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13. Tag auf dem Loire-Radweg: Sprung Richtung Mündung

So sehr wir die vergangenen Tage auch genossen haben, nun steht uns der Sinn nach einem Szenenwechsel. Wir bleiben der Loire zwar noch treu, überspringen jetzt aber mal ein größeres Stück und kommen damit der Mündung der Loire in den Atlantik um 180 Kilometer näher.

Angekommen im Département Loire-Atlantique beginnt unser Nachmittag am Canal de la Martinière im kleinen Ort Le Pellerin.

Hier überrascht uns das Kunstwerk des österreichischen Künstlers Erwin Wurm aus dem Jahr 2007.  Die Skulptur Misconceivable zeigt ein umgebautes etwa neun Meter langes Segelboot, dessen Bug in einem absurden Winkel nach unten in Richtung Wasser geknickt ist. Wurm spielt mit der Frage, ob Objekte eine Seele haben und den Gesetzen der Physik oder Gedankenwelt nachgeben können.

Die Skulptur ist Teil eines Kunstpfades, der sich zwischen Nantes und der Mündung der Loire im Atlantik erstreckt. Estuaire, Mündung, wird er genannt und wurde 2007 vom französischen Kultur-Manager Jean Blaise gemeinsam mit der Kultur-Organisation Le Voyage à Nantes im Rahmen eines Kunstfestivals ins Leben gerufen. Mittlerweile umfasst der Kunstpfad über 30 dauerhafte, großformatige Objekte, von denen wir uns in den nächsten Tagen noch ein paar anschauen werden.

Der Quai am Ufer der Loire lädt zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Auf der einen Seite reihen sich charaktervolle alte Häuser aneinander, auf der anderen Seite fließt majestätisch die Loire. Die Brise ist frisch, der Blick weit. Es ist das erste Mal, dass wir die Loire mit so viel Wasser und Tempo sehen. Die Nähe zum Meer mit seinen Gezeiten macht sich bemerkbar. Es sind nur noch 40 Kilometer bis zur Mündung in Saint Nazaire.

Die Bac de Loire ist eine kostenlose Autofähre, die  den Ort mit Couëron auf der gegenüberliegenden Flussseite verbindet. Selbst ohne Auto lohnt sich das Einsteigen: Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, bietet aber eine schöne Perspektive auf das Wasser und den Ort. Der Bootsfahrer ist ein Könner, der elegant die Strömung ausnutzt und von einem Ufer zum andern slidet.

Direkt am Fähranleger gegenüber finden wir das charmante Bistro von Krystel Druais – die Wirtin ist im Buch zum Kunstparcours verewigt. Bunte Tische und Stühle, Kaffeesäcke, die von der Decke hängen und eine Schar Ricard trinkender älterer Männer sorgen für Lokalkolorit.

Wir gesellen uns auf ein Glas dazu, ehe wir mit Fähre und per Pedes den Heimweg antreten. Zuhause wartet eine Spezialität auf uns. Damit meine ich nicht die Linsensuppe, die es zum Abendessen geben wird, sondern den Saumur, den wir heute tatsächlich ergattert haben, DEN Schaumwein aus der gleichnamigen Stadt. Santé!