Auf dem Donauradweg

Vom Zeltplatz sind es 14 Kilometer bis zur Mündung des Lech. Auf dem Bild kommt der Lech von links. Wir machen ein Abschiedsbild und heißen unseren dritten Fluss, die Donau, willkommen. An ihr werden wir die kommenden zwei Tage entlang radeln.

Oft führt der Donauradweg über die Deichkrone, warm, aber mit toller Aussicht. Wenn wir dann vom Fluss weggeleitet werden und in den Wald eintauchen, ist das erfrischend wie ein kühles Bad.

Bald ist Neuburg an der Donau erreicht und ein paar Kilometer weiter eine Brotzeitbank mit Flussblick.

In der zweiten Hälfte der Tagesetappe ist von der Donau nicht mehr viel zu sehen. Wir fahren auf ca. 20 Kilometern durch eines der bedeutendsten Auwaldgebiete an der deutschen Donau. Hier sind Biber und Eisvogel, Gelbbauchunke und  Hirschkäfer sind zuhause. Die Ausweisung als Natura2000-Gebiet ist ein Ausdruck für die Bedeutung dieses Naturschatzes auch auf europäischer Ebene.

Um die Renaturierung der Donau zu unterstützen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wurde das Auenzentrum Neuburg/Donau gegründet. Es hat seinen Sitz im Jagdschloss Grünau, das mitten in den Donauauen liegt.

Erst in Ingolstadt kommen wir wieder direkt an den Fluss und zelten auf dem Campingplatz am Auwaldsee.

In der Nacht spielt der Himmel vierstimmig Trommel. Aus allen Himmelsrichtungen donnert es, mal piano, mal fortissimo. Wir stehen unter einer Vielzahl von hohen Bäumen und ich male mir abwechselnd aus, dass ein starker Ast abbricht und auf unser Zelt fällt oder aber der Blitz einschlägt. Wo ist das nächste feste Gebäude, in das wir uns bei einem Orkan retten können? Dann fängt es an zu regnen und ich schlafe ein.

Da wir heute nur rund 40 Kilometer bis Bad Gögging auf dem Zettel haben, nehmen wir unterwegs ein paar Geocaches mit.

Um halb drei erreichen wir unseren Zeltplatz bei Bad Gögging. Nichtsmehrtun ist nun angesagt.

Morgen fahren wir über den Abensradweg 80 Kilometer nach Süden Damit schließt sich unser Kreis und wir sind wieder zu Hause.

„Das müssen wir unbedingt wiederholen“, sind wir uns einig. Es gefällt uns sehr, mit so wenig Utensilien auf Reisen zu sein. Ununterbrochen draußen zu sein. Immer wieder Neues zu erleben und sich darauf einstellen zu müssen. Ja, und auch die Herausforderung anzunehmen, die das Schlafen im Zelt und das Sitzen auf dem Boden für uns mit sich bringen.

In zwei Wochen allerdings steigen wir erstmal wieder in unseren Campingbus ein und fahren nach Norddeutschland. Dann geht es auch hier im Blog weiter.

Vom Lech zur Donau

Als ich wach werde, höre ich eine ganze Weile den Regentropfen zu, die auf unser Zelt trommeln. Doch die Wetterapp beruhigt mich: gleich wird es aufhören und der Rest des Tages wieder sonnig bei höchstens 27 Grad. Während Achim noch neben mir schnorchelt, schlüpfe ich in meinen Badeanzug. Um acht gibt es Brötchen, da bleibt noch Zeit, eine große Runde im See zu schwimmen.

Wir folgen für weitere 40 Kilometer dem Lauf des Lech, meistens durch den angenehm kühlen Auwald. In Ellgau finden wir einen Fahrradladen, in dem Achim neue Clicks für seine Radschuhe bekommt. Er hat unterwegs zwei Schrauben verloren. Beim Edeka füllen wir unsere Vorräte auf: Kaffee, Margarine, Schinken. Wir müssen jeden Tag aufs neue einkaufen, weil nicht zu viel in unsere Gepäcktaschen passt. Fürs Abendessen suchen wir uns kleine Steaks und Tomatensalat aus. Wozu habe ich schließlich die kleine Pfanne eingepackt?

Unseren Campingplatz erreichen wir schon um zwei und als erstes trocknen wir unser Zelt. Kaffee kochen, Schwimmen gehen (ja, wir haben schon wieder einen Platz am See) und dann schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren nach Donauwörth.

