Noch vor Sonnenaufgang mache ich mich auf die Suche nach einem Baguette. Da die Sonne hier erst um halb Neun aufgeht, ist das kein Kunststück. Baguette gibt es aber erst ab Neun. So lange will ich nicht warten und ein bisschen Notbrot haben wir ja noch. Wenig Brot bei viel Aussicht.

Laut Wetterbericht regnet es ab Mittag. Wir nützen deshalb den Vormittag, die Insel Noirmoutier mit dem Rad zu erkunden. Es gibt mehrere offizielle Tourenvorschläge. Die ideale Rundtour für uns nennt sich „Zwischen Stränden und Häfen“ (Entre plages et ports).
Wir fahren an der Nordküste entlang, vorbei an den Stränden von Le Vieil und den typischen weißen Fischerhäuschen.


Weiter geht es in den berühmten Steineichenwald Bois de la Chaise mit seinen historischen Strandvillen und dem bekannten Strand Plage des Dames. Mit seinen weißen, historischen Badehäuschen und dem hölzernen Steg versprüht der Strand puren Retro-Charme aus dem 19. Jahrhundert.


Von dort erreichen wir bald das historische Zentrum von Noirmoutier-en-l’Île mit seiner alten Burg.

Heute ist Markttag. Ob herzhaft oder süß, wir können nicht allen Verlockungen widerstehen.



Der Rückweg führt uns mitten durch das Herz der Insel: Die riesigen Marais Salants (Salzgärten) bedecken etwa ein Drittel der gesamten Insel Fläche. Da aktuell Mitte Oktober ist, ist die aktive Erntesaison für dieses Jahr leider bereits vorbei. Weil die Salzbauern Sonne und hohe Temperaturen zur Verdunstung des Wassers benötigen, ruht die Arbeit in den Becken während der Herbst- und Wintermonate komplett.

Die weite, faszinierende Landschaft der Salzgärten ist frei zugänglich. Zwar stehen keine weißen Salzpyramiden mehr an den Beckenrändern und es wird nicht geerntet, aber die verschlungenen Kanalsysteme und Beckenstrukturen sind gerade im sanften Herbstlicht wunderschön anzusehen und bieten eine tolle Kulisse für ruhige Spaziergänge oder Fahrradtouren, die nicht nur uns sondern auch den Greifvögeln und Reihern gefällt.

Auf autofreien Wegen radeln wir zurück nach L’Herbaudière zum Campingplatz. Uns gelingt eine Punktlandung: kaum sind wir angekommen und haben unsere Einkäufe verstaut, fängt es an zu regnen. Ein ganz feiner, ganz heftiger Regen fällt wie aus einer Regendusche. Wir trinken Kaffee und machen ein Nachmittagsschläfchen. Es ist windig geworden, doch der Wind hat den Regen vertrieben. Himmel und Meer sind zu einem einfarbigen Grau verschmolzen.


Der Sonnenuntergang fällt heute aus, aber wir dürfen uns auf morgen freuen: Sonne pur den ganzen Tag verspricht der Wetterbericht.
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