Chambord, das Meisterwerk der Renaissance, liegt nicht direkt an der Loire. Aber wenn man hier in der Nähe ist, muss man es sich unbedingt anschauen. Es gilt als eines der berühmtesten Schlösser der Welt.
Wir fahren erneut ein Stück mit dem Bus, bis wir zu unserem Stellplatz in dem kleinen Ort Tour-en Sologne kommen. Von hier aus geht es weiter mit den Rädern.

Schon die Anfahrt ist spektakulär. Das Schloss liegt mitten in einem riesigen, von einer 32 Kilometer langen Mauer umgebenen Waldgebiet – dem größten geschlossenen Park Europas. Plötzlich bricht die Allee auf und da steht es: ein steinernes Märchen mit Hunderten von Türmen, Schornsteinen und Dachfenstern, die wie eine majestätische Silhouette in den Himmel ragen.

König François I. ließ dieses Jagdschloss ab 1519 erbauen, um seinen Reichtum und seine Macht zu demonstrieren. Wenn er von Paris mit seinem Tross hierher zog, waren in seinem Gefolge 15 000 Menschen und 12 000 Pferde.

Sobald man das Innere des Schlosses betritt, zieht einen das Herzstück der Architektur magisch an: die berühmte Doppelwendeltreppe. Es wird stark vermutet, dass kein Geringerer als Leonardo da Vinci seine Finger beim Entwurf im Spiel hatte.

Das Faszinierende daran: Die Treppe besteht aus zwei ineinander verschlungenen Spiralen. Zwei Menschen können gleichzeitig hinauf- oder herabsteigen, ohne sich jemals zu begegnen, obwohl sie sich durch Fensteröffnungen sehen können. Ein Spaß, den wir natürlich selbst ausprobieren mussten.

Die Wendeltreppe führt uns ganz nach oben auf die Dachterrasse.

Wenn man hier oben zwischen den kunstvoll verzierten Schornsteinen und Gauben steht, fühlt man sich wie in einer eigenen kleinen Stadt über den Dächern. Von hier aus bietet sich ein grandioser Rundumblick über die französischen Gärten und die endlosen Wälder des Jagdgebiets.

Wir gehen wieder nach unten, denn das Diner ist angerichtet.

Danach ist es Zeit für einen Theaterbesuch. Es heißt, dass die Uraufführung von Molières „Der Bürger als Edelmann“ hier vor König Ludwig XIV. und seinem Hofstaat stattgefunden hat.

Nach so viel Kunst und Geschichte tut ein bisschen frische Luft gut. Die im barocken Stil rekonstruierten Gärten direkt vor dem Schloss sind geometrische Meisterwerke.

Sehr beeindruckt radeln wir am Abend wieder nach Hause. Unglaublich, was die Menschen sich alles so einfallen lassen.

