Häuser bauen

Heute Vormittag haben wir so geschuftet, dass uns jetzt jeder Knochen im Leib weh tut. Kein Wunder, wir haben mitgeholfen, ein Haus fertig zu bauen. Wie das?

Nader Khalili (geb. 1936 in Teheran) gilt als Pionier der Selbstbausysteme in der Dritten Welt. Seit 1975 beschäftigt sich der Architekt mit dem Bau von kleinen Häusern aus Erde. In seine Fußstapfen getreten ist vor acht Jahren der heute 24jährige (!) Amerikaner Lukas Trotman, der gemeinsam mit einem Freund eine kleine Firma gründete und nun Trainings für Volontäre aus aller Welt gibt, die gemeinsam mit ihm Khalilis Häuser vor allem in Nepal nachbauen. Der riesige Vorteile: sie sind extrem widerstandsfähig gegen Erdbeben, ihr Bau ist schnell erlernt und die Materialien finden sich zum großen Teil vor Ort.

Auch auf der zum Rainbow Children Home gehörenden Indreni Organic Farm baut Luke gerade zwei solcher Häuser. Gestern ging der dreiwöchige Workshop mit jungen Leuten aus zehn verschiedenen Nationen zu Ende und eine Schicht fehlte noch. Da wir im Waisenhaus diese Woche fünf Volontäre sind (drei junge Australier verstärken uns für eine Woche), wurden wir gefragt, ob wir nicht mithelfen wollten, das Haus fertig zu bauen. Klar, wollten wir.

Nach dem Frühstück um hab neun fuhren wir los. Die Farm liegt etwa 40 Autominuten nordöstlich des Phewa-Sees in hügeliger Landschaft. Hier werden Getreide und Gemüse angebaut, Ziegen, Gänse und Hühner gehalten.


Superadobe nennt Khalili sein System, lokal vorgefundene Erde in Plastiksäcke abzufüllen und sie in Lagen zum Haus aufzuschichten. Die einzelnen Lagen werden gegeneinander mit Stacheldraht fixiert. Unsere Aufgabe heute bestand darin, für die letzte  noch fehlende Lage, die Erde zunächst mit so viel Wasser zu benässen, dass sie eine leicht klebrige Konsistenz hatte und sie dann in (vielen, vielen, vielen) Eimern zum Neubau zu schleppen und aufs Dach zu hieven. Dort wurde sie dannn in die Plastikschläuche gefüllt (die übrigens aus recyceltem Kunststoff sind. Es gibt eine einzige Firma in Nepal, die dies macht), komprimiert und an Ort und Stelle in die richtige Position gebracht.

Oh, mein armer Rücken. Gut, dass ich nachher Yoga habe.

Die Häuschen verfügen über seinen zentralen Wohnraum, ein kleines Bad und einen Schlafplatz in luftiger Höhe und können von fünf bis sechs Leuten bewohnt werden (ich fände es zu zweit ganz heimelig).

Die Dachkonstruktion hat Lukas entworfen und sie wird nach seinen Vorgaben von heimischen Handwerkern gebaut.


Wer Interesse an einem Aufenthalt als Volunteer auf der Farm hat, kann sich an Goma Dakhal wenden und auf der website weiter informieren: http://www.indreniorganicfarm.com.

Die Indreni Farm wird die Häuschen zum Teil für Agrotourismus nützen. Außerdem soll die Farm auch erwachsen gewordenen Kindern aus dem Waisenhaus eine Arbeits- und Lebensgrundlage bieten, so dass auch für diese Wohnraum benötigt wird.

Wir sind zwar kaputt aber auch wirklich sehr beeindruckt.

Kleine Freuden des Alltags

– die freundlich grüßende alte Frau auf der Straße

– der 11jährige Sagar, der beim Spaziergang meine Hand hält

– Marmita, die es sich auf meinem Schoß gemütlich macht

– dass gestern Abend der Strom wieder da war und mein Heizöfchen für eine angenehme Temperatur sorgte

– der würzige heiße Milchkaffee in der Morgensonne

– der Anblick des Apothekers, der sich auf der Straße rasiert

– WhatsApp – Grüße aus der Heimat

– die spontane Einladung Gomas, sie zur Farm zu begleiten (davon mehr morgen)

