Vierter Tag auf dem Loire-Radweg: zum Museum der schönen Künste in Orléans

Auf unserem Campingplatz wird das Brot erst um Neun geliefert. Da trifft es sich gut, dass ich heute eh bis kurz nach Acht schlafe und mal wieder Frühgymnastik mit Gabi Fastner auf Youtube mache. Das Frühstück nehmen wir bei knackigen 11 Grad im Freien ein.

Währenddessen lese ich nach, was das mit der Jungfrau von Orléans auf sich hatte, schließlich wollen wir heute dorthin. Die Details weiß ich nicht mehr. Aber beim zweiten Kaffee kann man gut recherchieren:

  • Jeanne d’Arc wurde als Bauerstochter in dem kleinen Dorf Domrémy in Lothringen geboren.
  • Ab ihrem 13. Lebensjahr hörte sie Stimmen von Heiligen und Engeln, die ihr auftrugen, Frankreich von der englischen Besatzung zu befreien und den Thronfolger Karl VII. zum König zu krönen.
  • In Männerkleidung überzeugte sie den französischen Hof, zog in den Kampf und brach 1429 die englische Belagerung der Stadt Orléans in kürzester Zeit auf.
  • Kurz darauf führte sie Karl VII. zur feierlichen Königskrönung in die Kathedrale von Reims.
  • Im Jahr 1430 wurde sie von den mit England verbündeten Burgundern gefangen genommen und an die Engländer ausgeliefert.
  • Ein kirchliches Gericht verurteilte sie als Ketzerin und Hexenanhängerin (unter anderem wegen des Tragens von Männerkleidung). Am 30. Mai 1431 wurde die erst ca. 19-jährige Jeanne d’Arc in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
  • In einem späteren Prozess wurde ihr Urteil offiziell aufgehoben. Im Jahr 1920 sprach die katholische Kirche sie heilig. Heute gilt sie als Schutzpatronin Frankreichs und universales Symbol für Mut und Freiheitskampf.

Orléans ist nur 23 Kilometer entfernt und der Loire-Radweg bringt uns problemlos ins Herz der Stadt zur Kathedrale Sainte-Croix. Dieses gotische Meisterwerk ist schlichtweg atemberaubend. Wenn die Sonne durch die riesigen, farbenfrohen Buntglasfenster bricht, die die Lebensgeschichte der Jungfrau von Orléans erzählen, herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre.

Draußen nehmen wir uns Zeit, die filigranen Details der Fassade zu bewundern, die sogar die Ausmaße von Notre-Dame in Paris übertreffen.

Nach dem Dombesuch schlendern wir die Rue Jeanne d’Arc hinunter, die einen direkten Blick auf die Kathedrale bietet und das perfekte Fotomotiv parat hält.

Von hier aus biegen wir ab in das historische Zentrum. Orléans hat in den letzten Jahren seine Altstadt wunderschön restauriert. Deshalb sind die Häuser auch bewohnt. Unten gibt es Läden, Cafés und Restaurants. Einheimische und Touristen sind unterwegs oder sitzen in den Lokalen.

Zum Mittagessen zieht es uns auf den Place du Martroi, den lebendigen Hauptplatz der Stadt. In der Mitte thront das imposante Reiterstandbild von Jeanne d’Arc. Der Platz ist von Cafés und Restaurants gesäumt.

Wir suchen uns einen Tisch im Außenbereich eines typischen Bistros. Was gibt es zu essen? Ein Formule gourmande mit herzhaften und süßen Leckereien.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Musée des Beaux-Arts, das nur wenige Schritte von der Kathedrale entfernt liegt. Es gehört zu den ältesten und reichsten Kunstmuseen Frankreichs.

Von Meisterwerken aus der Renaissance über beeindruckende Pastellgemälde bis hin zu moderner Kunst gibt es hier auf mehreren Etagen viel zu entdecken.

Von der Decke hängende Klangstäbe wecken Erinnerungen an eine großartige Installation, die wir im Spoerri-Garten in Süditalien gesehen haben.

Und tatsächlich, auch diese hier ist von Jesús Rafael Soto, einem der europäischen Protagonisten für kinetische Kunst.

Danach zieht es uns ans Wasser. Die Loire prägt das Stadtbild maßgeblich. Wir spazieren entlang der Quais de Loire. Früher ein geschäftiger Binnenhafen, ist das Ufer heute eine grüne Oase der Erholung. Einheimische joggen, fahren Fahrrad oder sitzen einfach mit einem Buch in der Sonne.

Wir überqueren die Pont George V, die älteste Brücke der Stadt, und genießen den fantastischen Panoramablick auf die Silhouette von Orléans mit den Spitzen der Kathedrale, die sich im Wasser spiegeln.

Wenn der Spätnachmittag in den Abend übergeht, gibt es in Orléans einen festen Anlaufpunkt: die Guinguettes. Diese traditionellen Open-Air-Lokale direkt am Flussufer erwachen im Sommer zum Leben. Bei Lichterketten, Live-Musik und einem kühlen Getränk spürt man das französische „Savoir-vivre“, die Kunst, das Leben zu genießen, ganz intensiv.

Nicht weitersagen: wir Bayern haben dafür unsere Biergärten. Das funktioniert genauso gut.


Entdecke mehr von Hin und weg

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar