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Neunter Tag auf dem Loire-Radweg: zu Leonardo da Vinci in Amboise

Zu den Schlössern der Loire zählen über 400 Schlossanlagen. Hier entstand vom Mittelalter an eine einmalige Ansammlung von Burgen und Schlössern aus allen Epochen der europäischen Kunstgeschichte. Wegen der Schönheit des Tales ließ sich der Adel bevorzugt an der Loire nieder, die Feudalherren hielten hier Hof. Im 15. und 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der Loire-Könige, trug sich hier ein Großteil der französischen Politik zu, so dass Paris zeitweise provinziellen Charakter annahm.

Heute stehen vier weitere dieser Schlösser auf unserem Programm, die wir allesamt wieder über den Loire-Radweg erreichen.

Auf das erste stoßen wir bereits nach zehn Kilometern in Montlouis-sur-Loire.

Das Château de la Bourdaisière ist ein Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert. Berühmt ist es nicht nur für seine Architektur sondern auch für seine Gärten: Weltweit einzigartig wachsen hier im sogenannten Nationalen Tomatenkonservatorium rund 700 historische und seltene Tomatensorten in allen Formen und Farben.

Auch wenn jetzt im Oktober die Hochsaison der Pflanze vorbei ist, hängen immer noch erstaunlich viele an ihren Sträuchern. Leider auch ein Schild, das uns bittet, sie nicht zu pflücken. Gut, dass eine zum Probieren auf dem Boden liegt.

Genau zur richtigen Zeit sind wir im Garten nebenan: Der prachtvolle Dahliengarten des Schlosses, bekannt unter dem Namen „Dahliacolor“, wurde vom berühmten Landschaftsarchitekten Louis Benech entworfen und ist ein echtes Farbspektakel. Der zeitgenössische Garten beheimatet mehr als 5.000 Knollen und 400 Dahliensorten Die Beete sind kunstvoll nach Farben sortiert, sodass sie wie leuchtende Pinselstriche in der Landschaft wirken.

Hoch über der Loire fahren wir durch die Weinberge weiter Richtung Amboise.

Um zum ehemaligen Schloss Chanteloup zu gelangen, müssen wir Ab- und Umwege fahren. Wir fragen einen Einheimischen nach dem Weg. „Willst Du zahlen oder nur schauen?“ Nur schauen. „Dann nach 200 Metern links abbiegen und weiter durch den Wald“. Klappt perfekt. Merci!

Die 44 Meter hohe Pagode ist das Einzige, was vom früher prächtigen Schloss Chanteloup übrig geblieben ist. 1823 wurde es von Spekulanten erworben und komplett abgerissen. Den Turm im damals beliebten asiatischen Stil ließ der Herzog von Choiseul bauen. Er wurde aus nicht bekannten Gründen verschont.

Nach Amboise sind es von hier aus nur noch ein paar Kilometer.

Majestätisch thront das Königsschloss auf einem Felsplateau, rund 40 Meter hoch über der träge dahinfließenden Loire.

Es beherbergt zudem die wunderschöne, spätgotische Chapelle Saint-Hubert. Hier befindet sich das Grab von Leonardo da Vinci.

Jetzt brauchen wir aber erstmal eine Pause. In der Patisserie gleich nebenan gibt es die Tarte Tatin, eine Apfelkuchenspezialität der Region. Seit Tagen schon möchte ich sie probieren, heute klappt es endlich.

Dann brechen wir auf, um unser viertes und für heute letztes Schloss zu besichtigen. Es ist ein schöner Weg durch die Altstadt, vorbei an in den Fels gebauten kleine Wohnungen.

Zehn Minuten später sind wir da. Auf dem Schloss Clos-Lucé quartierte König François I. (der mit dem Faible für Wendeltreppen) 1516 Leonardo da Vinci ein. Das Universalgenie aus Italien brachte sein wohl berühmtestes Gemälde, die Mona Lisa, mit nach Frankreich. Auf Le Clos-Lucé konstruierte er bis zu seinem Tod 1519 zahlreiche Maschinen.

Vorhin im Tomatengarten von Schloss Bourdaisière hat Achim diese Rose entdeckt.

Jeder Tag bringt neue Überraschungen. Heute war für uns der Tag voll davon.