Klagemauer

Ach, heute ist so ein Tag, da könnte ich mich mal so richtig beklagen, beispielsweise darüber,

dass ich mir immer mit laukaltem Wasser die Haare waschen muss,

dass die Verwendung eines Taschentuchs nicht zum hiesigen Kulturkreis gehört und man immer aufpassen muss, wer gerade wohin rotzt und spuckt, um nicht versehentlich getroffen zu werden,

dass man sich abends beim Essen alles abfriert, weil die Lokale nicht geheizt werden und meistens auch keine Fenster und Türen haben,

dass die Clos stinken,

dass Goma uns Malerarbeiten anschafft und ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass wir die Materialkosten übernehmen (Danke an dieser Stelle an Margarete und Ralf!),

dass ich gemeinsam mit meinem Hauswirt auf eine Journalistin warte und nicht nur diese nicht zur verabredeten Uhrzeit kommt, sondern er und seine Frau mich nach einer halben Stunde mit den Kindern allein lassen, weil, ja keine Ahnung.

Pscht! Schluss jetzt damit! Andere Länder, andere Sitten und so. Und das war doch auch das, was ich erleben wollte. Also aufhören mit der Jammerei! Aber dass nicht alles Gold ist, was glänzt, darf schon auch mal gesagt werden – aber das habt Ihr Euch eh schon gedacht.

Freuden des Touristenlebens 2

Eine weitere Woche ist vergangen und so habe ich heute erneut einen freien Tag. Wie immer werde ich um fünf durch ein lautes anhaltendes Motorengeräusch geweckt. Warum bloß röhrt um diese Uhrzeit ein Traktor vor unserem Haus? Heute bin ich wach genug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich schwinge mich aus dem Bett, trete auf meinen Balkon und schaue auf die Straße hinunter. Es ist ein vollbeladener Bus mit vielen müden Menschen (wahrscheinlich Menschen, die zur Arbeit müssen), dessen Fahrer meint, dass ein Motor besser läuft, wenn er sich schon warm gelaufen hat. Nun, wenigstens hat sich nicht ein Landwirt in unser Wohnviertel verirrt.

Ich stelle mein Heizöfchen an und krabbele wieder in meinen Schlafsack. Als ich um halb acht wieder wach werde, ist es fast angenehm warm im Zimmer. Für meinen Morgentee hatte ich gestern bereits ein paar feine Ergänzungen besorgt: Zucker, Pfeffer und Marsala. Köstlich. Na einem Teestündchen mit Buch im Bett reinige ich mich und das Zimmer und bin gegen zehn startbereit.

Ich entscheide mich, zu Fuß zu gehen und mache ich mich auf den Weg zum Bindhyabasini Tempel im Norden der Stadt. Es sind knapp vier Kilometer, die mich durch das eigentliche Zentrum von Pokhara führen. Hierher verirrt sich kein Tourist. Wenn diese nicht in den Bergen oder beim Paragliden sind, tummeln sie sich in „Lakeside“, also am Ufer des Sees und den umliegenden Straßen, wo es alles gibt, was das Touristenherz so begehrt.

Pokhara hat rund 300 000 Einwohner und dementsprechend mehr zu bieten als ein paar (zugegeben sehr hübsche Sträßchen) am See. Das städtebauliche Konzept hier lautet: im Erdgeschoss Handel, Gewerbe und Handwerk, drüber wird gewohnt. Die Vielzahl der Läden ist beeindruckend. Lebensmittel, Haushaltswaren, Möbel, Tischler, Spengler, PCs, Autorepaturwerkstätte und – Eierschachtel-en gros-Verkaufsstelle. Wirklich wahr!

Zwischendurch sieht man Frauen, die große Bastkörbe auf dem Rücken tragen, in denen sie Mandarinen oder Kräuter feilbieten; Männer, die auf ihren Fahrrädern allerlei Leckeres wie Erdnüsse oder Zuckerzeug anbieten. Manchmal steht so ein Fahrrad auch am Straßenrand, und es ist ein Reiskocher oder eine Schale mit heißen Kohlen darauf installiert – eine fahrbare Garküche also.


Nicht jeder Haushalt hier hat eine Trinkwasserleitung im Haus (auch wir im Rainbow Childrens Home nicht), so dass man Wasser an großen Brunnenanlagen holen muss.
Und all das mit Himalayblick! Das ist wirklich unglaublich. Man schlendert durch die Straßen und schaut auf die Gipfel des Annapurna.

