Das Médoc ist die Heimat von einigen der teuersten und besten Rotweine der ganzen Welt.
Die Geschichte des hiesigen Weinbaus beginnt vor vielen Jahrhunderten. Früher war die Halbinsel zwischen Atlantik und Gironde vor allem ein sumpfiges und nasses Land. Im 17. Jahrhundert kamen Ingenieure aus Holland, die Kanäle bauten und den Boden entwässerten.

Eine der spannendsten Geschichten aus dem Médoc führt uns in das Jahr 1855. Damals gab es in Paris eine große Weltausstellung. Der damalige Kaiser Napoléon der Dritte wollte den Gästen die besten Weine Frankreichs präsentieren. Deshalb teilten Experten die Weingüter des Médoc in fünf Klassen ein. Die allerbesten Güter bekamen den Titel „Premier Cru“, was so viel wie „Erste Klasse“ bedeutet. Diese berühmte Liste gilt fast unverändert bis heute.

Wenn man durch das Médoc fährt, sieht man überall wunderschöne, alte Weingüter, die man hier „Châteaux“ nennt. In diesen prachtvollen Kellern reifen die edlen Tropfen oft viele Monate in Holzfässern, bis sie perfekt schmecken.

Wir sind noch nicht lange unterwegs, als wir auf ein prächtiges Tor stoßen, weit geöffnet, auf dem Schild steht „Ouvert“, offen, und „Dégustation“, Verkostung. Wir folgen der Einladung und sind kurz darauf mit Madame Sylvain vom Château Lanessan in den Weinbergen und der Kellerei unterwegs. Bestens informiert gibt sie ihr Wissen charmant an uns weiter und wir erfahren zum Beispiel, dass der Boden hier einen ganz besonderen Schatz birgt: Kiesel. Diese kleinen, runden Steine speichern tagsüber die Wärme der Sonne und geben sie nachts an die Pflanzen ab.

Wir lernen, dass die Wurzeln der Weinreben sich durch diesen steinigen Boden kämpfen müssen, was den Trauben ihren einzigartigen, kräftigen Geschmack verleiht, und dass sie teils 20 bis 30 Meter tief wurzeln.

Wer einen echten Médoc-Wein trinkt, schmeckt die Natur der Region. Die Winzer mischen meistens verschiedene Rebsorten zusammen. Die wichtigste Sorte heißt Cabernet Sauvignon. Sie bringt Struktur, dunkle Farbe und den Geschmack von schwarzen Johannisbeeren in das Glas. Dazu kommt die Merlot-Traube, die den Wein weich und samtig macht und ein Spritzer Petit Verdot, um dem Wein mehr Stärke und Langlebigkeit zu geben. Ein echter Médoc-Wein schmeckt in der Jugend oft kräftig und ein wenig herb, aber mit den Jahren wird er im Keller immer besser, runder und wertvoller.
Davon dürfen wir uns bei der anschließenden Verkostung selbst überzeugen. Die Flaschen, von denen wir probieren, sind elf und 15 Jahre alt.

Alkohol ist auch enthalten. Gut, dass es einen Picknickbereich auf dem Gelände gibt und gut, dass wir auch eins in unseren Satteltaschen haben.

Jetzt können wir wieder in die Pedale treten und weitere Châteaux und Weinberge bestaunen. Es nimmt und nimmt kein Ende. Sie sind mal prächtig, mal einfacher, hinter nahezu jeder Kurve weist ein Schild auf ein Weingut hin.



Eine eigene Welt, eine andere Welt. Es ist spannend, einen kleinen Blick dort hineinzuwerfen.
