Und der Wetterbericht hat doch recht …

Avatar von zimjoaUnterwegs

Seit Wochen freuen wir uns auf eine Woche im Schnee in unserem Wohnmobil. Letztes Jahr waren wir im Bayerischen Wald und im Tannheimer Tal, diesmal haben wir uns für das Kleinwalsertal bei Oberstdorf entschieden. Schnee haben wir reichlich, steht auf der Homepage.

In strömendem Regen fahren wir die 200 Kilometer und fragen uns, wie denn noch irgendwo ein bisschen Schnee liegen kann. Viele Niederungen im Allgäu haben sich in temporäre Seeflächen gewandelt, der Iller steht so hoch, dass er wohl bald über die Ufer tritt.. Und es regnet auch noch, als wir die Höhestufe ins Kleinwalsertal erklimmen. Wir haben uns einen kleinen Campingplatz ausserhalb einer Ortschaft ausgesucht, eine kleine Straße führt von Riezlern aus zu einer dick vereisten Wiese, dem Wohnmobilstellplatz. Es schüttet immer noch. Vorsichtig rangiere ich nach den Formalitäten den 3,5 Tonner auf seinen Platz , Stromkabel anstecken und bloß nicht mehr raus.

Wir hoffen auf morgen…

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Zu Besuch bei Lisar

Sie empfängt uns mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre langen schwarzen Haare sind zu einem lustigen Knoten auf dem Kopf zusammengebunden, ihr weißer Anzug aus Leinen wird von einem mit einer prächtigen Muschel geschmückten Gürtel zusammengehalten. An den Füßen trägt sie Bastschuhe. Sie ist 1,45m groß, wurde vor über 7000 Jahren geboren und auf den Namen Lisar getauft, weil sie seit Oktober in Landau an der Isar den Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Museum Kastenhof bildet.

Die berühmten Kennis-Brüder aus Holland, die schon Ötzi oder den ersten Neandertaler gestaltet haben, rekonstruierten Lisar fürs Museum auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. „Lisar ist inzwischen die am besten untersuchte Person der Steinzeit im süddeutschen Raum“, sagt Ausstellungsmacher Simon Matzerath.

Mit vielen kreativen Ideen werden unsere Vergangenheit und ihre Verflechtungen mit der Gegenwart und unserer Zukunft in der Dauerausstellung erläutert.

Vielleicht ist es ab und zu ganz hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass unsere Urahnen Migranten aus dem Vorderen Orient waren, die auf der Suche nach einem besseren Leben hier heimisch wurden und den Umbruch vom Leben als nomadisch lebende Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern eingeleitet haben.

Das neue Museum ist allemal einen Ausflug wert, auch für Kinder dürfte es interessant sein (www.steinzeit-museum.de).

Abstecher zum wachsenden Felsen

Nach dem Museumsbesuch lockt ein Spaziergang an die Isar. Unweit von Landau entdecken wir den 37 Meter langen und bis zu 5,4 Meter hohen „Wachsenden Stein von Usterling“, die größte steinerne Rinne Bayerns.

Steinerne Rinnen sind Gebilde, die unter bestimmten Bedingungen an kleinen, stark kalkhaltigen Quellen aus Kalktuffablagerungen entstehen. Diese Rinne ist in über 5.000 Jahren gewachsen. Damit ist sie zwar jünger als Lisar, aber doch auch beeindruckend alt.

Streit, Suff, Syphilis

Van Gogh, das wahnsinnige Genie: Dieser Ruf hat zur Faszination um seine Person beigetragen. Er selbst, so schrieb einmal der Spiegel über ihn, nannte sich in seinen Briefen „neurotisch“, „wüst“ und „zerstört“. Er besuchte regelmäßig Bordelle, steckte sich mit Syphilis an, betrank sich mit Absinth.

Dass wir heute DIE große Van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum sehen dürfen, dass wir sein Werk überhaupt kennen, haben wir einer Frau zu verdanken: seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger, die nach dem Tode der Brüder Vincent und Theo seiner Kunst zum Durchbruch verhalf. Nachzulesen im Buch von Camilo Sánchez „Die Witwe der Brüder van Gogh“.

Nur zehn Jahre malte Van Gogh, in dieser kurzen Zeitspanne schuf er Hunderte von Bildern, die ihn zu einem der bedeutendsten europäischen Maler werden ließen. Leider erst posthum. Zu Lebzeiten erfuhr er kaum Wertschätzung. Er nahm sich, wohl auch weil der ausbleibende Erfolg an ihm zehrte, mit 37 Jahren das Leben.

