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Siebter Stopp: Oualidia via El Jadida

Es gibt in meinen Augen nicht vieles, was schöner ist als am Strand aufzuwachen, das Meer zu hören und dann gleich einen Spaziergang zu machen. So beginnt unser Tag heute und es ist einer dieser Glücksmomente, die mich innehalten und darüber nachdenken lassen, wie gut es mir geht. Und dann steht kurz vor Sonnenaufgang auch noch der Vollmond am Himmel und die Möwen genießen vor unserem Bus die ersten Sonnenstrahlen.

Uns ist das Brot ausgegangen, deshalb gibt es Cornflakes und eine der riesigen süßen Orangen, die hier überall verkauft werden, zum Frühstück. Wir wördeln und SZ-rätseln, machen Morgentoilette und fegen den Bus aus und schon ist es elf und wir machen uns auf ins 70 Kilometer entfernte El Jadida. Hier waren wir vor ein paar Jahren schon mal für einige Tage mit unseren lieben Freunden Angie und Ralf. Damals war WM und wir schauten eins der Deutschlandspiele in einer Kneipe. Es waren viele Einheimische da, die zu Anfang recht neutral waren. Nachdem wir uns bei ein paar Spielzügen als deutsche Fans geoutet hatten, bekamen wir bald Unterstützung von den Männern um uns herum – und gewannen das Spiel. Fröhliches Abklatschen allenthalben war angesagt.

El Jadida ist eine sehr alte Stadt. Große Bedeutung hatte sie im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen hier eine Festung errichteten, die sie fast 150 Jahre lang unter dem Namen Mazagan betrieben. Große Teile der Anlage sind noch erhalten und die Cité Portugaise gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe.

Es gibt ein, zwei Straßen, in denen Souvenirs angeboten werden, ansonsten schlendert man durch Wohnviertel, in denen Kinder Fußball spielen, Frauen Tabletts mit Brot- und Kuchenteig durch die Gassen zum gemeinsamen Backofen tragen oder ihre Wäsche aufhängen.

Inzwischen ist es eins geworden und wir haben Hunger. Ein Lokal wirbt mit seiner Dachterrasse, wir klettern drei Stockwerke hinauf und blicken über die Dächer der alten Stadt auf den Atlantik.

Wir bestellen zwei Tajines, eine der beiden marokkanischen Nationalspeisen (die andere ist Couscous). In den dafür typischen Tongefäßen wird uns geschmortes Gemüse in dem einen und kleine Hackfleischbällchen mit Sauce und einem Ei in der Mitte in dem anderen serviert.

Mit Milchkaffee, Pfefferminztee und Trinkgeld zahlen wir 16 Euro und laufen hochzufrieden entlang der großzügig angelegten Uferpromenade zurück zum Bus.

Während auf der Strecke zwischen Casablanca und El Jadida ziemlich schicke Wohnanlagen den Weg säumten (bestimmt dienen viele davon als Wochenend- und Sommersitz für gut situierte Großstädter), fahren wir jetzt durch Industriegebiete. Südlich von El Jadida ist das Zentrum der Düngemittelherstellung und des Phosphatexports.

Doch auch das hat ein Ende und bald fahren wir auf einer kleinen Küstenstraße durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Rotkohl und Kartoffeln kann ich im Vorbeifahren erkennen. Wir machen noch eine kurze Kaffeepause am Straßenrand, kaufen Brot und Tomaten ein und erreichen nach insgesamt 100 weiteren Kilometern Oualidia.

Der Ort liegt an einer Lagune, wo wir ebenfalls schon einmal wunderbare Tage mit Spaziergängen, Bootsfahrt, Austernverkostung (ui, gar nicht meins) und Boulespielen verbracht haben.

Damals wohnten wir in einem herrlichen Hotel inmitten vieler blühender Blumen direkt am Meer. Diesmal sind wir ein bisschen außerhalb auf einem Campingplatz. Meerblick haben wir aber auch. Morgen bleiben wir noch hier und erkunden Ort und Lagune.

