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An die Loire

Auch unser zweites Frühstück in Frankreich muss leider ohne Baguette stattfinden. Obwohl ich es gestern vorbestellt hatte. Aber heute hat der Lieferant Verspätung. „Viertel nach neun, Madame!“ Jetzt ist es aber erst halb und so werden wir das Baguette für mittags aufheben und jetzt wieder das Brot essen, das wir an Bord haben.

Um kurz nach Zehn sind wir startklar. Auf gut ausgebauten ruhigen Landstraßen geht es südwärts durch den Naturpark Forêt d’Orient, der sich durch eine besondere Kombination aus tiefen Eichenwäldern, Feuchtwiesen und drei riesigen Stauseen auszeichnet. Er bietet ein geschütztes Refugium für Zugvögel. Ob „unsere“ Kraniche gestern Abend wohl hier waren?

Das Kleinstädtchen Bar-sur-Seine wird schon einige Kilometer vorher als petite cité de caractère, kleine Stadt mit Charakter, angekündigt.

Es schmiegt sich an die Seine und glänzt mit alten Fachwerkhäusern und der Kirche Saint-Étienne aus dem 16. Jahrhundert. Ideal für einen ersten Café au lait.

Wenn wir hier so gemächlich durch die Lande zockeln, sind die Ortsdurchfahrten immer ein Highlight: enge Straßen, viele alte Häuser aus Fachwerk oder Natursteinen, die Fassaden von Fensterläden aus verwittertem Holz strukturiert. Wir erhaschen einen Blick auf die stattlichen Rathäuser, kleine Plätze und Kirchen, über deren Größe wir oft staunen.

Als nächstes schauen wir uns das Dorf  Saint-Florentin genauer an. Hier treffen der Canal de Bourgogne und der Fluss Armance zusammen. Ein Highlight ist der idyllische, sehr gut besuchte Yachthafen. Wir kochen uns einen Kaffee und beobachten das Treiben.

Auf einem Hügel über uns thront eine weitere alte, sehr große Kirche.

Einen Zwischenstopp wollen wir noch in Clamecy einlegen, der Wiege der Flößerei am Canal du Nivernais. Die Geschichte der hiesigen Flößerei ist untrennbar mit dem Schicksal der Stadt Paris verbunden. Fast 400 Jahre lang war diese Region die wichtigste „Energiequelle“ der französischen Hauptstadt, indem sie die Pariser Bevölkerung mitten im eiskalten Winter mit lebenswichtigem Brennholz versorgte. Sehr spannend liest sich die Geschichte der Flößerei, die ein logistisches Meisterwerk war:

Im Winter schlugen Waldarbeiter das Holz. Jedes Scheit wurde an den Enden mit dem Stempel des Besitzers markiert. Im Frühjahr warfen die Flößer die Millionen losen Holzscheite in die Bäche. Künstliche Flutwellen – erzeugt durch das plötzliche Öffnen von Staudämmen – rissen das Holz flussabwärts.

Im Frühjahr kamen die Millionen Holzscheite in Clamecy an. Sogenannte „Wasserratten“ fischten das Holz unter extremen Anstrengungen aus dem Fluss, sortierten es nach den Stempeln und stapelten es.

Dann band man die Scheite zu gigantischen, 75 Meter langen Holzflößen zusammen. Mutige Flößer steuerten diese riesigen Flöße zu zweit nur mit langen Stangen über die Yonne und Seine direkt bis ins Zentrum von Paris. Die Reise dauerte etwa zehn bis 12 Tage. In Paris angekommen, wurde das Floß komplett zerlegt und das Holz verkauft. Die Flößer liefen den gesamten Weg zurück nach Burgund zu Fuß.

Mit diesen Statuen am Fluss wird der 400 Jahre währenden Geschichte der Flößerei gedacht. Wir bummeln noch etwas durch das mittelalterliche Städtchen. Viel ist hier nicht los, aber die engen Gassen und alten Häuser gefallen uns sehr.

Nun wird es Zeit, unser Tagesziel anzusteuern: Marseilles-lès-Aubigny an der Loire. Hier soll es einen sehr schönen Stellplatz am Ufer geben. Hoffen wir, dass noch ein Plätzchen für uns frei ist. Ankunft laut Navi 20 Uhr. Mit dem letzten Tageslicht ergattern wir den letzten Platz. Morgen bleibt das Auto stehen und es werden nur die Fahrräder benutzt.