Die Sonne scheint schon als wir wach werden. Aber noch nicht auf den Campingplatz, ein Ausläufer der Sierra del Moncayo wirft seinen Schatten, mit dem vorgesehenen sonnigen Frühstück wird es nichts. Es ist kalt, knapp über dem Nullpunkt – wir freuen uns über die Heizung im WoMo und auf die warme Dusche, dafür stehen wir […]
Vorne im Bus sitzen Oma und Opa, alle anderen Autos müssen wegen ihnen gaaaanz langsam fahren und es gibt einen riesigen Stau.
So sieht es aus, wenn Oma und Opa trödeln, meinten neulich Sohn und Enkel. Pfffft. Stimmt ja gar nicht!
Wenn Oma und Opa trödeln, sieht das so aus:
Gemütliches Frühstück
Frühstück im Schlafanzug bis kurz vor Mittag, keinen Plan haben, wo es heute hin geht. Zeitung lesen, Kreuzworträtseln und Wördle spielen. SO trödeln wir.
Wir könnten noch einen Tag an der Laguna de Gallocanta bleiben, wo wir so schön mit Blick aufs Wasser stehen.
Wir könnten aber auch ein Stück weiter nach Süden fahren, um uns das rosafarbene Dorf Albarracin, wohl eines der schönsten Spaniens, anzuschauen.
Oder aber wir statten dem nördlich gelegenen Kloster Monasterio de Piedra einen Besuch ab. Alles ist möglich und noch viel mehr.
Das Dorf Gallocanta mit Kranichkunst im Vordergrund
Erstmal machen wir nochmal einen kurzen Spaziergang an die Lagune, neben der malerisch das gleichnamige Dorf liegt.
Und beschließen dann, dass wir gerne mal wieder duschen würden und unser Bus mal wieder eine Ladung Strom brauchen könnte. Wir machen uns also mithilfe unserer Apps auf die Suche nach einem ganzjährig geöffneten Campingplatz (davon gibt es in dieser Gegend nicht viele) und fahren gegen halb eins los. 85 Kilometer, eine angenehme Distanz für einen Trödeltag.
Wir streifen durch wunderschöne Landschaften. Mal geht es hoch auf 1000 Höhenmeter, dann in sanften Kurven wieder runter. Obstbäume blühen, wir halten an und versuchen, sie mit Hilfe der App Plantnet zu bestimmen. Leider habe ich das Foto verwackelt, so dass die App uns keine klare Auskunft geben konnte. Blutpflaume oder Mandel. Hm. Wir wissen es nicht, aber die Vorstellung, von so vielen Mandelbäumen umgeben zu sein, gefällt mir.
Mandelblüte?
Wir erreichen die etwas größere Ortschaft Calatayud und suchen uns einen Supermarkt. Obst, Gemüse, Wurst, Käse und etliches anderes für die nächsten Tage wandert in den Einkaufswagen und will im Bus verstaut werden. Diese Routine muss sich erst wieder einstellen. Wer selbst mit so einer rollenden Wohnung unterwegs ist, weiß: hier darf nichts lose rum liegen, alles muss brems- und kurvensicher verstaut sein.
Zuerst fragt man sich: wo krieg ich das alles unter? Dann geht es doch irgendwie.
Gut, dass heute unser Trödeltag ist – da stört es uns nicht so sehr, dass der von uns ins Auge gefasste angeblich geöffnete Campingplatz in Sabiñás verrammelt ist. Wir hatten uns zwar schon aufs Kaffeetrinken in der Sonne gefreut, aber nun müssen wir doch noch ein Stück weiter fahren. 28 Kilometer sind es bis Trasobares im Nationalpark Sierra de Moncayo. Diesmal rufe ich vorsichtshalber an. Radebrechen auf Englisch und Spanisch auf beiden Seiten der Leitung. Si, es abierto.
Um halb sechs sind wir am Ziel, kein Mensch da außer uns. Die Sonne scheint und bei 16 Grad stellen wir draußen Tisch und Stühle auf. Bis zum Sonnenuntergang, dann wird es auch hier schnell frisch.
100 Kilometer südwestlich von Zaragoza liegt die Laguna de Gallocanta. Die flache Lagune zieht Zugvögel an. Insbesonders Kraniche kann man in großen Mengen beobachten- wenn man denn zur richtigen Zeit vorbeikommt. Im Informationszentrum im Örtchen Gallocanta fragen wir nach guten Beobachtungsstellen. Oh, wir seien leider etwas spät dran, erzählt uns die nette Frau. Vor einer […]
Die Frauenstimmen sind leise. Vor Hunderten von Menschen singen sie auf der Plaza de Nuestra Señora de Pilar, dem Hauptplatz Saragossas, die ukrainische Nationalhymne: „Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben…“. Einige DemonstrantInnen haben ukrainische Fahnen mitgebracht, andere selbstgebastelte Schilder: „Stop war!“ Alle applaudieren, als die Frauen aufhören zu singen. Vom folgenden Redebeitrag in spanischer Sprache verstehen wir leider nichts. Die Stimmung ist sowohl beim Redner als auch bei den ZuhörerInnen gedrückt.
Ukrainische Flaggen und selbstgebastelte Plakate: Schluss mit dem Krieg!
Vorbei an Goya, einem der berühmtesten Söhne Aragoniens, besuchen wir nach der Demo sein Museum. Und bleiben beim Thema.
Der Maler Francisco de Goya (1746 – 1828) ist einer der berühmtesten Söhne des Landes
Unter seinen Druckgrafiken befindet sich das Werk Los Desastres de la Guerra (Die Schrecken des Krieges), ein scharfer Angriff auf die Grausamkeit des Krieges.
„Warum?“ Eine von vielen Radierungen, in denen Goya sich mit dem Thema Krieg auseinandersetzt.
Saragossa ist die fünftgrößte Stadt Spaniens und reich an epochalen Kunstwerken. Das historische Zentrum ist nahezu frei von Verkehr, inklusive der weitläufigen Plaça de Pilar mit der berühmten Basilika.
Auf dem Hauptplatz steht die Basilica de Nuestra Señora de PilarBlick von einem der Kirchtürme auf das Dach der Basilika, die Stadt und den Ebro
Langsam entspannen wir ein wenig, die furchtbaren Nachrichten, aber auch die lange Anreise hatten sich doch bemerkbar gemacht. Wir erfreuen uns an der Sonne, die immer mal wieder durchspitzt und es immerhin schafft, dass einige Bäume schon Blätter oder Blüten haben und man bei angenehmen 15 Grad seinen Cafe con Leche draußen trinken kann.
Uns steckt, wie wohl allen, der Krieg in der Ukraine in den Knochen. So viel Leid für nichts. Schrecklich und besorgniserregend. Wir sind noch in Frankreich, als wir früh morgens davon erfahren. Achims Blogbeitrag über den humorvollen Vogel an der Saarschleife ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden veröffentlicht (er schreibt gern nachts).
In Sainte Sévère sur l’Indre drehte Jacques Tati 1947 den Film „Das Schützenfest“
Als wir uns Achims lang gehegten Wunsch erfüllen, das Örtchen Ste. Sévère sur l’Indre zu besuchen (hier drehte Jacques Tati seinen Film „Das Schüztenfest“), bekomme ich eine Nachricht von einem Freund.
Er mag unseren Blog nicht mehr lesen, weil er ihm angesichts des Krieges zu banal erscheint. Ich bin natürlich getroffen von seinen Worten. Aber was ist dran? Es würde nichts, aber auch gar nichts ändern, säße ich daheim auf dem Kanapée, würde mir die entsetzlichen Nachrichten anschauen und mit meinen FreundInnen diskutieren. Klar. Ist es vielleicht trotzdem unangebracht, über unsere Reise zu berichten, während in der Ukraine Menschen sterben? Und ist es eine Rechtfertigung, wenn ich darauf hinweisen kann, dass immer und nahezu überall Kriege geführt werden und wurden – auch letztes Jahr, als wir in Island waren oder vorletztes Jahr, während wir in Spanien waren oder vor drei Jahren, während meines ersten Aufenthalts in Nepal? Oder ist das zynisch?
