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Kraniche an der Lagune

Der Sturm hat sich über Nacht gelegt, der Regen auch. Noch vor Sonnenaufgang ziehe ich die Laufsachen an. Sobald ich den Bus verlasse, höre ich die Kraniche. Sie sind auch schon wach und machen sich in großen Schwärmen auf zu ihren Futterplätzen. Eingebettet in ihr Grugru laufe ich durch den frühen Morgen.

Als ich eine halbe Stunde später wieder am Bus ankomme, ist Achim fleißig beim Fotografieren und dann geht die Sonne auf.

Beim Frühstück knallt die Sonne in den Bus. So schade, dass es nur fünf Grad hat und wir die Tür nicht die ganze Zeit auflassen können.

Wir bleiben heute hier und haben ganz viel Zeit: zum Kuchen und Brot backen, Wäsche waschen, Zeitung lesen, Kreuzworträtseln und Wordlen.

Bei der Aussicht macht das alles richtig Spaß.

Gegen Mittag machen wir einen Spaziergang ins gegenüberliegende Dorf Gallocanta. Eigentlich wollten wir mit den Rädern die ganze Lagune umrunden. Erinnerungen werden wach: Als wir vorletztes Jahr diese Tour gemacht haben, war es die erste nach Achims Achillessehnen-OP. Ganz behutsam waren wir damals – und jetzt ist alles wieder gut. Was für ein Glück!

Inzwischen hat der Wind aber wieder zugelegt, so dass wir den gemütlichen Spaziergang vorziehen. Kurzzeitig kreuzen mal wieder die Kraniche am Himmel auf, tröten laut und fliegen von den Feldern zu ihren Schlafplätzen im seichten Wasser. Keine Ahnung, warum sie das tun. Wir einigen uns auf die logischste Erklärung: sie wollen einen Mittagsschlaf machen. Wenn jemand eine bessere Idee hat, darf sie oder er sie gern in die Kommentare schreiben.

Nachdem sich die Kraniche niedergelassen haben, ziehen wir los. Diesmal ist es der Gesang der Lerchen, der uns auf unserem Weg begleitet. „Feld- und Haubenlerchen“, weiß mein Liebster es genauer. Lange nicht mehr gehört.

An der Eremitage und einem blühenden Mandelbaum vorbei gelangen wir nach einer guten Stunde ins Dorf.

Neu sind die murals. Sie sind Teil der Enciclopèdia mural des Künstlers Swen Schmitz Coll, der in Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort Tiere und Pflanzen einer Gegend auf Hausmauern malt und mit Infotafeln ergänzt. So sollen Flora und Fauna der Bevölkerung näher gebracht werden.

Ansonsten wirkt der kleine Ort sehr aufgeräumt aber fast verlassen. Die Rollläden vor vielen Fenstern scheinen dauerhaft heruntergelassen zu sein.

Heute genießen wir noch die Einsamkeit, morgen werden wir uns ins Getümmel der Hauptstadt stürzen. Ein ordentliches Kontrastprogramm.

Zufallsfund: Olite

Ob die Schöpfer von Disneyland den kleinen Ort Olite vor Augen hatten, als sie ihre Phantasiewelt erschufen? Möglich ist es.

Der Palast der Könige von Navarra aus dem 15. Jahrhundert thront mit all seinen Türmen und Zinnen mitten in der kleinen, circa 40 Kilometer südlich von Pamplona gelegenen Stadt.

Es ist Sonntag und mit uns ist eine Menge Besucherinnen und Besucher im Palast. Außer uns nur Spanier. Alle klettern begeistert die Türme hoch und runter und bestaunen das außergewöhnliche Ambiente und die schöne Aussicht.

Nach dem ganzen Auf und Ab wird es Zeit, sich zu erholen. In den spanischen Cafés ist das immer ein pures Vergnügen. Nette Leute, anständige Preise: Drei Euro für zwei Milchkaffee, so lieben wir das. Was wir übrigens auch noch lieben ist der aktuelle Diesel-Preis in Spanien: 1,40 € pro Liter.

Dann geht’s wieder auf die Straße. 200 Kilometer haben wir noch vor uns. Wir passieren die Südauslãufer der Pyrenäen und erreichen schließlich die Laguna de Gallocanta.

Im Informationszentrum im südlichen Bereich gibt es einen Aussichtsturm, von dem aus man auf die Kraniche gucken kann, die ein paar hundert Meter entfernt stehen.

Die Laguna de Gallocanta ist, wie der Lac du Der-Chantecoq in Frankreich, an dem wir vor ein paar Tagen waren, einer der wichtigsten Rastplätze für den Kranichzug. Laut Fachfrau im Infozentrum sind aktuell 26 000 Vögel des Glücks hier. Wo man sie morgen früh am besten beobachten könnte, frage ich die Dame. Bei der Ermità de nuestra señora del Buen Acuerdo, empfiehlt sie uns. Den Spot kennen wir vom letzten Jahr. Da haben wir dort übernachtet.

