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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Zwei Touren auf vier Rädern

Statt Osterhase, der durch die grüne Wiese hoppelt, staken Flamingos neben uns durch die Lagune. Wir sind jetzt zu viert, Dorothee und Alain sind in der Nacht eingetroffen und zur Begrüßung am nächsten Morgen gibt es erstmal ein schönes Frühstück im Grünen. Für uns alle das erste Mal in diesem Jahr.

Auf unserer folgenden Radtour haben wir uns die schönen Wasservögel genau angeguckt.

Die ursprünglich geplante Route war wegen Bauarbeiten gesperrt, die spontan ausgesuchte führte in großen Teilen leider über viel befahrene Straßen. Wir wollten zur Etschmündung, haben aber, als es dann auch noch anfing zu nieseln, etwas entnervt aufgegeben.

Mit einer kleinen Fähre über den Po konnten wir auf dem Rückweg ganz viel abkürzen und saßen bald wieder im warmen Bus.

Der Ostersamstag ist ein freundlicher Frühlingstag. Bei angenehmen 22 Grad erkunden wir einmal mehr Comacchio, wo wir das erste Mal vor drei Jahren waren. Auch dieses Örtchen bietet venezianisches Flair.

Heute ist der Parkplatz voll mit Wohnmobilen, aber im Ort selbst ist es nicht überlaufen. Wir können entspannt durch die Gassen und über die Brücken spazieren und gemütlich Cappuccino trinken.

Wie schon beim letzten Mal starten wir danach zu einer wunderschönen 50 Kilometer langen Radtour, die uns durchs Po-Delta führt. Sehr malerisch liegen die Fischerhütten im Wasser.

Achim entdeckt unser Sommerhaus und schaut nach, ob wir uns hier mal für eine Saison niederlassen wollen.

Weiter geht es an Scharen von Flamingos vorbei, über Dämme, von denen niemand weiß, wozu sie gebaut wurden. Radler und Fußgänger freuen sich jedenfalls. Man hat das Gefühl, übers Wasser zu fliegen.

Als wir gegen halb sieben zurück in Comacchio sind, sind wir windzerzaust und vom steinigen Untergrund ordentlich durchgerüttelt.

Da setzen wir uns gern auf unsere weichen Autositze und fahren noch 100 Kilometer weiter Richtung Süden (wir müssen ja auch mal vorwärts kommen, ne). Im Bergdorf Verucchio gibt es einen Stellplatz mit Rundumblick. Das klingt verlockend.

Auf dem Weg dorthin schnibbele ich am Esstisch schon mal das Gemüse. Denn wir werden erst um viertel vor neun am Ziel sein und haben alle Hunger.

Oh je, der Stellplatz im Dorf ist besetzt. Kein Platz mehr für uns. Wir weichen auf einen anderen Parkplatz aus, wo wir zwar nicht die versprochene tolle Aussicht haben aber zumindest eine Picknickbank fürs Osterfrühstück morgen.

Venedigs kleine Schwester

Wir hatten zwei Befürchtungen vor unserer Abreise. Die eine betraf den prognostizierten Starkregen in Norditalien, der für Murenabgänge, Felsstürze und Überflutungen sorgen sollte. Davon waren und sind wir zum Glück nicht betroffen. In der Nacht hat es zwar heftig gestürmt und geregnet, aber heute Vormittag hat es sich wieder beruhigt. Es regnet gerade ein bisschen, aber nicht überbordend.

Unsere zweite Befürchtung war, dass die Adriaküste wegen der Osterfeiertage von Touristenmassen überschwemmt würde. Zumindest in und um Chioggia ist das nicht der Fall. Hier ist noch nicht mal Vorsaison. Am breiten Sandstrand liegt ein Saum aus Treibgut, Strand-Cafés und Bars sind verrammelt, Spielplätze verwaist. Außer uns ist nur noch ein Paar am Strand, das seine Hunde ausführt.

Chioggia zählt zu den schönsten Städten in Venetien und wird dank seiner vielen Kanäle, Brücken und Paläste auch als Klein Venedig bezeichnet. In den Gassen riecht es nach Fisch und frischem Kaffee.

Heute ist Markttag. Leider nur für Klamotten nicht für Lebensmittel, die wir gern verkostet hätten.

Bei 16 Grad kann man seinen Caffè draußen trinken und den Marktleuten beim Abbau zuschauen.

Vielleicht sollten wir unseren Bus auch noch mit solchen Markisen bestücken.

Zum Mittagessen fahren wir etwa 30 Kilometer nach Süden ins Po-Delta. Achim hat auf der Karte einen Platz in den Verästelungen der Lagune entdeckt.

Südlich davon seht Ihr eine Markierung (der Bus), die ich gesetzt habe. Das ist der Stellplatz in Ca Tiepolo, wo wir eigentlich heute hin wollten. Dort waren wir schon mal auf unserer SteierMarkentour und wissen, dass der bei weitem nicht so schön ist wie dieser Fleck hier: rechts Wasser, links Wasser, Flamingos, Austernfischer, Schwäne und nichts sonst. Wir sind begeistert und beschließen, heute hier zu bleiben.

Ein paar Spiegeleier, Kekse und Kaffee später steigen wir für eine kleine Feierabendrunde auf die Räder. Wie schön ist diese flache, von Wasser zersetzte Landschaft mit ihren grünen Borten und vielen Vögeln! Wir können uns kaum satt sehen.