Welche unterschiedlichen Malstile er pflegte, welchen Einfluss er auf die nachfolgende Künstlergeneration hatte, wie er nur dank der materiellen Unterstützung durch seinen Bruder Theo malen und (über)leben konnte, erfahren wir sehr anschaulich in einer brillanten Führung durch eine der Kunsthistorikerinnen des Museums.

Das Städel-Museum hat noch weitere spannende Sammlungen und Ausstellungen, doch wir sind voll mit Van Goghs Werken und Wirken, die Beine sind müde, der Rücken zwickt. Frischluft ist erforderlich.

Auf dem Maintower lassen wir uns vom Wind durchpusten und kehren in die Gegenwart zurück.

Mainhattan mit grüner Soße

Eine Städtereise zum Geburtstag erfreut ihn und sie. Und nachdem an der Pinwand ein Artikel aus der Süddeutschen über die van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum auftauchte, war auch das Ziel klar.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Mainhattan, welches wir beide bislang nur sehr oberflächlich kennengelernt hatten. Ich war früher des öfteren zur Buchmesse hier, aber da sieht man ja nicht viel von der Stadt.

Ich bin gern in Städten, in denen der Kontrast zwischen alten und neuen Bauten sehr hoch ist. Da bin ich hier in Frankfurt an der richtigen Adresse.

Heute streunen wir nur ein wenig durchs Zentrum und nehmen Kostproben von der Stadt und ihren Spezialitäten…

… dem Frankfurter Kranz

… dem Weihnachtsmarkt am Römer

…der berühmten Skyline in der Abenddämmerung

… dem Handkäs mit Musik (viel besser als erwartet) und dem Äppelwoi (nee, ne!?)

… und nicht zuletzt der feinen Frankfurter grünen Sauce, die auch im Winter schmeckt.

Eine Überraschung nach dem Essen im Sachsenhausener Traditionslokal Fichtenkränzi war der Schnaps, den alle bestellt haben, und den wir natürlich auch wollten, das Mispelchen. Eine in Calvados eingelegte Mispel. Hoi!

PS: Südafrika

Unsere Rückfahrt nach Johannesburg sieht rund 1000 Kilometer vor. Die allermeisten davon auf Asphalt.Wir lassen es erstmal langsam angehen und haben für die erste Übernachtung die Plato-Lodge in der Nähe der Augrabis-Wasserfälle gewählt. Die Überraschung ist groß, als wir inmitten der Steinwüste unsere Unterkunft entdecken.

Der Blick von der Terrase fällt auf Felsen und Geröll, zwischen denen sich Klippschliefer tummeln, die Murmeltieren ähneln, aber mit dem Elefanten verwandt sind. Die Räume sind äußerst geschmackvoll eingerichtet, auf den Balkonen sind handgefertigte Möbel und im Bad kupferfarbene Armaturen und eine breite Dusche, in der zwei Personen nebeneinander unter zwei Duschköpfen stehen können. Das Abendessen, das der junge Farmer Maans uns, seinen einzigen Gästen an diesem Tag, serviert, ist vorzüglich. Er brät Steaks auf dem Grill, dazu reicht er Country Potatoes und frischen Salat.

Sein Grundstück wird an einer Seite vom Oranje River begrenzt und er hat dort einen kleinen Badeplatz, erzählt er uns am nächsten Morgen beim Frühstück. Was wir denn für ein Auto hätten. Einen Toyota Fortuner, zwar kein Vierradantrieb aber mit zuschaltbarer Differentialsperre. Das müsste klappen, ermutigt Maans uns. “ Wenn Ihr in zwei Stunden nicht zurück seid, hole ich Euch“, versichert er uns.

Bald verstehen wir, was er meint. Die Piste ist sandig, am Anfang noch einigermaßen breit, nach einigen Kilometern wird sie enger und noch sandiger. Wenden wäre nicht möglich, also weiter, weiter, bis wir schließlich den Fluss erreichen. Auch auf der Rückfahrt wird alles gut gehen, wenn auch der Fahrer am Ende grinsend gesteht, dass bei dieser Kutschiererei sein Deo versagt habe…

Doch jetzt erstmal rein in die Fluten. Das Wasser ist warm und weich und hat eine recht starke Strömung. Es wäre herrlich, sich bis Oranjemund, wo er in den Atlantik mündet, treiben zu lassen.

Doch auf uns wartet noch ein südafrikanischer Nachschlag zu unserer Namibiareise, die Augrabisfällle, eine ebenfalls vom Oranje River geformte Schlucht mit einem großen und weiteren kleineren Wasserfällen, die wir bei einer Wanderung erkunden.

Am Abend erreichen wir Upington mit der längsten Palmenallee Afrikas und den besten Steaks überhaupt.

