Freuden des Touristenlebens 4: Kathmandu, Stadt der Tempel

Im Vergleich zu Kathmandu ist Pokhara ein gemütliches Heilbad, ein Luftkurort. Wenngleich ich es übertrieben finde, dass hier nicht nur die japanischen Touristen (die ja auch gern einen Sonnenschirm mit sich führen) sondern auch viele andere mit Atemmasken durch die Stadt laufen.

Kathmandu ist Metropole, es ist Abenteuer, es ist laut und quirlig und dir schwirrt der Kopf und die Füße tun dir weh. Dabei bin ich heute Nachmittag nur drei Stündchen durch Thamel, DIE Touristenecke überhaupt, gelaufen. Wer hat denn bloß das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die Stadtverwaltung Autos und Motorräder aus den Gassen verbannt habe? Das trift auf ein paar wenige zu. In allen anderen tobt nach wie vor der Kampf um zwei Meter Straßenbreite, auf denen sich Fahrzeuge und Fußgänger drängeln und sich gegenseitig den Platz wegnehmen.

Ich bin nach einer halben Stunde Flug (diesmal leider ohne Himalayablick) gegen 14 Uhr in Kathmandu gelandet und mit dem Taxi ins M-Hotel gefahren, einem eleganten Hotel am Rande von Thamel mit heißer Dusche, sehr gutem Service und einer Dachterrasse, auf der ich mich erstmal ausgeruht und selbst verwöhnt habe.

So gestärkt habe ich mich gegen halb fünf auf den Weg zum Durbar Square gemacht. Nicht nur dort sondern eigentlich alle paar Meter stößt man auf kleine und große hinduistische Tempel. Noch gibt es viele Holzhäuser, deren Fassaden mit kunstvollen Schnitzarbeiten verziert sind und natürlich jede Menge Geschäfte.

Der Durbarsquare ist die Hauptattraktion in der Altstadt, Weltkulturerbe und leider vom Erdbeben 2015 stark beschädigt. Mehr als 50 Pagoden und hinduistische Tempel schmückten den Platz, viele davon sind leider zerstört. Dennoch macht er auch heute noch einen starken Eindruck auf den Betrachter.

Die Einheimischen gehen mit ihren Heiligtümern recht entspannt um und nutzen auch sie als Verkaufsfläche.

Woran ich mich nach zwei Monaten Ruhe im beschaulichen Pokhara auch erstmal gewöhnen muss, ist die Kakophonie der Großstadtgeräusche: das Klingeln der Rikschas, das Hupen der Autos, die Musik aus so manchem Geschäft oder Lokal, das Rufen der Händler. In Pokhara waren am lautesten die Hunde. Bei Nacht.

Außer Rand und Band

Eine schönere Abschiedsfeier hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und geweint. Und während ich das hier schreibe, kullern schon wieder die Tränen.

Zuerst gab es eine feierliche Zeremonie, die Goma durchführte. Sie hielt eine kleine Dankesrede, gab mir ein Tikka, das Segenszeichen, auf die Stirn, zwei glückbringende Schals und einen Blumenkranz. Dies sind die für solche Anlässe hier üblichen Abläufe.

Dann überreichte sie mir ein Zertifikat in einem hübschen handgearbeiteten Holzrahmen und, als künftiger Deutschlandvertreterin für Rainbowtaschen, eine solche mit einer Stickerei „I love Rainbow Children Home Nepal“ (Yes, I do!).

Dann leiteten wir mit einer Runde Sprühschnee und ein paar Kerzen den gemütlichen Teil des Abends ein.

Solche kleinen „Sauereien“ werden hier stets bei Geburtsgsfeiern abgezogen und sie heben die Stimmung ungemein. Gern hätte ich auch noch ein paar Konfettibomben gekauft, habe sie aber leider nirgendwo gefunden.

Die 500 Momos waren rasch verzehrt.

Zum krönenden Abschluss der Party spielten Sudip und Assis Gitarre und Cajon und ALLE Kinder tanzten und sangen dazu. Ich natürlich mit.