Die Krönung am Abend hätten der Sonnenuntergang und ein kleines Feuerchen samt Raclette werden sollen. Wolken und Wind waren dagegen. Vielleicht haben wir morgen Abend mehr Glück. Heute Abend vergnüge ich mich stattdessen damit, ein Brot zu backen.

Wo fahren wir denn heute hin?

„Wo fahren wir denn heute hin?“, frage ich Achim beim Frühstück. Das ist keine rhetorische Frage. Wir wissen es tatsächlich nicht. „Nach Süden“, ist deshalb die richtige, wenn auch etwas vage Antwort.

Wir haben uns auf unser (neues) Ziel Süditalien nicht richtig vorbereitet. Hinzu kommt, dass unsere Freunde, mit denen wir diese Reise gemeinsam unternehmen werden, wegen einer unverhofften Busreparatur erst später loskommen und dass für die Region Venetien Starkregen vorhergesagt wird. Da wollten wir eigentlich den ersten Stopp auf unserem Weg Richtung Süden einlegen. Und nun? Keine Ahnung. Wir fahren mal los. Richtung Süden.

Die Alpen empfangen uns mit Föhn, Sonne und 22 Grad.

Kaum verlassen wir den Felbertauerntunnel sind es nur noch elf Grad und die Südseite der Alpen nimmt uns mit tief hängenden Wolken und den ersten Regentropfen in Empfang.

Beim Mittagessen entscheiden wir uns, heute nach Chioggia, am südlichen Ufer der Lagune von Venedig, zu fahren. Am Abend können wir dann schon mal die Adria begrüßen und morgen das Städtchen anschauen.

Der Plöckenpass soll uns hinüber nach Italien führen. Doch halt! Ein Schild will uns die Zufahrt verwehren: „Chiuso!“ Ein kleineres Schild ergãnzt allerdings: „21 – 6“. Da wir die Einzigen auf der Straße sind, gucken wir rasch ins Internet und erfahren, dass die Passstraße erst seit vorgestern wieder befahr ist, genau 500 Tage nach einem großen Felssturz auf italienischer Seite.

Bei Nebel kurven wir hinauf und hinunter, Achims Motorradfahrerherz schlägt schneller angesichts der vielen Kehren und dann sind wir in Italien.

Noch zwei Stunden Autobahn und wir sind am Ziel.

Vom, wenig schönen, Stellplatz in Chioggia sind es nur fünf Gehminuten bis ans Meer. Es ist gleich halb Acht, aber wir sagen schnell noch guten Abend.

Gülle gülle, Türkiye!            Ciao, Italia!

Tschüss Türkei! Hallo Italien!

Dieses Frühjahr wollten wir gemütlich durch die Türkei gondeln und dann Georgien und Armenien erkunden. Ich kramte unsere alten Reiseführer raus und begann mit Hilfe zweier Apps, meine eingerosteten Tűrkischkenntnisse aufzumöbeln. Doch dann ließ Erdoğan seinen politischen Gegner Imamoğlu verhaften. Große Demonstrationen im ganzen Land sind die Folge und wir empfinden es als unpassend, in einer solchen Gemengelage dort als Touristen unterwegs zu sein. Der Opposition sind alle Daumen gedrückt!

Wir entscheiden uns um und beschließen eine Reise in den Süden Italiens und nach Sizilien. Zwei Monate haben wir Zeit, Ecken zu erkunden, die wir noch nicht kennen. Nächsten Mittwoch geht’s los. Bleibt dran!

Corona: nachgeblättert

Fünf Jahre ist es her, dass Corona über uns kam. Ob von einem chinesischen Markt oder aus einem Labor ist immer noch nicht geklärt. Zum kleinen Jubiläum wird wieder viel geschrieben: ein Untersuchungsausschuss soll einberufen werden, um die Verhältnismäßigkeit der damaligen Maßnahmen zu diskutieren. Sowohl Angelika Merkel als Bundeskanzlerin als auch Olaf Scholz sollen Dokumente des Bundesnachrichtendienstes unter Verschluss gehalten haben. Die Auswirkungen von Distanzunterricht, Wechselunterricht und Lockdowns auf die betroffenen Schülerinnen und Schüler sind auch noch nicht bekannt und sollen untersucht werden…

Ich habe in meinen Tagebüchern geblättert, in denen ich damals Vieles zum Thema Corona festgehalten habe. Es hatte natürlich auch Einfluss auf unsere Reisen. Doch lest selbst.

25. 4. 2020

Das Schlimmste ist, dass wir nicht wissen, ob das Schlimmste schon hinter uns oder noch vor uns haben. Corona hat fast die ganze Welt lahmgelegt und hält uns seit Wochen im Griff.

Während meines Nepalaufenthaltes ging es los: Kaum ein Telefonat (ob mit Familie und Freunden in Deutschland, Bruder Gangolf in Vietnam oder Freundin Simone in Indien) verging, ohne sich über das neuartige Virus auszutauschen.

In Nepal wurden alle Großveranstaltungen abgesagt, die Touristen blieben aus, Läden verwaisten, die Kinder wurden (ein sehr positiver Nebeneffekt) zum regelmäßigen Händewaschen angehalten.

Und schließlich die Informationen aus dem Internet: die ersten Fluggesellschaften stellen ihren Betrieb ein, europäische Länder schließen ihre Grenzen.