Über Stock und Stein rumpeln wir ein Stück weit nach Norden, erreichen die Einsiedelei, biegen rechts ab und erreichen einen kleinen Parkplatz neben einer Vogelbeobachtungshütte. Schockierend: der See ist in diesem Bereich trocken gefallen. Wir sind jetzt zum dritten Mal hier und das haben wir noch nicht erlebt.

Wir ziehen uns nochmal warm an, um nach den Vögeln zu schauen. Ich halte es aber nicht lange aus, denn ein Sturm ist aufgekommen und es ist nun sehr ungemütlich draußen. Im Bus ist es erheblich gemütlicher, aber der Wind schaukelt den Camper ordentlich hin und her. Ich glaube, ich werde bald seekrank.

Umzingelt

Noch vor Sonnenaufgang schlüpfe ich in Leggings, Jeans, zwei Pullis, Winterjacke, Mütze und Handschuh, schnappe mir Kamera und Fernglas und verlasse leise den Bus. Ich habe den Eindruck, alles schläft noch, außer mir, ein paar Flamingos und den Kranichen. Die trompeten schon eifrig in den kalten Februarmorgen hinein, fliegen kurz mal auf, schütteln ihr Gefieder, lassen sich dann aber wieder nieder. Auch als bald darauf die Sonne aufgeht, werden sie nicht lebhafter. Vielleicht ist ihnen noch zu kalt.

Ich verziehe mich in die Wärme des Busses, setze Kaffeewasser auf, mache Frühstück. Heute können wir uns Zeit lassen, weil wir hier an der Laguna de Gallocanta einen Ruhe- und Genusstag einlegen. Wir haben jetzt 2000 Kilometer zurückgelegt, 900 sind es noch bis zum Fährhafen in Algeciras. Zeit genug also, da wir erst in fünf Tagen nach Marokko übersetzen wollen.

Im Bus ist es gerade so richtig gemütlich, wir klönen virtuell mit fernen Freunden, der Kaffee und das spanische Nussbrot mit Eichsfelder Mettwurst aus Achims Heimat sind lecker, das tägliche Wordle ist gelöst, als das Vogeltrompeten draußen immer lauter und lauter wird. Wir öffnen unsere Tür, blicken zum Himmel und erleben ein Kranichspektakel vom Allerfeinsten. Aus allen Richtungen fliegen sie herbei, bilden Formationen, trennen sich wieder, kommen zu neuen Gruppen zusammen. Und das begleitet von dem für sie typischen lauten Tröten. Tausende von Vögeln fliegen um uns herum, wir kommen mit dem Schauen fast nicht nach. Umzingelt von Kranichen, endlich mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Nach fast einer Stunde machen wir uns,  immer noch von den Trompetenrufen begleitet, auf zu einer kleinen Wanderung. Auf der gegenüber liegenden Seite der Lagune steht eine Klause auf einem Hügel, die wir besuchen wollen. Auf einem Feld rechts von uns erspähen wir eine große Gruppe Geier, die sich über ein Stück Aas hermachen. Ansonsten dominieren die Kraniche die Luft.

Wie erwartet ist an der Klause kein Mensch, die Sonne scheint und flugs pelle ich mich aus meiner zweiten Kleidungsschicht. Eine Runde Turnen mit Frau Fastner, das ist es, worauf ich nach der ganzen Fahrerei der letzten Tage jetzt Lust habe. Gabi Fastner und ich turnen, YouTube sei Dank, seit rund einem Jahr fast täglich zusammen. Normalerweise in unserem Wohnzimmer, heute mit fantastischem Blick auf die Laguna de Gallocanta.

Achim sondiert derweil die Gegend und entdeckt ein Stück den Sandweg runter  eine weitere Hütte für die Vogelbeobachtung. Mit Parkmöglichkeit. Also parken wir am Nachmittag um und stehen nun leicht erhöht mit noch besserem Blick auf die Lagune.

Die Sonne scheint, aber es hat nur 5 Grad. Mir ist es zu kalt, um die ganze Zeit draußen zu stehen. Achim ist hart im Nehmen, bleibt draußen und kann sich immer nicht entscheiden, ob große Kamera, kleine Kamera, Spektiv oder Fernglas das Instrument der Wahl ist. Ich throne im Bus, genieße von hier aus die tolle Aussicht und kann im Warmen der Sonne beim Untergehen zuschauen.

Hier kommt Ihr zu Achims Blogbeitrag, in dem er den heutigen Tag beschreibt.

Von einem Kranich-Spot zum Nächsten

Wir haben Spanien erreicht. Achim schildert in diesem Blogbeitrag unsere Fahrt von Bordeaux zur Laguna de Gallocanta.

Auf unserer Fahrt kommen wir an vielen Gewässern vorbei. An einem See eine schöne Pause machen, eine Stadt besuchen, durch die ein Fluss fließt oder an einer Lagune auf Kraniche hoffen. Mein (Schul-)Französisch ist leider miserabel. Aber ich mag die Sprache ! Au bord d´eaux kann man wohl sagen für Am Rande von Gewässern. Gestern […]

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