Es sind nur 70 Kilometer bis zu unserem neuen Stellplatz. Die schaffen wir mit unserem Bus in einer guten Stunde. Turquant liegt ein Stück östlich von Saumur direkt an der Loire.
Uns zieht es als Erstes ins sechs Kilometer entfernte Fontevraud. Hier steht eine der größten erhaltenen Klosteranlagen Europas. Gegründet im Jahr 1101 als Doppelkloster, das von einer Äbtissin geleitet wurde, später, unter Napoleon, ein berüchtigtes Gefängnis, blickt die Abtei auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Wer mit dem Rad kommt, zahlt übrigens zwei Euro weniger Eintritt (11 statt 13. Spoiler: die sind es so was von wert!).

In der Stille der Abteikirche findet man die weltberühmten Liegefiguren von Eleonore von Aquitanien und ihrem Sohn Richard Löwenherz – Legenden der europäischen Geschichte.

Aber nicht nur das. Auch eine Playmobilausstellung ist in der Abteikirche zu bestaunen, genauso wie moderne Kunst.

Faszinierend auch die romanische Küche, in der für die Nonnen und Mönche gekocht wurde.

In der Abtei Fontevraud werden Geschichte und Gegenwart kunstvoll verwoben. Regelmäßig finden hier Ausstellungen statt. Gerade heute wurde „Le Mur invisible“ von Sarah Jérôme eröffnet. Die Künstlerin hat während ihrer Residenz vor Ort faszinierende Bilder inspiriert von Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ geschaffen. Haushofers Roman erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer Jagdhütte in den Alpen plötzlich durch eine unsichtbare, unüberwindbare Wand von der restlichen Zivilisation abgeschnitten wird. Sarah Jérôme greift diese Motive von Isolation, Natur, dem Rückzug ins Innere und dem Überlebenskampf künstlerisch auf.



Das 2021 eröffnete Musée d’Art moderne (mit Werken von Degas, Toulouse-Lautrec und Corot) bereitet gerade die nächste große Schau vor und hat deshalb zurzeit leider geschlossen.
Also radeln wir zurück und schauen uns ein wenig dort um, wo wir die nächsten Nächte verbringen werden.
Die Region ist berühmt für das größte unterirdische Höhlennetzwerk Europas. Der Grund? Jahrhundertelang wurde hier der strahlend weiße Tuffstein abgebaut, aus dem die prachtvollen Loireschlösser errichtet wurden. Zurück blieben kilometerlange Tunnel und Höhlen, die die Einheimischen kurzerhand in ein einzigartiges Wohn- und Arbeitsreich verwandelten.

Mitten in den steilen Felswänden haben lokale Künstler und Handwerker ihre Heimat gefunden. In den liebevoll restaurierten Höhlen des Village des Métiers d’Art kannst du Bildhauern, Töpfern, Schmuckdesignern und Glasbläsern direkt bei der Arbeit über die Schulter schauen – aber wahrscheinlich nur in der Touristensaison. Heute ist alles geschlossen.

Ein absolutes Must-See (und Must-Taste) ist das Museum Les Pommes Tapées du Val de Loire. Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte die Reblaus die Weinberge, weshalb die Bauern erfinderisch werden mussten. Sie trockneten Äpfel in riesigen Höhlenöfen und klopften sie flach. Weil sie dadurch extrem lange haltbar waren, wurden sie zu einer begehrten Nahrung für Seefahrer.


Wie angeboten probieren wir die Äpfel vor Ort – heute werden sie traditionell in warmem Saumur-Champigny-Wein rehydriert. Ein unerwartet genialer Geschmack!
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