Goma hatte mich bereits gestern eingeladen, den Abend mit ihr gemeinsam in einem Lokal am See ausklingen zu lassen und blies gegen halb neun zum Aufbruch. Und dann flossen die Tränen, als ich mich von den Kindern verabschieden musste. Von allen Seiten wurde ich geherzt und geküsst und musste versprechen wiederzukommen. Die Fotos, draußen, im Dunkeln sind natürlich zu dunkel und unscharf, geben aber bei genauem Hinsehen vielleicht ein wenig der Abschiedsstimmung wieder. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich morgen alle hier verlasse.

Im Gefängnis

Keine Sorge! Ich bin nicht an meinem letzten Tag in Pokhara mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Aber Goma hatte mich schon vor einigen Tagen gefragt, ob ich Interesse hätte, sie ins hiesige Frauengefängnis zu begleiten. Unter anderem dort werden Stoffe für das Rainbow Handicraft Projekt hergestellt. Heute Vormittag war es dann so weit.

Die Einlassprozedur war denkbar schlicht. Da Goma bereits die (mündliche) Genehmigung für mich eingeholt hatte, reichte ein kurzes Gespräch mit dem Direktor aus, dann wurden wir in den Eingangsbereich geführt. Hier waren etliche BesucherInnen auf unserer Seite, die durch ein Gitter mit den Insassinnen auf der anderen Seite sprachen. Uns wurde ein einfaches Eisentor aufgesperrt und schon waren wir drin. Der erste Blick fiel auf einen kleinen Laden, in dem man Cola, Kekse, Kosmetika und anderes kaufen oder auch eine Tasse Tee trinken kann. Auch das Telefon ist hier installiert. Der kleine Sohn einer der inhaftierten Frauen lebt bei uns und ich weiß, das er täglich mit seiner Mami telefoniert.

Nach ein paar Schritten stießen wir auf eine Gruppe Frauen, die beim Dal Bhat auf dem Boden hockten – nicht ungewöhnlich für hiesige Verhälntnisse. Im Hintergrund erspähte ich den Schlafraum mit etlichem Matrazen. Die Frauen leben hier also nicht in Zellen sondern in einem großen offenen Bereich, zu dem schließlich auch die Webstühle gehören, auf denen sie unsere Stoffe herstellen.

Von den 65 Insassinnen arbeiten 17 für Rainbow Handicraft. Gern würden sich noch mehr Frauen beteiligen, denn das Weben gibt ihnen Beschäftigung und Geld. Womöglich auch eine berufliche Perspektive für die Zukunft. Aber in diesem Gefängnis ist kein weiterer Platz für Webstühle mehr.

Auch Frauen aus einem zweiten Gefängnis in Pokhara haben Interesse bekundet. Aber Goma muss erst weitere Absatzmärkte erschließen. Gut, dass es künftig die Rainbowtaschen bei mir zu kaufen gibt.😊

Abschied nehmen

Langsam rückt mein letzter Tag hier in Pokhara näher. Morgen Abend ist mein offizielles „Farewell“ im Kinderheim, Mittwochmittag geht mein Flieger nach Kathmandu, Samstag fliege ich heim. Und so nehme ich hier inzwischen bereits Abschied und bereite mich auf den letzten Tag vor.

Gestern habe ich bei Buddha Air (sic!) mein Flugticket gekauft. Dann war ich am Geldautomaten, um die 500 (sic!) Momos bezahlen zu können, die es morgen Abend zu meiner Farewellparty im Rainbow Children Home gibt. Schließlich habe ich noch meine Turnschuhe, die ich nun zwei Monate lang nahezu täglich anhatte, zum Schuster gebracht. Er hat sie genäht und geputzt und morgen werde ich sie Indrani schenken, die dieselbe Schuhgröße hat wie ich.

Ich überlege, was ich unbedingt noch machen möchte: heute Mittag am See das Essen einer rollenden Küche probieren, morgen Mittag ein letztes Mal zu Piya gehen, mich von meinem Treckingguide verabschieden, einen Entschluss fassen, ob ich Mamita zum Abschied ein kleines Armband schenke oder nicht. Wenn ich an den Abschied von ihr denke, wird mir das Herz schwer. Sie ist mir so ans Herz gewachsen. Ich hoffe, dass sie schnell über unsere Trennung hinweg kommt. Auch zu Indrani hatte ich einen engeren Kontakt und ich werde auch sie vermissen.

