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Im grünen Venedig

Grünes Venedig. Französischer Spreewald. Offiziell:  Marais Poitevin, das zweitgrößte Feuchtgebiet Frankreichs (nach der Camargue). Ursprünglich war die Region nordöstlich von La Rochelle eine vom Atlantik überflutete Bucht. Im Mittelalter begannen Benediktinermönche damit, das Land durch das Ausheben von Kanälen und den Bau von Deichen urbar zu machen.

Heute teilt sich die Landschaft in drei Zonen: das maritime Sumpfland an der Küste, die trockengelegten Sümpfe und das berühmte feuchte Sumpfland (Marais Mouillé). Letzteres bildet das eigentliche Grüne Venedig: Ein über 8.000 Kilometer langes Netz aus schattigen Kanälen, die von uralten Eschen, Weiden und Pappeln gesäumt werden. Als ich das vor ein paar Tagen gelesen habe, fiel mir unsere gute Zeit im Spreewald ein und meine Neugier war geweckt.

Mittendrin, in Coulon, liegt unser kleiner Campingplatz, auf dem wir heute Zuwachs bekommen. Unsere Freunde Dorothee und Alain, mit denen wir bereits Marokko, Sűditalien, die Türkei und Georgien bereist haben, stoßen heute zu uns. Gut, dass der Saumur für heute Abend kalt gestellt ist.

Coulon gilt als heimliche Hauptstadt des Grünen Venedigs und ist ein malerisches Dorf, das sich langgezogen an das nördliche Ufer des Flusses Sèvre Niortaise schmiegt.

Die Lebensader des Dorfes ist die baumbestandene Uferpromenade am Quai Louis Tardy. Hier befinden sich die traditionellen Bootsanleger, an denen die flachen, typischen Holzboote im Wasser schaukeln, während die tief herabhängenden Äste großer Trauerweiden die Wasseroberfläche berühren.

Abseits des Wassers verzweigt sich das Dorf in ein ruhiges Netz aus verkehrsberuhigten Pflastergassen. Das Zentrum bildet der behagliche Platz rund um die geschichtsträchtige Kirche Sainte-Trinité, die vor allem durch ihre seltene, offene Außenkanzel auffällt.

Wir machen nach dem Kaffee eine kleine Schnupperfahrt mit den Rädern, ehe wir es uns im Bus gemütlich machen. Heizung an, draußen ist es kalt geworden. Der Saumur ist es schon.