Und so kommt es zu einem sehr abrupten Ende meines Nepalaufenthaltes im März 2020.

Als ich eine Woche früher als geplant, am 17. März, in München lande, ist Achim noch mit unserem Bus unterwegs und Freundin Edda holt mich am Flughafen ab: keine Umarmung, kein Körperkontakt. Coronazeiten. Neue Zeiten.

Zum Ende der Woche wird das von mir zunächst aus freien Stücken (wegen der möglichen Ansteckung während der Flüge) gewählte „social distancing“ dann zum offiziellen „Kontaktverbot“. Seit dem 22. März dürfen wir uns in Bayern nur noch mit Menschen „aus demselben Haushalt“ treffen. Wummmmssss. Von einem Tag auf den anderen. Keiner weiß, wie lange.

Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Geschäfte (außer Lebensmittelläden und Apotheken), Restaurants, Kneipen, Cafés, Theater, Kinos, Museen, Bibliotheken werden geschlossen.

Es ist ein Schock, sogar für Leute wie uns, denen es außer an sozialen Kontakten an nichts fehlt. Wir dürfen zum Spazierengehen oder Radfahren nach draußen – was wir auch weidlich ausnutzen. Erstaunlich, dass wir überhaupt noch neue Wege finden, so viele sind wir schon geradelt.

Mein Geburtstag fällt in diese Zeit und meine ursprünglich mit fast 30 Gästen geplante Feier muss ich absagen. Aber auch eine kleinere Feier ist derzeit nicht möglich. Achim und ich. Mehr nicht. Im Laufe des Tages klingelt es mehrfach an der Haustür. Immer liegen Blumen und kleine Geschenke davor – die GratulantInnen stehen im Abstand von einigen Metern. Wie seltsam sich das anfühlt. Sogar das eigene Kind darf ich nicht drücken. So traurig.

Achim und ich versuchen, uns diese denkwürdigen Tage, in denen kein normaler Alltag mehr stattfindet, so schön wie möglich zu machen. Wir backen viel, kochen lecker, einmal die Woche gehen wir einkaufen.

Ich denke mir ab und zu eine Überraschung aus. An einem Abend dekoriere ich unser Wohnzimmer mit bunten Lichterketten, vielen Teelichtern, stelle Flips, Chips und Bier hin und hänge ein Schild auf „Disco 2000“. Achim ist so positiv überrascht, dass er die nächsten zwei Stunden mit mir tanzt.

Ostersonntag wandern wir von Neufahrn nach Freising. 15 Kilometer durchs Moos. Zur Belohnung gibt es ein dickes Eis in der Eisdiele „Dolomiti“ unterhalt des Lindenkellers. „To go“ ist erlaubt.

Seit 20. April darf man sich mit EINER haushaltsfremden Person treffen. Ich nutze die Chance, mich mit meinem Sohn zu einem Abendspaziergang um den See zu verabreden. Denn man darf diese „Kontaktperson“ nur draußen treffen.

In den darauffolgenden Tagen unternehmen wir dann auch mit Edda mal eine Radtour (was zu Dritt eigentlich gar nicht erlaubt ist) und setzen uns sogar zu Kaffee und Kuchen oder einen Sundowner auf unsere Terrasse.

Einmal radeln wir nach München. Die Stadt ist recht leer. Keine Touristen, keiner, der sich zum Shoppen dort aufhält, niemand, der zur Arbeit unterwegs ist. Sehr viele Menschen machen zurzeit Homeoffice.

Viele Menschen haben zurzeit auch gar keine Arbeit, da die gesamte Gastronomie der komplette Kulturbereich, das Gros der Dienstleistungen lahmliegt.

Seit 20. 4. sind die Baumärkte und Gärtnereien wieder geöffnet, ab 27. 4. dürfen Läden, die kleiner als 800 qm sind, wieder öffnen. Dann herrscht für Alle Maskenpflicht beim Einkaufen und im ÖPNV.

Ab 4. Mai dürfen Friseur und Fußpflegerinnen wieder öffnen. Und jeder schaut mit Argusaugen auf die täglichen Infektionszahlen und ob sie durch diese ersten Lockerungen wieder ansteigen. Es gibt eine große Angst vor der sogenannten „zweiten Welle“.

Kinder malen Bilder mit Regenbögen und hängen sie in die Fenster als lieben Gruß an andere Kinder.

Einmal heißt es: „Um 18 Uhr spielen oder singen wir alle die ‚Ode an die Freude'“ – Jeder aus seinem Fenster oder von seinem Balkon. Ich spiele es aus dem Schlafzimmerfenster auf der Blockflöte, ein paar Häuser weiter stimmt jemand mit seiner Trompete ein. Schaurig schön.

Überall werden jetzt Stoffmasken genäht und gespendet oder verkauft. Ab dem 27. April darf man nur noch mit einer Mund-Nasen-Bedeckung in Läden und öffentliche Verkehrsmittel.

Langsam setzen die Diskussionen ein, ob diese drastischen Einschränkungen unserer Grundrechte hinreichend gerechtfertigt sind. Die Mehrheit hält sich aber an die Regelungen, auch wenn es schwer fällt.

Wie gerne würde ich mal wieder mit meinem kleinen Enkel zusammen sein!

Heute hat Ministerpräsident Söder angekündigt, das Kontaktverbot noch bis 8. Mai mindestens verlängern zu wollen! Heute ist der 28. April.