Die Touristeninfo versorgt uns mit einem Faltblatt über einen kleinen historischen Spaziergang und so laufen wir vom Rathaus über die Reichsstraße („eine der schönsten Straßen Süddeutschlands“) zum Münster „Zu unserer lieben Frau“. Auf der Orgelempore studiert der Kirchenchor gerade eine Messe ein. Ob sie von Egk ist, dem berühmten Komponisten, der nicht nur in jedem zweiten Kreuzworträtsel vorkommt sondern auch aus Donauwörth stammt?

Nach eineinhalb Stunden Stadtbummel gibt es noch ein Eis, dann radeln wir zurück. Ehe wir unsere Steaks braten, gibt es noch ein kleines Backgammonmatch. Auf dem Bild davor sieht es so aus, als ob ich schon wüsste, wer gewinnt.

Auf dem Lechradweg

Der Lechradweg führt uns ins hübsche Landsberg. Kurz bummeln wir durch das mittelalterliche Städtchen, dann zieht es uns wieder an den Fluss. Wir können uns heute viel Zeit lassen. 60 Kilometer liegen vor uns, allermeist völlig eben und bei angenehmen Temperaturen.

Wir trödeln durch die Gegend, halten oft an, um Fotos zu machen, setzen uns auf eine Bank, um Fischer und Vögel zu beobachten.

Meistens führt der Radweg direkt am Wasser entlang, manchmal müssen wir das Ufer verlassen, weil ein Kraftwerk oder eine Halbinsel zu umfahren sind. Dann gleiten wir durch Wiesen und Felder. Gestern wäre das sehr strapaziös gewesen, weil es hier nur wenig Schatten gibt.

Später gibt es dann natürlich das inzwischen schon obligatorische Picknick am Fluss, bei dem wir von blauen Jungfern regelrecht umschwärmt werden. Dabei wird rege für den Nachwuchs gesorgt und mein lieber Mann verblüfft mich einmal mehr mit Spezialwissen.

„Die perfekte Haltung beim Paarungsakt ist die Herzform“, sagt er. Und es scheint tatsächlich so zu sein. Etliche Pärchen haben sich so arrangiert, dass sie herzförmig aneinander kleben.

Nach dem kleinen Exkurs in Biologie erreichen wir bald Augsburg. Die Stadt lassen wir heute mal links liegen. Wir waren schon oft hier. Unser Sohn hat hier studiert. Schön, wie das Leben mit dem Fluss hier zum Alltag gehört. Es wird gegrillt und gejoggt, geradelt und geschwommen, Ball gespielt und Yoga gemacht.

Unser Campingplatz liegt ein wenig außerhalb der Stadt. Die Zeltwiese liegt am Badeteich. Mehr brauch ich nicht.

Ammer-Amper-Radweg

Unsere Kinder haben sich das Wohnmobil ausgeliehen. Also wechseln wir das Verkehrsmittel und steigen für eine Woche um aufs Rad. Auf den Gepäckträger kommt das Zelt, in die Taschen die Schlafsäcke und die Campingküche. Es ist erst zwei Jahre her, dass wir das letzte Mal im Zelt geschlafen haben, also sind wir optimistisch, dass es uns auch diesmal wieder Spaß machen wird.

Vor drei Tagen sind wir bei angenehmen 20 Grad in Neufahrn gestartet, der Ammer-Amper-Radweg ist bei Haimhausen schnell erreicht. Er bringt uns zu unserem ersten Campingplatz in Utting am Ammersee.

Das Thermometer bleibt bei unter 25 Grad, so dass die 70 Kilometer angenehm zu radeln sind. Nach dem Anlegebier bauen wir das Zelt auf, die Handgriffe sitzen noch erstaunlich gut. Der Campingkocher wärmt uns den mitgebrachten Linseneintopf, dann genießen wir die Abendstimmung am Ammersee.

Am nächsten Morgen springe ich als erstes ins Wasser. Ui, der See ist deutlich kälter als unserer daheim.

Nach dem Frühstück packen wir gemütlich zusammen. Wir können uns Zeit lassen, denn heute werden es nur etwa 50 Kilometer. Gegen Mittag erreichen wir das nächste Highlight: die Stoa 169. „Mitten im bayerischen Pfaffenwinkel befindet sich nahe am Flussufer der Ammer auf einer landwirtschaftlich genutzten Wiese unweit des Dorfes Polling eine offene Säulenhalle: die STOA169. Künstlerinnen und Künstler aller Kontinente wurden ausgewählt, je eine Säule zu gestalten. Gleich einem Archiv der zeitgenössischen Kunst tragen die Säulen das gemeinsame Dach der STOA169“, heißt es zur Erklärung auf der dortigen Website.

