Die Loire wird gern als Europas letzter wilder, noch nicht von Staustufen und Kanälen gebändigter Fluss beschrieben. Das stimmt so nicht ganz, denn gerade im Oberlauf gibt es ein paar Staustufen für die Stromerzeugung und der Loire-Seitenkanal begleitet den Fluss und hilft der Schifffahrt. Aber definitiv ist die Loire Frankreichs größter Strom. Im Jahr 2000 wurde sie zwischen Sully und Chalonnes wegen ihrer Schlösser, Weinberge und historischer Dörfer zum Weltkulturerbe erklärt.
An ihr entlang führt der Loire-Radweg, eine etwa 900 Kilometer lange und durchgehend ausgeschilderte Radroute, die von Nevers im Landesinneren bis nach Saint-Brevin-les-Pins an der Atlantikküste im Westen verläuft. Zumeist soll es flach sein und über gut ausgebaute und verkehrsberuhigte Wege gehen.
Heute wollen wir nach Nevers und zurück radeln, morgen in die andere Richtung. Danach fahren wir mit dem Bus ein Stück weiter und wiederholen das Ganze, so lange wir Lust dazu haben (oder wir am Atlantik angekommen sind).

Aber jetzt erst noch die Geschichte mit dem Baguette. Bekanntlich sind aller guten Dinge drei und so hat es heute, beim dritten morgendlichen Versuch, eines zum Frühstück zu erstehen, geklappt.
Nach dem Frühstück brechen wir auf nach Nevers. Wir radeln etwa zehn Kilometer über einen Damm durchs Grüne, bis wir das erste Mal an die Loire kommen, die hier trotz niedrigen Wasserstands majestätisch durch die Lande mäandert (O-Ton Achim: „Ja, ja, so ist das mit den Flussradwegen. Sie führen nicht immer am Fluss lang“.)

Ein paar Kilometer weiter bei Cuffy stoßen wir auf den Kilometerpunkt Null des Radwegs. Selfietime.


Nevers liegt nicht direkt am Radweg, soll aber einen Besuch wert sein. Als erstes stoßen wir auf den Intermarché und stocken hier unsere Vorräte auf. Dabei entdecken wir einen Brotaufstrich mit Spekulatiusgeschmack. Der muss mit. Ist ja schon wieder so weit.
Zwei Minuten später dann dieser herrliche Anblick:


Die Kathedrale von Nevers besitzt eine der größten Sammlungen zeitgenössischer Glasfenster in Europa. Nach der schweren Zerstörung durch Luftangriffe im Juli 1944 wurden rund 130 Fenster mit einer Fläche von über 1000 Quadratmetern von renommierten modernen Künstlerinnen und Künstlern neu gestaltet. Die Erneuerung erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte und fand ihren Abschluss im Jahr 2011.

Zum Kaffee gibt es Eclaire und Birnentarte, dann stellt Achim einen Rückweg zusammen, der uns durch die Loire-Auen direkt am Fluss entlang führt. Als offizieller Radweg ist die holprige Route, bei der wir auch ab und zu wegen tief hängender Zweige den Kopf einziehen müssen, nicht zu gebrauchen. Und es wird Gründe geben, warum diese Strecke nicht entsprechend hergerichtet wird. Uns macht sie aber großen Spaß.

Da wir morgen wieder radfahren wollen, muss ich meinen Akku aufladen. Das geht im Hafen von Marseille-les-Aubigny, der gleich neben unserem Stellplatz liegt. Hier gibt es ein tolles Angebot für Bootsfahrer, von der Waschmaschine über Duschen und Toiletten ist alles da. Und Steckdosen für meinen Akku.

Während der Ladezeit spielen wir eine Partie Tavla, aber unsere Gedanken schweifen immer wieder ab zu dem Drama, das sich vor unseren Augen abspielt: vor uns im Hafen liegen die Schiffe infolge einer schweren Dürrekrise und eines historischen Wassermangels im vergangenen Sommer seit Wochen auf dem Trockenen. Der Kanalabschnitt fiel im Laufe des Sommers 2026 trocken, was den Fluss- und Hausbootstourismus massiv beeinträchtigt. Die Schiffe und Mietboote der lokalen Anbieter können sich seitdem nicht mehr vom Fleck bewegen, da das Wasser fehlt. Das leere Hafenbecken legt Risse und den Grund frei, wodurch der Ort zum Symbol für die akute Wasserstraßenkrise in der Region Centre-Val de Loire wurde.

Sehr bitter für die Menschen hier.
Wir holen unsere Boule-Kugeln aus dem Bus und gehen rüber zum Boule-Platz. Eine ruhige und entspannende Abendbeschäftigung.

Entdecke mehr von Hin und weg
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