Es wird immer schwieriger für mich, positiv zu sein. Am Anfang habe ich mir immer noch etwas überlegt, um den einzelnen Tagen ein besonderes Gesicht zu verleihen. Doch inzwischen fehlt mir die Energie, gehen mir die Ideen aus. Aber wir brauchen noch eine ganze Weile gute Nerven. Durchhalten. Abwarten. Geduldig sein. Pfffffttttt.

15. Mai 2020

Inzwischen braucht man eine Liste, um die verschiedenen Lockerungen und Verbote zu kanalisieren. Etliches ist inzwischen wieder geöffnet, z. B. alle Geschäfte, unabhängig von der Größe oder dem Angebot.

Die Schulen sind seit Montag dieser Woche für die Übertritts- und Abschlussklassen geöffnet. Die anderen Kinder müssen noch zu Hause bleiben – home schooling ist hier das neue Schlagwort.

Kindergärten sind nach wie vor nur für Kinder von Eltern, die in „systemrelevanten Berufen“ (es gibt viele neue Schlagwörter derzeit. „Soloselbstständiger“ etwa ist auch so eine Kreation) wie im medizinischen oder pflegerischen Bereich oder im Einzelhandel arbeiten. Warum Steuerberater dazugehören, weiß ich nicht.

An den Universitäten findet die Lehre nur digital statt.

Und die Leute fiebern:

  • auf das erste Bundesligaspiel, das vor leeren Rängen mit angeblich in Quarantäne lebenden Spielern morgen stattfindet
  • auf die Öffnung der Biergärten nächsten Montag
  • auf die Öffnung der Restaurants eine Woche später.

Den Hotels wurde in Aussicht gestellt, dass sie an Pfingsten wieder öffnen dürfen.

Die Büchereien durften letzten Montag öffnen. Der Zoo auch.

Theater, Konzertsäle, Kinos bleiben ohne Nennung von Terminen weiterhin geschlossen. Eine sehr harte Zeit für alle Künstlerinnen und Künstler. wie natürlich auch für viele Geschäftsleute. Obwohl der Staat jede Menge Milliarden in Kurzarbeit, Kredite und sonstige Zuwendungen pumpt, weiß niemand, wie viele Kultureinrichtungen, wie viele Geschäftsleute pleite gehen, wie viele Menschen arbeitslos werden.

Bei allen genannten Lockerungen bleibt immer noch die Kontaktbeschränkung. Freunde dürfen sich gegenseitig zwar besuchen – aber nur jeweils Personen aus zwei Haushalten. Dasselbe gilt für enge Familienmitglieder. Sie dürfen wieder zusammenkommen, sollen aber versuchen, 1,5 m Distanz zueinander zu wahren.

Ich mache mir Sorgen: Was empfindet so ein kleines Kind wie beispielsweise mein Enkel, wenn er so reglementiert wird? Wenn er ferngehalten wird von Oma und Opa? Versteht er den Grund dafür? Kann ihm das schaden? Ich weiß es nicht.

Unsere geplante Reise nach Island werden wir umbuchen. Bis zum 15. 6. muss jeder, der ins Land will, für 14 Tage in ein Hotel zur Quarantäne. Unsere Einreise ist für den 16. datiert. Das ist uns zu heikel. Noch dazu weiß man noch nicht, wann die Dänen ihre Grenzen wieder öffnen.

Stattdessen planen wir nun, im Juni mit dem Bus den Westen Deutschlands zu bereisen und im Juli mit Edda und Uli an der Elbe zu radeln.

15. 2. 2021

Immer noch hat uns die Pandemie fest im Griff. Doch der Reihe nach.

Den Sommer und Herbst haben wir – trotz Corona – genossen. Wir waren für vier Wochen im Westen Deutschlands unterwegs, auf Elberadtour mit Edda und Uli und in Ostdeutschland und an der See unterwegs. Alle Reisen sind in unserem Blog ausführlich beschrieben. Hotels, Campingplätze, Wohnmobilstellplätze, Restaurants und Cafés haben wieder geöffnet. Alle haben spezielle Hygienekonzepte (Ein- und Ausgangsregelungen, Masen, Desinfektion), aber das stört uns nicht. Abstand halten und Hände waschen sind nach wie vor wichtige Maßnahmen.

Und dann kommt der November und die befürchtete zweite Welle schwappt herbei. Die Infektionszahlen steigen wieder, ebenso die Zahl der Verordnungen und Verbote.

Ab 2. 11. dürfen wir uns nur noch mit Angehörigen eines weiteren Hausstands (max. 10 Personen) treffen. Auf nicht notwendige touristische Reisen soll verzichtet werden. Wir hatten für vier Tage ein Hotel in Amsterdam gebucht – und wieder abgesagt. Gut, dass wir das Zugticket noch nicht gekauft hatten.

Alle Freizeiteinrichtungen und auch Lokale werden wieder geschlossen. Wir treffen uns mit unserem Sohn, unserer Schwiegertochter, unserem Enkel und unserer Freundin Edda. Gehen wieder viel spazieren bzw. wandern. Und renovieren das Wohn- und das Esszimmer.