Da ich mit Goma in Verbindung bleibe, werde ich auf jeden Fall auch zukünftig wissen, wie es den Kindern geht. Zu überlegen wäre auch noch die Übernahme einer Patenschaft. Mit 50 Euro im Monat sind die Kosten für ein Kind für vier Wochen gedeckt. Nähere Infos hier: http://www.orphancarenepal.org/index.php?p=sponsoring&p_sub=list

Nicht zuletzt sind wir gerade dabei, die Taschen für Deutschland auszusuchen. Alles Handarbeit aus dem Rainbow Handicraft, alles Einzelstücke. Wir haben vorgestern 52 verschiedene Modelle (von der Reisetasche über den Rucksack, die Einkaufstasche und die Laptophülle bis hin zum Schlamperlmäppchen und zur Geldbörse) ausgewählt, gestern dann im Schnitt jeweils zehn Exemplare in verschiedenen Farben dazu ausgesucht. Ich habe bei Tollwood angefragt, ob ich einen Verkaufsstand etwa im Nachhaltigkeitszelt bekommen kann. Drückt mir die Daumen, dass das klappt! Ich gebe Bescheid.

Wenn ich in diesen Tagen durch Pokhara gehe, versuche ich, jedes Detail in mich einzusaugen, alles ganz bewusst wahrzunehmen. Gestern habe ich über Mittag einen dreistündigen Spaziergang am See gemacht bis ins nächste Dorf. Beim Versuch, den Weg über die Reisfelder abzukürzen, bin ich bis zu den Knien eingesunken und habe mich nur mit Anstregung aus dem Schlamm ziehen können. Nein, hiervon gibt es kein Foto 😀.

Wohl aber vom fantastischen Ausblick auf die Berge, den wir heute zum ersten Mal seit über einer Woche wieder haben. Ein Abschiedsgeschenk von Petrus?

Chicken à la Noma

Einmal in der Woche gibt es Fleisch, nämlich am Samstag. Da gibt es Huhn zum Dal Bhat. Noma, unsere Hausmutter, bereitet es köstlich zu und so war ich um halb acht zur Stelle, um ihr bei der Zubereitung zuzuschauen und mir das Rezept zu notieren.

Für die KöchInnen unter uns hier das Rezept (Hinweis: Ihr müsst es nicht auf offenem Feuer zubereiten. Klappt auch auf dem Herd.)

Zutaten (für vier Personen):

1 kg Huhn in mundgerechten Stücken, Sonnenblumenöl, 2 mittelgroße Zwiebeln, 1 TL Kurkuma (Gelbwurz), Salz, 4 kleine Tomaten, 2 Ingwerzehen, 7 Knoblauchzehen, Fleischmasala, Koriander

Zubereitung:

Das Öl im Wok erhitzen, in Scheiben geschnittene Zwiebeln anbraten, Huhn zugeben und zusammen mit dem Kurkuma anbraten. Salzen und etwa zehn Minuten schmoren lassen. Dabei immer wieder umrühren.

Tomaten in Scheiben schneiden, Ingwer und Knoblauch fein pürieren (geht wunderbar mit einem großen flachen Stein auf einem Holz- oder Steinbrett), ebenfalls in den Wok geben und mit reichlich Masala würzen. Nochmals etwa eine Viertelstunde schmoren lassen, zum Schluss frischen Koriander beifügen.

Großreinemachen

Unsere Jungs schlafen in einem eigenen kleinen einstöckigen Häuschen, fünf Minuten vom Kinderheim entfernt. Dieses sog. „Boys‘ dormitory“ ist uns Volontären schon die ganze Zeit ein Dorn im Auge, weil es ziemlich versifft ist. Vor einigen Wochen haben Ben, Magda, Rino und ich dort gemeinsam mit den Jungen schon mal einen gründlichen Hausputz durchgezogen: fünf Schlafräume, zwei Toiletten, zwei Duschen mussten sauber gemacht werden.