Zu Achims Blogbeitrag geht es hier

Wasser, Wald und ein Park: von Moulay Bousselham über Sidi Boughaba und den Jardin de Bouknadel nach Sidi Rehal

Gut, dass Mansour den Kosmos Vogelführer an Bord hat. So erfahren wir, dass die weißen Vögel mit den gelben Kopffedern Löffler heißen. Auffällig ist ihr langer Schnabel, der wie ein Löffel geformt ist. Es ist das erste Mal in unserem Leben, dass wir diese Vögel, die etwas kleiner als Graureiher sind, sehen, obwohl sie auch an der Nordsee beheimatet sind. Jetzt schippern wir für eineinhalb Stunden mit Mansour auf seinem Boot Pelikan durch die Lagune von Moulay Bousselham und erspähen Watvögel, Austernfischer, Pelikane, Regenpfeifer, Möwen und einen Eisvogel. Eine solche Vielfalt und Vielzahl von Vögeln hatten wir uns gar nicht erhofft.

Als wir am Nachmittag zuvor in dem kleinen Fischerort Moulay Bousselham eintrafen, erkundeten wir die Lage erstmal zu Fuß. Bis vor Corona gab es hier einen Campingplatz in der Nähe des Hafens. Den wollten wir uns anschauen, denn wir hatten erfahren, dass man sich vor dem mittlerweile geschlossenen Platz für eine Nacht mit dem Camper hinstellen kann. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir die Stelle und der erste, der uns fand, war Mansour. Schnell wurden wir uns wegen einer Bootsfahrt am nächsten Tag einig und meine Frage, ob wir hier wohl parken könnten, bejahte nicht nur er sondern auch einer der hier aktiven Parkwächter umgehend.

Am Abend stießen noch Dorothee und Alain, Freunde und Nachbarn aus der Heimat zu uns, die zeitgleich auf ähnlicher Route in Marokko mit ihrem Bus unterwegs sind.

Sie hatten die gute Idee, nach der Bootsfahrt in Moulay Bousselham an den etwa hundert Kilometer weiter südlich gelegenen See Sidi Boughaba im gleichnamigen Naturreservat zu fahren. Mitterweile ist es hier richtig frühlingshaft und wir decken draußen für eine kleine Kaffeerunde mit am Vortag gebackenem Apfelkuchen. Aber dann tun wir was für die Kalorienreduktion und wandern etwa zwei Stunden durch den Wald.

Am Abend stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem Botanischen Garten Jardin Exotique de Bouknadel, den wir am nächsten Morgen besuchen wollen. Der Nachtwächter hat keine Einwände und so hocken wir uns zu viert in unseren Bus und bereiten ein improvisiertes Abendessen aus zusammengewürfeltem Gemüse mit Woknudeln zu.

Der Garten wurde vor 70 Jahren von dem französischen Gartenbauingenieur Marcel Francois gegründet und verzückt einen mit verschlungenen Wegen, Hängebrücken, Teichen, Wasserläufen und einer riesigen Vielfalt alter Bäume und Blumen. Außer uns sind mehrere Schulklassen hier, die ebenfalls viel Spaß beim Auskundschaften des Terrains haben.

Dann trennen sich erst einmal wieder unsere Wege. Dorothee und Alain wollen sich als nächstes Rabat und Casablanca anschauen. Wir kennen beide Städte bereits und haben keine Lust auf Großstadttrubel. Über die Autobahn fahren wir deshalb rasch an ihnen vorbei und erreichen etwa 50 Kilometer südlich von Casablanca den Strand bei Sidi Rehal, wo wir bis zum nächsten Morgen stehen bleiben wollen. Mal wieder kann ich in bester Lage meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.

Wenn Ihr auch Achims Blogbeitrag in Unterwegs lesen möchtet, so geht das hier.

Dritter Stopp: Larache

Ganze 43 Kilometer haben wir es jetzt weiter Richtung Süden geschafft. Da wir etwa zwei Wochen Zeit haben, um die 900 Kilometer an der Atlantikküste hinunter zu fahren, sind so kurze Strecken gerade goldrichtig für uns. Unsere dritte Etappe endet in Larache.