Im Dezember spitzt sich die Lage zu: es gibt mehr Fälle als zu Beginn der Pandemie im letzten Jahr. Wir reduzieren, wie viele andere auch, die Zahl unserer Kontakt noch einmal deutlich. Schließlich treten erneut Restriktionen in Kraft:

  • eine nächtliche Ausgangssperre von 21 – 5 Uhr ab 16. Dezember, nicht in ganz Deutschland, aber in verschiedenen Bundeländern, u. a. in Bayern.
  • die Kontaktbeschränkungen werden verschärft: man darf sich nach wie vor nur mit einem weiteren Hausstand (auch so ein neuer Begriff) treffen, nun aber höchstens mit fünf Personen. Es gibt Regelungen, von Bundesland zu Bundesland verschieden, bezüglich des Alters der Kinder die „mitzählen“.

Für Weihnachten und Silvestern gibt es Lockerungen.

Im Januar dann tritt erneut ein kompletter Lockdown in Kraft: alles zu! Schulen, Kindergärten, Geschäfte (außer Lebensmittel und Apotheken), Gastronomie etc. Theater, Museen, Kino sowieso. Seit ewigen Zeiten! Ausgangssperre ab 21 Uhr. Treffen nur mehr mit einer weiteren Person erlaubt. Unser Sohn kommt jetzt einmal die Woche mit unserem Enkel zu uns – Kinder unter drei „zählen“ noch nicht.

Wir gehen beinahe täglich rund neuen Kilometer spazieren, mit Picknick. Ich habe fast alles im Haus geputzt und aufgeräumt; die Küchenregale, Schränke, Schubladen. Jetzt kommen noch die Aktenordner ran. Und ich habe seit letzter Woche ein Netflix-Abo.

Es gibt Mutanten des Corona-Virus‘, die den Fachleuten und den PolitikerInnen Sorge bereiten. Deshalb begegnen wir den nun sinkenden Inzidenzen (!) mit Vorsicht. Zwar ist der Wert z. B. im Landkreis Freising inzwischen von über 200 (Infizierte pro 100 000 in einer Woche) auf rund 50 gesunken. Aber es sind immer noch zu viele Viren unterwegs, die den Mutationen Angriffsfläche bieten. Und so wurde der Lockdown bis 7. März verlängert. Aber ab 1. 3. dürfen die Frisöre wieder arbeiten. Warum ausgerechnet sie und viele andere nicht? Das bleibt unklar. Manche reden von „Würde“ (die man mit einer schlechten Frisur verliert?), manche von Vermeidung von Schwarzarbeit.

Die nächtliche Ausgangssperre ist für Landkreise mit Inzidenzen unter 100 aufgehoben. Und die GrundschülerInnen sowie die Abschlussklassen dürfen seit gestern wieder in die Schule. Seit gestern? Rosenmontag? Ja, die Faschingsferien wurden gestrichen.

                                       * * *

So enden meine Tagebucheinträge zum Thema Corona. Während ich sie hier in den Blog eingefügt und mit Bildern versehen habe, sind mir noch ein paar besondere Ereignisse aus dieser Zeit eingefallen:

* Manche Museen haben virtuelle Führungen gemacht, die wir uns liebend gern angeschaut haben.

* Die Bar Gabanyi in München hat Livekonzerte organisiert – ohne Publikum. Sie wurden im Internet übertragen. Meine Schwägerin Gabi und ich haben uns an den Abenden chic angezogen, den Fernseher angemacht und via Handy  kommuniziert.

* Eine Zeitlang hat man sich die Zeit damit vertrieben, Gemälde berühmter MalerInnen in den eigenen vier Wänden nachzustellen. Die Ergebnisse wurden dann via Social Media verschickt.

Manche Lokale haben Wohnmobildinner angeboten. Dazu gab es Listen im Internet. In unserer näheren Umgebung waren zwei dabei. Mehrfach haben wir uns dort angemeldet, sind vorgefahren, haben an der Tür bestellt und wenig später wurden uns Getränke und Speisen ans WoMo gebracht.

Ich denke, jeder hat viele eigene Erinnerungen an diese sehr spezielle Zeit und ich bin froh, dass meine nicht nur schlecht waren.

Im Land des Lächelns oder 555

Unsere Führerin Tammy hat es gestern so schön beschrieben: Thailänder versuchen, stets freundlich zu sein, im Hier und Jetzt zu leben („Tomorrow may be too late.“), lassen sich nicht hetzen, sprechen leise und lächeln viel. Kein Wunder bei der Sprache. Von ihr haben wir gelernt, was 555 auf Thailändisch heißt: „Ha, ha, ha!“ Wenn sie sich untereinander eine Nachricht schreiben, benützen sie 555 wie Englischsprachige das lol (laugh out loud). Ha!

Was ist uns noch aufgefallen?

Das Bezahlsystem. Die Allermeisten zahlen mit dem Telefon. Ob am Marktstand, in der Straßenküche, im Restaurant oder im Supermarkt: ein Barcode hängt aus, der Kunde tippt den zu zahlenden Betrag in sein Handy ein, scannt den Code und fertig ist die Bezahlung.

Die Sauberkeit der Toiletten und die Popodusche. Fast hätten wir gestern eine gekauft. Genial.

Die Niedrigpreise der öffentlichen Verkehrsmittel. Unfassbar. Ob Zug, Bus oder Fähre, unschlagbar billig.

Die Sicherheit. Wir haben uns in keinem Moment unwohl oder unsicher gefühlt. Die Menschen waren hilfsbereit und freundlich.

Die Sprache. Nicht jeder kann Englisch. Oft müssen Hände und Füße herhalten.

