Heute lassen wir die Räder mal stehen und schlüpfen in die Wanderschuhe.
Zum einen haben wir kürzlich festgestellt, dass wir ziemlich aus der Form sind, was das Wandern angeht und beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen.
Zum anderen sind wir mitten im Wald von Sologne, dem Herzstück einer der waldreichsten Regionen Frankreichs. Gelegen in der Region Centre-Val de Loire, südlich der Loire-Schlösser, erstreckt sich diese riesige, unberührte Naturlandschaft über rund 500.000 Hektar. Sie gilt als das größte kontinentale Feuchtgebiet Europas und besticht durch ein dichtes Mosaik aus majestätischen Wäldern, Heideflächen und weit über 3.000 idyllischen Teichen.
Komoot schlägt uns eine 15 Kilometer lange Runde vor, die hier um die Ecke startet. Heute stören uns die Temposchwellen mal nicht.

Bald erreichen wir den Wald voller Eichen und Birken. Wir halten Ausschau nach Hirschen und Wildschweinen (gestern ist uns eines fast vors Fahrrad gelaufen), doch das einzige größere Tier, das wir treffen, ist dieser kleine Hund, der uns so lange begleitet, dass ich mir schon Sorgen mache, ob er wieder nach Hause findet.

Doch dann kommt uns ein Radfahrer entgegen, den er freudig bellend begleitet und somit wieder Richtung Heimat läuft. Wir gehen also ohne Hundebegleitung weiter, bleiben immer wieder stehen und erfahren durch Merlin, dass es Eichelhäher, Gartenbaumläufer, Kleiber und Bluthänfling sind, die in den Bäumen singen oder hüpfen.

Allein auf unserer Strecke kommen wir an zehn Teichen vorbei.

Nach sieben Kilometern picknicken wir an einem davon. Die Hälfte des Weges ist geschafft, Hüften, Knie und Füße tun nicht weh(er als üblich).

Kurz danach erreichen wir den kleinen Ort Fontaines-en-Sologne mit seiner schönen Kirche und einer wohlduftenden Patisserie. Die wird von Han betrieben, wie es draußen dran steht. Während wir in ihrem Hinterhof ihre leckeren Teilchen verspeisen, rätsele ich, was diese Frau, ich schätze sie auf um die 50, in dieses Dorf im Wald gebracht hat. Die Liebe? Im Weggehen sehen wir das Firmenschild “ Han et Pasquale“. Also tatsächlich. Ich frage mich, wie sich die beiden kennengelernt haben, male mir aus, dass Pasquale gestorben ist und Han vor der Entscheidung stand, nach Vietnam zurück zu gehen oder das Geschäft allein zu stemmen… (vorhin beim Einkaufen entschuldigte sie sich, dass sie nur den einen Tisch hat: „Ich bin allein, mehr schaffe ich nicht.“)

Weiter geht’s…

Als wir am Nachmittag wieder am Bus sind, wundern wir uns über die vielen PKW auf unserem Parkplatz. Etliche Leute haben sich nebenan auf dem Platz versammelt, immer mehr kommen hinzu und nehmen einen Corso aus Oldtimern in Empfang.

Während Achim sich das Spektakel anschaut und anschließend noch die Dorfkirche besichtigt, lege ich mich aufs Bett und lese und döse, bis mich ein leises Plätschern irritiert. Ich stehe auf und lausche und schaue… Was plätschert hier?? Der Wasserhahn in der Küche läuft! Das meiste ist ins Waschbecken, das leider mit dem Stöpsel verschlossen ist, gelaufen, ein Teil aber auch in die Schubladen und auf den Boden. Das bedeutet: alles ausräumen, alles trocken legen. Alles wieder einräumen.

Nach einer Stunde ist das Meiste geschafft und wir setzen uns auf den Schreck noch ein bisschen ins Grüne.