Hier mündet der Fluss Loukkos in den Atlantik.Wir steuern einen bewachten Parkplatz am nördlichen Flussufer an mit Blick auf die Stadt und das Meer. Während wir in einer der Strandbuden erstmal einen Tee trinken und das Panorama genießen, interessiert sich eine Schafherde für unseren Bus.

Es soll hier Boote geben, die einen über den Fluss in die Stadt fahren. Wir sehen aber keine. „Heute sind die Wellen zu hoch“, meint einer der Fischer, den ich danach frage. Also wieder rein in den Bus und zwölf Kilometer außen rum bis in die Stadt fahren.

Das lohnt sich aber. Wir betreten die Medina und sind sofort in ihren Bann gezogen.

Verschiedenartige Waren werden zum Verkauf angeboten. Keine Souvenirs für Touristen sondern Waren für die Menschen, die hier leben. Von der Waschmaschine über Schuhe bis hin zur Unterwäsche. Ein Mann schiebt seinen rollenden Imbisswagen durch die Straße und ich luge neugierig  hinein.

Er bereitet Baguettes zu, die er mit Falaffeln und hartgekochten Eiern füllt. In zwei großen Backformen bietet er süßes Gebäck an. Eine junge Französisch sprechende Frau meint, dass es aus Kichererbsen zubereitet sei. Ehe ich mich versehe, drückt uns der Verkäufer eine Kostprobe in die Hand und während wir diese noch probieren, landen schon kleine Falaffelbällchen auf einem Stück Papier und wiederum in unseren Händen. Lecker! Ich zücke mein Portemonnaie, weil ich noch ein Baguette kaufen möchte, doch der Verkäufer missversteht die Geste. „Non, non, non!“ Seine Hand landet schwungvoll auf seinem Herzen. Das ist ein Geschenk. Willkommen in Marokko.

An der nächsten Ecke kaufen wir eine Art knusprigen süßen Pfannkuchen, an der übernächsten frisch gepressten Orangensaft, gefolgt von Datteln und Erdnüssen.

Satt und zufrieden verlassen wir die Medina durch das große Tor Bab el Khemis und suchen uns ein Straßencafé auf der zentralen Place de la Libération.

Unser Camper steht unweit des Hafens. Wir bummeln gemütlich weiter durch den Ort und genießen die entspannte Atmosphäre.

Den Abend verbringe ich damit, meine neu erworbenen Vokabeln ins Reine zu schreiben und zu versuchen, mir die eine oder andere einzuprägen. Auf dem Campingplatz in Asilah habe ich Bekanntschaft mit Karen aus Mecklenburg-Vorpommern gemacht, die zehn Jahre mit einem Marrokaner verheiratet war und in dieser Zeit sowohl Arabisch als auch die Berbersprache Tamazight gelernt hat. Kostprobe gefällig? La sagt man auf Arabisch für nein, oho heißt es auf Tamazight, was übrigens neben Arabisch und Französisch Amtssprache in Marokko ist. Seit Jahren schon verwende ich die Würzmischung Raz El Hanout in der Küche. Jetzt habe ich gelernt, was es bedeutet: Hanout bedeutet Laden, Raz El Hanout ist das Beste aus dem Laden.

Sonnenuntergang heißt übrigens ghrub auf Arabisch. Auf Tamazigh muss ich es erst noch herausfinden.

Zweiter Stopp: Asilah

Blogger trifft Vlogger

Seit geraumer Zeit verfolgen wir auf YouTube die Videos von Eduard Toews, seiner Frau Jessi und ihrem Hund Pepper. Die letzten Monate sind die drei mit ihrem WoMo durch Marokko gereist und wir schauen uns jedes einzelne Video mit Freuden an.