Nächste Woche gibt es kein Fleisch und keinen Alkohl, aber bis dahin genießen wir noch.

Fishriver Canyon

Er ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Damit steht der Fishriver Canyon im Süden Namibias gleich hinter seinem großen amerikanischen Bruder, dem Grand Canyon in Arizona. Er ist unsere letzte Station in diesem beeindruckenden Land, dessen Gäste wir in den vergangenen drei Wochen waren.Eindrucksvoll beweist er uns einmal mehr wie kraftvoll die Landschaft in diesem Land ist, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ob Wüste, Berge, Meer, Salzpfanne, Savanne oder eben diese 160 Kilometer lange, 27 m breite und bis zu 500 m tiefe Schlucht, die der Fischfluss vor Jahrmillionen geformt hat. Oder aber eine Schlange, wie es sich die Nama erzählen. Das von Jägern verfolgte Tier wand und schlängelte sich schwer verwundet so heftig im Wüstensand, dass die Erde aufriss und die Schlange in diesem Graben verschwand.Der Anblick der imposanten Felsformationen des Fishriver Canyon rundet die Vielzahl der Eindrücke, die wir in Namibia gewonnen haben, perfekt ab. Wunderschöne Landschaften, eine spannende Tierwelt, freundliche Menschen. Eine wertvolle Reiseerfahrung, die uns bald schon schönste Erinnerungen bescheren wird.

Pinguine in Afrika

Mir wird ganz mulmig bei Pits Gerede. Der smarte Skipper, Dreitagebart, Zopf, meint ganz lässig: “ Lieber wäre es mir, wenn ich heute gar keine Kunden hätte.“ Wie bitte? „Draußen ist die Dünung derzeit sehr stark. Es wird ordentlich schaukeln“, menetekelt der gebürtige Namibier in breitem Hamburger Akzent.

Erinnerungen an meine mehrtägige Seekrankheit vor der kanadischen Küste werden wach. Damals war ich mit dem Weltumsegler Rollo Gebhardt auf einem zweimastigen Segelboot unterwegs. Es ging mir hundeelend.

Nun, heute werden wir nur zwei Stunden unterwegs sein. Unser Ziel ist Halifax Island, eine der Pinguininseln vor der namibischen Küste.

Da hat er wohl ein wenig übertrieben, unser Käptn. Der Atlantik ist zwar nicht das Mittelmeer, aber heute nicht allzu kabbelig, so dass wir es gut aushalten können.

Wir steuern zuerst den Diaz- Point an. Hier setzte der portugiesische Seefahrer 1487 als erster Europäer seinen Fuß aufs Festland. Gestern waren wir hier bereits mit dem Auto, begeistert von der Schönheit der Landschaft. Das ist überhaupt einer unserer Standardsprüche zurzeit: „Das ist soooo schön hier, da wirst du besoffen von.“

Und dann geht es Richtung Pinguine. Ehrlich, ich wusste bisher nicht, dass auch in Afrika Pinguine leben. Antarktis, Eis, Kälte, ja. Aber hier? Ja. Die Brillenpinguine leben vor der afrikanischen Küste. Wie viele andere Tiere stehen leider auch sie inzwischen auf der Roten Liste. Aber noch gibt es sie und wir haben die große Freude, sie vom Boot aus beobachten zu dürfen.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Afrika mehr als zwei Millionen Exemplare. In den fünfziger Jahren sollen es immerhin noch rund 300.000 afrikanische Pinguine gewesen sein. „Heute gibt es in Afrika wahrscheinlich weniger als 20.000 Pinguinpaare“, sagt Vogelschützer Ross Wanless von der Organisation Bird-Life South Africa in Kapstadt: „Wenn es so weitergeht, werden diese Tiere in freier Wildbahn bald ausgestorben sein.“
Woran der rasante Rückgang der Population liegt, wissen die Forscher nicht. „Möglicherweise liegt es daran, dass die Pinguine wegen der Überfischung immer weniger Nahrung finden“, vermutet Ross Wanless.

Wir gucken und freuen uns und fotografieren, was das Zeug hält. Pit hat mittlerweile Entwarnung gegeben, keine raue See heute – und serviert uns einen Becher köstliche heiße Schokolade.

Diamantengeister

Früh am Morgen fährt der kleine Zug durch den Ort. Er hält an jedem Haus und liefert 20 Liter Trinkwasser pro Nase sowie einen halben Block Eis pro Haushalt. Auf der Rückfahrt nimmt er die Frauen in ihren langen Kleidern und großen Hüten mit. Sie fahren zum Einkaufen in einen Laden, in dem es alles gibt: Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleider, Schulmaterial. Sogar Möbel. Alles aus Deutschland.

