Von einer Münchner Freundin wärmstens empfohlen: La Rochelle, la ville blanche, die weiße Stadt. Sie ist nur 60 Kilometer von uns entfernt und nach einer Stunde stellen wir die Busse auf einem Stellplatz am neuen Hafen ab. Die Räder runter vom Bus und ab zur Stadtbesichtigung.
Unsere Tour beginnt mitten im lebendigen Herzen der Altstadt, in den historischen Markthallen (Marché Central) aus dem 19. Jahrhundert. Leider ist es schon kurz vor halb zwei und viele Stände werden gerade geschlossen. Wir laufen trotzdem durch und lassen uns vom Duft frischer Backwaren, regionaler Käsesorten und fangfrischem Fisch treiben. Eine Spezialität ergattere ich zum Glück noch: den Tourteau Fromager, einen traditionellen Ziegenfrischkäsekuchen mit typisch schwarzer Kruste.

Drei Kilometer lang sind die Arkaden der Altstadt, die zum Bummeln bei jedem Wetter einladen. Sie führen auch zum Hôtel de Ville. Mit seinen Zinnen und Türmen wirkt das Rathaus wie eine Ritterburg und gehört zu den ältesten Sitzen der Stadtväter in Frankreich. Gestern haben hier noch die Schüler demonstriert, heute sind vor allem die Touristen hier.

Die rosa Schirme stehen für den „Rosa Oktober“ und setzen ein Zeichen für eine weltweite Präventions- und Sensibilisierungskampagne gegen Brustkrebs.
Wir schieben die Räder hinunter zum Vieux Port, zum Alten Hafen. Die Hafeneinfahrt wird von den drei berühmten mittelalterlichen Türmen bewacht, die das Wahrzeichen der Stadt sind: Tour Saint-Nicolas und Tour de la Chaîne. Diese beiden Wächter flankieren den Hafeneingang. Früher wurde nachts eine massive Kette zwischen ihnen gespannt, um den Hafen vor feindlichen Schiffen zu schließen.

La Rochelle wird oft als die „weiße Stadt“ (la ville blanche) bezeichnet, weil ihre historischen Fassaden aus hellem Kalkstein gebaut sind, die im hellen Licht des Atlantiks besonders weiß und leuchtend wirken und der Stadt ihren charakteristischen, hellen Glanz verleihen.

Frische Seeluft macht hungrig. Zum Mittagessen zieht es uns ins eins der vielen kleinen Restaurants an der Mole zu Moules et frites, Muscheln und Pommes frites. Ich esse eine klassische Mouclade Charentaise, Miesmuscheln in einer cremigen Soße aus Weißwein, Schalotten und einem Hauch Curry. Achim versorgt sich nebenan in der Bäckerei. Es ist sonnig und so warm, dass wir die Jacken ausziehen.

La Rochelle gilt als Pionierstadt in Sachen Umweltschutz (mit dem ehrgeizigen Ziel, bis 2040 komplett klimaneutral zu sein). Das nutzen wir aus. Am Alten Hafen steigen wir in den „Bus de Mer“, eine kleine, rein solarbetriebene Elektro-Fähre, die uns für drei Euro quer durch das Hafenbecken zum Yachthafen Port des Minimes bringt.

Es ist der größte Europas mit Platz für über 5000 Boote. Auch jetzt liegen hier tausende Segelboote aus aller Welt vor Anker.

Zurück spazieren wir entlang des Hafenbeckens in einer knappen Stunde zu Fuß und landen im farbenfrohen Viertel Le Gabut. Das ehemalige Fischereiviertel mit seinen skandinavisch anmutenden Holzhäusern hat sich in eine lebendige Oase für Street-Art, alternative Kultur und Pop-up-Bars verwandelt.

Hier lässt es sich wunderbar mit einem Pineau des Charentes, einem regionalen Likörwein, in den Abend gleiten.

