Schlagwort-Archive: Médoc

Meerwind und Pinien: im Norden des Médoc

Die Halbinsel Médoc ist eine Region der Superlative: im Norden begrenzt von einer der breitesten europäischen Flussmündungen, im Westen die längsten Sandstrände, in der Mitte die größten Pinienwälder und im Osten die edelsten Weine.

Und wir standen heute Nacht definitiv am bisher schönsten Platz unserer diesjährigen Frankreichreise. Wer näher am Wasser steht, kriegt nasse Füße.

Beeindruckend sind gleich zu Beginn unserer heutigen Radtour die gigantischen Brandschneisen im Wald. Die furchtbaren Waldbrände im Sommer waren südlich von uns in der Gegend des Arcachonbeckens. Hier oben im Norden des Médoc ist zum Glück nichts passiert. Die Schneisen werden teilweise als Radwege genutzt. Was für eine wunderbare Idee.

Unsere heutige Zickzacktour führt vom Atlantik durch den Wald Richtung Ostküste. Eine unspektakuläre Tour mit kleinen Überraschungen: die Mühle in Vensac aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kirche in Saint Vivien mit dem romanischen Kirchenschiff und dem Kirchturm aus den 50er Jahren.

Ganz dort in der Nähe ein kleiner Hafen, unverhofft, an einem Kanal, der zur Gironde führt. Dies ist, wie La Rochelle auch, einer der Orte, zu denen ich noch einmal wiederkommen möchte. Im Sommer. Dann gäbe es hier ein Café und ein kleines Bistro direkt am Wasser. Sicherlich auch Fischer und Müßiggänger. Jetzt sind wir Vier alleine hier, besteigen den kleinen Aussichtsturm und begnügen uns mit einem Apfel. Und einem Keks.

Das Kurioseste unserer Tour sehen wir kurz vor dem Ziel. Wir radeln gemütlich über einen Damm, der uns durch die Marsch zurück nach Soulac führt, als wir rechts und links große Teiche voller Vögel sehen: ein Storch, ein Graureiher, ein paar Enten. Wir packen die Ferngläser aus. „Was sind denn die schwarzen dahinten für welche?“, fragt Dorothee. „Und die grünen hier vorn?“ Oh, die grünen Vögel hier vorn schauen toll aus. „Guck mal, was der für einen großen gelben Schnabel hat!“ Achim kommt dazu, er hat es schon erkannt: fast alle Vögel hier sind unecht! Wie bitte? Des Rätsels Lösung kennen eine einheimische Spaziergängerin und das Internet: Die Attrappen sind künstliche Lockvögel für die traditionelle Entenjagd. Unfassbar. Ich sag ja immer: Reisen bildet. Der Storch und der Reiher waren übrigens echt.

Zurück am Stellplatz kochen wir uns noch einen Kaffee, genießen noch einmal den Atlantik und fahren dann hinüber auf die Ostseite, Richtung Wein. Auf dem Weg dorthin wabert schon der Nebel hoch und der Vollmond geht auf.