Im Dschungel

Am Morgen gab es einen kleinen Lichtblick: der Sonnenaufgang färbte den Annapurna Süd ein klein wenig rötlich. Auch der Macchapucchre zeigte sich im morgendlichen Dunst.

Doch das war’s dann auch für den Rest des Tages. Kein weiterer Bergblick mehr und auch die Aussicht auf die uns umgebenden terrassierten Felder war verhangen.
Die Nacht zuvor in meinem Zimmerchen war eisig kalt, gut, dass ich meinen warmen Schlafsack dabei habe.

Zum Frühstück gab es Milchtee, Spiegeleier und tibetian bread, das stets frisch gebacken wird. Es ist eine Mischung aus Mehl, Wasser, Salz und Backpulver, die zu einem runden Fladen in der Größe einer Single (weiß jeder, was DAS ist?) in einer Pfanne ausgebacken wird.

Danach sind wir rund zwei Stunden über die hier sehr beliebten und gut gepflegten Steintreppen abgestiegen, haben uns auf einer steten Höhe von rund 1700 Metern durch Bauernhöfe und Dörfer geschlängelt und gegen halb eins Mittagspause gemacht. Bei der Gelegenheit habe ich ein deutsches Paar getroffen, die für drei Jahre hier sind. Beide in Rente, beide bei einer NGO ehrenamtlich tätig.

Und dann ging es in den Dschungel. Drei Stunden liefen wir auf einem schmalen Pfad. Riesige Bäume, vor allem Rhododendren verschiedenster Art, Riesenfarne, Flechten und wilde Orchideen um uns herum. Ab und zu haben wir ein „Junglechicken“ aufgeschreckt, also ein hier wildlebendes Huhn. Die ebenfalls hier heimischen schwarzen Bären und Leoparden ließen sich zum Glück nicht blicken.

Gegen fünf erreichten wir unser Tagesziel, den kleinen Weiler Bhanyiang auf 2200 Meter Höhe, in dem es sechs Gästehäuser gibt und sonst nichts. Wir quartierten uns auf Anraten der Deutschen, die wir mittags getroffen hatten, im „Happy heart“ ein, das von zwei sehr freundlichen Schwestern betrieben wird. Zum Abendessen gab es Dal Bhat für alle. Und danach in großer Runde den lokalen Schnaps Raksi, der aus Hirse gewonnen wird und warm aus Teebechern (voll!) getrunken wird. Ein erster Selbsttest ergab: das Zeug ist lecker und kann nicht viel Alkohol haben, denn auch die zweite Runde wärmte den Bauch, hatte aber sonst keinerlei Folgen.

Drei Franzosen meines Alters, eine junge Argentinierin mit ihrem Vater, ein junges Schweizer Paar, die beiden Besitzerinnen des Gästehauses und drei nepalesische Guides saßen in der Küche eng im Qualm des Herdfeuers beisammen.

Da in Nepal die Abende kurz sind, war die Party dann auch gegen halb neun zu Ende. In meinem Zimmer, rechts und links gut durchlüftende Naturholzbretter, an den Stirnseiten mit Lehm verkleidete Steinmauern, war es sogar zum Lesen zu kalt, so dass ich mich bald in meinem Schlafsack vergrub. In der ersten Nachthälfte glaubte ich, gar nicht zu schlafen, in der zweiten wurden mir dafür viele kurze bunte Träume geschenkt.

Seit kurz nach sechs bin ich an meinem dritten Wandertag auf, im Clo mit eiskaltem Wasser eine Katzenwäsche gemacht, Sonnenaufgang bewundert. Jetzt sitze ich im Freien, warm angezogen, Mütze auf dem Kopf und warte auf mein Frühstück. Hier gibt es übrigens kein Netz, so dass ich nicht weiß, wann ich diesen Blogbeitrag veröffentlichen kann. Was ich aber ziemlich sicher weiß: auch heute werden wir den Himalaya nicht sehen. Dunst und Woken und Nebel und ach.

