Das Schloss Montsoreau ist das einzige Schloss des Loiretals, das direkt im Flussbett der Loire errichtet wurde, und gilt als eines der frühesten Beispiele der Renaissance-Architektur in Frankreich. Aber ach, wir sind viel zu spät! Denn es stand nur bis zum Jahr 1820 direkt im Flussbett der Loire. Dann wurde der Fluss an dieser Stelle gezielt zurückgedrängt, um Platz für den Bau einer Uferstraße zu schaffen. Zuvor floss das Wasser der Loire direkt um das Fundament des Schlosses herum, weshalb es bis heute als das einzige direkt im Flussbett erbaute Loireschloss gilt.

Seit 2016 beherbergt das Schloss das Château de Montsoreau – Museum für zeitgenössische Kunst. Der französische Kunstsammler Philippe Méaille stellte dafür seine private Sammlung zur Verfügung. Es beherbergt die weltweit größte Sammlung von Werken der avantgardistischen Künstlerbewegung Art & Language, bei der Sprache als zentrales Material der Kunstwerke genutzt wird.
Die 12 Euro Eintrittsgeld sparen wir uns heute, so dass wir über den Museumsladen nicht hinauskommen.

Von Montsoreau aus ist es nur ein Katzensprung nach Candes St. Martin, welches zu den „plus beau Village de France“ also den schönsten Dörfern im ganzen Land zählt.
Die Sängerin Geneviève Joy und der Komponist Henri Dutilleux haben vor ihrem Haus einen Garten gestaltet mit 62 verschiedenen Rosenstöcken, die der Musik gewidmet sind, von den Bremer Musikanten über Edith Piaf bis hin zu den Vier Jahreszeiten.

Der Name Candes leitet sich vom keltischen Wort Condate ab, was schlicht „Zusammenfluss“ bedeutet. Hier mündet die fischreiche und naturbelassene Vienne in die breite, mächtige Loire.
Wir folgen im Dorf den Schildern zum „Panorama“. Ein kurzer, etwa zehnminütiger Spaziergang führt uns auf die Spitze des Hügels über dem Dorf. Von dort oben öffnet sich der Blick auf den Zusammenfluss der beiden Gewässer, die wandernden Sandbänke und die unberührten Flussinseln. Die Bäume am Steilufer sind in den Himmel gewachsen und nehmen uns leider die Sicht auf die beiden Flüsse. Gut, dass Achim seine Drohne dabei hat.

Wer hätte gedacht, dass weltberühmte Meisterwerke von Auguste Rodin mitten in der idyllischen Natur der Touraine zu finden sind? Davon haben wir vor ein paar Tagen gelesen, das wollen wir uns jetzt anschauen.
Fünf Kilometer von uns entfernt liegt das 2003 gegründete Musée du Véron. Hier hat man es geschafft, internationale Hochkultur und regionale Identität erfolgreich zusammenzubringen. Das Museum zeigt mit seiner aktuellen Saison und der Kooperation mit dem nationalen Musée Rodin aus Paris, wie moderne Museumsarbeit abseits der Metropolen funktioniert.
In der temporären Ausstellung „FAIRE MONDE #3 avec Rodin“ treffen die ausdrucksstarken Bronzen des französischen Bildhauers wie „Der Kuss“ und „Der Denker“ auf Exponate aus der ganzen Welt: traditionelle Objekte, archäologische und Kunstwerke.

Das letzte Mal, als ich mit meiner Rodinschen Namensschwester zusammengetroffen bin, waren wir im Folkwang Museum in Essen. Damals habe ich mich mit ihr in Positur gestellt. Heute sind es Achim und Eva.

Hier im Museum treffen Frauen aus Afrika auf Heilige aus Europa.


Hier hängt ein Dürer neben einem Debré. Das ist der, in dessen Museum wir neulich in Tours waren, aber gar keins seiner Bilder sehen konnten.


Das Thema des Museums ist breit gefächert, die Exponate entsprechend vielfältig: wie Menschen in verschiedenen Regionen der Welt (Europa, Afrika, Ozeanien) und zu verschiedenen Zeiten mit ihrer Umwelt leben und diese gestalten.
Wir gestalten als nächstes unseren frühen Abend. In einem kleinen Dorf an der Loire gibt es ein entzückendes Lokal, in dem man fast mit den Füßen im Wasser sitzt. Wir genehmigen uns einen hiesigen Weißwein, während der Akku meines Fahrrads gleich nebenan für morgen fit gemacht wird.