Der Verpackungsaufwand. Alles wird doppelt und dreifach eingepackt. Oder die Plastiktüte wird aufgeblasen und schützt so das Innere besonders gut.

Barfuß: Nicht nur in Tempeln, auch im Haus und in manchen Hotels und Restaurants muss man die Schuhe ausziehen, weshalb die Thailänder gern Schlappen tragen. Das hat Tradition und hat seinen Grund darin, dass sich früher alles auf dem Boden abspielte, ohne Tische, Stühle, Schränke. Das Innere des Hauses wurde deshalb peinlichst sauber gehalten.

Dass jetzt Winterzeit ist! Bei 35 Grad. Unglaublich.

7/11: Der Supermarkt ist ÜBERALL in Thailand zu finden, auch im kleinsten Dorf (na ja, fast). Du bekommst alles, was Du brauchst, rund um die Uhr, und: er liefert Essen ab 100 Baht (etwa 3 Euro) zu jeder Tag- und Nachtzeit nach Hause.

Der echte Name Bangkoks: Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit.

Die Khlongs in Bangkok: Früher gab es in der Innenstadt von Bangkok viele kleine Kanäle (Khlongs), die zwischen den Häusern hindurch führten. Die Bewohner nutzen die Wasserwege, um zur Arbeit zu gelangen oder Märkte zu veranstalten. Leider auch, um Abfälle und Fäkalien zu entsorgen.

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Khlongs zugeschüttet, um neues Bauland zu schaffen. Andere wurde durch Abwasserkanäle ersetzt.

Der Klong Saen Saep ist der einzige Kanal, auf dem im Zentrum von Bangkok noch Personenverkehr stattfindet. Er ist mit insgesamt 53 Kilometern der längste Kanal Thailands. 18 davon sind wir heute auf ihm gefahren, eine schöne Art, uns von der Stadt zu verabschieden. Am Abend geht unser Flieger Richtung Heimat.

Today you are number nine

Wir treffen die Dame von get your guide wie verabredet vor der Eisdiele nicht weit von unserem Hotel. Sie ist effizient und wohl organisiert. Ich erfahre, dass ich für heute die Nummer Neun bin und in den Bus Nr. 9644 einzusteigen habe.

Heute geben wir wirklich mal die Touristen. Mit einem großen Bus und 30 Leuten fahren wir zum Floating market in Damnoen Sudak, etwa 100 Kilometer südwestlich von Bangkok gelegen und zum berühmten Train Market in Mae Klong.

Uns ist klar, dass es sich hierbei um zwei Hotspots der Gegend handelt, die Heerscharen von Touristen anlocken, aber da wir eh noch so viel Zeit in Bangkok haben, wollen wir uns das Spektakel auch mal anschauen.

Pünktlich um neun fährt unser tiefgekühlter bequemer Reisebus los, gut, dass ich mir vorhin noch eine Bluse zum Drüberziehen gekauft habe. Ein großer Pluspunkt: Tammy, unsere Reiseleiterin überbrückt die lange Fahrt von etwa zwei Stunden mit vielen Infos über Land und Leute. Mentalität, Sprache, Sehenswürdigkeiten, die Benutzung von Tiger Balm, das politische System, das aktuelle Jahr 2568 nach buddhistischer Zeitrechnung, die wirtschaftliche Situation, das teure Benzin, die Religion, die Stinkfrucht Durian, die man nur als Klasse 1 kaufen darf und am besten mit einem Thai zusammen.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir   Damnoen Sudak. 1868 fand hier der erste floating market statt. Damals war es noch ein authentischer Markt für die Menschen vor Ort. Heute ist er nach wie vor sehr malerisch aber nur noch für Touristen gedacht. Früher gab es hier keine Straßen und die Fortbewegung und der Handel, vor allem mit Obst und Gemüse, fanden auf dem Wasser statt. Heute werden wir zu sechst in ein Ruderboot verfrachtet und durch die Kanäle geschippert.

Auf den Booten, die rechts und links am Ufer vertäut sind und auf denen, die wie wir auf dem Wasser unterwegs sind, wird alles mögliche verkauft. Hoch im Kurs sind frisches Obst, Kokoseis, frittierte Bananen, Säfte und Souvenirs aller Art. Auch Kunst ist im Angebot.

Nach der Bootsfahrt haben wir noch ein Stündchen Zeit, uns durchzuschlemmen und Geschenke für unsere Lieben zu kaufen.

„De Zug kütt!“, ruft der Rheinländer, wenn sich an Rosenmontag der Karnevalszug nähert. Hier auf dem Train Market, den wir als nächstes ansteuern, ist es ein Personenzug Dritter Klasse, ein lokaler Bummelzug, dessen Ankunft Alle aufgeregt erwarten.

Rechts und links der Gleise bieten die Händlerinnen und Händler ihre Waren an, auf dem Boden, auf Tischchen, an richtigen Ständen. Sie schützen sich und ihre Waren mit Markisen vor der Sonne.

Den Zugmarkt gibt es seit 1907. Er ist nur 400 Meter lang. Früher lagen alle Waren auf dem Boden und statt Markisen gab es nur Sonnenschirme. Achtmal am Tag kommt der Zug und die Choreographie der Händlerinnen beginnt: die Touristen freundlich aber energisch hinter die rote Linie bitten. Zusätzlich noch eine Kette aufspannen. Markisen einfahren, die Ware zurückziehen und mit Pappe abdecken.