Initiator dieses Kunstwerks ist der deutsche Maler Bernd Zimmer, der sich von den Säulenhallen hinduistischer Tempel inspirieren ließ. Er sagt zu seinem Projekt: „Eine Halle, getragen von über hundert individuell gestalteten Säulen, geschaffen von Künstlerinnen und Künstlern aller Kontinente, wird zum Zeichen von Grenzenlosigkeit, friedlicher Koexistenz und der Achtung der Freiheit des Anderen.“

Von der Stoa radeln wir noch ein halbes Stündchen, bis wir einen schönen Picknickplatz an der Ammer finden.

Unser Campingplatz am Abend begeistert uns in mehrfacher Hinsicht: Beim Einchecken bekommen wir aus einer Werbeaktion zwei Bier und eine Flasche Rübenkraut geschenkt, es gibt einen Badeteich, eine Tischtennisplatte, für die wir an der Rezeption Schläger und Bälle bekommen und einen Kicker, auch umsonst. Uns wird nicht langweilig an diesem Abend.

Am nächsten Morgen, unserem dritten Tag, brechen wir früh auf, 33 Grad werden erwartet. Weiter geht es auf dem Ammer-Amper-Radweg und nach etwa 25 Kilometern erreichen wir bei Schongau den Lech. Ihm wollen wir die nächsten beiden Tage nach Norden bis Donauwörth folgen.

Wir entdecken einen Hinweis auf einen Badestrand. Raus aus den Klamotten, rein ins kühle Nass, so kann man die Hitze ertragen. Noch ein kurzes Mittagsschläfchen im Schatten, dann sind wir fit für die zweite Hälfte unserer Tour.

Und wie froh bin ich über mein E-Bike. Denn es ist mittlerweile nicht nur furchtbar heiß sondern wird auch zunehmend hügelig. Rauf, runter, Achim muss ab und zu auch mal schieben und immer mal wieder liegt ein Baum im Weg, ein Überbleibsel vom Sturm vor ein paar Tagen.

Verschwitzt und müde erreichen wir gegen sechs den Campingplatz bei Landsberg. Heute gibt es leider keinen See, aber eine Dusche und Couscous mit Gemüse aus der Campingküche. Nach Sonnenuntergang wird es angenehm frisch und nach und nach zeigen sich die Sterne am Himmel.

Von Gien nach Reims

Gien ist schnell erreicht: 150 Kilometer über die A 20 und die D 940 nach Nordosten. Hier sind wir auf der Hinfahrt vorbeigekommen und Achim war so begeistert von der Stadtansicht. „Da muss ich noch mal hin!“ Damit die Liste der Orte, zu denen er noch mal hin muss, nicht allzu lang wird, fahren wir heute dorthin.

Das Wetter ist leider bescheiden, grau und 7 Grad, und zu allem Überfluss regnet es. Sehr. Dennoch suchen wir am Ufer der Loire die geeignete Stelle für ein Foto. Kann man inmitten der verschiedenen Grautöne die Stadt erkennen?

Auf eine weitere Besichtigung verzichten wir. Zu nass, zu kalt. Also bleibt Gien doch auf dem Zettel. Wir fahren weiter. Aber noch nicht direkt nach Reims sondern zur Kaffeepause nach Montbouy, wo wir vor 53 Tagen bereits auf der Hinfahrt so idyllisch am Kanal genächtigt haben.

Aber dann. Auf nach Reims. 250 Kilometer. Auch diese Stadt ist Neuland für mich. Bilder der berühmten Kathedrale habe ich schon oft gesehen. Nun stehe ich davor und lege den Kopf in den Nacken, um sie in ihrer majestätischen Größe zu erfassen.

Wir bummeln noch ein wenig durch die Stadt und können dann tatsächlich die Abendsonne im Straßencafé genießen.

In zwei Tagen werden wir zuhause sein. Damit endet eine fantastische Reise. Ich habe große Lust, im nächsten Frühjahr nach Marokko zurückzukehren. Es gibt ein paar Orte, an denen ich noch einmal sein möchte und viele, die ich entdecken möchte.