Nebenan beim Fleischer werden Brat- und Bockwürste, Aufschnitt, Eisbein verkauft. Da seine Kühlkammer an die Eisfabrik angrenzt, ist seine Ware immer wohl temperiert. Angeblich ist er der Einzige weit und breit, der dieses Angebot machen kann.

Am Nachmittag besuchen die Frauen die Patienten im örtlichen Krankenhaus.

Und am Abend, wenn die Männer aus der Mine zurück sind, trifft man sich vielleicht in der Halle, die tagsüber für die Kinder zum Turnen und abends für Theater- und Musikdarbietungen genutzt wird.

Wenn der Mann nicht zu müde ist, könnte man auch zum Kegeln gehen. Das Kindermädchen passt derweil auf die Kleinen auf.

Die Firma tut Vieles für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter und ihrer Familien. Das tut auch not, denn die Arbeit ist hart und die Lebensbedingungen sind rau. Heiß, trocken und staubig. Hier lebt man ohne weitere Familienangehörige, ohne Freunde.

Es war im Jahr 1908, als der Bahnwärter Augut Stauch hier den ersten Diamanten fand. In Nullkommanichts sprach sich der Fund herum und die Glücksritter kamen in Scharen. Und sie hatten wirklich Glück, denn in der ersten Zeit lagen die Diamanten an der Oberfläche und konnten leicht gefunden werden.

Bald schon wollten auch die deutschen Kolonialherren ihren Anteil am großen Geld. Schließlich wurde eine Firma gegründet, rund 300 Familien, die meisten aus Deutschland, kamen ins kleine Kolmannskuppe, in die namibische Wüste, zehn Kilometer vom am Atlantik gelegenen Lüderitz entfernt.

20 Prozent der Weltdiamantenproduktion kamen 1914 allein von hier. 1930 wurde der Diamantenabbau in Kolmannskuppe eingestellt und die Mine geschlossen. Die Bewohner zogen in die neuen südlich gelegenen Minenstädte, nach Lüderitz oder zurück nach Deutschland und die Wanderdünen der Namib eroberten die Stadt.

Wo einst feine Damen ihre Feste gaben, hat heute der Sand die Herrschaft in den Salons übernommen.