Nach rund zwei Stunden bin ich am Ziel. Vor der Tempelanlage wurde ein Garten mit vielen blühenden Blumen und schattenspendenden Bäumen angelegt. Die kleinen Tempelchen selbst sind verschiedenen Gottheiten gewidmet und laden zum Beten und Besinnen ein.

Mir seht der Sinn aber noch nach etwas ganz anderem: ich möchte meine Garderobe aufbessern. Und so mache ich mich auf die Suche nach einer Tunika, wie sie hier sehr viele Frauen tragen und sie mit Leggings kombinieren. Umsonst bekommt man auch hier die Kleidung nicht. Nachdem ich eine Kombination gefunden habe, die mir gefällt, bin ich immerhin 20 Euro los. Die Hose, die man hier gar nicht sieht, ist übrigens von H & M:-).

Da ich heute Abend meine zweite Yogastunde habe und es dabei vor allem um mein drittes Chakra gehen soll (ja, warum denn auch nicht), kaufe ich für ein Abendessen daheim ein. Es gibt hier einen feinen Käseladen und ich erstehe ein Stück Yak-Käse. Bin mal gespannt. Ein bisschen Weißbrot dazu, ein paar Tomaten und zwei Mandarinen – das sollte das Abendmahl wohl perfekt machen.

Frühlingsanfang

Bei uns ist heute Frühlingsanfang (ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr das jetzt gar nicht so gern lest😀). Dieser Tag ist der Göttin Saraswati Pooja gewidmet, der Göttin der Bildung. Und so begann unser Tag damit, dass die Mädels sich erstmal sehr hübsch angezogen haben. Dann wurde ein Tablett mit Opfergaben hergerichtet: Frische Blüten, Räucherstäbchen, ein paar Geldscheine, Farbe für das Tika (ein hinduistisches Segenszeichen, das auf der Stirn getragen wird). So sind wir zur benachbarten Schule gezogen, um der Göttin zu huldigen.

Unser Ziel war ein kleiner Tempel  auf dem Schulhof der benachbarten Schule. Die Räucherstäbchen wurden angezündet und der Tempel traditionell dreimal umrundet. Geld und Blumen wurden der Göttin vermacht, die Tikas den Schulfreundinnen und Lehrkräften auf der Stirn platziert. Während ich noch überlegte, ob es angebracht sei zu fotografieren, wurden schon überall die Smartphones für die Selfies gezückt.

Auf dem Heimweg wurde noch der einen oder anderen Nachbarin das rote Segenszeichen auf die Stirn gedrückt. Nicht ohne dabei viel zu giggeln – wie Mädels in dem Alter das nunmal so tun.

Uns Volontären fiel dann noch ein zum Feiertag passender kleiner Ausflug ein: auf dem Weg zum Moviegarden war uns neulich rechterhand eine goldene Buddhastatue aufgefallen. Zehn Minuten entfernt vom Rainbow Childrens Home. Etwas erhöht in den Hügeln gelegen. Während wir Erwachsenen die Schönheit und Erhabenheit dieser Statue genossen, erfreuten dich die Kinder daran, auf ihr rumzuklettern. Da half auch mein halbherziges „Don’t climb on the Buddha!“ nichts.

Tumba

Der heutige Blog entfällt wegen ausgiebiger Tumba-Verkostung. Das ist ein Hirseschnaps, der ein bisschen wie Grappa schmeckt und in diesen wunderbaren Gefäßen, die Ihr auf dem Foto seht, serviert wird.

Rino und Magda lauschen gerade den Ausführungen der Bedienung, die uns erklärt, dass wir einen zweiten und dritten Aufguss mit heißem Wasser bekommen können……

Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.

Dal Bhat und Momos…

…sind unbestritten die Lieblingsgerichte in Nepal. Das eine für die Einheimischen, das andere meinen Erfahrungen zufolge vor allem für die Touristen.

Dal (Linsen) Bhat (Reis) gibt es – nicht nur im Heim – mindestens zweimal am Tag, zum Frühstück und zum Abendessen. Nepal ist ein sehr armes Land und die meisten Bewohner können sich Fleisch nicht leisten. Auch im Rainbow Childrens Home gibt es nur einmal die Woche Hühnchen (von Noma sehr köstlich zubereitet) als kleine Beilage. Dennoch ist für Abwechslung im Speiseplan durchaus gesorgt, denn neben Reis und Linsensuppe gibt es als dritte Beilage verschiedene Gemüse, häufig eine Art Spinat, aber auch Kartoffeln, Kürbis, Bohnen, Karotten oder einen Mix aus allem. Gerne auch noch ein hausgemachtes Chutney dazu. Viele Nepalesen essen mit den Fingern. Ich handhabe es mal so mal so.