Unsere nächsten Reiseziele für dieses Jahr stehen noch nicht fest. Wer diesen Blog abonniert, wird sie nicht verpassen.

In der Sixtinischen Kapelle der Vorgeschichte

Auch die Heimfahrt braucht den einen oder anderen Höhepunkt. Der Besuch der Höhle von Lascaux ist zweifellos ein solcher. Immer schon möchte ich hierher. Nun sind wir tatsächlich da

Diese vier jungen Männer haben am 12. September 1940 den Eingang zur Höhle in einem Waldstück beim südfranzösischen Dorf Montignac entdeckt. Einer der Freunde war am Vortag per Zufall beim Spaziergang mit seinem Hund auf das Loch im Fels gestoßen. Ihm war klar, dass er die Erkundung nicht allein durchführen konnte. Am nächsten Tag kamen sie zu viert zurück und stiegen gemeinsam in die Höhle hinab. Dass sie damit einen Sensationsfund gemacht hatten, war schon nach kurzer Zeit klar: sie waren auf die besterhaltenenen prähistorischen Malereien Europas gestoßen.

Führende Archäologen begannen bereits zwei Wochen nach dem Fund mit ersten Untersuchungen und datierten die üppigen Malereien, mit denen die Höhle ausgestattet war, auf die Jungsteinzeit, mindestens 15 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Wer wie wir heute Lascaux 4 betritt, betritt leider nicht mehr die Originalhöhle sondern ein Museum, in dem die Höhle mit modernster Technik nachgebaut wurde. Hierfür wurde das Original in seiner Oberflächenstruktur millimetergenau dreidimensional als etwa zwei Zentimeter dicke Schale nachgebildet und farblich an das Original angepasst. Entsprechend der Original-Höhle wird die Raumtemperatur auf 14 °C gehalten – und es fühlt sich auch wirklich so an als sei man in einer Höhle. Verantwortlich zeichnet für dieses Projekt das norwegische Architekturbüro Snøhetta.

Begeistert sind Wissenschaftler und Besucher davon, dass die Malereien auch nach schätzungsweise 17 000 Jahren so gut erhalten sind. Dass die verwendeten Farben in ihrer Intensität so gut wie nichts verloren haben. Dass die Künstlerinnen oder Künstler mit großem Können gearbeitet haben. Manchmal wird deshalb die Höhle von Lascaux als „Sixtinische Kapelle der Vorgeschichte“ bezeichnet.

Um die Bilder nicht zu gefährden, wurde die Höhle 1968 für die Allgemeinheit geschlossen. Millionen von Menschen hatten das Raumklima so verändert, dass Schimmel entstanden war. Gleich nebenan wurde eine Kopie errichtet, eine Höhle, die man auch heute noch besuchen kann. Sie wurde 1983 eröffnet.

2016 wurde Lascaux 4 eröffnet. Hier ist die Originalhöhle samt aller Zeichnungen und Ritzungen nach höchstem wissenschaftlichem und technischem Standard nachgebildet. Außerdem gibt es das sogenannte Atelier, in dem Details reproduziert und eingehend erläutert werden.

Nach der Besichtigung fahren wir noch 200 Kilometer weiter nach Norden. Es regnet, wie gestern schon, in Strömen. „Weißt Du, was gut ist?“, fragt Achim. „Dass wir kein Zelt aufbauen müssen“.

Auch in Spanien gibt es Wüste

Medinaceli thront in tausend Metern Höhe auf einem Hügel gekrönt von einem Triumphbogen und einer Burg. Der alte Kern des Dorfes stammt aus dem Mittelalter, alles ist schön renoviert und dem Ensemble anegepasst. Zu unserem Glück bietet die Gemeinde einen großen Wohnmobilstellplatz mit schöner Aussicht an.

Nach unserem Familientreffen bei Cordoba sind wir gegen Mittag gestartet, mehr oder weniger in einem Schwupp 500 Kilometer nach Nordosten gefahren und hier gelandet. In der Früh machen wir einen Spaziergang durchs Dorf, dann geht es 170 Kilometer weiter in östliche Richtung.

Auf unserem Zettel stehen die Bardenas Reales, eine Halbwüste 80 Kilometer südlich von Pamplona in der Provinz Navarra. Hier hat die Natur etwas sehr Besonderes entstehen lassen. Auf einer Fläche von 400 Quadratkilometern reihen sich außergewöhnliche Bergformationen aneinander, die teils an den Grand Canyon, teils an Kappadokien denken lassen. Auf einer 40 Kilometer langen Staubpiste gondeln wir hier ein paar Stunden rum, entdecken Geier, gehen spazieren und machen eine Menge Fotos.