Nun kam Miguel, unser neuer Volontär aus Spanien, der mittlerweile auch bereits eine Woche hier ist, auf die Idee, die Räume frisch zu streichen. Nachdem Goma ihr Einverständnis erteilt hatte, legten wir heute nach dem Frühstück mit den ersten beiden Schlafzimmern los.

Während wir erst noch ins Farbengeschäft gingen, räumten die Jungen aus, so dass wir nach unserer Rückkehr gleich loslegen konnten. Zeitungen auf die Betten und den Boden, alte Tücher über die beiden Kleiderschränke und los ging’s mit dem Abrubbeln der Decke und dem Streichen im ersten Zimmer.

Die Wände waren rasch geweißelt, die untere Hälfte mit bunter Farbe gestrichen.

Da nicht alle Jungen streichen konnten, animierte ich die übrigen (erfolgreich) zum Großreinemachen. Die anderen Zimmer wurden aufgeräumt und gefegt, alle Duschen und Clos gründlich geputzt. Nächstes Wochenende wird Miguel gemeinsam mit den Jungs die restlichen Schlafzimmer streichen.

Was für ein Genuss, als alles frisch und sauber war. Auch die Kinder konnten das sehr genießen.

Und weil wir gerade so schön im Schwung waren, wurden gleich noch ein paar ergraute Außenwände geweißelt und anschließend mit der restlichen Farbe beworfen. Nächste Woche ist hier ein Feiertag namens Holi, bei dem gehört das zum Ritual. Wir haben quasi schon mal geübt.

Medaillensegen

Nicht nur bei Olympia auch bei uns in Pokhara regnete es gestern viele Medaillen. In der „Budds Academy“, der Schule, die unsere Kleinen besuchen, war gestern „Medal distribution day“. Wer sich erinnert: neulich hatten wir großes Sportfest mit Fußballturnier und diversen Laufwettbewerben. Gestern nun wurden die Sieger geehrt und unsere Kinder haben richtig gut gewonnen.

Honoratioren waren da, die Eltern haben sich mit ihren Kindern gefreut. Mich hatten die Kinder schon vor Tagen gefragt, ob ich komme.

Es gab neben den obligatorischen Begrüßungen und Reden der Ehrengäste wieder ein sehr nettes Tanzprogramm. Goma, im Bild rechts, war als Mitglied des Elternbeirates natürlich auch da.

Gestern musste ich dann auch mal kurz an meinen früheren Chef denken, der an Schulabschlusstagen von einer Schulfeier zur nächsten eilte. So erging es mir gestern auch. Während in der Budds Academy das Programm noch auf Hochtouren lief, musste ich schon los, weil ich Asmitha versprochen hatte, zu ihrer Abschlussfeier am Gymnasium zu kommen.

Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt.

Doch nicht nur sie, alle Mädchen hatten sich in Schale geschmissen, die meisten trugen einen Sari, einige sahen auch in ihren Jeans sehr schick aus. Den Jungen sah man übrigens die Besonderheit des Tages in keiner Weise an.

Eltern werden hier nicht eingeladen. Ich war somit die einzige externe, wurde, als ich vorsichtig um die Ecke spitzte aber sogleich von einem älteren Schüler in Empfang genommen und zu den Sitzreihen der Lehrer geleitet. Von hier aus konnte ich ganz entspannt dem Programm, das die neunte für die zehnte Klasse zusammengestellt hatte, folgen. Diesmal gab es nicht nur traditionelle Tänze, eine Schülerin tanzte eine Art Hip-Hop. Zwei Schüler sangen je ein Lied a capella, die nach Volksmusik klangen, ein Mitschüler rappte zur großen Freude des Publikums. Zum krönenden Abschluss spielte die Schulband. Die durch einen Kabelbrand im Lautsprecher entstandene Pause wurde mit Tee und Zimtschnecken überbrückt. Die Jungs hatten es drauf. Auch hier ist Stairway to heaven angekommen.