Gefüllte Teigtaschen gibt es in vielen Ländern. In Nepal heißen sie Momos. Sie werden in der Regel handgemacht und werden entweder in der vegetarischen Variante oder mit einer  Hühnchenfüllung angeboten, frittiert oder gedämpft, in Pokhara meistens gedämpft. Dazu gibt es eine recht scharfe Sauce. Wenn man sie nicht in der Touristemeile isst, kosten sie etwa 80 Cent.

Hervorragend auch der nepalische Milchtee, Chiya. Schwarzer Tee wird mit Milch aufgekocht und mit Ingwer, Zimt, Kardamom und Lorbeer gewürzt.

Und einheimisches Bier ist ebenfalls sehr schmackhaft. Es gibt Everest, Gurke, Nepal Ice. Svasthya! Prost!

Morgendliche Freuden

Wenn ich morgens wach werde, schalte ich als erstes meinen kleinen Heizofen an und kuschel mich nochmal in meinen Schlafsack. Ich freue mich dann über neue Grüße aus der Heimat via WhatsApp und Co.

Nach dem zweiten Aufstehen kommt die nächste große morgendliche Freude. Ich ziehe die Vorhänge auf und bestaune die Himalaya – Gipfel in der Morgensonne, allen voran den Machapuchare, den 7000 Meter hohen „Hausberg“ Pokharas. Meine Handykamera ist leider nicht in der Lage, diesen Anblick so wiederzugeben wie mein Auge es sieht.
Der Machapuchare wird hier als „Fishtail“ für uns Ausländer übersetzt under sieht aus wie eine Haiflosse.


Wenn ich das Haus verlasse, werde ich zur Schildkröte. Gaaanz langsaaaam schlendere ich meine Straße entlang. Denn es gibt so viel zu sehen. Ein Geschäft ist hier neben dem anderen, ab und an ein Hotel dazwischen. Ich kann das meistevon dem, was ich brauche, hier in meiner Straße kaufen. Daheim geht das leider gar nicht.

Ich komme am Piya Restaurant vorbei. Hier kosten die Momos ein Drittel von dem,was man an der Uferpromenade berappt, die vegetarischen Teigtaschen 80 Rupien (ca. 70 Cent), die mit Hühnchen gefüllten 100 (ca. 90 Cent). Handgemacht von der Chefin, der Mama der Kinder, die neulich für mich getanzt haben. Wenn ich in der Früh vorbeigehe, putzt sie gerade den Laden und wir rufen uns ein freundliches „Shuva bihany!“ (Guten Morgen!) zu.

Es folgen ganz, ganz viele der kleinen Läden, in denen ich mein Bier, mein Wasser, meine Kekse, Chips und Klopapier kaufen kann. Eigentlich hatte ich vorgehabt, dies immer im gleichen Laden zu tun, um mir einen weiteren Ankerplatz in dieser Stadt zu verschaffen. Meistens lasse ich mich aber doch einfach treiben und kaufe in dem Laden ein, bei dem ich gerade bin, wenn mir einfällt, dass ich noch dieses oder jenes brauche.

Ein weiterer Hochgenuss am Morgen ist der mit Milch gekochte Kaffee, den ich im immer gleichen „Café“ trinke. Er ist heiß und würzig und wird im Glas serviert. Außer einem freundlichen Namaste brauche ich nichts zu sagen. Der frisch gekochte Kaffee (40 Cent übrigens) steht nach ein paar Minuten auf dem Tisch.

Ich liebe mein morgendliches Ritual und genieße es sehr.
Danach bin ich gewappnet, mich in den Trubel unseres Kinderheims zu stürzen. Heute haben wir dort endlich ein Spiel gefunden, bei dem nicht deutlich wird, dass ich im Schnitt fünfmal so alt bin wie die Kinder (wie beim Hinkeln beispielsweise). Dass ich das mal recht erfolgreich turniermäßig betrieben habe, kommt mir jetzt wirklich zugute:-)

Unterstützung für Frauen: Rainbow Handicraft

Ich schrieb ja neulich schon, wie vielfältig engagiert Goma Dhakal, die Gründerin des Rainbow Children Home ist. Ein zweites sehr wichtiges Projekt ist das Rainbow Handicraft, in dem Frauen in Handarbeit vielerlei Taschen (für Gitarren, für Laptops, für Kameras, Rucksäcke und Handtaschen) herstellen.