Am Nachmittag, als ich auf dem Campingplatz in Asilah gerade unsere Wäsche aufhänge, geht eine junge Frau an mir vorbei. „Die kenne ich doch!“, denke ich. Aber ich komm nicht gleich drauf, wer es ist. Und dann fällt der Groschen. „Achim, ich glaube, Jessi Toews ist gerade an mir vorbei gegangen. Guck mal! Ist sie das?“ Achim guckt und bestätigt meine Vermutung. Ein kurzer Blick über den Platz zeigt: die Vlogger stehen zwei Autos neben uns.

„Hallo! Ich weiß nicht, ob Ihr das mögt, aber hier kommt Euer Fanclub“, strahle ich die beiden an. Ich glaube, sie mochten es. Jedenfalls haben wir uns gut über Marokko und übers Reisen im WoMo unterhalten. Außerdem konnte ich meine Komplimente für die guten Videos, die Schnitte und Regieeinfälle loswerden. Allen (Marokko)reisenden kann ich den Kanal von Eduard Toews nur empfehlen.

Nach einer guten (wenn auch bis nach Mitternacht dank der Fußballer neben uns lauten) Nacht auf dem Stellplatz in Tanger fahren wir zum Kap Spatel. Dies ist Afrikas nordwestlichster Punkt und hier stoßen Mittelmeer und Atlantik zusammen.

Dann drückt Achim mir den Busschlüssel in die Hand. Am ersten Tag in Marokko hatte ich mich noch nicht getraut, ihn zu fahren und auch an diesem Morgen habe ich gekniffen. Doch jetzt nehme ich mir ein Herz und steuere das WoMo die 50 Kilometer bis Asilah. Die Küstenstraße ist leicht zu fahren, häufig dürfen wir eh nicht schneller als 60 unterwegs sein. Alles kein Problem. Bin ich froh!

Wir finden ein hübsches Plätzchen auf einem kleinen, einfachen Campingplatz, können endlich mal draußen Mittagessen und Wäsche waschen.

Nach unserem Plausch mit Toews laufen wir in die Medina – und geraten in einen Fotografierrausch. Ein Motiv schöner als das andere. Wir können uns gar nicht satt sehen.

Manche Motive muss man sich erschummeln.

Die Altstadt ist von einer Stadtmauer umgeben, die ein Gewusel von Gassen umgibt. Viele Hauswände wurden in den letzten Jahren von KünstlerInnen bemalt, um den Ort, der wohl recht heruntergekommen war, zu verschönern.

Nach einer Kaffee- und Teepause (Ich glaube, ich muss ab jetzt jeden Tag den köstlichen Minztee trinken. Wobei, der Café Nous Nous, also halbe halbe Espresso und Milch, schmeckt ebenfalls hervorragend. ) laufen wir noch ein Stück weiter bis zum Soukh, dem Markt.

Auf unseren letzten Marokkoreisen waren wir in Hotels und konnten nicht selbst kochen. Diesmal können wir nach Herzenslust einkaufen und uns an dem bunten Angebot, der guten Qualität und den niedrigen Preisen erfreuen. Brot kostet rund 20 Cent, für eine große Schaufel voller Oliven haben wir 60 Cent gezahlt, ebenso viel für ein Pfund bereits sehr aromatischer Erdbeeren. Das Gemüse fürs Abendessen habe ich bunt mit Zucchini, Auberginen, Paprika und Karotten zusammengestellt, 1,50 Euro. Bestimmt habe ich es an anderer Stelle schon erwähnt wie gern ich (auch im Bus) koche. Ich bin mir jetzt schon sicher: in Marokko werde ich damit besonders viel Spaß haben.

Von den Kranichen zu den Windmühlen

Wir verlassen unseren schönen Stellplatz oberhalb der Laguna de Gallocanta, schreibt Achim im heutigen Blogbeitrag. Die meisten Kraniche sind weg, wir jetzt auch. Schon vor Sonnenaufgang war auf dem Parkplatz häufiges Türenklappern zu hören – Fotoapparate mit sehr großen Objektiven wurden auf Stative gesetzt. Ach ja, es ist ja Samstag! Auf großen und kleinen Straßen fahren wir nach Süden. Für […]

Von den Kranichen zu den Windmühlen

Marokko in der Steiermark

Als wir heute Morgen aufwachen, klopft der Regen aufs Dach. Das erste Mal auf dieser Reise. Was hatten wir diesmal für ein Glück mit dem Wetter! Auch heute stört uns der Regen nicht, denn als erstes gehen wir ins Schwimmbad und in die Sauna. Entspannen und hübsch machen für heute Abend.