Auf den Spuren von Mick Jagger

Google weiß, das in den 80ern Prinz Charles mit großer Entourage hier war, ebenso Mick Jagger. Beide sollen begeistert von dieser einfachen Wanderung am Fuße des Annapurna gewesen sein, die seit dem britischen Prinzen „Royal treck“ genannt wird.

Vielleicht hatten sie eine tolle Sicht auf die 7- und 8000er. Vielleicht haben die Rhododendren geblüht. Vielleicht waren sie einfach in netter Gesellschaft und hatten Spaß miteinander.

Jogan, mein guide, und ich sind um acht Uhr mit dem Taxi in ein kleines Dorf nordöstlich von Pokhara gefahren und um 9 Uhr ging es los. Viele, viele Steintreppen hoch, vorbei an kleinen Bauernhöfen, Gemüsegärten und Reisfeldern.

Es ging durch den Wald, wo er mir Stories aus seiner 20jährigen Treckingerfahrung erzählte. Einen Tiger habe er gesehen, der eine Ziege riss. Nicht hier, aber großräumig betrachtet in der Gegend. Einen kleinen Bären, der eine mitreisende Touristin völlig verschreckt hat. Und eine junge Wandererin, die sie erst letzte Woche morgens tot in ihrem Zimmer in einer Lodge auf dem Weg zum Annapurna Basecamp gefunden haben. Herzschlag vermutlich.

So weit so gut. Auch wenn ich nur einen einzigen blühenden Rhododendron gesehen habe, war die Wanderung bisher recht schön. Warum sie dann aber um halb zwei für beendet erklärt wurde, wir uns im kleinen Ort (eine kurze Straße, zehn Lodges, null Touristen) Pokhanda in einem Guesthouse einquartierten, entzieht sich meinem Verständnis. Die Momos zum Mittagessen, der zehnminütige Spaziergang durch den Ort, der kurze Mittagsschlaf, die Lektüre meines aktuellen nepalischen Bestsellers, „Summer Love“ von Rubin Bhattarai, halfen nicht darüber hinweg, dass es kühl und unwirtlich wurde, der Nachmittag und Abend sich ewig zogen und ich recht enttäuscht war über meinen ersten Wandertag.

Unsere Lodge sieht in der Mittagssonne recht freundlich aus und so hoffe ich auf einen freundlichen Morgen und einen ausgefüllten Wandertag morgen.

Die Häuser wachsen und gedeihen

Heute hat mich Goma spontan eingeladen, mit zur Farm zu fahren.  Was für eine Überraschung, die Häuser zu sehen, an denen wir neulich mitgearbeitet haben! Sie wurden innen und außen mit Lehm verkleidet, was nicht nur schön aussieht, sondern auch wasserabweisend ist und für gutes Raumklima sorgt. Einige der älteren Mädchen aus dem Kinderheim, unser Fahrer Moti (der ja seit dem Unfall kein Auto hat) und unsere Gärtnerin Haremeyer waren gerade dabei, eine dritte und damit letzte Schicht aufzubringen.

Auch das dritte Haus wurde begonnen, Es ist um einiges größer als die beiden anderen und bekommt einen zweiten Stock als Schlafebene.

Die weitsichtige Goma möchte hier künftig nicht nur Landwirtschaft betreiben sondern spielt mit dem Gedanken, in dieser ländlichen Idylle auch Yoga und Meditation anzubieten.

Farewell, Caro!

Ab jetzt halte ich hier ganz allein die Stellung. Heute morgen ist nun auch Caro abgereist. Jedesmal, wenn uns ein Volontär verlässt, gibt es am Abend vorher eine kleine Zeremonie. Die Kinder werden zusammengerufen und Goma hält eine kleine Ansprache, in der sie sich beim Betreffenden für seine Hilfe und sein Engagement bedankt. Dann gibt es Tikka, das Segenszeichen, einen Blumenkranz, ein Zertifikat und einen Freundschaftsschal. Alle Kinder applaudieren kräftig und schweren Herzens wird Abschied genommen.