Irgendwo im Nirgendwo: Namib-Naukluft Park

Die Pfeilfische und ich teilen uns diesen kleinen Naturteich inmitten des Naukluft- Nationalparks. Durch die umgebenden Berge, die teils fast 2000 m hoch sind, gibt es hier relativ gute Niederschläge, so dass die Gumpen selbst jetzt, wo es schon ewig nicht mehr geregnet hat, mit Wasser gefüllt sind.Was für eine Freude, nach einem einstündigen Spaziergang durch die Buschsavanne, vorbei an Klippschliefer und Pavianen, bei mehr als 30 Grad, in das kühle Wasser eintauchen zu können.Dann noch ein Picknick, einfach perfekt.Gestartet sind wir heute Morgen von unserem kleinen Bungalow ohne Adresse. Irgendwo im Nirgendwo. Am Rande des Namib- Naukluft- Nationalparks, dem größten des Landes. Carsten aus Berlin, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, verliebte sich auf einer seiner vielen Reisen, die er nach dem Fall der Mauer hierher gemacht hatte, in eine Einheimische und kaufte vor 15 Jahren diese Farm. Er baute vier kleine Bungalows und bekocht seine Gäste selber. Für uns gibt es am ersten Abend köstliches Gulasch aus Zebrafleisch – das erste meines Lebens. Lecker. Wenn er es uns nicht verraten hätte, hätten wir es als Rindfleisch gegessen. Von ihm stammt auch der Tipp, dass man in den Naturteichen schwimmen kann. In ihrem Wasser gibt es keine gefährlichen Tierchen.Auch die Anreise war spannend. Gleich nach dem Frühstück starteten wir gegen neun in Swakopmund. 350 Kilometer Strecke liegen vor uns, die wenigsten davon asphaltiert. Kurz hinter der Stadt beginnt die Salzpiste. Dass man damit Straßen bauen kann, hatte ich schon auf meiner ersten Namibiareise gelernt. Die Oberfläche ist sehr eben und kann gut bei Tempo 100 befahren werden. Nach Regen oder bei Seenebel, wenn das Material feucht wird, empfiehlt sich das nicht, denn dann wird die Salzpiste schmierig und rutschig. Hatten wir aber beides nicht und so gingen die ersten 100 Kilometer recht flott. Immer wieder faszinierend, wenn man Swakopmund verlässt: links der Straße die Wüste, rechts der Atlantik.Dann beginnt die Pad, die Piste, die aus einem Gemisch aus Steinen und Sand angelegt wird. Afrikanische Massage. Tempo 40 bis 70, je nach Zustand der Strecke. Egal, das ist hier so, ist Teil des Gesamtpakets und wir genießen die Fahrt vorbei am Vogelfederberg, den ersten Köcherbäumen, dem Kuiseb-Canyon, dem Wendekreis des Steinbocks.80 Kilometer vor unserem Häuschen Irgendwo im Nirgendwo erreichen wir das berühmte Solitaire. Hier geht die „Haupstraße“ weiter nach Süden, der wir in zwei Tagen folgen werden. Rechts ab, also nach Westen, geht es zu den berühmten roten Dünen von Sossusvlei, einem der berühmtesten Spots in Namibia. Wir wollen diesmal nicht dorthin, halten aber, um den ebenso berühmten Apfelkuchen des Holländers Moose Mc Gregor zu kosten.Solitaire ist eigentlich kein Ort, sondern eine Art “ Wildwest- Tankstelle“, wichtig in den Weiten der Namib- Wüste, wo zwischen den Versorgungsstationen gern mal 100 bis 200 Kilometer liegen. Schöne Fotomotive sind auch die uralten angerosteten Autos, die irgendwann wohl mal irgendwer gesammelt hat.Etwa 30 Kilometer vor unserem Ziel kommen uns drei Jungs entgegen und bedeuten uns, dass sie gern Wasser hätten. Wir halten an, schenken ihnen eine Flasche und unsere letzten Kekse. Auf einmal hören wir Uli von außen: „Wir haben einen Platten!“ Oh!Während wir noch die Gebrauchsanleitung lesen (wie lässt man das unterm Chassis befestigte Reserverad hinunter, wo wird der Wagenheber angesetzt…?), hält ein Auto. Ein großer blonder Mann, der sich als Uwe vorstellt und sein junger Mitarbeiter steigen aus, setzen an, drehen, schrauben… Das Ganze dauert keine 10 Minuten und wir sind wieder startklar. Unglaublich. Wir haben so ein Glück, diese beiden Männer getroffen zu haben! Genauso ein großes Glück ist, dass nur drei Kilometer entfernt eine Werkstatt ist, in der unser Reifen repariert wird. Schon am nächsten Morgen können wir ihn abholen.Carstens Bungalows sind jetzt nicht mehr weit weg. Ein Begrüßungsbier, eine Dusche und eine supergemütliche Behausung inmitten der staubigen Savanne warten auf uns. Und die Zebras. Diesmal (leider) im Topf.

Deutsche Spuren in Swakopmund

An den allermeisten Tagen im Jahr ist Swakopmund den ganzen Vormittag über in einen feinen sogenannten Seenebel eingehüllt. Es ist sehr frisch, Schal und warmer Pulli oder leichte Daunenjacke sind angesagt, will man nicht frieren. Die Sonne zeigt sich in der Regel erst gegen Mittag. Grund für dieses Phänomen ist der kalte Benguela-Strom, der hier an der Küste vorbeifließt.

Letztes Mal, als wir das kleine Städtchen am Atlantik besucht haben, durften wir diese ganz spezielle Atmosphäre genießen. Dieses Mal erwischen wir zwei von den wenigen nebelfreien Tagen im Jahr.

Trotzdem lassen die Temperaturen um die 20 Grad eher an ein Nordseebad als an einen Ort in Afrika denken. Aber auch Architektur und Sprache erinnern an die von Deutschen beeinflusste Vergangenheit dieses Ortes.

In unserem Hotel wird deutsch gesprochen wie in einigen anderen Geschäften auch.

Im Café Anton bestellt man zwar seine „Schwarwälder Kirschtorte“ auf Englisch, aber das Produkt schmeckt wie irgendwo in Deutschland. Das 70er-Jahre Flair ist fast schon wieder stylisch.

Im „Fachwerk Biergarten“ in der Hauptstraße findet am Abend eine Hallloweenparty statt. Der Musiker, der gerade seine Instrumente hineinbringt, trägt eine Krachlederne.

Im Literaturcafé „Muschel“ werden deutschsprachige Bücher verkauft. Beim Cappuccino kann man gleich ein wenig schmökern.

Nur die vielen Perlhühner in unserer Straße passen nicht so recht ins Nordseebad- Bild – und die an die direkt an die Stadt angrenzende Namibwüste erst recht nicht.

Ein seltsames Städtchen, dieses Swakopmund. Aber ich bin gern hier und staune.