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Regen in Batumi

Georgien begrüßt uns mit Regen. Keinem Nieselregen, sondern einem kräftigen, ausdauerndem Landregen. Dabei sind wir hier am Rande der Großstadt, in  Sichtweite des 200 Meter hohen Batumi-Turms, dem zweitgrößten Gebäude des Landes. Batumi selbst ist nach der Hauptstadt Tiblissi (Tiflis) mit rund einer Million Menschen die zweitgrößte Stadt Georgiens.

Wir packen uns so regenfest ein wie möglich und lassen uns mit dem Taxi für 20 Lari (ca. 6 Euro) ins Zentrum fahren.

Der Batumi-Boulevard ist eine etwa sieben Kilometer lange, historische Promenade aus dem Jahr 1881, die sich entlang des Schwarzen Meeres  erstreckt. Er gilt als das Herzstück der Stadt und bietet palmengesäumte Wege, Restaurants, Cafés, Fahrradausleihen, Freizeitparks sowie berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Ali und Nino-Skulptur und tanzende Brunnen.

Der Batumi-Tower, zu dem wir uns bringen lassen,  wurde 2012 fertig gestellt. Er hat 35 Stockwerke und besitzt als Besonderheit ein Riesenrad in der Fassade, das jedoch nicht in Betrieb ist. Nachdem die Pläne gescheitert waren, eine technische Universität im Batumi Tower zu eröffnen, stand der Wolkenkratzer jahrelang leer. Schließlich wurde das Gebäude zu einem Hotel umgebaut.

Wir laufen weiter zu einem der bemerkenswertesten Wahrzeichen des Batumi-Boulevards, dem alphabetischen Turm. Die 130 Meter langen Doppelhelix-Stahlrohre erheben sich am Turm empor und enthalten die 33 Buchstaben des georgischen Alphabets. Die Architektur des Turms ähnelt einer DNA-Zelle und symbolisiert die Einzigartigkeit des georgischen Alphabets. Jeder Buchstabe besteht aus einer vier Meter hohen Aluminiumplatte.

Das Denkmal von Ali und Nino ist eine kinetische skulpturale Komposition der georgischen Künstlerin und Bildhauerin Tamar Kvesitadze aus dem Jahr 2010. Sie ist acht Meter hoch, fast durchscheinend und aus Stahlfiguren von Ali und Nino. Langsam bewegen sie sich aufeinander zu und schaffen so ein einzelnes integrales Stück, aber nur für einen Moment, dann werden sie wieder getrennt. Der Vorgang wird alle zehn Minuten wiederholt.

Inspiriert wurde die Künstlerin durch den 1937 erschienenen gleichnamigen Bestseller von Kurban Said, der die tragische Liebesgeschichte zwischen Nino, einer christlichen Georgierin und Ali, einem muslimischen Aserbaidschaner schrieb. Die beiden werden auch als kaukasische Romeo und Julia bezeichnet.

Wir wenden uns nun vom Meer und dem Boulevard ab und laufen Richtung Altstadt. Immer wieder sind wir hingerissen von ihrem besonderen Mix des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dominiert von europäischen Stilen, insbesondere dem Jugendstil, klassizistischen Einflüssen und charmanten Häusern mit verzierten Holzbalkonen. Viele Gebäude wurden renoviert, wobei oft mediterran anmutende Fassaden entstanden.

Dann ist es Zeit für einen Kaffee und wir stoßen per Zufall auf das Literatur-Café mit internationaler Lektüre und heimischen Leckereien. Ich entscheide mich für Medovik, geschichtete Teigplatten mit Honig und einer Crème aus Kondensmilch. Sehr süß und doch so gut.

Nebenan ist das Ajara-Museum, in dem vor allem zeitgenössische georgische Kunst gezeigt wird. Es ist in einem prächtigen Gebäude von 1949 untergebracht und sehr beliebt als Fotospot für Brautpaare.

Auf diesem Bild sehen wir unser Ziel für Übermorgen: Ushba.

Angelina, in deren Garten wir wohnen, hat uns zum Abendessen ein Lokal empfohlen, in dem wir eine weitere georgische Spezialität probieren können.

Es ist eher ein Imbiss, sehr schlicht, dafür absolut untouristisch.

Drei Frauen backen die mit Käse gefüllten Hefeteigschiffchen. Boah! Danach ist man pappsatt und sehr zufrieden!