Ich will mir die Antwort nicht zu leicht machen. Die nächste Zeit wird zeigen, was sich richtig oder falsch anfühlt. Klar ist, ob in Deutschland oder Spanien, diese Zeiten bringen unfassbare Geschehnisse, die uns beeinflussen. So unfassbar übrigens wie jeder Krieg auf dieser Welt.
Am frühen Abend erreichen wir die kleine Stadt Auch in Südfrankreich, unsere letzte Etappe vor der spanischen Grenze.
Die nächsten vier Wochen wollen wir durch Spanien „stromern“, zunächst entlang des Stroms Duero Richtung Portugal, später dann entlang des Stroms Tejo. Ende März geht es dann weiter nach Mallorca, um die Katzen und das Haus einer Freundin zu hüten. Soweit mal der grobe Plan, soweit man derzeit überhaupt planen kann.
Die erste Übernachtung in Spanien legen wir in Zaragossa ein. Wir lassen es langsam angehen und verbringen den Abend im Bus. Die Stadt wollen wir uns am nächsten Tag anschauen.
Schön früh am Morgen singen die die Vögel im Wald oberhalb der Saarschleife. Insbesondere die Krähen machen richtig Lärm. Gut so. Die Sonne scheint schon am blauen Himmel über dem WoMo. Nach dem Frühstück wandern wir zum Aussichtsturm. Aussichtsturm am Baumwipfelpfad über der Saarschleife. Der Waldwipfelpfad ist noch geschlossen, wir sind quasi zu früh da. […]
Wir sind wieder unterwegs. Direktion Spanien. Achim erzählt, warum es so lange gedauert hat und wie unsere neue Reise startete.
22. Februar 2022 . So geschrieben ist es einfach ein Datum, als 22022022 sieht es doch irgendwie interessanter aus, oder ? Naja, wie auch immer. Es ist zumindest für uns ein schöner Tag, geht es doch nach langer Zeit endlich mal wieder auf Reisen. Gute vier Monate war ich nicht so richtig reisefähig, eine Achillessehnenoperation […]
Unsere Islandreise nähert sich dem Ende. Nun ist auch der Zwischenstopp auf den Färöern vorbei und wir stehen in der Schlange vorm Einschiffen.
Achim schreibt in seinem Blog über unseren letzten Tag auf den Inseln.
Nachdem es uns gestern auf der Suche nach einem Campingplatz auf die westlichste der großen Inseln, Vāgar, getrieben hat, müssen wir für die heutige Aktivität gar nicht anreisen. Unsere Wanderung beginnt in Miđvagur. Es sind vier Kilometer zum Felsen Trælanipa. Immer mit Blick auf den See Sørvagsvatn führt ein guter Weg über Wiesen (der Grundbesitzer […]
Der Wecker klingelt um 0 Uhr 45. Verschlafen wird das Rollo hochgezogen und wir staunen. Es ist dunkel draußen, das sind wir ja gar nicht gewohnt von Island! Kein Wunder ist geschehen, vor 14 Stunden ist die Norröna von Seydisfjörđur im Osten Islands ausgelaufen und erreicht nun Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer. Føroyar heißen die […]
Genau vier Wochen waren wir nun auf der Insel und nun ist unser letzter Tag angebrochen. Wir stehen seit dem frühen Nachmittag auf dem gesteckt vollen Campingplatz in Seyðisfjördur. Morgen um 10 Uhr wird unsere Fähre von hier auslaufen.
Im Hafen von Seyðisfjördur
Da die allermeisten IsländerInnen sehr gut Englisch sprechen, haben wir so gut wie nichts auf Isländisch gelernt. Aber dass bless, bless (entlehnt von God bless you) Auf Wiedersehen heißt, haben wir mitbekommen. Und ja, das haben wir vor. Allein schon wegen der Nordlichter, aber auch um die Westfjorde zu bereisen, die wir diesmal ausgelassen haben. Und nochmal hier und da und dorthin, wo es uns besonders gut gefiel.