Wir erwarten den Zug um 14.30 Uhr. Kurz vorher gibt es eine Durchsage, die uns alle warnt. Ich stehe in dem Lokal, wo wir uns gerade einen Saft gekauft haben ziemlich weit hinten. Die Besitzerin sieht mich, nimmt meine Hand und zieht mich nach vorn. „Sie sind meine Kundin. Kommen Sie nach vorn!“ und dann löst sie für einen Moment die Kette und lässt uns alle nach vorn treten, um ein gutes Foto zu machen.

Der Zug(führer) weiß, dass er eine Touristenattraktion ist und fährt schön langsam. Wenn er könnte, würde er sich uns sicher gern von allen Seiten präsentieren. Die mitreisenden Passagiere haben die Fenster aufgemacht und winken uns. Viel Platz ist nicht zwischen uns. Wir könnten uns die Hand reichen.

Kaum ist der Zug vorbei, werden die Markisen wieder ausgefahren, die Waren ausladend präsentiert und die Touristen flanieren wieder auf den Gleisen.

Wir treffen uns eine Viertelstunde später an unserem Bus und fahren zurück nach Bangkok.

Da gibt es für uns ein kühles Getränk mit tierischer Begleitung, eine Dusche und ein köstliches Abschiedsessen mit Satay-Spießen, Morning Glory (Wasserspinat) und einem milden Curry.

Weiter Weg zur Kunst

Wir haben gestern beim Abendessen schon geknobelt, wie wir am besten ins MOCA, ins Museum of Contemporary Art kommen. Wie man es dreht und wendet, es ist fast 20 Kilometer nordöstlich von uns und dauert eineinhalb Stunden. Achim hatte schon vorgeschlagen, einen Scooter zu mieten, aber dazu bin ich zu ängstlich. Ich will doch meine schönen Erinnerungen an unsere entspannten Fahrten in den Bergen, am Fluss und auf der Insel nicht trüben. Ein Taxi kostet etwa 20 Euro, verhältnismäßig viel also. Und wir haben doch Zeit. Die Variante mit dem Boot klingt zudem verlockend.

Sehr verlockend ist auch das Frühstücksangebot in der Konnichipan bakery: Sandwiches mit Hummus (meine Wahl), Lachs, Mozzarella-Schinken, Croissants mit und ohne Schokolade und viele andere Köstlichkeiten. Ein ununterbrochener Strom an vor allem jungen Reisenden schiebt sich in das Café, das gar nicht so viele Tischchen und Höckerchen hat, um allen Platz zu bieten. Deshalb räumen wir unseren Sitz auch gleich nach dem letzten Happen.

Es hat bereits 29 Grad, die vorhergesagte Höchsttemperatur liegt heute bei 35! So heiß haben wir es bisher nicht erlebt, denn als wir hier ankamen, waren es immer so um die 26, 27 Grad und auf der weiteren Reise ebenso oder deutlich kühler. Jetzt müssen wir schwitzen und da ich weiß, dass ich nächste Woche frieren werde, beschwere ich mich nicht darüber. Auf dem Boot weht ein leichtes Lüftchen und da kann man es gut aushalten.

Das Museum of Contemporary Art ist ein privates Museum, das der Geschäftsmann Boonchai Bencharongkul im Jahr 2012 eröffnete. Es ist eins der größten Museen für zeitgenössische Kunst in Asien und zeigt eine eindrucksvolle Sammlung von Bildern berühmter thailändischer Malerinnen und Maler. Bencharongkul wurde 1954 geboren, ist mittlerweile millionenschwer und hat nicht nur das Museum gegründet, um dort seine umfangreiche Sammlung zu präsentieren, sondern auch die DTAC, Thailands drittgrößte Telefongesellschaft.

Obwohl das Museum sehr abseits liegt, ist es gut besucht. Im Café erholt sich gerade eine Schulklasse, in der Ausstellung sind Einheimische und Touristen, wiederum in erster Linie junge Menschen, unterwegs. Auf fünf Stockwerken und 20 000 qm werden vor allem zeitgenössische Kunstwerke aber auch alte Volkskunst wie Masken oder Schattenspielfiguren gezeigt.

Wir sind hin und weg von der Vielfalt der zeitgenössischen thailändischen Kunst, die wir im MOCA kennenlernen dürfen.

Nicht weit von hier ist die Kasetart-Universität. Hier findet diese Woche eine „grüne“ Messe statt. Die Uni hat die älteste landwirtschaftliche Fakultät des Landes. Was uns aber vor allem herlockt ist das riesige Food Festival, das im Rahmen der Ausstellung stattfindet. Und wir werden nicht enttäuscht. Ein Stand reiht sich an den anderen. Manches (er)kennen wir, vieles nicht. Wir probieren uns durch, essen Tamarinden, Tofu, Fleischbällchen, die ich für Kartoffeln hielt, Erdbeeren und trinken Chrysantemensaft. Den krossen Schweinenacken und den rohen Fisch lassen wir liegen.

In manchen Bereichen werden Pflanzen, in anderen dies und jenes vom Allzweckreiniger bis zur Zahnbürste verkauft. Immer mehr Menschen strömen aufs Gelände. Jetzt gesellen sich die Studentinnen und Studenten dazu. Ich habe gerade ein dickes Kokoseis in der Hand, als mich ein junger Mann fragt: „You wanna drink gay?“. Ich gestikuliere bedauernd, dass ich gerade keine Hand frei habe zum Trinken mit ihm und wünsche ihm stattdessen alles Gute.

