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Zweiter Tag auf dem Loire-Radweg: zum Wein

Heute führt uns der Loire-Radweg als erstes nach La Charité-sur-Loire, der „Stadt des Buches“. Sie trägt diesen Titel („Ville du Livre“) seit dem Jahr 2000, weil sich dort im historischen Zentrum zahlreiche Antiquariate, Buchhandlungen, Druckereien und Buchbinder angesiedelt haben.

Das Projekt wurde gestartet, um die historische Altstadt kulturell und wirtschaftlich neu zu beleben. Neben dem Verkauf von alten und gebrauchten Büchern zeigen Kalligrafen, Buchbinder und Illustratoren ihre Arbeit vor Ort. Es gibt regelmäßig Märkte, literarische Veranstaltungen und Workshops, was die Stadt zu einem lebendigen Treffpunkt für Bücherfreunde macht.

Schon wenige Kilometer nach der Stadt führt uns der Radweg durch das Naturschutzgebiet Val de Loire. Hier zeigt die Loire ihren ganzen Charakter: Mal erodiert sie die Ufer, mal lagert sie Sand ab und schafft so eine Insel, die sie an anderer Stelle wieder wegspült. Sie breitet ihre zahlreichen Arme aus und umarmt hier Inseln mit üppiger Vegetation, dort goldene Sandbänke.

Seit 1995 steht dieser Abschnitt des Flusses unter Naturschutz, um die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zu schützen.

Gerade zeigt der Tacho 40 Kilometer auf dem Tageszähler, da tauchen die ersten Weinberge auf, es fallen die ersten Regentropfen und Achim ruft von hinten: „Du hast einen Platten!“ Doch ich scheine Glück zu haben, denn nachdem wir den Reifen aufgepumpt haben, bringt mich mein Rad problemlos hoch ins Dorf zur Mittagspause.

Sancerre gilt weltweit als der Inbegriff und die Referenz für hochwertigen Sauvignon Blanc. Die Bekanntheit und der Status sorgen für eine stabile Nachfrage bei Weinkennern.

Die Appellation (das geschützte Herkunftsgebiet) an der Loire ist geografisch streng limitiert. Es kann nicht unendlich viel Sancerre produziert werden. Um die hohe Qualität, Frische und Mineralität zu sichern, gibt es strenge Vorgaben für die Höchsterträge pro Hektar. Viele Winzer reduzieren die Erntemenge freiwillig, um noch konzentriertere Aromen zu erzielen.

Die steilen Lagen und die unterschiedlichen Bodenarten (Kalkstein, Mergel oder Feuerstein) erfordern viel manuelle Arbeit im Weinberg.

Das Dorf selbst thront auf einem etwa 300 Meter hohen Felsen  und überragt das Tal der Loire sowie endlose Weinberge.  Im Jahr 2021 wurde der Ort zum „Lieblingsort der Franzosen“ (Village préféré des Français) gewählt und 2022 in den Kreis der schönsten Dörfer Frankreichs aufgenommen. Enge, verwinkelte Gassen, alte Steinhäuser und historische Plätze prägen das Bild des historischen Zentrums.

In der Taverne du Connétable kosten wir ein Glas Sancerre und den Ziegenkäse Crottin de Chavignol, der im Nachbarort hergestellt wird. Er bildet – so die Eigenwerbung – das weltberühmte, perfekte Duo mit dem weißen Sancerre-Wein. Bestens gestärkt treten wir den Heimweg an.

Das Wetter hãlt genauso wie die Luft im Reifen und nach insgesamt 85 Kilometern sind wir am frühen Abend wieder zurück am Bus. Bei der als Andenken aus Sancerre mitgebrachten Flasche lassen wir den Tag noch einmal auf der Zunge zergehen, während nebenan wieder die Akkus laden.