In Kalsdorf bei Graz gibt es ein gemütliches kleines Familienbad. Ja, so was ähnliches wie bei uns daheim. Noch etwas kleiner. Das Schwimmbecken teilen wir uns mit sechs Kleinen und ihrer liebevollen Schwimmlehrerin. Die Sauna hingegen ist voll. Stammgäste. Jeder kennt hier jeden und der Aufguss wird abwechslungsweise gemacht.

Am Nachmittag geht es weiter nach Kapfenstein, wo wir unterhalb des Schlosses einen Übernachtungsplatz im Wald vom letzten Mal kennen.

Und dann heißt es „Marokko mon amour„. Unterhalb des Schlosses in Kapfenstein gibt es den Weinkeller des Weingutes Winkler-Hermaden, das ab heute Schauplatz für eine spannende Ausstellung ist: Teppiche aus Marokko, Malerei und Kunsthandwerk.

Die Organisatoren Viktoria Zöhrer-Vogt und Prof. Wilfried Stanzer kennen wir seit vielen Jahren. Mit Wilfried waren wir zweimal zu wunderbaren Reisen in Marokko. Unser Haus beherbergt mehrere Teppiche aus seinem Projekt im Hohen Atlas. Vor mehr als 25 Jahren hat er erforscht, auf welche Weise dort früher die Wolle mit Naturmitteln, vor allem Pflanzen, gefärbt wurde. Schließlich hat er sich im Bergdorf Amassine niedergelassen und ist gemeinsam mit den Einheimischen in die Herstellung von Teppichen nach traditioneller Machart eingestiegen. Einen guten Teil der Kundschaft bilden die Reisenden, mit denen er mehrmals im Jahr durch Marokko zieht und die er auch ins Projektdorf bringt.

Außerdem organisieren er und seine Kollegin Viktoria zwei Ausstellungen im Jahr in der Steiermark. Grund genug für uns, wieder einmal hierherzufahren und die Freunde wiederzusehen.

Morgen treten wir dann die Heimreise an. Aber erst verbringen wir noch eine Nacht im Wald in vollkommener Stille. Morgen Früh dann noch auf einen Ratsch in die Ausstellung, dann fahren wir direkt nach Hause.

Nachtrag: Vor dem Frühstück lässt Achim noch die Drohne für ein paar herrliche Bilder steigen.

In der Steiermark

Der „Arbeitstitel“ unserer Herbsttour in den Süden war Steiermarken. Letzte Woche in den Marken sind wir nun in der Steiermark angekommen.

Von Venedig aus haben wir einen 400 Kilometer Sprung nach Nordosten gemacht und sind am Abend in Stainz, einem kleinen Ort im Land des Schilcher angekommen. Diese Weinspezialität der Weststeiermark mussten wir gleich noch verkosten.

Am Morgen haben wir von unserem Stellplatz aus einen schönen Blick auf die Burg.

Nach dem Frühstück holen wir die Räder vom Bus und machen uns auf die „Schilchertour“. Dem E-Bike sei dank ist es für mich kein Problem, die 900 Höhenmeter mit teils 16 Prozent Steigung durch die Weinberge zu radeln. Für Achim, der nach wie vor sein eigener Motor ist, ist die Strecke anspruchsvoll. Mit fünf bis 50 kmh strampeln wir hoch bzw. sausen hinab. Um uns herum Weinberge, Äcker, von denen die Kürbisse abgeerntet sind, Buschenschanke, Bauernhöfe, in denen Kürbiskernöl, Kastanien, Honig, Sturm und Schilcher verkauft werden.