Ehe wir heute Morgen unseren Campingplatz bei den Papageitauchern verließen, habe ich mich auf dem Alfaborg (dem Elfenfelsen) noch bei der Elfenkönigin Borghildur für die Gastfreundschaft, die wir im ganzen Land empfangen haben, bedankt.
Alfaborg, der Sitz der Elfenkönigin Borghildur
Dann kamen die praktischen Dinge an die Reihe: Frischwasser aufnehmen, Abwasser entsorgen, Tanken, Gasflasche zurückgeben, Auto waschen (Hatten wir überhaupt schon mal geschrieben, dass man das hier an vielen Tankstellen umsonst machen kann?), Einkaufen.
Kostenlose Autowäsche an der Tankstelle
Auf dem Weg zur Fähre war der Bus auf der Piste nochmal richtig dreckig geworden.
Zwischendurch Schotter- und Matschpiste
Aber zwei Sehenswürdigkeiten gab es auch noch auf unserer kurzen Route von 100 Kilometern: die Hütte, in die sich der bedeutende isländische Maler Jóhannes S. Kjarval rund 20 Jahre lang regelmäßig zum Malen zurückzog. Seine beeindruckenden Landschaftsbilder, die wir zum Teil in Reykjavik im Museum gesehen haben, fertigte er zum großen Teil hier an.
Rechts die etwa zehn Quadratmeter große Hütte, links ein Bootshaus
Wir queren unseren letzten Pass und machen ein letztes Foto von einem isländischen Wasserfall.
Immer noch Schneereste auf einer Höhe von nur 600 mDer Wasserfall Gufufoss
An den Tagen, ehe die Fähre nach Dänemark ausläuft, heißt es Zusammenrücken auf dem Campingplatz. Da es heute eh kühl und regnerisch ist, und wir nicht draußen sitzen können, stört uns das nicht.
Wir machen noch einen Bummel durch den netten Ort und besuchen an dessen Ende, einmal den Hügel hoch, das Kunstwerk Tvísöngur des deutschen Künstlers Lukas Kühne: fünf Betonkuppeln verschiedener Größe, die die Verwendung von Quinten in der traditionellen Volksmusik visualisieren sollen. Jede der Kuppeln hat ihre eigene Resonanz, die genau einem dieser fünf Töne entspricht. Mit dem Projekt soll die um die 2.000 Jahre alte polyfone Gesangsform vor dem Vergessen bewahrt werden.
Bunte Gasse in Seyðisfjördur Tvísöngur
Ein beschaulicher Platz, um eine kleine Bilanz dieser Reise zu ziehen:
Was hat uns am meisten begeistert?
– Die abwechslungsreiche ganz besondere Natur, in der Feuer und Eis, Berge und Meer die große Rolle spielen.
Dass wir die Papageitaucher aus nächster Nähe sehen konnten. Und die Goldregenpfeifer. Und die Bekassinen. Und die Rotschenkel…
– Die Badekultur
– Dass es nicht dunkel wird.
– Dass wir so ein Glück mit dem Wetter hatten!
– Dass wir so entspannt in unserem Bus herumreisen konnten.
Was würden wir vermissen, wenn wir längere Zeit hier leben würden?
– Gutes Gemüse und Obst
– Einfach mal irgendwo auf einen Kaffee oder einen Drink hingehen (entweder gab es nichts und/oder es war uns zu teuer)
– Dass es mal dunkel wird.
Wir fahren morgen noch nicht direkt nach Hause sondern machen noch einen Stopp auf den Färöer-Inseln, die zwischen Island und Dänemark liegen. „Laut einer Befragung von über 500 Reisefachleuten durch die Zeitschrift National Geographic Traveler im Jahr 2007 sind die Färöer die schönsten Inseln der Welt.“ (Reise Know How: Island. Färöer-Inseln)