Heute sind die Westküste und der Süden der Insel dran. Vor allem wollen wir mit dem Rad zur Passage du Gois, der berühmten Gezeitenstraße. Das entscheidende Niedrigwasser am Nachmittag steht um 15.47 Uhr an. Die Passage du Gois sowie das umgebende Wattenmeer sind heute also grob zwischen 14.45 Uhr und 16.45 Uhr optimal trocken und passierbar. Wenn wir am späten Vormittag gemütlich am Campingplatz im Norden starten, rollen wir nach der Fahrt entlang der Westküste genau zur richtigen Zeit im Süden an, um das freigelegte Spektakel und die Muschelsammler live zu erleben.

Der Wind weht nach wie vor kräftig, für uns aber aus der richtigen Richtung. Mit dem Nordwind im Rücken sausen wir flugs an den langen Dünenstränden der Westküste vorbei, passieren die Marais Salants (die Salzwiesen, auf denen das Fleur de Sel gewonnen wird), den modernen Jachthafen Port de Morin und fahren weiter durch den schattigen Küstenwald Bois des Eloux.

Der Weg führt uns in den tiefen Süden der Insel nach Barbâtre, dem schmalsten Teil von Noirmoutier. Hier trinken wir noch einen Kaffee, ehe wir die Passage du Gois ansteuern. Die Straße ist bereits frei, als wir ankommen, und etliche Schaulustige sind zu Fuß, per Rad oder Auto unterwegs. Der Wind ist jetzt äußerst ruppig und die Straße schmierig vom nassen Sand und vom Salz. Es kostet Kraft, die Räder in der Balance zu halten, weil der Wind in Böen von der Seite kommt. Ich muss mich konzentrieren, um nicht von der Straße ins Watt zu rutschen. Der Spaßfaktor ist geringer als erwartet und wir beschließen nach ein, zwei Kilometern, umzukehren.

Sonntags scheinen die professionellen Muschelsammler nicht unterwegs zu sein, wohl aber viele Familien, die sich fürs Abendessen eindecken.


Wir schauen dem Treiben noch ein bisschen zu und fahren dann auf der Ostseite der Insel direkt an den Deichen und riesigen Salzwiesen entlang wieder nach Norden.


Im Austernhafen direkt bei den bunten Fischerhütten lege ich eine Gedenkminute für meine Freundinnen und Freunde ein, die diese Tierchen so gerne schlürfen. Hier werden sie direkt vom Erzeuger verkauft, frischer geht es nicht. Ein Schlaraffenland für Austernfans.


Für uns ist das leider nichts, deshalb treten wir in die Pedale und sind nach 60 Kilometern Inselrunde pünktlich zum Sonnenuntergang wieder zuhause. Morgen werden wir die Insel verlassen (über die Brücke, Ebbe ist uns zu spät) und ein Stück weiter südlich ins „Grüne Venedig“ fahren. Wir sind gespannt.