Gut, dass man die Reserven auffüllen kann.

Am Abend widmen wir uns dem Genussschilchern (eine Wortkreation des hiesigen Tourismusverbands). Wir radeln zum nächstgelegenen Buschenschank. Bald stehen die Brettljause und der Schilcher auf dem Tisch.

Zum krönenden Abschluss gibt es „Spagat-Krapfen“. 🤔

Zur Biennale nach Venedig

Wir sind noch knapp 90 Kilometer vor Venedig und es ist Biennale. Wir waren schon lange nicht mehr dort und während der Biennale noch nie. Jetzt freuen wir uns über die gute Gelegenheit.

Für unseren Bus haben wir einen Stellplatz in Punta Sabbioni, gegenüber vom Lido, ausfindig gemacht. Von hier aus können wir mit dem Vaporetto in die Stadt fahren.

Viele der internationalen Pavillons sind in den Giardini untergebracht, an denen wir mit dem Boot vorbeifahren.

Wir nähern uns dem Markusplatz und ich entdecke aufs Neue, wie schön es hier ist.

Zuerst wollen wir aber ein bisschen Kunst entdecken. Zur Biennale bitte rechtsrum.

Sie findet seit 1895 zweijährlich statt und ist damit die älteste Biennale und die älteste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Der Hauptschauplatz sind die Giardini im Stadtteil Castello, wo sich 28 Länder in ihren nationalen Pavillons präsentieren.

Bis uns die Füße weh tun und wir auch nichts mehr aufnehmen können, laufen wir von Pavillon zu Pavillon.

Hier ein kleiner Ausschnitt:

Sapmi, das Land der Samen, ist offiziell kein anerkanntes Land bzw. Nation (was eigentlich Voraussetzung ist, um einen Pavillon bespielen zu dürfen). Diesmal haben die skandinavischen Länder (Schweden, Norwegen, Finnland) auf ihre Anwesenheit verzichtet und dafür ihren, leider immer noch unterdrückten Minderheiten, die Möglichkeit gegeben, der Welt ihre Kunst zu präsentieren.

Südkorea vermischt Mythos und Technik.

Österreich bietet ein surreales Highlight in 1970er-Jahre Ästhetik.

Und der deutsche Beitrag von Maria Eichhorn setzt sich mit der Entwicklung des deutschen Pavillons im Laufe seiner über 100jährigen Geschichte auseinander: Errichtet als Bayerischer Pavillon anno 1909, wurde er unter anderem in der Zeit des Nationalsozialismus signifikant umgebaut, um das Regime zu repräsentieren und wirkt heute als wuchtiger Klotz eher unangenehm. Die Künstlerin geht dieser Entwicklung wortwörtlich auf den Grund.

Am meisten überrascht hat mich der Pavillon der USA, in dem sich die KünstlerInnen mit der Kultur der people of colour auseinandersetzen.

Der russische Pavillon ist geschlossen. Nach Kriegsausbruch sagten die russischen KünstlerInnen ihre Teilnahme an der Biennale ab – und setzten damit ein Zeichen des Protests gegen die Regierung Putins, die sie hier in Venedig vertreten sollten. 

Es ist mittlerweile fünf Uhr und wir wollen noch ein wenig die Stadt bei Tageslicht genießen. Also verabschieden wir uns von den Giardini, leider ohne alles gesehen zu haben und schlagen den umwegigsten mäandrierendsten Weg zum Markusplatz ein. Hier ein paar Impressionen:

Bald geht die Sonne unter, als wir mit dem Boot zurück zum Bus schippern ist es bereits dunkel. Bei Spaghetti carbonara und einer Flasche Rotwein nehmen wir uns vor, spätestens in zwei Jahren zur nächsten Biennale zurückzukommen.

Im Podelta

Über unsere Radtour durchs Po-Delta hat Achim gestern geschrieben (und am Anfang einen kurzen Rückblick auf die letzten Tage gegeben).

