Der Lac de Carcans-Hourtin im Südwesten des Médoc ist nicht nur der größte natürliche Süßwassersee des Landes, seine Umrundung mit dem Rad ist auch eine Verlockung für uns. Unsere Tour startet im gemütlichen Hafenort Hourtin-Port, wo wir auch die Vans in der Nähe des Hafens parken.
Die ersten Kilometer führen uns in die lichten Seekiefernwälder. Die Sonne scheint und es riecht intensiv nach Harz und Waldboden. Auf dem Asphalt radeln wir schnell dahin. Vom See ist bisher noch nichts zu sehen. Ein Uferweg ist diese Route beileibe nicht.
Nach zehn Kilometern trennen sich die Wege unseres Vierter-Teams: Achim hat auf google maps ein Loch entdeckt. Dem will er nachspüren Leider kommt man nur über einen Sandweg dorthin. Deshalb steuern unsere Freunde schon mal den nächsten Ort an in der Hoffnung, ein Café zu finden und ich setze mich an den Wegesrand, blogge und warte auf meinen Liebsten. Mal sehen, ob ich auch das Loch sehe und ich es Euch zeigen kann. Nein, ich finde nichts, also müssen wir uns gedulden, bis Achim zurückkommt und das Rätsel löst. Ich fahre jetzt auch schon mal weiter Richtung Kaffee.

Bald treffen wir uns alle wieder, der Kaffee ist gut und Achims Entdeckung interessant. Zuerst bitte ich ihn, mir auf google maps zu zeigen, was er da gesehen hatte (und ich nicht). Voilà. Seht Ihr das Loch?

Achims Drohnenfoto der Situation vor Ort sieht so aus:

Ein etwa 20m breites von Menschenhand geschaffenes Wasserloch? Über seinen Zweck können wir nur spekulieren: ein Reservoir für Löschwasser? Dazu sieht es etwas zu klein aus. Dann vielleicht eins zur Bewässerung? Oder doch eine natürliche Bodenabsenkung? Wie auch immer: Im Hintergrund ist der See zu sehen. Immerhin.
Bis wir ihn in echt sehen, sind wir schon 20 Kilometer gefahren. Und auch dann trennt uns noch ein Schilfgürtel von ein paar hundert Metern. Aber dann, nach weiteren zwei Kilometern kommen wir endlich ans Wasser.

Ein schöner Platz für die Mittagspause. Hier können wir uns auch von dem Schreck erholen, dass vorhin vorm Café alle vier Räder wie die Dominosteine durch eine Windböe umgekippt sind. Dem nagelneuen Rad von Achim ist dabei der Seitenständer abgebrochen.
Jetzt führt der Radweg mal ein Stück am Ufer entlang. So ein herrlicher Sandstrand! Wenn Sommer wäre…

Da es aber Herbst ist und wir bald wieder abtauchen in den Wald, botanisieren wir ein bisschen. Ich hatte neulich davon gelesen, dass es hier eine Pflanze gibt, die gleichzeitig Blüten und Früchte trägt. Und siehe da, hier wächst sie. En masse.

Wir googeln mal wieder und finden heraus, dass es sich um den Westlichen Erdbeerbaum handelt. Dieses immergrüne Gehölz prägt neben den charakteristischen Seekiefern die Untervegetation und die Küstenwälder der Region. Die Blüten, die sich im Herbst öffnen, benötigen fast ein ganzes Jahr, um vollständig auszureifen. Dadurch hängen im darauffolgenden Herbst die reifen, leuchtend roten und stacheligen Beerenfrüchte des Vorjahres direkt neben den neuen, glockenförmigen weißen Blütenketten am selben Ast. Kann man die Früchte essen? Man kann. Wir auch. Nun aber genug für heute mit der Reihe „Jugend forscht“.
Wir fahren nach Hause und ich mache etwas Praktisches: Kochen. Heute gibt es mal ganz unfranzösisch Spaghetti con sugo. Trotzdem: Bon appetit!