Auch hier gibt es einen schönen Stellplatz für uns. Vor uns Höhlenwohnungen, die vor langer Zeit aus dem weichen Sandstein herausgearbeitet wurden und noch bis in die 60er Jahre bewohnt waren. Natürlich klettern wir hinein. Sieht sehr wohnlich aus. Bis zu unserem Zuhause sind es noch 1700 Kilometer – oder 50 Meter.

Bei der Jungfrau der Berge

Als ich am Morgen wegen der angekündigten 30 Grad in kurze Hose und ärmelloses Hemd schlüpfe, freue ich mich, dass dies in Europa möglich ist. So eine legere Kleiderordnung habe ich in Marokko manchmal vermisst. Auch dass ich meinem Liebsten nun auf offener Straße ein Bussi geben oder mit ihm Hand in Hand laufen kann, finde ich prima. Und, ja, ich gebe es zu: ich mag es auch, unkompliziert Alkohol einzukaufen. Aber so ist das nun mal, wenn man eine Reise macht: manches an dem neuen Umfeld findet man viel besser als zu Hause, manches nicht. Außerdem ist es schön, wenn es zuhause was zum Freuen gibt.

Unser heutiges Etappenziel ist ein Campingplatz nördlich von Cordoba. Hier treffen wir uns mit Achims Schwester Ulrike und ihrem Lebensgefährten Rolf aus Berlin. Das hat schon fast Tradition. Letztes Jahr um diese Zeit haben wir uns im Ebrodelta getroffen.

Vorher planen wir noch einen Abstecher zu den Megalithgräbern bei Antequera, aber als wir dort ankommen, ist alles geschlossen. Seltsam. Es gibt keinen Hinweis auf Öffnungszeiten und wir fahren schulterzuckend weiter.

Der zweite Abstecher führt uns tausend Meter hoch zur Ermita Virgen della Sierra, der Jungfrau der Berge. Laut Internet liegt dieses kleine Kloster auf einem der besten Aussichtspunkte Andalusiens, aber leider ist es heute so diesig, dass es mit Aussicht nicht weit her ist. Ob sich der Umweg und die enge steile Auffahrt dann lohnen? Keine Ahnung, aber die bekommen wir nur, wenn wir es machen. Also los.

Die Auffahrt ist kein Problem, das Kloster ganz nett, die Aussicht eher bescheiden, aber der Picknickplatz, der frisch aufgebrühte Kaffee und die mit Schinken, Ei und Tomate belegten (noch aus Marokko stammenden) Croissants sind wunderbar.

Entspannt und hochzufrieden fahren wir noch hundert Kilometer bis Cordoba. Diese interessante Stadt haben wir letztes Jahr schon besichtigt. Diesmal fahren wir dran vorbei direkt zum Camping in Villafranca de Cordoba.

Dieser hat zu meiner Überraschung und Freude einen Pool und wir lagern erstmal ein, zwei Stündchen im Gras und erzählen von unseren jeweiligen Reisen.

Am Abend werfen wir zusammen, was die Bordküchen so hergeben. Wir haben noch leckeres Marokkanisches dabei. Merguez, Oliven und Datteln, die Nachbarn steuern Pasta und Pesto bei.

Bessalama, Au Revoir!

Nach einem entspannten Tag voller Nichtstun am Meer sind wir bereit, Marokko zu verlassen. Unsere Zeit ist um. Nach fast zwei Monaten wollen wir nach Hause. Familie, Freunde und ein gemütliches Zuhause warten auf uns. Wie immer am Ende einer längeren Reise halten sich Wehmut und Vorfreude die Waage.

Wir genießen noch das Ostersonntagfrühstück bei Ahmed am Strand. Am Abend zuvor habe ich zwei Eier angemalt, die köstlichen marzipangefüllten Gazellenhörnchen sind ein perfekter Schokoeierersatz und die Blümchen vom Strand sehen wunderschön aus auf unserem Frühstückstisch.