Zu Besuch

Jorgan, mein Treckingguide, hatte mich am Ende unserer gemeinsamen viertägigen Wanderung eingeladen, ihn und seine Frau zuhause zu besuchen. Er würde ein Huhn besorgen und ich solle zwischen sieben und halb acht vorbeikommen.

Also besorgte ich ein Gastgeschenk (Obst und Schokolade) und verließ heute Abend um kurz nach sieben das Kinderheim. Ich musste nur 100 Meter unsere Straße hinuntergehen, am benachbarten Guesthouse und Tennisplatz vorbei und schon stand ich vor dem kleinen Laden, den in erster Linie seine Frau betreibt.

Jargan erwartete mich bereits auf dem Gehweg. Durch den Laden hindurch ging es in das Hinterzimmer, in dem die vierköpfige Familie lebt: seine 36jährige Frau, der 16 Jahre alte Sohn und die 15jährige Tochter.

Heute war ein regnerischer kühler Tag und entsprechend frisch war es im Zimmer. Das blanke Mauerwerk und der Betonfußboden trugen nicht zu einer heimeligen Atmosphäre bei. Wohl aber das freundliche Lächeln von Mutter und Tochter – wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher hockten. Das Essen, Dal Bhat mit Hühnchen, war reichlich und köstlich. Die beiden Männer und ich aßen als erste, Mutter und Tochter im Anschluss.

Ich saß auf einem der beiden Betten, ein Basthocker diente als Tischchen. Das weitere Mobiliar bestand aus einem Tisch, der als Ablage für Schulbücher und Kosmetika benutzt wurde, einem Regal voller Geschirr, einem Kleiderschrank und einem zweiflammigen Gasherd.

Dank Ashish, dem recht gut Englisch sprechenden Sohn, gab es nach dem Essen noch eine nette Unterhaltung, in der wir über seine Schule sprachen, die er Ende März beenden würde, seine Studienpläne (Management), sein Hobby Tennis und sogar ein wenig über Politik. Es gebe nach wie vor viel Korruption in Nepal und der junge Mann zeigte sich skeptisch, ob daran die jüngsten Wahlen etwas ändern würden.

Natürlich versuchte ich auch, die beiden Frauen ins Gespräch einzubeziehen. Da die Mutter gar kein Englisch sprach und die Tochter sich nicht recht traute, kamen wir aber nicht wirklich in einen Fluss.

Ich überlegte, ob ich wohl wegen eines gemeinsamen Fotos fragen könnte, entschied mich dann aber dagegen. Deshalb hier nur ein Foto von Jargan und mir auf unserer Wanderung.

Weil ich ja weiß, das in Nepal die Abende kurz und die Nächte lang sind, verabschiedete ich mich unter zahlreichen Dankesbekundungen um halb neun.

Ich ging noch bei der Wäscherei vorbei. Meine Wäsche war aber nicht fertig. Es hatte den halben Tag geregnet und so konnte sie nicht trocknen. Stattdessen kaufte ich halt einen Schokoriegel.

Schlemmen mit Ghee

Heute Morgen habe ich das bisher leckerste Frühstück in Nepal von Santosh Lamichane im Mountain View Homestay bekommen. Wie schon erwähnt gab es keinen mountain view, dafür aber ein Omelette mit Tomate und Rosmarin (!), Gemüse aus dem Garten, Minztee, Chapati, Honig von den eigenen Bienen und ein Klecks weißes Etwas. Auf Nachfrage erfuhr ich, dies sei Ghee. Ebenfalls selbstgemacht. Köstlich. Noch viel schmackhafter als Butter. Es wird im Deutschen als Butterschmalz bezeichnet, hat einen intensiven Geschmack und ist monatelang haltbar. Auch der Reis am Vorabend war damit gewürzt.

Nach dem Frühstück machten wir uns an den Abstieg. Zwei Stunden über die bereits vertrauten Steintreppen und – endlich mal – eine Hängebrücke hinab ins Tal.

Die allerletzte Etappe legten wir dann mit dem Bus zurück und in meinem Zimmerchen angekommen, war ich froh, mich mit warmen (!) Wasser duschen und frische Kleidung anziehen zu können. Ich zog die neue Kurta an, um mich etwas fein zu machen, denn am Abend hatten wir noch etwas zu feiern: Gomas Geburtstag.