Bisher war es so, dass die verbleibenden Volontäre gemeinsam mit demjenigen, der uns verließ, dann noch einen fröhlichen Abschiedsabend verbracht haben. So auch Caro und ich. Wir waren in einem hübsch eingerichteten japanischen Restaurant, haben uns eine köstliche Flasche australischen Rotwein geteilt und auf die gemeinsam verbrachte Zeit im Rainbow Childrens Home und unser wunderbares Mandala, das wir gestern pünktlich fertiggestellt haben, angestoßen.

Ich habe schon geunkt, dass ich in 12 Tagen zu meinem Abschied  ganz allein sein werde. Wir werden sehen. Bisher war Nepal ja immer noch für eine Überraschung gut.

​Bonjour sister, comment ça va?

In Ländern mit niedrigem Lohnniveau profitieren wir Ausländer, wenn wir die für uns sehr günstigen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Deshalb hätte ich das „Rei in der Tube“ auch zuhause lassen können. Denn hier bringt man seine Wäsche zur „laundry“, also in die Wäscherei. Jeder ist irgendwo Stammkunde. Meine französische Kollegin Caro wird von dem Mann,  der ihre Wäsche macht, stets mit einem freundlichen „Bonjour sister, comment ça va?“ begrüßt.
Wenn ich einmal die Woche zu Wäscherin meiner Wahl komme, grüßt sie mit einem freundlichen „Namaste! How are you?“ Dann zieht sie ihre kleine Handwaage aus der Schublade und hängt meinen Wäschebeutel daran auf. Der Preis ist überall derselbe: 100 Rupien, also etwa 80 Cent pro Kilo. Am Abend des darauffolgenden Tags kann ich meine sauberen Sachen wieder abholen.


Gegenüber vom Rainbow Children Home ist eine kleine Nähstube. Als erstes habe ich mir dort eine Kurta nähen lassen (8 Euro). Dann ging der Reißverschluss meines Schlafsacks kaputt (3 Euro), danach habe ich die seit ewigen Zeiten kaputten Reißverschlüsse an meinem Webpelz und an meiner Handtasche richten lassen (jeweils 1,50 Euro).

Auch der Juwelier um die Ecke hat mir große Freude bereitet. Ich bin es mittlerweile gewohnt, dass irgendein Kind an mir dran hängt, mein Medaillon öffnet und fragt: „Your husband?“  (Mamita fügt seit ein paar Tagen noch an: „What’s his name? Achim?“) So dass ich auch nicht besonders achtgegeben habe, als der zweijährige Sajan sich das Medaillon anschaute. Erst als er urplötzlich weglief, sah ich die Bescherung: Er hatte beide Seiten so fest auseinandergebogen, dass sie verzogen waren und sich das Medaillon nicht mehr schließen ließ. Eines der älteren Mädchen wusste Rat und brachte mich ins nahegelene Schmuckgeschäft. Der Besitzer begutachtete den Schaden und wies mich an, am nächsten Nachmittag wiederzukommen. Er wolle es versuchen.

Ich habe mich so gefreut, als er mir meinen Talisman heile zurückgab – und dann auch nur zwei Euro dafür verlangte.

Tja, diese wirklich erschwinglichen Dienstleistungen werde ich in Deutschland wohl auch vermissen.

​Nepal ist bunt

… und wir haben im Verlauf der letzten Wochen dazu beigetragen, zumindest das Rainbow Children Home noch farbiger zu machen.

Ein normaler Schultag sieht für uns Volontäre so aus: zwischen acht und neun kommen wir ins Heim, trinken erstmal einen Tee und plaudern dabei ein wenig mit jedem, der gerade das Bedürfnis dazu hat. Dann frühstücken wir mit den Kindern, das heißt, wir essen Dal Bhat, Reis mit Linsen und anderem Gemüse. Die Kleinen begleiten wir in die gegenüberliegende Schule, dann wird gefegt: die beiden Klassenräume, die Flure und der Speisesaal. Und schließlich wird gemalert. Mein Sohn fragte mich neulich schon, ob denn überhaupt noch eine Wand frei sei.

