Heute Vormittag genießen wir es, alles mal ganz langsam zu machen. Frühstücken, Lesen, Duschen. Der Campingplatz leert sich indessen und gegen Mittag stehen wir hier, gut verteilt, nur noch zu Fünft. Gerade wollen wir auf unsere Räder steigen, als es anfängt zu regnen. Macht nichts. Im Camper ist es gemütlich und nach Tours, das wir uns heute anschauen wollen, ist es nur ein Katzensprung.
Als der Regen aufhört, fahren wir los und freuen uns, dass es fast durchgängig Radwege gibt, auf denen wir ins Zentrum gelangen. Dort angekommen wird es noch besser. Sehr viele Straßen sind Fahrradstraßen, die auch von Autos benutzt werden DÜRFEN und mir als Radfahrerin das Gefühl geben, hier in Ruhe und recht sicher fahren zu dürfen. Großartig!

Unser Nachmittag beginnt beim unübersehbaren Wahrzeichen der Stadt: der Kathedrale Saint-Gatien. Die gewaltige, spätgotische Fassade wirkt wie aus Stein gemeißelte Spitze und ein Blick ins Innere lohnt sich allein wegen der leuchtenden Buntglasfenster aus dem 13. Jahrhundert.


Szenenwechsel: Nur fünf Minuten Fußweg von der Kathedrale entfernt wartet ein radikaler, faszinierender Stilbruch. Das Centre de Création Contemporaine Olivier Debré ( CCC OD) setzt mit seiner lichtdurchfluteten, weißen Architektur einen modernen Akzent im historischen Zentrum.
Das vom portugiesischen Architekturbüro Aires Mateus entworfene, hochmoderne Gebäude bietet auf 4.500 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst.

Die Ausstellung „L’idée des corps célestes“ (auf Deutsch: Die Idee der Himmelskörper) zeigt moderne Kunstwerke, die sich um den Weltraum, Sterne und Bewegung drehen.
Sie erinnert an den amerikanischen Künstler Alexander Calder. Er gilt als Erfinder der Mobiles. Sieben KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern zeigen hier ihre eigenen Ideen dazu. Sie spielen in ihren Kunstwerken mit Licht, Bewegung, Gleichgewicht und Schwerkraft. Schöne Beispiele zeigen zwei Videos von Achim:
„Là où les organes oragent“ von Laura Bottereau und Marine Fiquet ist die zweite aktuelle Sonderausstellung. Auf Deutsch bedeutet der Titel ungefähr: „Dort, wo die Organe stürmen“.
Skulpturen, Zeichnungen, Videos und Gedichte zeigen die Auseinandersetzung der beiden jungen Künstlerinnen mit dem weiblichen Körper und seiner Rolle in der Kunst.


Nach so viel Moderne tauchen wir wieder in die Geschichte ein. Der Regen, der sich während unseres Museumsbesuchs breit gemacht hat, hört langsam auf und wir radeln gemütlich westwärts in die historische Altstadt. Die kopfsteingepflasterten Gassen sind gesäumt von windschiefen, wunderschön restaurierten Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter. Auf dem Weg passieren wir das prachtvolle Renaissance-Palais Hôtel Goüin und die monumentale Basilika Saint-Martin.

Zum Ausklang des Nachmittags zieht es uns dorthin, wo das Herz der Stadt schlägt: auf die Place Plumereau. Dieser komplett verkehrsberuhigte Platz ist weltberühmt für seine dichte Kulisse aus mittelalterlichen Häusern und unzähligen Café-Terrassen.

Einen Ricard und einen Sauvignon blanc später nutzen wir eine weitere Regenpause, um trocken nach Hause zu kommen. Die gute Nachricht: morgen soll wieder die Sonne scheinen.
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