Als ich ins Heim kam, wurde ich von Jung und Alt sehr herzlich empfangen. Wie mich das gefreut hat! Es war fast wie nach Hause kommen.

Die Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier liefen gerade an. In einem riesigen Kochtopf, der auf einigen Scheiten Holz stand, wurde mit Kräutern und Gemüse verfeinertes Wasser für den Reis gekocht.

Dieser sollte anschließend mit Ghee und Cashewkernen zubereitet werden. Dazu wurde zur Feier des Tages Huhn und Gemüse gereicht.

Außerdem wurde heute die neue Küche eingeweiht, zu der u.a. SpenderInnen aus Neufahrn beigetragen haben. Mit Gheereis, Geburtstagstorte, Kerzen und Konfetti wurde nicht nur Gomas Geburtstag in dieser schönen neuen Umgebung gefeiert sondern auch der zweier Kinder, Indreni und Sagar.

In Wolken

Ja, Petrus ist sehr ungnädig mit mir. Nach dem Frühstück sind wir 300 Höhenmeter hochgestiegen auf den 2500 Meter hohen Aussichtsberg Panchase. Nach einer Stunde waren wir oben, doch alle Gipfel waren hinter dichten Wolken verborgen. Bei gutem Wetter hätten wir von hier aus nicht nur Annapurna Süd und Macchapucchre sondern sogar den Manaslu gesehen.

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Entschädigt wurden wir auf dem Hinweg durch ganz viele wilde Orchideen, die die Bäume mit ihren weißen Blüten dekorierten.

Auch Jorchan, der immer wieder in die Hände klatschte, um gegebenenfalls den schwarzen Bären zu vertreiben, machte mir Spaß. Außerdem gab es oben eine recht hübsche Tempelanlage und die Überbleibsel einer früheren Königsstätte.

Wir stiegen eine halbe Stunde hinab zum Panchasesee, den wir einmal umrundeten und dessen Zauber wir auf uns wirken ließen.

Schließlich das Ganze retour: hoch zum Aussichtspunkt mit Tempel und runter zum Gästehaus. Insgesamt waren wir fünf Stunden unterwegs, die gebratenen Nudeln zum Mittagessen kamen da gerade recht.
Am Nachmittag sind wir durch Wald und Wiesen zweieinhalb Stunden lang nach Makanpur (1500 Meter) gelaufen. Ab und zu sind wir Frauen begegnet, die Blätter, ich nehme an als Ziegenfutter, in großen Körben transportierten.

Gegen fünf quartieren wir uns in einem kleinen traditionellen nepalischen Häuschen ein. Ich schlafe in einem kleinen Anbau aus Holzlatten, als Dach wurde Wellblech draufgelegt. Der ältere Sohn der Familie (26) betreibt die Vermietung an Gäste, kümmert sich um die Bienen und das Honigmachen, die Ziegen und den Garten.

Nach dem Abendessen, das Jargan und ich an einem schmalen Tisch auf der Terrasse zu uns nehmen, wird ein kleines Feuerchen gemacht. Santosh erzählt, dass im Dorf fast nur noch alte Leute leben. Die jüngeren gingen ins Ausland, viele nach Dubai, oder zumindest nach Pokhara. Er habe dort auch seinen Bachelor in Gesundheitserziehung gemacht, ziehe es aber vor, hier im Dorf zu leben.

Sein Vater bringt einen großen Topf mit einer milchigen Flüssigkeit. „What’s that?“ Frühstück für die Kuh. Getreidepulver und Wasser. Wird hier jeden Abend am Feuerchen zubereitet. Die Mutter, Grundschullehrerin im Dorf, gesellt dich zu uns. Es sind nur noch zehn Kinder, die sie unterrichtet. Wohlig halten alle ihre Hände über die wärmenden Flammen, recken ihre nackten Füße der Glut entgegen. Um kurz vor neun sage ich „Gute Nacht “ und krabbele in meinen Schlafsack.