Ehrlich, wir sind auch ein bisschen stolz darauf.

Auch unsere funkelnagelneue Küche, die demnächst bezugsfertig ist, bekommt einen farbigen Anstrich. Das hat aber ein Profi gemacht.


Doch nicht nur bei uns ist Farbe gefragt.

Auch die anderen Häuser sind vielfach bunt angestrichen.

Im Tempel sind die Altäre mit vielen Farben geschmückt.

Ebenso die Auslagen in den Geschäften.


Und die Kopfbedeckungen.


Dieses Mandala ist unsere letzte Malarbeit. Wir werden es morgen beenden. Am Freitag reist Caro ab. Und auch meine Tage in Pokhara sind gezählt.

Shivas Geburtstag

Heute feiern die Hindus Shivas Geburtstag. Zur Feiertag des Tages bekomme ich gleich in der Früh ein schönes Geschenk: Das Wetter zeigt sich von einer sehr viel besseren Seite als gestern und beschert mir wunderbaren Bergblick zum Sonnenaufgang.

Allein bin ich nicht in der morgendlichen Idylle. Mindestens zwei Schulklassen sind mit mir gemeinsam auf der Aussichtsterrasse und genießen das Schauspiel. Warum ab sieben Uhr der gesamte Platz mit Musik beschallt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Um acht sitze ich im Taxi, schnell heim, duschen und ab ins „Rainbow“. Das vielstimmige „Good morning, Eva!“ werde ich demnächst sicherlich vermissen.

Nach dem Dal Bhat schmeißen sich die  Mädchen in Schale und gemeinsam ziehen wir los, einen nahe gelegenen Tempel zu besuchen und Shiva unsere Geburtstagsgrüße zu überbringen.

Shiva ist einer der wichtigsten Götter im Hinduismus und an seinem Geburtstag ist ntürlich wieder einmal die Schule geschlossen, viele Geschäfte haben zu, die meisten Menschen müssen nicht zur Arbeit.

Heute hat aber nicht nur Shiva Geburtstag, auch Indrani darf heute feiern. Sie wird 15. Nach dem Tempelbesuch ziehen Caro und ich mit ihr los, um ihr ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Unterwäsche hat sie sich gewünscht und die soll sie auch bekommen. Anschließend gehen wir noch zum Momoessen bei Piya.

Am Abend wird dann dank Shiva kräftig gefeiert. Zuckerrohr wird hierfür bereits am Nachmittag überall verkauft.

Wenn es dann dunkel ist, werden auf Plätzen oder an Tempeln große Feuer entzündet und lange Zuckerrohrstangen hineingehalten. Wenn sie heiß genug sind, zieht man sie raus, knallt das heiße Ende mit voller Wucht auf den Boden und wummmmm, explodiert das Ganze. Ein riesen Spaß für Jung und Alt.

Unsere Großen dürfen rübergehen in den kleinen Park nebenan und zuschauen. Die Kleinen sind glücklich, weil sie das Zuckerrohr futtern dürfen.

Übrigens ist Shivaratri der einzige Tag im Jahr, an dem in Nepal legal Marihuana geraucht oder sonstwie zu sich genommen werden darf. Gern überrascht man angeblich auch schon mal seine Freunde mit einem kleinen Kuchen, der nicht nur Eier und Mehl enthält.