Mein letzter Blog war überschrieben mit Wir haben die Marken erreicht und jetzt komme ich mit dem Po an? Der Fluß mündet doch südlich von Venedig in die Adria, also sind wir in Venetien. Was ist passiert? Nun, Eva war immer schneller am Schreiben (und ich ein bißchen faul). Hier komen nun die entsprechenden Links, […]

Im Podelta

Von Ancona bis zur Poebene

Der Tag heute fing nicht so gut an. Um halb acht werde ich wach. „Achim, wir haben den Sonnenaufgang verschlafen!“ Ich tapse nach vorn, um die Jalousien zu öffnen, und haue mir den Kopf an der Ablage über der Fahrerkabine an. Guten Morgen! Achim tröstet mich ein wenig und beschließt, dass auch 20 Minuten nach Sonnenaufgang noch gilt und fotografiert seinen persönlichen Sonnenaufgang.

Beim Frühstück ist alles wieder gut und wir freuen uns abermals an der tollen Aussicht.

Noch ein bisschen im Bus aufräumen, mal auskehren und dann weiter nach Ancona. Hier waren wir vor vielen Jahren bereits zweimal, haben aber die Altstadt immer rechts liegen lassen und sind mit den Moppeds direkt runter in den Hafen und auf die Fähre nach Izmir gerollt.

Heute schauen wir vom Dom oben auf den Hafen hinunter.

Ancona ist anstrengend zu besichtigen. Der Dom liegt auf der obersten Ebene, die Altstadt eine Etage tiefer und ganz unten der Hafen, die Uferpromenaden und der Stadtstrand. Einen zentralen Parkplatz, auf dem wir mit unserem etwas größeren Fahrzeug stehen können, gibt es nicht, so dass wir ein ziemliches Stück ins Centro storico laufen müssen.

Das tun wir aber bei angenehmen 21 Grad. Paläste, Gassen, Plätze, alles da, was eine Stadt verschönert.

Das für uns persönlich Allerschönste hatten wir allerdings gleich am Anfang unserer Besichtigungstour entdeckt. Wir waren vielleicht zehn Minuten gegangen, als wir ein Schild sehen, das uns auf einen Pfad zum Meer hinunter aufmerksam macht. Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen wir ihn hinterher auch wieder hochlaufen, aber das nehmen wir in Kauf. Die Aussicht ist fantastisch und unten finden wir entlang des Wassers eine lange Reihe von Grotten, in denen die Einheimischen Strandmobiliar, Badeutensilien, ihre Sommerküchen und Boote deponiert haben. Ich male mir aus, was hier an lauen Sommerabenden oder am Wochenende los sein mag.

Für uns ist der Weg dann zu Ende. Ancona ruht auf Felsen und die Promenaden sind nicht durchgängig. Wir gehen denselben Weg zurück, wieder die 100 Stufen hoch und sind nass geschwitzt, als wir schließlich oben ankommen.

Um ins Podelta zu kommen, fahren wir die ersten hundert Kilometer auf der Autobahn. Schön, die Hinweisschilder auf Sehenswertes und Orte zu lesen, die wir kürzlich erst besucht haben: Grotte di Frasassi, Schlucht von Furla, Ferrara, San Marino, Comacchio.

Im Delta kommen wir gegen Abend an und lassen den Tag in Ruhe ausklingen. Schließlich war neben dem hier beschriebenen noch weiteres los.

Hinter den Kulissen:

* Neben unserem Parkplatz in Ancona gibt es einen Aufzug, der einen für 1 Euro zum Strand runterbringt. Fein, so was hat man nicht alle Tage. Machen wir. Äh, doch nicht. Tickets bezahlt, Aufzug aber gar nicht mehr in Betrieb.

* Fahrerin und Beifahrer kriegen sich beim Verlassen der Stadt fürchterlich in die Haare. Fast hätten beide das Auto verlassen und der Bus wäre allein auf der Kreuzung gestanden.

* Tücke der Technik: Automat an Mautstelle frisst Bankkarte. Operation mit Taschenmesser war erfolgreich.