Im Zickzack über die Île d’Oléron und weiter nach Royan

Wie man so schönes Wetter bei Regen haben kann. Unglaublich. Heute ist der vierte von fünf angekündigten Regentagen und erneut scheint die Sonne. Da es auch nicht mehr windet, steigen wir auf die Räder, um den südlichen Teil der Île d’Oléron zu erkunden.

Wir lassen die bunten Hütten von Château d’Oléron hinter uns und folgen den gut beschilderten Radwegen vom Wattenmeer auf die andere Seite der Insel ans offene Meer nach Le Grand-Village-Plage im Südwesten zu den ebenfalls (nicht ganz so) bunten Häuschen.

Einmal tief durchatmen, bitte, und die Lungen mit Seeluft füllen. Den Blick zum Horizont schweifen lassen, dahinter ist Kanada.

Durchs Landesinnere geht es wieder zurück auf die andere Seite der Insel. Unterwegs machen wir in einem gemütlichen Bar Kaffeepause und stoßen auf das stylischste Clo ever: Discobeleuchtung und die Wände voller Schallplatten. Vielleicht könnt Ihr das demnächst auch bei uns zu Hause bewundern.

Die Geschäftigkeit der Dörfer weicht jetzt einer weiten, offenen Landschaft. Wieder einmal führt uns der Weg durchs Marais, die Sumpf- und Marschlandschaft, wo das Land fließend in Kanäle und ehemalige Salzgärten übergeht. 

Entlang des Chenal d’Ors fahren wir vorbei an rustikalen Austernbecken und kehren bei einem der Erzeuger ein. Er hat einen Verkaufsstand am Straßenrand und ein einfaches Lokal dahinter, in dem wir leckere Muscheln essen. Natürlich fällt einem von uns dabei der alte Spruch „Leben wie Gott in Frankreich“ ein.

Mit vollem Bauch und hoch zufrieden fahren wir zum Stellplatz zurück, packen unser Zeug zusammen und verlassen die Insel zu einem weiteren interessanten Ziel etwa eine Stunde südlich.

Royan heißt der Ort. Nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfand sich das Seebad in den 1950er-Jahren völlig neu. Das Ergebnis? Ein einzigartiges Freilichtmuseum des Modernismus direkt am Sandstrand.

Unser Nachmittag beginnt mit einem architektonischen Paukenschlag. Die Kirche Notre-Dame de Royan ist kein gewöhnliches Gotteshaus. Komplett aus Stahlbeton erbaut, ragt ihr majestätischer Turm fast 60 Meter in den Himmel. Sobald man das Innere betritt, verwandelt das einfallende Licht das strenge Grau in ein faszinierendes Farbspiel.

Weil die Nazideutschen 1945 nicht gehen wollten, zerstörten die Alliierten den Ort fast vollständig. Das alte Seebad mit seinen Belle Epoque-Häusern wurde neu konzipiert im Stil der damaligen Architekten-Stars Oscar Niemeyer und Le Corbusier.

Die Pavillon-Reihe gegenüber der Kirche Notre-Dame gehört zu diesem architektonischen Erbe wie die protestantische Kirche, die Markthalle und viele Gebäude mehr.

Schade, hier hätte ich gern mehr Zeit gehabt, alles zu entdecken, aber es wird schon dunkel und wir müssen uns noch einen Schlafplatz für die Nacht suchen.


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