​Die Hoffnung stirbt zuletzt

Schon als ich in der Früh aus dem Fenster schaue, ist klar: ob ich für meinen geplanten Sarangkot-Ausflug mit Himalayasicht bei Sonnenuntergang und – aufgang den erhofften klaren Blick haben würde, ist äußerst zweifelhaft. Kein Berg zu sehen. Alles diesig und in Wolken.
Optimistisch packe ich trotzdem meinen Rucksack mit dem bisschen, das ich für eine Nacht brauche. An dieser Stelle mal ein bisschen Werbung für einen Kollegen: Mit im Gepäck mein EBook mit dem neuesten Kalpenstein „Gipfelträumer“. Köstlich. (Vor allem die Szene mit der Entbindung im Zelt! Hab laut gelacht beim Lesen.)
Ich laufe den See entlang und erreiche nach 20 Minuten ein Restaurant, in dem ich auf einer hübschen Dachterrasse erstmal frühstücke.
Dann geht es zwei Stunden den Berg hinauf. Die 1500 Meter, auf denen das Bergdörfchen Sarangkot, das normalerweise besten Himalayablick bietet, müssen ja erreicht werden.


Kurz vor dem Ziel komme ich an einer Lehmhütte vorbei und bekomme, ehe ich mich versehe, einen Tee in die Hand gedrückt und einen Platz auf einer niedrigen Holzbank angeboten.
Die Frauen, drei etwa in meinem Alter, zwei junge und ein Baby, sind gut drauf. Sie singen, tanzen und texten mich auf nepalisch zu. Der Tee schmeckt nach angebrannter Milch und ihre vermeintliche Gastfreundschaft lassen sich die Damen auch bezahlen. Ist aber okay.

Ich erreiche das Dorf, quere die Straße und bin nach wenigen Minuten am Paraglider – Startplatz. Müßig schaue ich den Mutigen eine Weile zu.


Schließlich mache ich mich auf, mir ein Zimmer zu suchen. Kein leichtes Unterfangen, denn nahezu alles hat zu. Schließlich werde ich in der Himalaya Crown Lodge fündig und genieße den Nachmittag lesend auf meinem kleinen Balkon. Ohne Aussicht. Sowohl Berge als auch See sind im Dunst verborgen.
Gegen vier Uhr mache ich mich auf zum Tempel. Seit ich hier bin, höre ich von dort Stimmen und Musik. Meine Wirtin hat sich auch mit der Bemerkung verabschiedet, dass sie jetzt dorthin geht. Ich kann nicht wirklich einordnen, was ich sehe. Eine bunte Bühne, auf der mehrere Schauspieler  agieren. Die Sprecher sitzen hinter ihnen. Ich glaube, dass hier die Geschichte einer der zahlreichen hinduistischen Gottheiten erzählt wird. Morgen ist Shivas Geburtstag und ein wichtiger Feiertag.



Ich schaue eine Weile zu, gehe weiter und zahle unverdrossen 50 Rupien Eintritt (den Tarif für Ausländer, etwa 40 Cent) für die Aussichtsterrasse. Es ist so bizarr, dass es schon wieder witzig ist. Da die Aussicht mich nicht lange gefangen nimmt, schlendere ich zurück ins Dorf und bestelle mir ein spätes Mittagessen, Omelette mit Gemüse, und lasse die Stimmung auf mich wirken.

Pünktlich um kurz vor sechs finde ich mich zum „Sonnenuntergang“ wieder beim Aussichtsturm ein. Die meisten Menschen sind mittlerweile zurück ins Tal gefahren. Nur meine Wirtin schreitet gemeinsam mit ein paar Nachbarn beim Tempel um ein Feuer und zündet Räucherstäbchen an.

Ich wickele meinen „Lotte Choco Pie“ aus und versuche mir den Himalaya, wie ich ihn vorgestern von dieser Stelle aus sah, vorzustellen.

Vielleicht habe ich ja wenigstens mit dem Sonnenaufgang morgen früh Glück?

​Kurta, Sari und Hippies

Was trägt frau zurzeit in Nepal? Sehr beliebt ist die Kurta, eine Art Tunika, die bis zur Mitte des Schienbeins reicht, eng anliegt und an den Seiten bis hoch zum Po geschlitzt ist. Deshalb werden darunter meist farblich passende Leggings oder aber eine weite Hose ähnlich einer Pumphose getragen. Es gibt die Kurta jetzt im Winter aus festen wärmenden Baumwollstoffen oder in der Sommeredition aus leichtem Kunststoffgewebe.

