nicht erhofft.

Als wir am Nachmittag zuvor in dem kleinen Fischerort Moulay Bousselham eintrafen, erkundeten wir die Lage erstmal zu Fuß. Bis vor Corona gab es hier einen Campingplatz in der Nähe des Hafens. Den wollten wir uns anschauen, denn wir hatten erfahren, dass man sich vor dem mittlerweile geschlossenen Platz für eine Nacht mit dem Camper hinstellen kann. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir die Stelle und der erste, der uns fand, war Mansour. Schnell wurden wir uns wegen einer Bootsfahrt am nächsten Tag einig und meine Frage, ob wir hier wohl parken könnten, bejahte nicht nur er sondern auch einer der hier aktiven Parkwächter umgehend.

Am Abend stießen noch Dorothee und Alain, Freunde und Nachbarn aus der Heimat zu uns, die zeitgleich auf ähnlicher Route in Marokko mit ihrem Bus unterwegs sind.

Sie hatten die gute Idee, nach der Bootsfahrt in Moulay Bousselham an den etwa hundert Kilometer weiter südlich gelegenen See Sidi Boughaba im gleichnamigen Naturreservat zu fahren. Mitterweile ist es hier richtig frühlingshaft und wir decken draußen für eine kleine Kaffeerunde mit am Vortag gebackenem Apfelkuchen. Aber dann tun wir was für die Kalorienreduktion und wandern etwa zwei Stunden durch den Wald.

Am Abend stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem Botanischen Garten Jardin Exotique de Bouknadel, den wir am nächsten Morgen besuchen wollen. Der Nachtwächter hat keine Einwände und so hocken wir uns zu viert in unseren Bus und bereiten ein improvisiertes Abendessen aus zusammengewürfeltem Gemüse mit Woknudeln zu.

Der Garten wurde vor 70 Jahren von dem französischen Gartenbauingenieur Marcel Francois gegründet und verzückt einen mit verschlungenen Wegen, Hängebrücken, Teichen, Wasserläufen und einer riesigen Vielfalt alter Bäume und Blumen. Außer uns sind mehrere Schulklassen hier, die ebenfalls viel Spaß beim Auskundschaften des Terrains haben.

Dann trennen sich erst einmal wieder unsere Wege. Dorothee und Alain wollen sich als nächstes Rabat und Casablanca anschauen. Wir kennen beide Städte bereits und haben keine Lust auf Großstadttrubel. Über die Autobahn fahren wir deshalb rasch an ihnen vorbei und erreichen etwa 50 Kilometer südlich von Casablanca den Strand bei Sidi Rehal, wo wir bis zum nächsten Morgen stehen bleiben wollen. Mal wieder kann ich in bester Lage meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.

Wenn Ihr auch Achims Blogbeitrag in Unterwegs lesen möchtet, so geht das hier.