„Traditioneller Weise leiden Frauen in Nepal an der grausamen Sathi Pratha (Witwenverbrennung), an Zwangsverheiratung von sehr jungen Mädchen, Mangel an Bildung, Polygamie und Missbrauch“, schreibt Goma in ihrem Flyer, in dem sie ihr Rainbow Handicraft Projekt vorstellt. Kümmerte sie sich zunächst mit ihrem Waisenhaus nur um Kinder, deren Eltern entweder verstorben oder aber sich nicht gut um die Kinder kümmern konnten, wendete sie sich fünf Jahre später auch den Müttern zu. „Frauen und Kinder kann man gar nicht getrennt voneinander betrachten“, stellte sie fest. Und so richtete sie ein Trainingszentrum für Frauen ein, um diesen einen eigenen Lebensunterhalt zu ermöglichen, sie auch psychisch zu unterstützen und zu stärken.


Mittlerweile haben 150 Frauen das kostenlose Training absolviert. Sie können zuhause arbeiten und haben so die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. Im Rainbow Handicraft lernen sie das Weben und das Zuschneiden und Nähen der Taschen. In zwei Läden in Pokhara werden die Produkte vor allem für Touristen angeboten. Außerdem hat sich in Australien eine kleine Fangemeinde gebildet, die die Produkte regelmäßig abkauft.

Es wäre schön, wenn sich die Absatzmöglichkeiten erweitern und auch auf Deutschland erstrecken würden. Ich denke, dass ich das in die Hand nehmen werde, wenn ich wieder daheim bin. Macht Euch schon mal darauf gefasst:-)

Weitere Infos gibt es unter http://www.handicraftnepal.org

You are my mum

Heute möchte ich Euch von Sijumane erzählen. Dies ist nicht ihr richtiger Name. Ich nenne sie so, um ihre Privatsphäre zu schützen. Aus demselben Grund werde ich hier auch kein Foto von ihr veröffentlichen. Stattdessen gibt es ein paar Stimmungsbilder vom Phewasee, an dem wir jeden Tag spielen, spazierengehen oder ausnahmsweise – wie heute – mit dem Boot zur Insel fahren (für drei der Kinder war es die erste Bootsfahrt ihres Lebens).

Sijumane ist eines der älteren Mädchen hier im Kinderheim. Sie wird bald mit der Schule fertig sein und im Herbst ein Managementstudium an der Uni aufnehmen. Dies wird vom Rainbow Childrens Home finanziert. Sie unterstützt uns, wenn wir unsere Ausflüge machen. Im Bus oder im Boot ist sie die Letzte, die ein- und aussteigt, umsichtig und verantwortungsbewusst.
„You are my mum!“ , sagte sie gestern zu mir und schmiegte sich an mich.

Und dies ist ihre Geschichte: Vor vielen Jahren stürzte ihr Vater einen Berg hinunter, als er an einem Steilhang Gras für die Tiere schnitt. Er brach sich die Wirbelsäule. Um die Behandlung zu bezahlen, verkaufte seine Frau das gesamte Hab und Gut: Häuschen, Land und Tiere. Nach neun Monaten starb der Vater und die Mutter fiel in eine tiefe Depression. Sie war nicht mehr fähig, sich um ihre Kinder zu kümmern. Immer öfter verschwand sie für Tage, wanderte herum, schlief in den Feldern, manchmal ohne einen Fetzen am Leib.

Glücklicherweise erlaubte der neue Hausbesitzer den Kindern, dort zunächst wohnen zu bleiben. Aber um Essen mussten sie bei den Nachbarn betteln. Wild und ums Überleben kämpfend waren die Kinder, als Goma Dhakal, die von den Nachbarn informiert worden war, sie fand. Sijumane versteckte sich und warf Steine nach ihr.

Rainbow Childrens Home hat diesem Mädchen offenbar sehr gut getan. Sie ist offen, fröhlich und warmherzig und wird aller Wahrscheinlichkeit nach, ihren Weg machen. Ich drücke ihr alle Daumen dafür. Und freue mich übrr mrine neue Wahlverwandtschaft.