Dann nehmen wir die letzten Kilometer Richtung Fähre unter die Räder. Vorher hauen wir im Carrefour in Martil noch unsere letzten 1500 Dirham (150 Euro) auf den Kopf. Wir haben vor ein paar Tagen 200 Euro geholt, das war offensichtlich zu viel für die verbleibende Zeit. Gazellenhörnchen, Walnüsse, Käse, Schinken …

Danach durchqueren wir Badeorte, die nahezu mondän anmuten. Palmengesäumten Avenuen, elegante Hotels, große Wohnanlagen, die sicherlich zum großen Teil von Wochenend- und Sommergästen genutzt werden. Dann kommt Ceuta in Sicht, die spanische Enklave in Marokko.

Die Grenzabfertigung inklusive Kontrolle des Wohnmobils von innen dauert alles in allem eine Stunde und verläuft höflich und entspannt. „Bon voyage! Gute Reise!“

Wir fahren direkt weiter zum Hafen, checken ein und können gleich die nächste Fähre nehmen – allerdings muss Achim wieder rückwärts hochfahren. Für ihn wieder kein Problem, ich traue mir das nach wie vor nicht zu.

Dann sind wir an Bord, begießen das Ereignis mit einem kleinen Bier und schon eine Stunde später sehen wir den Felsen von Gibraltar.

Wenige Minuten nach dem Anlanden stehen wir schon am Yachthafen von Algeciras, wo wir vor beinahe sechs Wochen aufgeregt der Marokkoreise entgegen sahen. Es ist alles viel besser geworden als erhofft. Die Vielfalt der Landschaft sei als erstes benannt: die Atlantikküste, die Stein- und Sandwüsten, die Mittel- und Hochgebirge. Bevölkert von freundlichen Menschen, bei denen man sich willkommen geheißen und sicher fühlen kann. Wir sind übrigens kein einziges Mal von der Polizei kontrolliert worden. Einige Kinder in den Bergdörfern haben gebettelt, aggressiv waren sie dabei nicht. Manchmal war es nicht einfach zu erkennen, ob jemand einfach nur nett sein wollte oder eine Gegenleistung erwartete, ohne dies vorher zu sagen. Das ist aber sehr selten passiert.

Wir fahren jetzt gemütlich durch Spanien und Frankreich nach Hause und ich denke mir im Stillen: „In einer guten Woche kann man Marokko gut wieder erreichen.“ Vielleicht schon nächstes Jahr?

32. Stopp: Am Mittelmeer in Oued Laou

Mangels Brot fällt unser Frühstück etwas mager aus. Im Ramadan gibt es selbst in einer großen Stadt wie Chefchaouen keine Bäcker, die am frühen Morgen etwas verkaufen. Ich laufe etwa 20 Minuten durch verschiedene Straßen, aber alles ist zu.

Umso früher sind wir unterwegs, einmal quer durchs Land dem Fluss Laou nach Nordosten folgen. Gewellte Berge, ein Flussbett,eine Schlucht.

Dann sind wir am Mittelmeer. Das letzte Mal war ich im vergangenen Sommer mit meiner inzwischen verstorbenen Freundin Bruni am Mittelmeer. Das war in Caorle, Italien. Sie hätte es hier genauso geliebt wie ich. Wir stehen direkt am Strand auf dem kleinen Camp von Ahmed neben dem Fischereihafen in Oued Laou, der einen für 40 Dirham (4 Euro) campieren lässt. Wundervoll. Es gibt außer einem blitzblanken Stehclo und Trinkwasser, das mit einem Eimer aus dem Brunnen gezogen wird, keine Facilities, aber die brauchen wir auch nicht.

Zur Feier des Tages, schließlich steht Ostern vor der Tür, backe ich mal wieder einen Apfelkuchen mit Aussicht.

Später laufen wir in den Ort, zunächst am Strand entlang, dann über die Straße. Dieser Teil der 10 000 Einwohner großen Kleinstadt wirkt trotz (oder wegen?) der hohen Häuser ohne Passanten eher unbelebt. Immer wieder schön sind alle paar Meter die schmalen Gassen, die zum Strand hinunter führen. 

Nach einer Viertelstunde haben wir den Soukh erreicht und hier tobt das Leben. Da sich unsere Zeit in Marokko dem Ende zuneigt, wechseln größere Mengen Datteln und Oliven den Besitzer. Und wegen der kommenden Feiertage (die natürlich in Marokko keine sind) verwöhnen wir uns noch mit ein paar weiteren Leckereien fürs Osterfrühstück.

Zum Sonnenuntergang teilen wir uns unsere vorletzte Dose Bier. Bei der Aussicht brauchen wir nicht mehr.