Wir sind ja schon im Museum etliches gelaufen und nun auch nochmal, jetzt sind wir erschöpft und die Füße tun mir weh. Wir lassen uns auf einen letzten Snack (Spiegelei auf Reis an Huhn) nieder und treten den Rückweg zum Pier an.

Aber oh weh! Das letzte Boot fuhr um Sechs! Jetzt ist es Sieben. Da bleibt nur der Bus. Schade. Geht zwar genauso schnell, ist aber nur halb so idyllisch.

Wir sind jetzt so erledigt, dass wir im 7/11, der (immer) auf dem Weg liegt, ein Bier kaufen und dann nur noch einen Absacker vorm Hotel trinken.

Zurück nach Bangkok

Puh, dicke Luft hier. Aber der Smog ist zum Glück nicht mehr ganz so schlimm wie letzte Woche. Da wurden deshalb die Schulen geschlossen und die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos angeboten.

Wir sind seit 15 Uhr wieder in der Landeshauptstadt, die wir vor knapp vier Wochen für unsere Rundreise verlassen haben. Die Fahrt von Koh Sichang mit Boot und Bus hierher war problemlos. Nur die Fahrt vom Busbahnhof in Bangkok zu unserem Hotel dauert ewig wegen des vielen Verkehrs.

Das gibt mir Gelegenheit, die Fahrkartenverkäuferin bei der Arbeit zu beobachten. Sie verkauft nicht nur Fahrkarten. Sie dirigiert die Leute zu den freien Sitzen, zeigt, wo sie ihr Gepäck hinstellen sollen, stupst schon mal jemand an, der die Beine zu weit in den Gang stellt, weiß von jedem ihrer Passagiere, wo er oder sie aussteigen will und sagt ihnen persönlich Bescheid, wenn es so weit ist. Eins ist ganz klar: Das ist ihr Bus. Hier gibt sie den Ton an. Und der ist freundlich aber bestimmt.

Diesmal haben wir uns im U need-guesthouse eingemietet, ein Tipp, den wir unterwegs bekommen haben. Es liegt in einem lebhaften Viertel, das wir heute noch erkunden wollen. Wir haben auch sonst noch einiges vor hier in Bangkok und freuen uns auf die nächsten drei Tage. Bei 36 Grad gehen wir das Ganze aber mal sehr langsam an.

Wir gehen das Ganze so langsam an, dass wir nur bis zum Restaurant kommen, schließlich haben wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Da sitzen wir, speisen hervorragend und können dem abendlichen Treiben um uns herum zu gucken.

Hier gibt es Bananenblütensalat, den ich liebe, seit ich ihn vor über 20 Jahren zum ersten Mal in Vietnam gegessen habe. Zum Nachtisch Mango sticky rice – Herz, was willst du mehr?

Na okay, einen klitzekleinen Spaziergang können wir nach dem Abendessen dann doch noch machen. Bei inzwischen fast angenehmen 30 Grad um 20 Uhr.

Heute erkunden wir den Norden

Wer vier Tage auf diesem Inselchen verweilt, und nicht ausschließlich am Strand liegen will, muss sich die Sehenswürdigkeiten gut einteilen.

Der Goldene Buddha etwa ist zwar von unserer Unterkunft aus zu sehen, den Besuch haben wir uns aber für heute aufgehoben. Schon vor dem Frühstück statten wir ihm einen Besuch ab. Dazu müssen wir mal wieder kräftig hügelan fahren und dann viele Stufen hoch laufen.

Oben angekommen hat man eine prächtige Aussicht aufs Meer und den Pagodengekrönten Leuchtturm von Koh Sichang.

Aus der Nähe sieht man, dass der Buddha nicht aus Gold sondern Gelb angemalt ist. Er ist umgeben von zahlreichen großen und kleinen weiteren Figuren und Altaren.

Ein Mönch lebt hier oben und zeigt uns gleich mal die Spendenbox. Nachdem wir unseren Obolus abgedrückt haben, gibt es Räucherstäbchen, Kerzen, eine äußerst feuchte Segnung und ein heiliges weißes Bändchen. Außerdem zeigt er uns den sehr steilen Weg hinunter in eine Höhle. Achim traut sich.

Nach dem Frühstück fahren wir über eine schmale Straße, die sich oberhalb des Wassers an der Küste entlang windet, um die Nordspitze der Insel herum. Das Meer schimmert türkisblau. Wir lassen den Roller stehen und klettern einen Pfad hinunter. Unten sind zwei Freundinnen, die schnell ihr Schminkzeug wegstecken, als wir unverhofft auftauchen. Sie machen Selfies, nehmen aber trotzdem mein Angebot, sie zu fotografieren, dankend an. Natürlich revanchieren sie sich.

Heute fahren wir etwas früher an den Strand, weil wir auch früher nach Hause kommen wollen, um uns vor unserem Abendevent zu duschen und auszuruhen.

An unserem letzten Inselabend, morgen geht es zurück nach Bangkok, wollen wir uns zum Sonnenuntergang ein schönes Plätzchen suchen. Wer weiß, wann wir nochmal einen Sonnenuntergang am südchinesischen Meer erleben.