Bei feierlichen Anlässen, auch bei besonderen geschäftlichen Meetings, wickelt sich die nepalische Frau gerne in einen Sari, eine Kunst für sich. Auf dem Foto unten sieht man das Oberteil von Gomas sehr elegantem Sari bei einer Geburtstagsfeier im Kinderheim.

Das untere Foto zeigt eine Gruppe von Frauen in Saris unterwegs zu einer religiösen Zeremonie.

Bei den Frauen, die es weniger traditionell mögen,  sind – wie bei den Männern im Übrigen auch – Outdoor-Outfits angesagt. Um es schön warm zu haben, wird die Trekkingjacke aber auch gerne mal über der Kurta getragen.

Was hier das Straßenbild im touristischen Teil der Stadt ansonsten prägt, sind die Neohippies. Sie sehen aus wie ihre Väter und Mütter in den 60er und 70er Jahren – nur die Haare sind meist kürzer.

Was mich am meisten in Sachen Kleidung hier fasziniert, ist die Begeisterung für Kopfbedeckungen. Egal ob Mütze, Schal oder Kopftuch, irgendwas braucht der Mensch hier auf dem Kopf. Nicht aus modischen Gründen sondern wegen der Kälte. ABER: warme Füße braucht hier kein Mensch. Die meisten rennen barfuß rum. Wenn der Kopf schön warm ist, reicht das.

Atemberaubend

Schon bei der Anfahrt präsentiert der Himalaya seine schönsten Seiten. Gestochen scharf ist der Blick auf die Annapurnakette.

Wir sind heute mit neun etwas älteren Kindern zum Sarangkot unterwegs , DEM Aussichtsberg bei Pokhara, 1500 Meter hoch. Wie immer fahren wir mit dem öffentlichen Bus. Nach zweimaligem Umsteigen sitzen wir gegen elf in dem Bus, der uns auf den Berg bringen soll. Schade, dass es schon so spät ist, denn die Gefahr, dass Wolken aufziehen, wächst mit jeder halben Stunde. Aber die Mädels haben wieder ewig gebraucht.

Der Bus füllt sich zusehends, der Mittelgang wird von einer in bunte Saris gewandete sehr munteren Frauengruppe besetzt.

Nach einer Dreiviertelstunde, in der sich der Bus tapfer den Berg hinaufgequält hat, ist das Ende der Straße erreicht. Über einen steilen Pfad wandern wir weiter nach oben und passieren zunächst den Startplatz der Paraglider. Im Tandem schwingen sie sich hier in die Lüfte, lassen sich bei guter Thermik Richtung Berge ziehen, um dann sanft dem See und dem Tal entgegenzugleiten. Ich weiß nicht, ob ich mich nicht vielleicht doch trauen sollte. Es sieht schon sehr verlockend aus.

Zehn Minuten später erreichen wir das Dorf Sarangkot mit zahlreichen Gästehäusern, Lokalen und Verkaufsständen. Am Ende schließlich eine große Aussichtsplattform, die man gegen eine geringe Eintrittsgebühr betreten kann.

Wie befürchtet sind schon viele Wolken aufgezogen, so dass Annapurna Süd und Fishtail fast verborgen sind. Annapurna East ist aber noch atemberaubend schön. Auch die Kinder halten es fast eine Stunde lang aus, einfach dazusitzen und den wundervollen Anblick zu genießen.

Ehe wir uns an den zweistündigen Abstieg machen, gibt es noch Chowmein, also gebratene Nudeln, zum Mittagessen und natürlich ein Gruppenfoto.

Und ich nehme mir vor, an meinem nächsten freien Tag, also übermorgen, hinaufzuwandern, dort zu übernachten und am nächsten Morgen mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Mit viel Glück kann ich auf diese Weise Sonnenuntergang und -aufgang erleben.